Sanierung in Aschersleben: Modelle für energieautarkes Wohnen und städtebauliche Erneuerung

Die Stadt Aschersleben, im Salzlandkreis Sachsen-Anhalt gelegen, steht aktuell im Brennpunkt der Sanierungsdebatte. Sie verfolgt ambitionierte Pläne zur Stadterneuerung, die sowohl den baulichen Zustand der Altstadt verbessern als auch innovative Wege zur Energieautarkie in der Sanierung von Plattenbauten zeigen. Die Sanierungsmaßnahmen reichen von klassischen städtebaulichen Renovierungsprojekten bis hin zu bahnbrechenden Energiekonzepten. In diesem Artikel werden die wichtigsten Projekte, die eingesetzten Technologien und die strategischen Ziele detailliert vorgestellt.

Einführung

Aschersleben ist nicht nur ein historisch bedeutender Ort mit einem architektonisch wertvollen Stadtkern, sondern auch ein Ort, an dem die Herausforderungen der Nachkriegsarchitektur – insbesondere der DDR-Plattenbauten – mit innovativen Sanierungsstrategien bewältigt werden. Die Stadt hat sich aktiv auf die Umsetzung von Sanierungsprojekten eingelassen, die den Fokus auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und städtebauliche Verbesserung legen. Dazu zählen sowohl klassische Sanierungsgebiete im Zentrum als auch experimentelle Projekte, die energieautarke Mehrfamilienhäuser aus ehemaligen Plattenbauten erschaffen.

Sanierungsgebiet im Zentrum Ascherslebens

Rechtliche und städtebauliche Rahmenbedingungen

Im Jahr 2024 hat Aschersleben eine formelle Sanierungssatzung verabschiedet, die den unmittelbaren Zentrumsbereich zum offiziellen Sanierungsgebiet erklärt. Dieser Bereich ist durch den historischen Stadtkern geprägt und weist zahlreiche städtebauliche und funktionale Missstände auf. Die Sanierungssatzung zielt darauf ab, diese Probleme durch gezielte Sanierungsmaßnahmen zu beseitigen und das Stadtbild langfristig zu erhalten.

Die Stadt nutzt dabei Städtebaufördermittel, die über einen befristeten Zeitraum bereitgestellt werden. Diese Mittel sind entscheidend, um die Finanzierung der Sanierungsprojekte zu ermöglichen. Ziel der Sanierung ist es, die Lebens- und Wohnqualität in der Stadt zu verbessern, den Handel und das Gewerbe zu stärken und den architektonisch unverwechselbaren Charakter des Stadtkerns zu bewahren.

Pflichten und Chancen für Grundstückseigentümer

Innerhalb des Sanierungsgebietes gelten für die Eigentümer bestimmte Genehmigungspflichten, die in der Sanierungssatzung festgelegt sind. Gleichzeitig bietet der rechtliche Rahmen auch finanzielle Erleichterungen, insbesondere im Zusammenhang mit Modernisierungsmaßnahmen. Grundstückseigentümer profitieren somit von einer Kombination aus verbindlichen Vorgaben und Fördermöglichkeiten, was die Sanierung attraktiver und finanzierbarer macht.

Der Velero-Projektstandort: Sanierung im Großmaßstab

Projektbeschreibung

Velero, ein kommunales Wohnungsunternehmen, verwaltet in Aschersleben rund 400 Wohnungen an drei Standorten: Halberstädter Str. 1–51, Lauestr. 7–49 und Hellgraben 26–38. Von diesen sind aktuell 85 Wohnungen leerstehend. Velero hat sich nun entschlossen, diese Wohnungen umfassend zu saniern. Das Projekt umfasst eine Investitionssumme von ca. 10 Millionen Euro, was unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die städtische Wohnraumversorgung.

Die Sanierungsarbeiten begannen Mitte Oktober 2024 und sollen bis März 2026 abgeschlossen sein. In diesem Rahmen werden mehrere Maßnahmen durchgeführt, die sowohl die Wohnqualität als auch die Energieeffizienz der Gebäude erheblich verbessern.

Energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen

Die Sanierung umfasst folgende Schwerpunkte:

  • Dämmung von Dach- und Kellerdecken: Die Dämmung erfolgt nach den aktuellen GEG-Richtlinien (Gebäudeenergiegesetz), um den Wärmeverlust zu minimieren.
  • Austausch der Fenster: Alte Fenster werden durch moderne, energieeffiziente Modelle ersetzt.
  • Fassadendämmung: Die Fassaden werden gedämmt, um die Wärmeisolierung zu optimieren.
  • Anbau von Balkonen: Neue Balkone erhöhen die Wohnqualität und den Außenbereich.
  • Optimierung der Heizungsanlage: Die Heizung wird modernisiert, um den Energieverbrauch zu reduzieren.
  • Sanierung der leerstehenden Wohnungen: Diese werden vollständig instandgesetzt, um sie wieder nutzbar zu machen.

