Die beiden legendären Hamburger Musikclubs Gruenspan und Indra, gelegen in der Großen Freiheit 58–70 im St. Pauli Kiez, stehen vor einer umfassenden Sanierung, die nicht nur die Räumlichkeiten der Clubs, sondern auch die darüber liegenden Wohnungen einschließt. Diese Sanierung ist aufgrund des bautechnischen Zustandes des Gebäudes dringend notwendig und wird als zentraler Schritt für die Sicherheit, Barrierefreiheit und Zukunftsfähigkeit der Clubs angesehen. Die Stadt Hamburg investiert dafür 14,3 Millionen Euro aus Landesmitteln, wodurch das Projekt in Kürze in die Realisierungsphase geht.
Diese umfassende Renovierung beinhaltet nicht nur bauliche Veränderungen, sondern auch eine strategische Vorbereitung auf die Übergangsphase, in der der Gruenspan während der Baumaßnahmen in ein temporäres Ausweichquartier zieht. Der neue Standort ist Teil einer städtischen Entwicklung im Schanzenviertel und wird die historische Funktion des Clubs auch in der Übergangsphase sicherstellen.
Die folgende Analyse bietet einen detaillierten Einblick in die Planung, Finanzierung, baulichen Maßnahmen und die Auswirkungen auf die Hamburger Kultur- und Clubszene.
Die historische Bedeutung der Clubs
Die Gebäude der Clubs Gruenspan und Indra sind nicht nur architektonische Sehenswürdigkeiten, sondern auch Kulturgut mit einer langen Geschichte. Der heutige Standort des Gruenspan beherbergte bereits ab 1889 den ersten Hamburger Tanzsalon, den „Palmengarten“. Seitdem gab es zahlreiche Umbauten, wechselnde Besitzer und verschiedene Nutzungen, darunter auch eine Zeit als Konzerthalle, Tanzlokal, „Hippodrom“ und Lichtspielhaus. Diese reiche Geschichte macht das Gebäude zu einem Kulturgut, das nicht nur baulich, sondern auch kulturell wertvoll ist.
Die Indra, ebenfalls in der Großen Freiheit, ist als historischer Musikclub eng verbunden mit der Entwicklung der Hamburger Rock- und Popmusikszene. Hier spielten Künstler:innen, die später internationale Bekanntheit erlangten, ihre ersten Konzerte. Die Clubs sind somit nicht nur Spielstätten, sondern auch kulturelle Institutionen, die ihre Stätte in der Stadtgeschichte bewahren müssen.
Der bauliche Zustand und die Sanierungsnotwendigkeit
Der Zustand des Gebäudes, in dem der Gruenspan und der Indra beheimatet sind, hat sich im Laufe der Jahrzehnte so verschlechtert, dass eine umfassende Sanierung dringend erforderlich ist. In den bisherigen Maßnahmen wurden nur vorübergehende Reparaturen durchgeführt, die nicht für eine langfristige Nutzung ausreichen. Das Gebäude weist Mängel in Bezug auf die Statik, den Brandschutz, die Fassaden sowie die technischen Räume auf.
Die Stadt Hamburg hat diese Situation analysiert und kam zu dem Schluss, dass die Sanierung nicht nur aus baulichen Gründen, sondern auch aus Gründen der Sicherheit und Barrierefreiheit unbedingt notwendig ist. So ist beispielsweise vorgesehen, die Fassaden beider Clubs grundlegend zu sanieren und den Brandschutz zu verbessern. Ein weiteres Ziel ist die Erweiterung der Technik- und Nebenflächen, insbesondere für den Gruenspan, der im Backstage-Bereich einen Neubau erhält. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Sicherheit bei, sondern auch zur Erhöhung der Kapazität und zur besseren Planbarkeit von Veranstaltungen.
Die Sanierungsplanung und der Zeitplan
Die Planung der Sanierung ist bereits weit fortgeschritten. Nach den letzten Planungsphasen ist vorgesehen, dass die Sanierungsarbeiten im Sommer 2025 beginnen. Dieser Zeitplan ermöglicht es, die Baumaßnahmen innerhalb eines klaren Zeitrahmens zu planen und durchzuführen. Der Gruenspan wird in dieser Zeit in ein temporäres Ausweichquartier umziehen, während die Arbeiten an seinem jetzigen Standort durchgeführt werden. Der Indra bleibt dagegen für die Dauer der Sanierung geöffnet, da sein baulicher Zustand es noch ermöglicht, den Betrieb fortzusetzen.
Der Ausweichort für den Gruenspan ist bereits identifiziert: Die Halle D auf dem Fleischgroßmarkt in der Lagerstraße 11. Diese Halle, die früher für die Schlachtung und Zerlegung genutzt wurde, wird umfassend umgebaut und ist für den Konzertbetrieb hergerichtet. Die Umbauarbeiten beginnen Anfang März 2025. Die Halle verfügt über eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern und bietet Platz für bis zu 950 Personen. Das ist eine ähnliche Kapazität wie im aktuellen Gruenspan.
