Die Sanierung und Erweiterung der 76. Oberschule in Dresden-Briesnitz ist ein herausragendes Beispiel für die Integration historisch wertvoller Architektur in die moderne Bildungslandschaft. In einem Projekt, das von 2020 bis 2024 umgesetzt wurde und mit einer Gesamtkosten von etwa 29,7 Millionen Euro verbunden war, gelang es, drei historische Gebäude zu sanieren, eine neue Verbindung zu schaffen und moderne Infrastruktur bereitzustellen, ohne den ursprünglichen Charakter der Anlage zu zerstören. Dieser Artikel beleuchtet die planerischen Hintergründe, die baulichen Maßnahmen, die Materialauswahl und die Finanzierung dieses umfangreichen Sanierungsprojekts aus der Perspektive von Experten im Bereich Bau, Sanierung und Real Estate.
Projektübersicht und Hintergrund
Die 76. Oberschule, ursprünglich als Schulstandort in der Meißner Landstraße errichtet und mit einer Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, ist ein städtisches Bildungsinstitut von besonderer Bedeutung. Nachdem der Standort auf die Merbitzer Straße 9 verlegt worden war, wurde klar, dass eine umfassende Sanierung notwendig war, um den Anforderungen moderner Bildung, inklusive barrierefreier Zugänglichkeit und digitaler Infrastruktur, gerecht zu werden.
Das Projekt umfasste sowohl den Umbau und die Erweiterung bestehender Gebäude als auch die Sanierung der Außenanlagen. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2020 und wurden 2024 abgeschlossen. Die Planung wurde zwischen 2019 und 2022 durchgeführt, wobei das Vorgesetzte Verfahren (VgV-Verfahren) bereits 2018 gestartet wurde.
Projektorganisation und Projektsteuerung
Die Projektsteuerung und Projektleitung lag in den Händen der STESAD GmbH, die auch als Vertreterin des Auftraggebers, der Landeshauptstadt Dresden – Amt für Schulen – fungierte. Die Projektarchitekten stammten aus der ARGE 76. Oberschule, bestehend aus PFAU Architekten und KKS Architektur + Gestaltung. Die Projektorganisation war somit interdisziplinär und hochspezialisiert, was sich im Ergebnis deutlich widerspiegelt.
Projektziele
Die Ziele des Projekts waren vielfältig und reichten von der Erhaltung historischer Elemente bis hin zur Schaffung einer modernen, funktionalen und barrierefreien Schule. Dazu gehörten:
- Die Sanierung und Erweiterung der bestehenden Gebäude
- Die Errichtung eines neuen Verbindungsbauwerks zwischen den historischen Gebäuden
- Die Modernisierung der Außenanlagen mit Sportflächen und Regenwassermanagement
- Die Einrichtung moderner Fachräume und Klassenzimmer
- Die Einhaltung der Vorgaben des Denkmalschutzes
Ein weiteres wichtiges Ziel war die Gewährleistung von digitaler Infrastruktur, wobei die Vorbereitungen zum Digitalpakt bis 2024 abgeschlossen waren.
Denkmalschutz und Baugeschichte
Die Bestandsgebäude, Haus 1 und Haus 2, sind als Einzeldenkmäler klassifiziert. Dies bedeutete, dass bei der Sanierung besondere Vorsicht und Sensibilität gegenüber der historischen Substanz erforderlich war. Die Architekten und Handwerker setzten alles daran, den ursprünglichen Charakter der Gebäude zu bewahren, während sie gleichzeitig technische Modernisierungen durchführten.
Zum Beispiel wurden historische Fenster, Türen und Wandelemente restauriert statt ersetzt. Die Grundrisse blieben weitgehend unverändert, um die ursprüngliche Architektur zu erhalten. Gleichzeitig wurden die Gebäude auf den neuesten Stand gebracht, um die heutigen pädagogischen und infrastrukturellen Anforderungen zu erfüllen.
Ein besonderes Projekt war die Erstellung eines neuen Verbindungsbauwerks zwischen den beiden historischen Häusern. Dieser Verbinder, der optisch durch viel Glas hervorragt, sorgt nicht nur für einen barrierefreien Zugang, sondern verbindet auch die Gebäude optisch und funktional miteinander. Er wurde als moderner Gegenpol zum historischen Bestand gestaltet, ohne die historische Substanz in Frage zu stellen.
