Die Sanierung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) ist eines der größten und komplexesten Bauprojekte in Österreich. Das AKH, das als größtes Krankenhaus des Landes und zugleich als bedeutendes Forschungsinstitut gilt, ist in den letzten Jahren intensiv modernisiert worden. Ziel der Sanierung ist es, die medizinische Versorgung zu optimieren, die Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen und gleichzeitig wirtschaftliche und ökologische Anforderungen zu berücksichtigen.
Die Sanierungsarbeiten sind jedoch nicht ohne Herausforderungen verlaufen. Die ursprünglich geplanten 1,4 Milliarden Euro für die Modernisierung stiegen aufgrund der Inflation und gestiegener Baukosten auf rund 2 Milliarden Euro an. Zudem kam es zu Verzögerungen bei einzelnen Projekten, die bis 2030 abgeschlossen werden sollen. Diese Verzögerungen und Kostenausbrüche zeigen die Schwierigkeiten, die bei der Sanierung von Großobjekten wie dem AKH entstehen können. Gleichzeitig demonstrieren sie aber auch die Notwendigkeit, flexible Planung und ständige Anpassung an veränderte Wirtschaftsbedingungen zu betreiben.
Ein weiteres zentrales Thema der Sanierung ist die Verwendung moderner Bautechniken. So wurde beispielsweise das sogenannte „Stationsgebäude Süd“ im Holzmodulbau errichtet, was schnelle Bauzeiten, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit gewährleistet. Dies ist ein Beispiel dafür, wie moderne Bauweisen in der Sanierung von Gesundheitseinrichtungen sinnvoll eingesetzt werden können.
Im Folgenden werden die verschiedenen Aspekte der Sanierung des Wiener AKH detailliert dargestellt, einschließlich der geplanten und bereits realisierten Projekte, der finanziellen Herausforderungen, der Auswirkungen der Inflation und der Rolle von Holzbau in der Sanierung.
Die Sanierungspläne und ihre Entwicklung
Die Sanierung des Wiener AKH wurde im Jahr 2016 beschlossen, als sich die Stadt Wien und der Bund auf eine Investition von insgesamt 1,37 Milliarden Euro bis 2030 einigten. Ziel der Sanierung war es, das Krankenhaus auf den neuesten medizinischen und technischen Stand zu bringen. Die Finanzierung erfolgt dabei zu 60 Prozent durch die Stadt Wien und zu 40 Prozent durch den Bund, was auf die besondere Bedeutung des AKH als Gemeindespital und Universitätsklinikum zurückzuführen ist.
Insgesamt umfasst das Sanierungsprogramm 16 Baubereiche, in denen verschiedene Gebäude saniert oder neu errichtet werden. Dazu zählen beispielsweise die Modernisierung der Ambulanzen, die Revitalisierung der Feuerwache, der Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Errichtung eines Herz-Thorax-Zentrums. Ein weiteres Projekt ist die Sanierung der Apotheke, die aufgrund von Verzögerungen und Planungskomplexität von 2021 auf 2024 verschoben wurde.
Die ursprüngliche Planung sah unter anderem vor, dass das Rote Bettenhaus des AKH umgebaut werden sollte. Allerdings hat man aufgrund von Kostendruck entschieden, das Gebäude nur zu sanieren, anstatt einen umfassenden Umbau durchzuführen. Statt wie geplant zwei Stationen pro Stockwerk bleiben vier Stationen bestehen. Ebenso wurden Einsparungen bei der Modernisierung der OP-Säle vorgenommen, die ursprünglich vergrößert werden sollten.
Die Sanierung des Bettenhauses Ost, auch „roter Bettenturm“ genannt, war mit 257 Millionen Euro kalkuliert. Aufgrund der gestiegenen Baukosten und der Inflation wurde der Betrag auf 130 Millionen Euro reduziert. Dadurch bleibt die bestehende Struktur weitgehend erhalten. So sollen pro Ebene weiterhin vier Stationen mit jeweils maximal 28 Betten beibehalten werden, anstatt wie ursprünglich geplant zwei Stationen mit 38 Betten. Zudem wird die Möglichkeit bestehen, im Bedarfsfall ein drittes Bett in die Zimmer aufzunehmen, um bessere Vorbereitung auf mögliche künftige Pandemien zu ermöglichen.
