Einleitung
Die Sanierung des Cosimawellenbads in München-Bogenhausen war von Anfang an ein Projekt mit hohen Erwartungen und erheblichen technischen Herausforderungen. Eröffnet im Jahr 1980, zählt das Bad nicht nur zu den ikonischen Bädern der Stadt, sondern bietet auch einzigartige Annehmlichkeiten wie das beliebte Wellenbecken – ein Feature, das in keiner anderen Münchner Schwimmhalle zu finden ist. Nach Jahrzehnten der Nutzung und dem stetigen Verschleiß der Bausubstanz war eine umfassende Generalsanierung unumgänglich. Doch die Erwartungen, die das Projekt hinsichtlich Dauer und Umfang hervorrief, wurden mehrfach enttäuscht.
Die Sanierungsarbeiten begannen im August 2014 mit der Zielsetzung, das Bad bis Herbst 2016 wieder zu öffnen. Tatsächlich verlief das Projekt nicht nach Plan, und die Wiedereröffnung wurde immer wieder verschoben, bis sie schließlich auf unbestimmte Zeit ausfiel. Gegenüber dieser Verzögerung standen die notwendigen Maßnahmen an der Bausubstanz, die sich in der Praxis als umfangreicher erwiesen haben, als in den Voruntersuchungen erwartet.
Dieser Artikel verfolgt die Entwicklung der Sanierung des Cosimawellenbads von Beginn an, analysiert die technischen, logistischen und organisatorischen Herausforderungen, die sich im Verlauf des Projekts ergeben haben, und skizziert die geplanten Verbesserungen, die nach Abschluss der Arbeiten den Badegästen erwartet.
Historische Hintergründe und Planung
Eröffnung und Nutzung
Das Cosimawellenbad wurde im Frühjahr 1980 eröffnet und zählt seither zu den zentralen Bädern der Stadtwerke München (SWM). Es ist das einzige Wellenbad im Münchner Bäderportfolio und hat sich insbesondere bei jüngeren Badegästen großer Beliebtheit erfreut. Mit einem Außenbecken, einer leicht abfallenden Liegewiese und der unverwechselbaren Welle als Hauptattraktion bot das Bad ein Erlebnis, das über das reine Schwimmen hinausging.
Die Zahl der Badegäste lag im Jahr bei rund 235.000, was die Notwendigkeit einer Generalsanierung nach knapp 35 Jahren Nutzung offensichtlich machte. Die ursprüngliche Planung für die Sanierung sah vor, das Bad für eineinhalb Jahre zu schließen, um die notwendigen Arbeiten durchzuführen.
Ausgangslage und Sanierungsbedarf
Bereits bei den Voruntersuchungen wurde klar, dass mehrere Bereiche umfassend saniert werden mussten. Die Holzkonstruktion des Daches war stark durch die feuchte Umgebung angegriffen, und sowohl die Fassade als auch die Technik im Gebäude standen auf dem Prüfstand. Die alte Wanne des Schwimmbeckens war undicht, und auch die Brandschutzanforderungen erforderten eine Überarbeitung, insbesondere im Saunabereich.
Die Planungssprecher der Stadtwerke München, darunter Frank Otto vom Bezirksausschuss Bogenhausen, stellten bereits früh klar, dass die Sanierung nicht nur kosmetische Maßnahmen umfassen würde, sondern auch grundlegende Ersatzbaumaßnahmen, wie den Austausch der Holzkonstruktion durch eine Stahlkonstruktion. Zudem war die Erneuerung der Wanne und der Technik im Gebäude ein zentrales Element der Sanierung.
Sanierungsarbeiten: Umfang und Durchführung
Ersatz der Holzkonstruktion durch Stahlbau
Eine der größten Herausforderungen bei der Sanierung war der Zustand der Holzkonstruktion. Die Schwimmhalle war im Jahr 1980 mit einer Holzdachkonstruktion errichtet worden. Durch die ständige Feuchtigkeit und die Klimaverhältnisse in der Halle war die Konstruktion jedoch stark angegriffen. Die Verbindungsteile waren marode, und die Holzkonstruktion musste weitestgehend abgetragen werden.
Die Entscheidung fiel auf eine Stahlkonstruktion, die robuster und langlebiger ist. Zudem ist Stahlbautechnik bei solchen Anwendungen standardisiert und besser wartbar. Mit dem Ersatz der Holzkonstruktion wurde nicht nur die statische Sicherheit des Gebäudes gewährleistet, sondern auch die langfristige Wartung vereinfacht.