Bauliche Maßnahmen und Materialauswahl
Die Sanierung umfasste sowohl die Innen- als auch die Außenbereiche der Schule. Im Zuge der Sanierung wurden die Gebäudehüllen gedämmt, neue Fenster und Türen eingebaut und die Dachkonstruktionen instand gesetzt. Die Materialauswahl war dabei auf Langlebigkeit und Energieeffizienz ausgerichtet.
Innenräume
Im Inneren wurden die Klassenzimmer und Fachräume komplett erneuert. Die Räume erhielten neue Beleuchtungssysteme, Heizungsanlagen und eine verbesserte akustische Ausstattung. Besonders hervorzuheben ist die musikalische Aula im Dachgeschoss, die akustisch optimiert wurde und nun als Raum für musikalischen Unterricht und Aufführungen dient. Zudem wurde eine Mensa eingerichtet, die auch als Veranstaltungssaal genutzt werden kann.
Die Klassenzimmer selbst blieben in ihrer Grundfläche weitgehend unverändert, da sie nach heutigen Standards zwar klein, aber aufgrund der Schülerzahl ausreichend groß seien, so Architekt Rolf Klinkenbusch im Vorfeld.
Außenanlagen
Die Außenanlagen wurden umfassend umgestaltet. Der Sportplatz erhielt eine Laufbahn, Fahrradstellplätze wurden neu eingerichtet, und ein Regenwasserrückhaltebecken wurde integriert, um die Belastung des Kanalsystems zu verringern. Diese Maßnahme unterstreicht den ökologischen Anspruch des Projekts.
Zudem wurden barrierefreie Zugänge und Wege eingerichtet, was eine erhöhte Zugänglichkeit für alle SchülerInnen und MitarbeiterInnen sichert. Die neue Bezeichnung der Schule, „Am Briesnitzer Schulberg“, spiegelt die Neugestaltung und den städtebaulichen Ansatz wider.
Finanzierung und Förderung
Die Sanierung und Erweiterung der 76. Oberschule wurden durch eine Kombination aus kommunalen Mitteln und Förderungen finanziert. Insgesamt betrugen die Gesamtkosten ca. 29,7 Millionen Euro, wovon 14,4 Millionen Euro aus Fördermitteln des Freistaates Sachsen stammten. Diese Finanzierung erfolgte im Rahmen der Schul-Infrastrukturverordnung Sachsen.
Die Fördermittel deckten einen erheblichen Teil der Kosten ab, was die Realisierung des Projekts ermöglichte. Allerdings blieben auch kommunale Mittel erforderlich, was unterstreicht, dass solche Projekte oft auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ebenen der öffentlichen Hand angewiesen sind.
Auswirkungen auf die Bildung und den Stadtteil
Die Sanierung der 76. Oberschule hat nicht nur das Gebäude selbst verändert, sondern auch die Lern- und Lebensbedingungen der SchülerInnen. Die neue Schule bietet eine moderne, lichtdurchflutete Infrastruktur, die es ermöglicht, moderne pädagogische Methoden anzuwenden. Zudem wird die Schule künftig für 550 SchülerInnen ausgestattet sein, wobei auch zwei Integrationsklassen untergebracht sind.
Für den Stadtteil Briesnitz ist die Sanierung ein bedeutender Impuls. Die Erneuerung der Schule stärkt nicht nur die Bildungslandschaft Dresdens, sondern auch die soziale und kulturelle Gemeinschaft im Stadtteil. Bildungsbürgermeister Jan Donhauser betonte in der Eröffnungsfeier, dass die Sanierung ein Signal für zukunftsorientierte Bildung sei und zugleich einen Beitrag zur Stabilisierung der regionalen Identität leiste.
Fazit
Die Sanierung und Erweiterung der 76. Oberschule in Dresden-Briesnitz ist ein beeindruckendes Beispiel für die Integration historischer Gebäude in die moderne Bildungsinfrastruktur. Durch sorgfältige Planung, den Einsatz moderner Technologien und die Einhaltung der Vorgaben des Denkmalschutzes gelang es, ein Gebäudeensemble zu schaffen, das sowohl die historische Substanz bewahrt als auch den Anforderungen der Gegenwart gerecht wird.
Für Bauherren, Architekten und Bauunternehmen bietet dieses Projekt wertvolle Einsichten in die Gestaltung von Sanierungsmaßnahmen an historischen Schulstandorten. Es zeigt, wie man historische Gebäude nicht zerstören muss, um sie zu modernisieren, sondern wie sie durch sorgfältige Planung und technische Innovation zu einem zukunftsfähigen Bestandteil der städtischen Infrastruktur werden können.