Die finanziellen Herausforderungen
Die Kostenentwicklung bei der Sanierung des AKH war von Anfang an ein entscheidender Faktor. Die ursprünglich geplanten 1,4 Milliarden Euro stiegen aufgrund der Inflation und gestiegener Baukosten auf fast 2 Milliarden Euro an. Die Stadt Wien und der Bund tragen die Kosten jeweils zu 60 beziehungsweise 40 Prozent, was die finanzielle Belastung des Projekts verdeutlicht. Die Kostenerhöhung hat zu einer Neubewertung und teilweiser Reduzierung der geplanten Projekte geführt. So wurden beispielsweise der Neubau des Eltern-Kind-Zentrums kleiner geplant und die Modernisierung des Bettenhauses Ost zurückgefahren.
Ein weiteres Problem ist die Verzögerung bei der Fertigstellung einiger Projekte. So wurde beispielsweise die Modernisierung der Apotheke von 2021 auf 2024 verschoben. Der AKH-Direktor Herwig Wetzlinger erklärte, dass die Pandemie und die Komplexität der Planung die Hauptschuld an diesen Verzögerungen tragen. Allerdings gelobte er, dass alle Projekte bis 2030 abgeschlossen sein werden.
Um die Kostenentwicklung zu überwachen, wird jährlich geprüft, ob die Projektkosten der tatsächlichen Preissteigerung entsprechen. So wird festgestellt, ob die Kosten angehoben oder reduziert werden müssen. Wetzlinger betonte, dass es auch möglich sei, dass die Preissteigerungen unter 3,5 Prozent liegen könnten, was den Kostenaufwand reduzieren würde.
Die Rolle der Holzbauweise in der Sanierung
Ein besonders interessantes Beispiel für die Anwendung moderner Bautechniken ist das sogenannte „Stationsgebäude Süd“, das im Holzmodulbau errichtet wurde. Dieses Gebäude, das sich südlich des Hauptgebäudes befindet, wurde überwiegend aus Fichte-Sperrholzplatten gefertigt und mit dem Hauptgebäude verbunden. Es umfasst vier Geschosse und bietet eine Nutzfläche von 4.000 Quadratmetern. Das Gebäude beherbergt 46 Patientenzimmer mit 88 Betten in Einzel- und Doppelzimmern, 45 Therapieräume und 44 weitere funktionale Räumlichkeiten. Im Erdgeschoss wurde ein tagesklinischer Bereich eingerichtet, während die drei darüber liegenden Ebenen für Normalpflegestationen in den Bereichen Onkologie, Hämatologie, Palliativpflege und Strahlentherapie vorgesehen sind.
Die Verwendung von Holzmodulen hat mehrere Vorteile. So ermöglicht die Holzbauweise kürzere Bauzeiten, da die Module vorgefertigt werden und vor Ort nur noch zusammengesetzt werden müssen. Zudem ist Holzbau eine nachhaltige Bauweise, da Holz als natürlicher Rohstoff verfügt. Die Langlebigkeit des Materials wird durch moderne Verfahren und Qualitätskontrollen gewährleistet. Der Einsatz von Holzmodulen im Stationsgebäude Süd zeigt, wie innovative Bauweisen in der Sanierung von Gesundheitseinrichtungen effektiv eingesetzt werden können.
Die Auswirkungen der Pandemie und der Wirtschaftskrise
Die Sanierung des AKH war von Anfang an von der Pandemie und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise beeinflusst. So mussten beispielsweise die ursprünglich geplanten Umbaupläne zurückgestuft werden, um den finanziellen Anforderungen gerecht zu werden. Ein Beispiel dafür ist die Sanierung des Rote Bettenhauses, bei der entschieden wurde, das Gebäude nicht umzubauen, sondern nur zu sanieren. Zudem wurden einige Projekte, wie die Modernisierung der OP-Säle, zurückgefahren.
Die Pandemie führte zudem zu Verzögerungen bei der Fertigstellung einiger Projekte. So wurde die Modernisierung der Apotheke von 2021 auf 2024 verschoben, da die Planung komplexer war als erwartet. Zudem musste man sich bei einigen Projekten auf den Status quo beschränken, um die Kosten im Rahmen zu halten. Beispielsweise blieb die Anzahl der Betten pro Stockwerk in einigen Fällen bei vier statt bei zwei, wie ursprünglich geplant. Dies zeigt, dass die Pandemie nicht nur gesundheitliche, sondern auch wirtschaftliche und organisatorische Auswirkungen hatte.