Die Gesamthöhe der Investition unterstreicht die Ambition der Stadt, langfristig leistbares und energieeffizientes Wohnen zu schaffen. Ziel ist es, den Energieverbrauch der Gebäude um mindestens 30 % zu reduzieren. Dies trägt nicht nur zur CO2-Reduzierung bei, sondern auch zur Erhöhung der Wohnqualität und zur Senkung der Nebenkosten für die Mieter.

Energieautarke Wohnungen: Der Pionieransatz in Aschersleben

Das Projekt in der Kopernikusstraße

Ein weiteres bemerkenswertes Projekt, das in Aschersleben umgesetzt wird, ist die Sanierung von ehemaligen DDR-Plattenbauten in der Kopernikusstraße. Diese Sanierung markiert den ersten Schritt in Richtung energieautarker Wohnbauten in Deutschland. Das Projekt wird von der Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft (AGW) betreut und von Timo Leukefeld, Klaus Hennecke und Jürgen Kannemann des Autarkie-Teams geleitet.

Innovative Technologien

Das Herzstück des Projekts ist ein energieautarkes Energiekonzept, das auf Solarenergie und Infrarotheizung basiert. Auf den Dächern und Fassaden der Gebäude wurden Photovoltaikanlagen installiert, die Solarstrom erzeugen. Dieser Strom wird direkt in den Haushalten genutzt, insbesondere für die Infrarotheizungen, die an den Zimmerdecken montiert sind. Diese Heizungstechnik ersetzt herkömmliche Heizkörper und senkt den Energieverbrauch erheblich.

Zusätzlich ist geplant, einen mit Solarstrom betriebenen Café zu errichten, der als Teil des Projekts die Nachhaltigkeit nochmals unterstreicht. Derzeit sind bereits zwei energieautarke Mehrfamilienhäuser aus ehemaligen Plattenbauten entstanden, wobei die Sanierung weiterer Gebäude in Planung ist.

Energieflatrate und Pauschalmiete

Die AGW hat ein Modell entwickelt, das Mieter vor den Schwankungen der Energiekosten schützt. Die Mieter zahlen eine Energieflatrate, die den gesamten Strom- und Wärmeverbrauch abdeckt. Da der Strom hauptsächlich aus Solarenergie stammt, ist der Verbrauch niedrig und die Kosten stabil. Dieses Modell ist insbesondere in Zeiten steigender Energiepreise ein Vorteil.

Technische Daten

  • Photovoltaikleistung: 176 kW (auf Dach und Fassade)
  • Baujahr des Projekts: 2022
  • Ziel: Energieautarkie von über 60 %, insbesondere im Sommerhalbjahr
  • Zusätzliche Speichertechnik: Batteriespeicher erhöhen die Autarkie im Winterhalbjahr

Sanierung statt Abriss: Das Modell der energieautarken Plattenbauten

Hintergrund und Motivation

Die Sanierung von Plattenbauten in Aschersleben ist nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein symbolisches Statement gegen den Abriss von Altbeständen. In den 1970er Jahren wurden diese Gebäude errichtet und stehen heute in einem Zustand, der eine Sanierung notwendig macht. Allerdings bietet der Abriss nicht nur ökologische Probleme, sondern auch finanzielle. Die "graue Energie", die in den Betonbau eingestampft wurde, würde beim Abbruch verlorengehen.

Mike Eley, Geschäftsführer der AGW, betont: „Wir haben eine gute Substanz, einen soliden Beton, der uns auch in den nächsten Jahrzehnten begleiten wird.“ Die AGW hat sich entschieden, nicht abzureißen, sondern zu sanieren – mit einem Fokus auf Energieautarkie und Nachhaltigkeit.

Sanierungsverlauf

  • 2019: Anfang der Gespräche zwischen AGW und Autarkie-Team
  • 2021: Beginn der Entkernungsarbeiten und Abtragen der zwei oberen Geschosse
  • Frühjahr 2022: Start der handwerklichen Sanierungsarbeiten
  • Errichtung eines Obergeschosses mit Pultdach: Für Photovoltaikanlagen
  • Erstellung von 22 neuen Wohnungen mit großzügigen Grundrissen

Die Sanierung legt Wert auf die Erhaltung der tragenden Strukturen und die Reduktion der Technik. So entstanden energieeffiziente Wohnungen mit moderner Ausstattung, die zudem wartungsarm sind.

