Generalsanierung des Alzkanals: Technische Herausforderungen, Ablauf und Projektorganisation

Einleitung

Der Alzkanal, ein künstlich angelegter Triebkanal mit einer Gesamtlänge von 16,7 Kilometern, dient seit seiner Erbauung in den Jahren 1915 bis 1922 als entscheidende Energiequelle für das Stammwerk der Wacker Chemie AG in Burghausen. Er versorgt die Anlage mit Strom, sorgt für die Notstromversorgung und stellt Kühlwasser bereit. Aufgrund seiner langen Betriebsdauer und des damit verbundenen Verschleißes war eine umfassende Sanierung erforderlich, die in 2016 durchgeführt wurde.

Die Generalsanierung war eine außergewöhnliche Herausforderung, da der Kanal wochenlang trocken gelegt werden musste, um die Sanierungsarbeiten durchzuführen. Rund 400 Facharbeiter und zahlreiche Spezialgeräte waren im Einsatz. Die Sanierung umfasste die Erneuerung des Kanalgerinnes, die Instandsetzung von elf Bauwerken und zwei Stollen sowie die Asphaltierung der trapezförmigen Kanalwände. In diesem Artikel werden die technischen, organisatorischen und logistischen Aspekte der Sanierung detailliert beschrieben.

Historische Hintergründe und Projektbedeutung

Der Alzkanal ist eine zentrale Infrastruktur der Region. Er wurde ursprünglich in drei Abschnitten errichtet, wobei der hier betrachtete Abschnitt 3 zwischen 1916 und 1922 in der Gegend von Hirten bis Burghausen gebaut wurde. Der Kanal mündet nach dem Durchqueren der Wacker-Chemie-Werke in die Salzach.

Mit einem Bauwerksalter von über 90 Jahren begannen sich im Laufe der Jahrzehnte Schäden an der Betonkonstruktion zu zeigen, wie Abplatzungen, Risse und offene Fugen. Lokale Sanierungsmaßnahmen waren zwar in der Vergangenheit erfolgt, doch eine umfassende Generalsanierung war in 2016 unausweichlich. Die Sanierung erfolgte auf Initiative der Wacker Chemie AG, die den Kanal als lebenswichtige Energiequelle für ihre Produktion betrachtet.

Vorbereitungen und Ablauf der Sanierung

Trockenlegung des Kanals

Die Sanierung erforderte, dass der Alzkanal für mehrere Wochen vollständig entleert wurde. Dies war eine logistische Herausforderung, da das Wasser über die Alz umgeleitet werden musste. Die Trockenlegung begann Ende August 2016 und dauerte etwa zehn Wochen. Damit wurde die sogenannte „Baufreiheit“ innerhalb des Gerinnes geschaffen.

Umsetzung mit modernsten Techniken

Die Sanierungsarbeiten wurden in mehreren Teilabschnitten durchgeführt. Im nun entleerten Kanal wurden über die gesamte Streckenlänge rund 40.000 Quadratmeter Betonfläche mit Hochdruckspülwagen gereinigt. Danach erfolgte eine Bestands- und Schadensaufnahme, wobei moderne Laserscanning-Technik eingesetzt wurde, um die Schadstellen präzise zu identifizieren.

Die Sanierung umfasste die Instandsetzung von Fugen mit einer Gesamtlänge von ca. 5.000 Metern. Diese wurden mit neuem Verguss versiegelt, um den Kanal dauerhaft wasserdicht zu halten. Zudem wurde die Kanalwand asphaltiert, wofür spezielle Geräte erforderlich waren. Eine Maschine, die für die Asphaltierung in der Schweiz extra angefertigt wurde, spielte eine zentrale Rolle bei den Arbeiten.

Sanierung der Stollen

Neben dem Kanalgerinne wurden auch zwei Stollen in der Nähe von Burgkirchen saniert. Die Stollen hatten eine Länge von 206 und 688 Metern und wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in belgischer Bauweise errichtet. Allerdings begannen Teile der Holzschalung, die im Berg verblieben war, sich zu verrotten, was Hohlräume hinter der Tunnelwand verursachte. Diese Hohlräume mussten verfüllt werden. Dazu wurden Schadstellen mit Georadar lokalisiert und entsprechende Bohrungen gesetzt. Anschließend erfolgte die Hohlraumhinterfüllung mit Niederdruckinjektion.