Die Rolle der Forschung in der Sanierung
Ein weiteres zentrales Element der Sanierung des AKH ist die Stärkung der Forschung. Das AKH ist nicht nur ein Krankenhaus, sondern auch ein wichtiges Forschungsinstitut, das an internationalen Spitzenprojekten arbeitet. Um die Forschung weiterzuentwickeln, wurden mehrere neue Forschungsgebäude errichtet. So steht beispielsweise das neue Forschungsgebäude Anna Spiegel II kurz vor der Fertigstellung. In diesem Gebäude sollen Einrichtungen für Herzchirurgie, Orthopädie, Augen- und plastische Chirurgie untergebracht werden.
Die Sanierung hat zudem zu einer Modernisierung der Forschungseinrichtungen geführt. So wurden beispielsweise die Räumlichkeiten der Apotheke und der Ambulanzen angepasst, um die Arbeit effizienter zu gestalten. Zudem wurde ein Robotersystem namens „Bernardo“ in die Apotheke eingeführt, das die Kommissionierung von Medikamenten optimiert. Diese Maßnahmen zeigen, wie die Sanierung nicht nur der medizinischen Versorgung, sondern auch der Forschung zugutekommt.
Die Zukunft des AKH nach 2030
Die Sanierung des AKH ist geplant, bis 2030 abgeschlossen zu sein. Allerdings wird bereits jetzt geplant, dass einige Projekte nach diesem Datum fortgeführt werden. So ist beispielsweise der grüne Bettenturm, der als weiteres Sanierungsobjekt auf der Liste steht, erst nach 2030 in eine zweite Welle der Sanierungsarbeiten aufgenommen. Dies zeigt, dass die Sanierung des AKH ein langfristiges Projekt ist, das sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt.
Ein weiteres zentrales Ziel der Sanierung ist die Modernisierung der Patientenversorgung. So werden beispielsweise immer mehr Einzel- und Doppelzimmer eingerichtet, um die Hygienebedingungen und den Komfort der Patienten zu verbessern. Zudem wird die Zahl der Intensivbetten um 25 Prozent erhöht, was im Regionalen Strukturplan vorgesehen ist. Dies zeigt, dass die Sanierung nicht nur auf die technische Ausstattung abzielt, sondern auch auf die Qualität der medizinischen Versorgung.
Fazit
Die Sanierung des Wiener AKH ist ein komplexes und herausforderndes Projekt, das aufgrund der hohen Kosten, der Inflation und der Pandemie nicht immer reibungslos verlaufen ist. Dennoch ist es gelungen, wichtige Fortschritte zu erzielen, insbesondere in den Bereichen Forschung, Patientenversorgung und Infrastruktur. Die Verwendung moderner Bautechniken, wie der Holzbauweise im Stationsgebäude Süd, hat gezeigt, wie Innovation und Nachhaltigkeit in der Sanierung von Gesundheitseinrichtungen sinnvoll eingesetzt werden können.
Zwar gab es Verzögerungen bei einzelnen Projekten, und nicht alle ursprünglichen Pläne konnten umgesetzt werden. Dennoch hat das AKH in den letzten Jahren viele Meilensteine erreicht, die zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beigetragen haben. Die Sanierung wird bis 2030 abgeschlossen sein, und danach wird fortgeführt, um das AKH weiterzuentwickeln und sicherzustellen, dass es auch in der Zukunft auf dem neuesten Stand bleibt.
Quellen
- Sanierung AKH Wien: Patienten ziehen in Holzhütten
- AKH-Umbaupläne müssen zurückgefahren werden
- Milliarden-Sanierung des Wiener AKH gerät in die Inflationsfalle
- Milliardenschweres AKH-Großprojekt schreitet nach Verzögerungen voran
- Bauprojekte AKH Wien
- AKH Wien: Sanierung im Fokus
- AKH Wien Bauprojekte
- AKH-Modernisierung kostet 2 Milliarden Euro