Die Wohnraumversorgung und die Sanierung bestehender Gebäude sind zentrale Themen für die Steiermark. In den letzten Jahren hat sich das Land aktiv dafür eingesetzt, den Gebäudebestand zu modernisieren und gleichzeitig den Klimaschutz voranzutreiben. Die Förderung von Sanierungsmaßnahmen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Insbesondere die „Umfassende Sanierung“ ist ein Schwerpunkt des Wohnbauprogramms, das sowohl energetische Effizienz als auch soziale Verträglichkeit in den Vordergrund stellt. Gleichzeitig entstehen innovative Lösungen, die die Sanierungsprozesse beschleunigen und die Lebensqualität der Bewohner*innen steigern.
Ziele und Rahmen der Sanierungsprogramme
Die Steiermark fördert jährlich rund 8.000 Wohnungen und Eigenheime, was einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung und Modernisierung bestehender Wohngebäude darstellt. Die Sanierungen umfassen Maßnahmen wie die Verbesserung der thermischen Qualität der Gebäudehülle, die Umstellung auf alternative Energieformen und die barrierefreie Gestaltung. Ziel ist es, leistbares Wohnen zu schaffen, Arbeitsplätze im Baugewerbe zu sichern und den Klimaschutz voranzutreiben.
Im Rahmen des Wohnbauprogramms wird auch die „Umfassende Sanierung“ gefördert, bei der Gebäude mit mindestens drei Wohnungen umfassend renoviert werden können. Diese Sanierungen beinhalten nicht nur die notwendige Erhaltung, sondern auch erhebliche Modernisierungsmaßnahmen. Ebenso wird die denkmalgerechte Renovierung von baukulturell wertvollen Objekten unterstützt, was zur Revitalisierung von Ortszentren beiträgt.
Innovationen in der Sanierung: Serielle Sanierung
Eine der spannendsten Entwicklungen in der steirischen Sanierungslandschaft ist das Modell der „Seriellen Sanierung“. Ein Projekt, das in der Grüne Gasse 48 in Graz demonstriert wird, setzt auf ein modulares Fassadensystem, das in Vorfertigung hergestellt wird. Diese Elemente enthalten nicht nur bautechnische Strukturen wie Tragkonstruktion, Wärmedämmung und Fenster, sondern auch Technologien wie Photovoltaik, Lüftung und Wärmeabgabesysteme.
Das System ermöglicht es, je nach Bedarf des Gebäudes passende Module auszuwählen und wie bei einem Puzzle zusammenzusetzen. Der Vorteil liegt in der hohen Vorfertigung: Die Montage vor Ort dauert nur wenige Tage und ist für die Bewohner*innen minimalinvasiv. Es entsteht weniger Lärm, weniger Staub und fast kein Müll. Gleichzeitig wird die Ausführungsqualität sichergestellt.
Diese Methode ist besonders attraktiv für Siedlungen oder Wohnbauten, in denen Bewohner*innen nicht aus ihren Wohnungen verlegt werden können. In einem konkreten Projekt wurde nicht nur die Fassade saniert, sondern auch die Wärmeversorgung von dezentralen elektrischen Nachtspeicheröfen auf modernere Systeme umgestellt. Zudem wurde eine Photovoltaikanlage mit 24 kWp auf dem Dach installiert. Insgesamt konnte der Wärmebedarf um 50 % reduziert werden.
Die „Serielle Sanierung“ wird in einem Großforschungsprojekt entwickelt, das von der steirischen Forschungseinrichtung AEE INTEC geleitet wird. Insgesamt sind 17 Partner aus Forschung und Bauindustrie beteiligt. Das Projekt hat bereits weltweit Anerkennung gefunden und wird in mehreren Ländern als Vorbild betrachtet. Zudem wird die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt, um ihre Anwendung zu optimieren.
Förderungen für Sanierungsmaßnahmen
Die Steiermark bietet verschiedene Förderungen, um Sanierungsmaßnahmen attraktiver zu gestalten. Dazu zählen günstige Landesdarlehen, der Jungfamilienbonus und spezielle Zuschüsse für bestimmte Sanierungsmaßnahmen. Beispielsweise wird die Wärmedämmung von Fassaden, Fenstern und Dächern gefördert, ebenso wie der Austausch von Fenstern und Türen. Auch die Sanierung der Kellerdecke oder von Dachschrägen kann gefördert werden.
Ein weiteres zentrales Element der Sanierungsstrategie ist der „Sanierungspass“, ein neues Fördermodell, das voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 eingeführt werden soll. Es ermöglicht die Kombination verschiedener Maßnahmen und belohnt sie mit steigenden Fördersätzen. Dies soll Sanierungsprojekte flexibler und effizienter gestalten.