Projektorganisation und Planung

Die Sanierung war ein hochkomplexes Projekt, das eine Vielzahl an Planungsschritten und organisatorischen Maßnahmen erforderte. Die Projektorganisation umfasste mehrere Disziplinen:

  • Tragwerksplanung: Für das Kanalgerinne und die Sonderbauwerke.
  • Projektmanagement: Um die verschiedenen Arbeitsphasen koordiniert zu steuern.
  • Baulogistik: Um die Lieferketten und Einsatzorte der Geräte und Materialien zu planen.
  • Marktrecherche: Um die Reinigung des Kanals mit der bestmöglichen Technik durchzuführen.
  • Erstellung von Vorerkundungsprogrammen: Dazu gehörten Tauchereinsätze und Radaruntersuchungen, um den Zustand der Kanalbauwerke zu beurteilen.
  • Hydraulische Berechnungen: Um den Wasserfluss und die Kapazitäten des Kanals nach der Sanierung zu planen.
  • Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination: Insbesondere in der Planungsphase.
  • Auditierung: Von ausgewählten Baufirmen, um deren Qualifikation und Zuverlässigkeit zu prüfen.
  • Gefahrenanalysen: Um potenzielle Risiken für die Arbeiter und die Umgebung zu minimieren.
  • Wetteranalyse: Um den optimalen Zeitraum für die Trockenlegung des Kanals zu ermitteln und das Witterungsrisiko zu bewerten.
  • Instandhaltungspläne: Um nach der Sanierung eine dauerhafte Wartung des Kanals sicherzustellen.
  • Vermessungskonzepte: Für den gesamten Kanalabschnitt.

Die Projektorganisation zeigte, wie umfassend die Vorbereitungen waren, um die Sanierung erfolgreich umzusetzen. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen war entscheidend für den reibungslosen Ablauf.

Umwelt- und Fischschutzmaßnahmen

Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung war der Fischschutz. Da der Alzkanal für mehrere Wochen trocken gelegt werden musste, waren die darin lebenden Fische in Gefahr. Um dies zu verhindern, wurden 60 Fischer eingesetzt, die die Fische aus dem Kanal fingen und in der Alz aussetzten. Diese Maßnahme war notwendig, um die ökologischen Auswirkungen der Sanierung zu minimieren.

Kosten und Finanzierung

Die Sanierung war ein großes Projekt mit einem Aufwand von knapp 50 Millionen Euro. Diese Investition unterstreicht die Wichtigkeit des Alzkanals für die Region und insbesondere für die Wacker Chemie AG. Der Kanal ist nicht nur eine historische Errungenschaft, sondern auch ein lebenswichtiges Element der industriellen Infrastruktur in Burghausen.

Zeitplan und Abschluss

Die Sanierung wurde innerhalb von sieben Wochen abgeschlossen, was als Erfolg betrachtet werden kann, da es sich um ein komplexes Projekt handelte. Die Kernmaßnahmen wurden fristgerecht erledigt, was auf eine gute Planung und Organisation zurückzuführen ist. Nach Abschluss der Sanierung wurde der Alzkanal wieder mit Wasser gefüllt und ist seitdem in Betrieb.

Fazit

Die Generalsanierung des Alzkanals 2016 war ein Mammutprojekt, das sowohl technisch als auch organisatorisch auf der Höhe der Zeit war. Mit modernsten Techniken, einer umfassenden Projektorganisation und umweltverträglichen Maßnahmen wurde der Kanal erfolgreich erneuert. Die Sanierung sicherte die Zukunftsfähigkeit des Alzkanals und stellte sicher, dass er weiterhin als lebenswichtiges Element der regionalen Energieversorgung fungieren kann.

Für Bauherren, Eigentümer und Renovierungsplaner zeigt dieses Projekt, welche Herausforderungen bei der Sanierung historischer Infrastrukturen entstehen und wie diese durch sorgfältige Planung und technische Innovation gemeistert werden können. Der Alzkanal ist ein Beleg dafür, wie Investitionen in bestehende Infrastruktur nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch sinnvoll sein können.

Quellen

  1. Generalsanierung des Alzkanals
  2. Alzkanal wird wochenlang trockengelegt
  3. Millionenprojekt von Wacker: Alzkanal wird saniert und geteert
  4. Instandsetzung des Alzkanals

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