Zielgruppe und Nachhaltigkeit

Die AGW hat sich auf eine klare Zielgruppe konzentriert: junge Familien. Die AGW möchte Familien in das Quartier zurückholen und langfristige Wohnstabilität schaffen. Dazu sind familienfreundliche Außenanlagen geplant, die den Bedürfnissen der Bewohner entsprechen.

Die Energieautarkie der Gebäude ist nicht nur ein ökologisches Ziel, sondern auch ein finanzielles. Die Bewohner tragen täglich zum Klimaschutz bei, da über 60 % des Stroms und der Wärme aus Solarenergie stammen. Im Winterhalbjahr wird ergänzender Ökostrom zugekauft, um die Energiebedarfe zu decken.

Weitere Planungen: Energieautarke Wohnungen im Osten der Stadt

Projektentwicklung

Die AGW hat zudem Pläne für einen weiteren energieautarken Neubau im Osten der Stadt. Mike Eley, Geschäftsführer der AGW, spricht von der Idee, ein Mehrfamilienhaus mit etwa 100 Wohnungen zu errichten. Dieser Bau ist in enger Kooperation mit der Stadt Aschersleben in Planung und soll im Einklang mit den städtebaulichen Zielen stehen.

Vorhandene Projekte

Bereits in der Kopernikusstraße wurde ein Teil eines ehemaligen Plattenbaus bis Ende 2025 fertig saniert. Dieser Erfolg hat gezeigt, dass energieautarke Sanierungen nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Der Erfolg dieses Projekts könnte dazu führen, dass auch die restlichen Plattenbauten in der Region auf den gleichen Standard gebracht werden.

Friedhofsmauersanierung: Ein weiterer Schwerpunkt

Planung und Umsetzung

Neben den Wohnungsbauprojekten und der Sanierung der Plattenbauten hat die Stadt Aschersleben auch geplant, die Friedhofsmauer zu sanieren. Diese Maßnahme ist für 2026 vorgesehen und wird vom Bauwirtschaftshof der Stadt übernommen. Die Sanierung der Friedhofsmauer ist nicht nur aus städtebaulichen Gründen notwendig, sondern auch im Interesse der Sicherheit und Pflege der Friedhöfe.

Budget für 2026

Im Wirtschaftsplan für 2026 hat die Stadt insgesamt 2,43 Millionen Euro für Stadtreinigung, Winterdienst, Straßenunterhaltung und Grünanlagenpflege eingeplant. Die Friedhofsmauersanierung ist ein Teil dieser Budgetplanung und zeigt die Priorität, die der Stadt der Pflege ihrer öffentlichen Räume einräumt.

Fazit

Die Sanierungsprojekte in Aschersleben bilden ein breites Spektrum von städtebaulichen Maßnahmen ab. Von der Sanierung des historischen Stadtkerns bis hin zur Entwicklung energieautarker Wohngebäude – Aschersleben zeigt, dass Nachhaltigkeit und Innovation Hand in Hand gehen können. Die Kombination aus staatlicher Förderung, innovativen Energiekonzepten und kluger Planung macht die Stadt zu einem Vorbild im Bereich der städtischen Sanierung und nachhaltigem Wohnen.

Die Projekte in Aschersleben beweisen, dass auch in strukturschwachen Regionen mit abwandernder Bevölkerung neue Wege gefunden werden können, um den Wohnraum attraktiv zu halten und gleichzeitig ökologische Ziele zu verfolgen. Mit dem Fokus auf Energieautarkie, Energieeffizienz und soziale Nachhaltigkeit hat Aschersleben nicht nur ein Sanierungsmodell entwickelt, sondern auch eine Vision, die über die lokale Ebene hinaus inspirieren kann.

Quellen

  1. Sanierungssatzung und städtebaulicher Rahmenplan
  2. Velero-Projekt in Aschersleben
  3. Sanierung der Friedhofsmauer
  4. Bauprojekte und Sanierungen in Aschersleben
  5. Plattenbau-Sanierung mit Solaranlage und Infrarotheizung
  6. Sanierung statt Abriss: Alter Plattenbau wird zum energieautarken Mehrfamilienhaus
  7. Plattenbau in Aschersleben wird ein energieautarkes Mehrfamilienhaus
  8. Plattenbau neu gedacht

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