Zudem werden für Eigenheimneubauten und den Kauf von bestehenden Eigenheimen mit anschließender Sanierung ab dem ersten Quartal 2026 neue Förderungen angeboten. Diese beinhalten auch einen Bonus für Jungfamilien. Zudem wird der Ersatz alter nachhaltiger Heizsysteme durch neue, effizientere Anlagen gefördert – beispielsweise der Wechsel von Holz auf Holz.
Herausforderungen und Kritik an der Sanierungsstrategie
Trotz der positiven Entwicklungen gab es in der Vergangenheit auch Kritik an der Umsetzung der Sanierungsprogramme. Ein Problem war beispielsweise die unerwartete Einstellung bestimmter Fördermaßnahmen im März 2025, was laut Expert*innen der Baubranche und Finanzdienstleistern negative Auswirkungen hatte. Viele Projektträger hatten sich auf diese Förderungen verlassen und mussten daraufhin ihre Planung anpassen.
Diese Entscheidung führte zu Unsicherheit und stellte Investoren vor Herausforderungen. Laut Josef Paul Gasser, stellvertretender Innungsmeister Bau in der Wirtschaftskammer, hat das Aussetzen der Förderungen „eine ganze Saison vernichtet“. Auch Johannes Tratz, stellvertretender Obmann der Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer, kritisierte, dass Kund*innen mit einer „massiven Unsicherheit“ konfrontiert wurden.
Inzwischen arbeitet das Land jedoch an einer schrittweisen Wiederinbetriebnahme der Förderungen. Nach einer umfassenden Evaluierung mit Expert*innen, Wirtschaft und Sozialpartnern wurde ein Fahrplan entwickelt, der ab dem ersten Quartal 2026 neue Förderungen für Eigenheimneubauten und Sanierungen starten soll. Zudem wird ein „Baukastensystem“ mit Zuschlagspunkten eingeführt, das flexibler und zielgerichteter ist.
Zukunft der Sanierungsstrategie
Die Sanierungsstrategie der Steiermark ist stark auf Innovation und Nachhaltigkeit ausgerichtet. Die „Serielle Sanierung“ ist hier ein Paradebeispiel, das die Vorteile der Vorfertigung und Modularität unterstreicht. Gleichzeitig ist es wichtig, die soziale Verträglichkeit der Sanierungsmaßnahmen zu gewährleisten. Die Kombination aus Energieeffizienz, sozialer Verträglichkeit und schneller Umsetzung ist entscheidend, um die Akzeptanz solcher Projekte in der Bevölkerung zu sichern.
Zudem wird der Klimaschutz immer stärker in die Sanierungsplanung einbezogen. Die Reduktion des Wärmebedarfs, die Nutzung erneuerbarer Energien und die Reduzierung von CO₂-Emissionen sind zentrale Ziele. Die Steiermark möchte damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig die Energiekosten für die Bewohner*innen senken.
Fazit
Die Sanierungsstrategie der Steiermark verfolgt ein klare Zielsetzung: die Modernisierung bestehender Gebäude, die Schaffung leistbaren Wohnraums und die Förderung von Innovationen im Bauwesen. Die „Umfassende Sanierung“ ist ein zentraler Baustein dieser Strategie, der sowohl energetische als auch soziale Aspekte berücksichtigt. Gleichzeitig ist die „Serielle Sanierung“ ein Beispiel dafür, wie technologische Innovationen den Sanierungsprozess beschleunigen und gleichzeitig die Lebensqualität der Bewohner*innen steigern können.
Zwar gab es in der Vergangenheit Herausforderungen, insbesondere durch unerwartete Änderungen bei den Förderungen, doch das Land arbeitet aktiv an der Stabilisierung des Programms. Mit der Einführung des „Sanierungspasses“ und der Wiederinbetriebnahme von Förderungen für Eigenheime und Jungfamilien wird die Sanierungsstrategie in den kommenden Jahren weiterentwickelt.
Die Steiermark zeigt damit, dass es möglich ist, Innovationen aus der Region international zu vermarkten und gleichzeitig die Wohnverhältnisse in der Region zu verbessern. Die Kombination aus Nachhaltigkeit, sozialer Verträglichkeit und technologischer Innovation macht die steirischen Sanierungsprogramme zu einem Modell für andere Regionen in Österreich und darüber hinaus.
Quellen
- Wohnbauprogramm der Steiermark
- Umfassende Sanierung – Förderung durch das Land Steiermark
- Wohnraumoffensive der Steiermark
- Innovative Serielle Sanierung in der Steiermark
- Neue Förderungen für Jungfamilien und Eigenheime
- ORF Steiermark: Wohnraumoffensive und Förderungen
- Förderungsleitfaden für Wohnraumoffensive