Glasfassade und Schallschutzdecke
Die Fassade des Bades wurde komplett erneuert. Der ursprüngliche Zustand der Fassade war nicht mehr zeitgemäß, und die neue Glasfassade sollte nicht nur optisch ansprechender wirken, sondern auch die Energiebilanz des Gebäudes verbessern. Zudem wurde eine weiße Schallschutzdecke mit integrierten Lichtkuppeln installiert.
Diese Maßnahme sollte den Schallpegel in der Halle reduzieren und gleichzeitig das Ambiente modernisieren. Die Schallschutzdecke wirkt zwar etwas steriler als die ursprüngliche Holzkonstruktion, bietet jedoch deutliche Vorteile in puncto Lärmbekämpfung und Wartungsfreundlichkeit.
Technische Modernisierung
Auch die Technik des Bades stand unter großer Überholungsbedarf. Die alte Wanne war undicht, und die Haustechnik zeigte deutliche Verschleißerscheinungen. Zudem war die Brandschutzsituation, insbesondere im Saunabereich, nicht mehr den geltenden Normen entsprechend.
Die Erneuerung der Wanne war eine der zentralen Sanierungspunkte. Zudem wurde die gesamte Wassertechnik überarbeitet, um eine bessere Filtration und Reinigung des Wassers zu gewährleisten. Die Brandschutzmaßnahmen im Saunabereich mussten ebenfalls angepasst werden, da die 2003 erfolgte Sanierung nicht mehr ausreichte.
Erweiterungen für Kinder und Behinderte
Die Sanierung bot auch die Gelegenheit, den Zugang für Kinder und behinderte Badegäste zu verbessern. Das Kinderbecken wurde vergrößert und der Zugang zum Becken wurde barrierefrei gestaltet. Zudem wurde ein neues multifunktionales Schwimmbecken integriert, das durch eine Hubwand geteilt werden kann und somit auch für Schwimmkurse genutzt werden kann.
Diese Maßnahmen tragen dazu bei, das Bad für eine breite Palette von Nutzern zugänglicher und sicherer zu machen. Gleichzeitig verbessert sich die Nutzbarkeit des Bades für verschiedene Altersgruppen und Aktivitäten.
Kosten und Finanzierung
Die geplanten Baukosten betrugen rund 12,5 Millionen Euro. Laut den Angaben der Stadtwerke München war nicht davon auszugehen, dass sich die Kosten erheblich erhöhen würden, was auch eine Erhöhung der Eintrittspreise nach Abschluss der Sanierung verhindern sollte.
Die Eintrittspreise im Cosimawellenbad orientieren sich an den Preisen der anderen Bäder der Stadtwerke München, wie dem Nordbad, Südbad und der Olympiashwimmhalle. Der Normalpreis lag zwischen 4 und 5 Euro, während Kinder, Jugendliche und Inhaber des München-Passes zwischen 3 und 4 Euro bezahlten.
Verzögerungen und Herausforderungen
Planungsunsicherheiten
Die Sanierungsarbeiten begannen im August 2014 mit der Zielsetzung, das Bad bis Herbst 2016 wieder zu öffnen. Doch bereits im ersten Jahr wurden erste Verzögerungen festgestellt. Laut Reinhold Zorn, Leiter der Abteilung Bädertechnik bei den Stadtwerken München, stellte sich heraus, dass die Bausubstanz schlechter war, als in den Voruntersuchungen erwartet.
Diese Erkenntnis führte dazu, dass mehr Betonsanierungsarbeiten und Demontagen notwendig wurden, als ursprünglich geplant. Die Planung war somit von vornherein unrealistisch.
Trennung von Baufirma
Ein weiteres Problem trat im Verlauf des Projekts auf, als die Stadtwerke München sich von einer der verantwortlichen Baufirmen trennen mussten. Laut Michael Solic, Sprecher der SWM, war das Gewerk, das diese Firma betreut hatte, entscheidend für den weiteren Baufortschritt.
Die Trennung führte zu einer weiteren Zeitverzögerung, da die Arbeiten erst nach Einstellung einer neuen Firma fortgeführt werden konnten. Obwohl die Stadtwerke beteuerten, dass es keinen Baustopp gegeben habe und die Arbeiten im Innenbereich weitergingen, wirkte die Verzögerung sich spürbar auf den gesamten Projektverlauf aus.
Wetterbedingungen
Ein weiterer Faktor, der die Sanierung verzögerte, waren die Wetterbedingungen. Laut SWM-Sprecher Michael Solic könnten allein zu lange Frostphasen den Plan noch einmal über den Haufen werfen. Die Sanierungsarbeiten erfordern in einigen Bereichen trockene und wärmere Temperaturen, um die Materialien korrekt verarbeiten zu können.
