Eterna-Modengruppe: Sanierungsverfahren und Restrukturierungsplan nach dem StaRUG-Gesetz

Einführung

Die Modeholding Eterna, bekannt für die Herstellung von Herren- und Damenhemden, hat sich Ende 2021 in eine finanziell angespannte Situation begeben. Nach fehlgeschlagenen Verhandlungen mit ihren Gläubigern und dem Bruch von Kovenants im Rahmen ihres bestehenden Schuldscheindarlehens entschied sich die Eterna Mode Holding GmbH, ein Sanierungsverfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) einzuleiten. Dieses Verfahren, das ab 2021 in Deutschland verfügbar ist, ermöglicht es Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten, unter gerichtlicher Aufsicht einen Restrukturierungsplan mit einem eingeschränkten Gläubigerkreis umzusetzen, um die langfristige Existenzfähigkeit zu sichern.

In diesem Artikel wird der detaillierte Sanierungsplan von Eterna, die wirtschaftliche Hintergrundlage, der rechtliche Rahmen sowie die Auswirkungen auf Gläubiger und das operative Geschäft dargestellt. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick zu geben, wie ein Unternehmen in der Modebranche durch ein gerichtlich genehmigtes Sanierungsverfahren eine finanzielle Neuaufstellung vollziehen kann – ein Thema, das nicht nur für Modeunternehmen, sondern auch für die Real Estate- und Bauwirtschaft in Krisenzeiten von hoher Relevanz ist.

Die finanzielle Situation der Eterna Mode Holding GmbH

Eterna ist ein traditionsreicher Modehersteller, der sich auf die Produktion von Herren- und Damenhemden spezialisiert hat. Seine Finanzierung basiert auf einer Kombination von Gesellschafterkapital und Fremdkapital, darunter auch Mittelstandsanleihen, die 2017 emittiert wurden und 2024 fällig werden. Im Zuge dieser Finanzierung ist die Holding in eine angespannte Situation geraten, die letztlich zur Notwendigkeit eines Sanierungsverfahrens führte.

Kovenants und deren Bruch

Ein entscheidender Auslöser für die finanzielle Krise war ein Covenant-Bruch in Bezug auf das bestehende Schuldscheindarlehen in Höhe von 25 Mio. Euro, das auf der operativen Ebene der Eterna Mode GmbH besteht. Ein Covenant ist eine vertraglich festgelegte Kondition, die der Schuldner erfüllen muss, um das Darlehen nicht vorzeitig zurückzahlen zu müssen. Der Bruch dieser Kondition führte dazu, dass die Gläubiger ein außerordentliches Kündigungsrecht geltend machen konnten.

Diese Situation führte zu einer Blockade in den Verhandlungen mit den Gläubigern. Weder eine Zinsstundung noch andere Formen der Finanzierungserleichterung führten zu einem Konsens. Die Eterna Holding sah sich daher gezwungen, einen alternativen Weg einzuschlagen: das StaRUG-Verfahren.

Das StaRUG-Verfahren: Rechtlicher Rahmen und Verfahrensablauf

Was ist das StaRUG-Verfahren?

Das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) wurde am 1. Januar 2021 in Deutschland eingeführt und ist ein Instrument zur Sanierung von Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten. Es ermöglicht es Unternehmen, unter gerichtlicher Aufsicht einen sogenannten Restrukturierungsplan zu erstellen und umzusetzen, der zur langfristigen Stabilisierung des Unternehmens führen soll.

Im Gegensatz zum Insolvenzverfahren ist das StaRUG-Verfahren präventiv und zielt darauf ab, das Unternehmen ohne Liquidation zu retten. Es ist insbesondere für Holdinggesellschaften und Konzerne gedacht, bei denen das operative Geschäft weiterhin profitabel ist, aber die Finanzstruktur aufgeklärt oder neu geordnet werden muss.

Voraussetzungen und Ablauf

Ein Sanierungsverfahren nach dem StaRUG setzt mehrere Voraussetzungen voraus:

  • Die Firmengruppe muss wirtschaftlich leistungsfähig bleiben.
  • Die Finanzierung der Sanierung muss durch Eigenkapital oder Fremdkapital gesichert sein.
  • Der Restrukturierungsplan muss von mindestens 75 % der beteiligten Gläubiger genehmigt werden.
  • Der Plan wird bei Gericht eingereicht und muss von einem Gericht genehmigt werden.

Im Fall der Eterna Mode Holding GmbH wurde der Restrukturierungsplan kurzfristig bei Gericht eingereicht, mit dem Ziel, die gerichtliche Bestätigung bis Mitte September 2021 zu erreichen. Zudem wurde ein IDW-S6-Gutachten in Auftrag gegeben, das bestätigte, dass eine Sanierung der Passivseite der Bilanz notwendig ist, um die Finanzstabilität der Holding wiederherzustellen.

