Sanierung des Westbads in München: Hintergründe, Verzögerungen und die Rolle von Bauherren und Planern

Die Sanierung des Münchner Westbads ist ein praxisrelevanter Fallbeispiel für Herausforderungen, die bei Renovierungs- und Sanierungsprojekten in der Baubranche auftreten können. Das Westbad, ein beliebtes Hallenbad im Münchner Westen, war seit Mai 2024 weitgehend geschlossen, um umfangreiche Sanierungsarbeiten durchzuführen. Diese Arbeiten umfassten die Dachabdichtung, den Austausch der Glas-Lichtkuppel und die Installation eines neuen Blitzschutzsystems. Zwar war ursprünglich geplant, die Sanierungsarbeiten bis September 2024 abzuschließen, doch mehrere Faktoren führten zu Verzögerungen, wodurch die Wiedereröffnung auf das Frühjahr 2025 verschoben werden musste.

Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Hintergründe der Sanierung, die Ursachen der Verzögerungen und die Auswirkungen auf Nutzer, Stadtwerke und Kommunen. Zudem werden technische Aspekte, Vorgaben und der aktuelle Stand der Sanierungsarbeiten detailliert beschrieben.

Hintergrund: Funktion und Ausstattung des Westbads

Das Westbad in Pasing ist ein Freizeitbad, das seit seiner Eröffnung im Jahr 1996 als Ort der Erholung und Bewegung beliebt ist. Es verfügt über eine Schwimmhalle mit mehreren Becken, darunter ein Nichtschwimmerbecken, ein 25-Meter-Sportbecken, einen Strömungskanal, zwei Whirlpools und eine 60 Meter lange Wasserrutsche. Die Ausstattung ist darauf ausgelegt, sowohl sportliche Aktivitäten als auch Entspannung zu ermöglichen. Besonders bekannt ist das Westbad für seine umfangreiche Saunalandschaft, die aus mehreren Saunen, Relax-Räumen und Wellnessangeboten besteht.

Ein weiteres Highlight des Bades ist das Freibad, das im Sommer geöffnet ist und in der Dachsanierung nicht umgestaltet wird. Im Jahr 2024 wurde die Freibadsaison sogar verlängert, um die Nutzer des Hallenbads zu entschädigen. Die Saunalandschaft, die traditionell im Eintrittspreis für die Schwimmhalle enthalten war, blieb während der Sanierungsarbeiten geschlossen, da hier ebenfalls Modernisierungsarbeiten stattfanden.

Sanierungsarbeiten: Dachabdichtung, Blitzschutz und Glas-Lichtkuppel

Die Sanierungsarbeiten am Westbad konzentrierten sich vor allem auf drei zentrale Komponenten des Hallenbads:

  1. Dachabdichtung:
    Das Dach des Hallenbads war undicht und musste daher saniert werden. Dachabdichtungen sind entscheidend, um Feuchtigkeit abzuleiten und den Schutzraum für Nutzer zu gewährleisten. Bei der Sanierung wurden Dichtungsmaterialien und Abdichtungstechniken eingesetzt, die langfristig und wirtschaftlich sinnvoll sind.

  2. Glas-Lichtkuppel:
    Die ursprüngliche Glas-Lichtkuppel wurde ausgetauscht. Glasdächer sind bei Hallenbädern beliebt, da sie ein helles und offenes Raumgefühl schaffen. Der Austausch erfolgte wahrscheinlich, um die optische und funktionale Qualität zu verbessern und potenzielle Schadstellen zu beheben.

  3. Blitzschutz:
    Ein neues Blitzschutzsystem wurde installiert, um die Gebäudestruktur und Nutzer vor Schäden durch Blitzeinschläge zu schützen. Blitzschutz ist bei öffentlichen Gebäuden, insbesondere bei Hallenbädern, von zentraler Bedeutung, da sie oft auf offenen Flächen liegen und durch ihre Bauform besonders anfällig sind.

Diese Maßnahmen sind übliche Bestandteile von Sanierungsprojekten in der Baubranche, insbesondere bei öffentlichen Bädern, die nachhaltig genutzt werden müssen.

Ursachen der Verzögerungen

Obwohl die Sanierung ursprünglich bis Mitte September 2024 abgeschlossen werden sollte, verzögerten sich die Arbeiten mehrfach. Die Hauptgründe für die Verzögerung sind in mehreren Quellen detailliert beschrieben:

  1. Materialengpässe und Lieferverzögerungen:
    Laut mehreren Berichten traten Lieferengpässe bei verschiedenen ausführenden Unternehmen auf. Solche Engpässe sind in der Baubranche nicht unüblich und können durch globale Lieferkettenprobleme oder lokale Kapazitätsengpässe verursacht werden.