Dies zeigt, wie stark externe Umstände wie das Wetter einen Einfluss auf die Dauer eines Bauprojekts haben können. Obwohl die Stadtwerke versuchten, ihre Planung so flexibel wie möglich zu gestalten, blieb der Faktor Wetter ein Risikopunkt, den sie nicht vollständig kontrollieren konnten.
Verzögerung der Wiedereröffnung
Bereits im Sommer 2015 gab es erste Hinweise darauf, dass die Wiedereröffnung sich verzögern könnte. Laut Reinhold Zorn, der damals bereits im Vorfeld auf die „sportliche Herausforderung“ verwies, war es fraglich, ob das Bad bis zum Herbst 2016 wieder geöffnet werden könnte.
Im April 2016 gab es erste Hoffnungen, dass die Arbeiten bis zum Sommer abgeschlossen sein könnten. Laut SWM-Sprecher Michael Solic sollte das Bad im kommenden Sommer wieder eröffnen, „sofern keine weiteren Verzögerungen auftreten“. Doch diese Hoffnung wurde im Folgejahr enttäuscht.
Im Jahr 2016 gab es erneut eine Verzögerung, und schließlich wurde die Wiedereröffnung des Cosimawellenbads auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut einer Pressemitteilung der Stadtwerke München gab es keinen Baustopp, aber auch keine klaren Erwartungen an einen genauen Termin.
Auswirkungen der Schließung auf die Badegäste
Ausweichen zu anderen Bädern
Die Schließung des Cosimawellenbads betraf nicht nur die unmittelbaren Nutzer, sondern auch die gesamte Bäderstrategie der Stadtwerke München. Insbesondere im Sommer, wenn die Nachfrage nach Schwimmplätzen steigt, mussten Badegäste alternative Bäder aufsuchen.
Laut Berichten mussten einige Gruppen, insbesondere in den Ferien, auf das Nordbad ausweichen. Dies hatte den Vorteil, dass die Badegäste weiterhin Schwimmen konnten, stellte aber eine zusätzliche Belastung für die anderen Bäder dar.
Verlust der Welle
Die Welle, die das Cosimabad so besonders machte, war ein weiterer Verlust, den die Badegäste spürten. Laut Yannick, einem elfjährigen Badegast, war die Welle eine der größten Attraktionen. Auch für andere Familien war das Schwimmen in der Welle ein Erlebnis, das nicht leicht zu ersetzen war.
Die Welle blieb zwar Bestandteil der Sanierung, wurde aber durch ein multifunktionales Schwimmbecken ersetzt, das auch für Schwimmkurse genutzt werden kann. Laut den Planungen der Stadtwerke sollte die Welle erhalten bleiben, doch die Umsetzung dieser Idee blieb unklar.
Personalumsetzung
Während der Sanierungsarbeiten wurden die 18 Mitarbeiter des Cosimabades in andere Bäder der Stadtwerke München versetzt. Ein Bademeister, Uwe Kollin, betonte, dass die Arbeit in anderen Bädern zwar ähnlich sei, aber das Michaelibad etwas größer sei.
Laut Kollin war die familiäre Atmosphäre im Cosimabad jedoch besonders, was viele Badegäste vermissten. Laut Claudia Alder, einer Badegastin, war es gut, dass das Dach vor dem Einsturz renoviert wurde, auch wenn der Zeitpunkt der Sanierung kritisch war.
Fazit
Die Sanierung des Cosimawellenbads war ein Projekt, das von Anfang an mit hohen Erwartungen verbunden war. Die Erneuerung der Holzkonstruktion durch Stahlbau, die Erneuerung der Fassade und Technik, sowie die Verbesserungen für Kinder und Behinderte sollten das Bad fit für die Zukunft machen.
Doch die Realität erwies sich als komplexer. Die Verzögerungen, die sich aus der schlechteren Bausubstanz, der Trennung von einer Baufirma und den Wetterbedingungen ergaben, führten dazu, dass die Wiedereröffnung immer wieder verschoben wurde.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Projekt ein Beispiel dafür, wie die Generalsanierung von Bädern mit weitreichenden Folgen verbunden ist – sowohl für die Bausubstanz als auch für die Nutzer. Die Stadtwerke München betonen, dass die Arbeiten weiterlaufen und keine Baustopps vorliegen.
Zukünftig wird es spannend sein zu beobachten, wann das Cosimabad wieder öffnen wird und ob die geplanten Verbesserungen vollständig umgesetzt werden konnten.