Der Restrukturierungsplan der Eterna Mode Holding GmbH

Schuldenschnitt bei der Anleihe 2017/2024

Der zentrale Bestandteil des Sanierungsplans ist ein Schuldenschnitt bei der unbesicherten Mittelstandsanleihe 2017/2024, die mit einem Volumen von 25 Mio. Euro ausgestellt wurde. Im Rahmen dieses Schuldenschnitts sollen die Forderungen der Anleihegläubiger sowie die noch ausstehenden Zinsen mit einer Abfindungsquote von 10 % bedient werden. Diese Quote wird vollständig aus Gesellschaftermitteln gezahlt.

Die Gesellschafterin, Quadriga Capital, verzichtet vollständig auf ihre Forderungen aus Gesellschafterdarlehen in Höhe von insgesamt 32,3 Mio. Euro. Zudem verpflichtet sie sich, zusätzliches Eigenkapital bereitzustellen, das neben der Zahlung der Quote auch zur Finanzierung des operativen Geschäfts eingesetzt wird.

Auswirkungen auf Gläubiger

Die Anleihegläubiger der Eterna Holding müssen sich mit erheblichen Einschnitten auseinandersetzen. Während sie vorher auf die vollständige Rückzahlung des Darlehens und der Zinsen hofften, erhalten sie nun lediglich 10 % der nominalen Forderung. Dies ist ein deutlicher Schuldenschnitt, der jedoch notwendig ist, um die langfristige Stabilität des Unternehmens zu sichern.

Die Schuldscheingläubiger, die ein Kündigungsrecht im Zuge des Covenant-Bruchs hatten, wurden durch ein konstruktives Gespräch mit Eterna beruhigt. Die Holding konnte garantieren, dass das Sanierungsverfahren keine weiteren Kündigungen auslösen wird und dass die Schuldscheingläubiger weiterhin als Finanzierungspartner im operativen Geschäft beteiligt bleiben.

Auswirkungen auf das operative Geschäft

Ein zentraler Punkt des Sanierungsplans ist, dass das operative Geschäft der ETERNA Mode GmbH nicht betroffen ist. Obwohl die Holding in eine finanzielle Krise geraten ist, läuft die Herstellung und Distribution von Hemden weiterhin unverändert. Eterna betont, dass sie ihre strategischen Initiativen, wie die Digitalisierung und Marktausrichtung, weiterhin verfolgen wird, um sich auf die veränderten Marktbedingungen auszurichten.

Dies ist ein entscheidender Vorteil des StaRUG-Verfahrens. Im Gegensatz zum Insolvenzverfahren, das oft zur Stilllegung von Betriebsstätten und Arbeitsplatzverlusten führt, ermöglicht das Sanierungsverfahren eine präventive Stabilisierung, ohne das operative Geschäft zu gefährden.

Die Rolle der Gesellschafter

Die Gesellschafterstruktur von Eterna ist ein weiterer Faktor, der im Sanierungsplan eine Rolle spielt. Die Holding wird hauptsächlich von Quadriga Capital (86 %), Henning Gerbaulet (10 %) und Helmut Kandlbinder (2 %) kontrolliert. In der Sanierung verzichten die Gesellschafter auf ihre Forderungen aus Gesellschafterdarlehen und leisten zusätzliche Mittel, um die Sanierung zu ermöglichen.

Die Verzichterklärung auf die 32,3 Mio. Euro ist ein wichtiger Schritt, um die Gläubiger zu überzeugen, dass die Holding sich nicht nur vorübergehend in eine bessere Lage bringt, sondern langfristig stabilisiert. Zudem wird ein neuer Investor, Robus Capital Management, in das Unternehmen einsteigen, was zusätzliche Finanzierungs- und Strukturierungsmöglichkeiten eröffnet.

Fazit

Die Sanierung der Eterna Mode Holding GmbH im Rahmen eines StaRUG-Verfahrens ist ein Beispiel dafür, wie ein traditionsreicher Modehersteller in einer angespannten finanziellen Lage durch gerichtliche Unterstützung einen Weg zur langfristigen Stabilisierung findet. Der Restrukturierungsplan, der im September 2021 umgesetzt werden sollte, sieht einen Schuldenschnitt bei der unbesicherten Anleihe, die Zurückhaltung der Gesellschafter, die Zusicherung von zusätzlichen Mitteln und die Weiterführung des operativen Geschäfts vor.

Für Unternehmen in der Real Estate- und Bauwirtschaft, die ebenfalls mit finanziellen Engpässen konfrontiert sein können, bietet das Eterna-Beispiel eine wertvolle Orientierung. Es zeigt, dass ein präventives Sanierungsverfahren unter gerichtlicher Aufsicht, kombiniert mit einer klaren Kommunikation mit den Gläubigern, eine nachhaltige Restrukturierung ermöglichen kann – ohne das Unternehmen oder seine Tätigkeit zu verlieren.

Quellen

  1. Sanierung und Nachrichtenarchiv
  2. Eterna-Holding: Sanierung im Starug-Verfahren
  3. Eterna will Gläubiger-Dilemma mit Starug-Verfahren lösen
  4. ETERNA wird Sanierungsfall – Anleihegläubiger sollen 10% Abfindungsquote erhalten
  5. Eterna initiiert ein Starug-Verfahren zur Sanierung der Holding
  6. ETERNA initiiert finanzielle Sanierung der Holding im Rahmen eines StaRUG-Verfahrens

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