  2. Regenfälle:
    Starkregen in den Monaten September und Oktober 2024 behinderte die Dachsanierung. Dachabdichtungsarbeiten können nicht bei Nässe durchgeführt werden, da dies die Qualität der Dichtung beeinträchtigt. Daher mussten Arbeiten mehrfach unterbrochen werden.

  3. Neuausschreibung des Auftrags:
    Eine der beteiligten Firmen verursachte zusätzliche Verzögerungen, sodass eine Neuausschreibung des Sanierungsvertrags erforderlich wurde. Dies ist ein schwieriger Prozess, der Zeit und Verwaltungsaufwand in Anspruch nimmt und den ursprünglichen Zeitplan stark beeinträchtigte.

Diese Faktoren führten dazu, dass die Wiedereröffnung des Hallenbads und der Saunabereich nicht wie geplant in der zweiten Septemberhälfte erfolgen konnten. Stattdessen wurde der Termin mehrfach verschoben, bis schließlich im Oktober 2024 feststand, dass die Sanierung bis zum Frühjahr 2025 andauern würde.

Auswirkungen auf Nutzer und Betreiber

Die Verzögerungen bei der Sanierung des Westbads hatten sowohl auf die Nutzer als auch auf die Betreiber erhebliche Auswirkungen:

  1. Nutzerenttäuschung:
    Schwimm- und Saunafans aus dem Münchner Westen und Umgebung standen unter dem Eindruck, dass der geplante Eröffnungstermin nicht eingehalten wird. Insbesondere die Saunalandschaft, die ein zentrales Anziehungspunkt des Westbads darstellt, blieb während der Sanierungsarbeiten geschlossen.

  2. Kompensationsmaßnahmen:
    Als Ausgleich für die Schließung des Hallenbads blieb das Freibad länger geöffnet. Die Öffnungszeiten des Freibads wurden bis Mitte September 2024 verlängert, wodurch Nutzer zumindest eine alternative Nutzungsmöglichkeit hatten.

  3. Betriebskosten und Projektmanagement:
    Die Verzögerungen erhöhten die Kosten für die Stadtwerke München (SWM), da zusätzliche Verwaltungskosten entstanden und Arbeiten nicht planmäßig abgeschlossen werden konnten. Auch die Koordination mit verschiedenen Partnern, wie den ausführenden Firmen, wurde komplexer.

Aktueller Stand der Sanierungsarbeiten (Stand April 2025)

Nach einer mehr als einjährigen Sanierungsphase und zahlreichen Verzögerungen wurde das Westbad am 14. April 2025 nach Abschluss der Dachsanierung wiedereröffnet. Die Schwimmhalle und die Saunainsel sind nun wieder in Betrieb. Allerdings dauert die Modernisierung der Saunalandschaft noch an, weshalb die komplette Wiedereröffnung der Sauna erst in Kürze erfolgen wird. In der Zwischenzeit gilt ein reduzierter Eintrittspreis für die Schwimmhalle.

Die Stadtwerke München haben zudem angekündigt, die Tarifstruktur zu ändern. Die Saunanutzung wird künftig nicht mehr automatisch im Eintrittspreis für die Schwimmhalle enthalten sein. Dies ist das Ergebnis einer Nutzerumfrage, bei der die Mehrheit sich für eine getrennte Preiskalkulation aussprach. Zudem wird die Saunalandschaft künftig zum Textilbereich zählen, was bedeutet, dass Badebekleidung dort Pflicht ist.

Verzögerungen im Vergleich zu anderen Projekten

Im Vergleich zu anderen Sanierungs- und Bauprojekten in München fällt die Sanierung des Westbads aufgrund der mehrfachen Terminverschiebungen auf. Ein ähnliches Projekt war die Sanierung des Bades im Forstenrieder Park, das nicht renoviert, sondern abgerissen werden soll. Laut Berichten weist das Forstenrieder Parkbad nach rund 50 Jahren zu viele bauliche und technische Mängel auf. Es wird daher ab Mitte 2026 abgebaut, nachdem das Gelände auf Munitionsreste untersucht wurde.

Diese beiden Projekte zeigen, dass Sanierungsmaßnahmen an öffentlichen Bädern oft langfristige Planung und Flexibilität erfordern. Während das Westbad umfassend saniert wird, ist das Forstenrieder Parkbad aufgrund von altersbedingten Schäden nicht mehr sanierungsfähig.

Projektmanagement und Planung: Lektionen aus der Westbad-Sanierung

Die Sanierung des Westbads bietet wertvolle Lektionen für Projektmanager, Bauunternehmen und Kommunen, die an ähnlichen Sanierungsprojekten arbeiten:

  1. Planungssicherheit:
    Die Verzögerungen zeigen, wie wichtig es ist, bei der Planung Pufferzeiten einzubauen, um unvorhergesehene Ereignisse wie Regenfälle oder Lieferengpässe zu berücksichtigen. Eine realistische Planung ist entscheidend, um den Terminplan einzuhalten.

  2. Koordination mit Partnern:
    Die Notwendigkeit einer Neuausschreibung unterstreicht, wie wichtig die Auswahl zuverlässiger Partner ist. Die Kommunikation und Transparenz zwischen den Projektbeteiligten müssen maximiert werden, um Konflikte und Verzögerungen zu minimieren.

  3. Kommunikation mit der Öffentlichkeit:
    Die Stadtwerke München haben versucht, die Nutzer über den aktuellen Stand zu informieren. Trotzdem hat die häufige Verschiebung des Eröffnungstermins zu Enttäuschung geführt. Eine klare und frühzeitige Kommunikation über mögliche Verzögerungen ist zentral, um das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen und zu halten.

  4. Transparenz in der Kostenvoranschlagung:
    Die Verzögerungen führten zu höheren Kosten. Projektmanager müssen darauf achten, dass alle Risiken in die Kostenvoranschläge einfließen, um finanzielle Überraschungen zu vermeiden.

Technische Aspekte der Sanierungsarbeiten

Die Sanierungsarbeiten am Westbad erfordern fundiertes Wissen über Dachabdichtung, Blitzschutz und Glasbauweise. Im Folgenden werden einige technische Aspekte genauer beschrieben:

  1. Dachabdichtung:
    Die Dachabdichtung ist entscheidend, um Feuchtigkeit abzuleiten und Schäden an der Gebäudehülle zu vermeiden. Bei Hallenbädern, die oft hohe Luftfeuchtigkeit aufweisen, ist eine dauerhafte und wasserdichte Dachabdichtung besonders wichtig. Die Sanierung umfasste wahrscheinlich den Einsatz von bituminösen Dichtungsmaterialien oder einer Flüssigkunststoffabdichtung, die sich flexibel an die Gebäudeform anpasst.

  2. Glas-Lichtkuppel:
    Der Austausch der Glas-Lichtkuppel war ein zentraler Bestandteil der Sanierung. Glasdächer für Hallenbäder sind meist aus Sicherheitsglas oder Spezialglas gefertigt, das UV-Strahlung abhält und eine hohe Bruchfestigkeit aufweist. Der Austausch erfolgte vermutlich, um die optische und funktionale Qualität zu verbessern und potenzielle Schadstellen zu beheben.

  3. Blitzschutz:
    Der neue Blitzschutz ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Sanierung. Blitzschutzsysteme bestehen aus Blitzableitern, Erdleitungen und Schutzmaßnahmen für elektrische Anlagen. In öffentlichen Gebäuden wie Hallenbädern ist der Blitzschutz von zentraler Bedeutung, da sie oft auf offenen Flächen liegen und durch ihre Bauform besonders anfällig sind.

Fazit

Die Sanierung des Westbads in München ist ein Beispiel dafür, wie komplex und herausfordernd Renovierungsprojekte in der Baubranche sein können. Die Verzögerungen, die auf Materialengpässe, Regenfälle und eine Neuausschreibung zurückzuführen waren, zeigen, dass Planungssicherheit, Partnerkoordination und Kommunikation entscheidend sind, um ein Projekt erfolgreich abzuschließen.

Trotz der Verzögerungen ist die Wiedereröffnung des Westbads im April 2025 ein Meilenstein, der die Anstrengungen der Stadtwerke München unterstreicht. Die Modernisierung der Saunalandschaft und die Anpassung der Tarifstruktur an die Wünsche der Nutzer zeigen, dass öffentliche Bäder nicht nur infrastrukturell, sondern auch nutzerorientiert saniert werden müssen.

Für Bauherren, Planer und Projektmanager bietet der Fall Westbad wertvolle Lektionen über die Bedeutung von Flexibilität, Transparenz und Koordination bei Sanierungsprojekten. Solche Projekte erfordern nicht nur technische Kompetenz, sondern auch eine klare Kommunikationsstrategie und eine realistische Planung, um die Erwartungen der Nutzer zu erfüllen.

Quellen

  1. Westbad bleibt bis Mitte September geschlossen
  2. Westbad in München: Termin zur Wiedereröffnung steht
  3. Westbad bleibt bis Frühjahr 2025 geschlossen
  4. Westbad in München wieder geöffnet
  5. Westbad verschiebt Wiedereröffnung
  6. Bade Forstenrieder Park wird abgerissen
  7. Westbad-Hallenbad und Saunabereich
  8. Dachsanierung des Westbads verlängert sich
  9. Westbad in München öffnet wieder

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