Ein weiteres wichtiges Merkmal des Ausweichquartiers ist die Barrierefreiheit. Der Zugang zur Halle wird barrierefrei gestaltet, sodass der Club für alle Besucher:innen zugänglich bleibt. Der Zugang erfolgt über die Lagerstraße, und es wird eine Verbindung zur S-Bahnstation Sternschanze sowie zum Parkhaus Messe hergestellt. Das Ausweichquartier wird somit nicht nur eine technisch ausreichende Spielstätte bieten, sondern auch die kulturelle Funktion des Gruenspan in der Übergangszeit sichern.
Die Finanzierung der Sanierung
Die Finanzierung der Sanierung ist ein entscheidender Punkt, der in den letzten Planungsphasen besondere Aufmerksamkeit erforderte. Ursprünglich sollte das Projekt vom Bund gefördert werden, doch die geplante Bundesförderung im September 2024 kam nicht zustande. Daher hat die Stadt Hamburg entschieden, die Sanierung aus Landesmitteln zu finanzieren. Im Rahmen der Haushaltsberatungen der Bürgerschaft wurde beschlossen, dass die Stadt 14,3 Millionen Euro für die Sanierung bereitstellt. Diese Mittel stammen aus Restmitteln des Sanierungsfonds der Bürgerschaft und Reservepositionen der Finanzbehörde.
Zusammen mit Eigenmitteln der gewerblichen Immobiliengesellschaft Sprinkenhof, die zur Finanzbehörde gehört und das Grundstück seit 1999 im Besitz hat, beläuft sich das Gesamtprojekt auf ein Volumen von 18,9 Millionen Euro. Die Mietverhältnisse mit den Clubs sowie mit den Mieter:innen der darüber liegenden Wohnungen werden fortgeführt. Damit wird nicht nur die bauliche Sanierung ermöglicht, sondern auch der soziale Charakter der Räumlichkeiten erhalten.
Die baulichen Maßnahmen im Detail
Die Sanierung der Clubs Gruenspan und Indra umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die sowohl ästhetische als auch funktionale Aspekte berücksichtigen. Im Fokus stehen dabei die Sanierung der Fassaden, die Verbesserung des Brandschutzes und die Erweiterung der Technikflächen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Gruenspan gewidmet, da die baulichen Maßnahmen hier intensiver sind.
Fassadensanierung
Die Fassaden beider Clubs werden grundlegend saniert. Dies beinhaltet die Reinigung, das Entfernen von Schäden und die Wiederherstellung der ursprünglichen Struktur. Besonders beim Gruenspan wird an der Südseite eine neue Fassade errichtet, die als zusätzliche tragende Hülle dient. Diese Maßnahme hat nicht nur bauliche, sondern auch ästhetische Vorteile. So wird das historische Wandbild, das von den Künstlern Werner Nöfer und Dieter Glasmacher stammt, auf der neuen Fassade neu aufgetragen. Das Wandbild, das 1968 entstand, ist 500 m² groß und ein Wahrzeichen des Gruenspan. Die Sanierung der Fassaden trägt somit zur Erhaltung der historischen Identität des Clubs bei.
Brandschutzverbesserungen
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung ist der Brandschutz. Beide Clubs sind teils denkmalgeschützt, was bedeutet, dass bauliche Maßnahmen sorgfältig geplant und durchgeführt werden müssen, um den historischen Charakter nicht zu zerstören. Dennoch sind Verbesserungen notwendig, um die Sicherheit der Besucher:innen und Mitarbeiter:innen zu gewährleisten. Die Sanierungsmaßnahmen beinhalten die Einrichtung von zusätzlichen Rettungs- und Fluchtwegen, die Installation von Rauchabzugsanlagen und die Modernisierung der Brandmeldeanlagen.
Diese Maßnahmen sind nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch ein Schritt in Richtung moderner Veranstaltungsstätten, die den heutigen Sicherheitsstandards entsprechen.
Erweiterung der Technikflächen
Ein weiteres zentrales Projekt ist die Erweiterung der Technik- und Nebenflächen, insbesondere im Gruenspan. Der Club erhält im Backstage-Bereich einen Neubau, der die Technikflächen erweitert und den Bedarf an zusätzlichen Räumen für Künstler:innen, Techniker:innen und Veranstaltungsplaner:innen abdeckt. Diese Erweiterung ist nicht nur eine bauliche Anpassung, sondern auch ein Schritt in Richtung professioneller Veranstaltungsplanung und -ausrichtung.
Durch diese Maßnahmen wird die Kapazität des Gruenspan von etwa 900 auf 1.100 Personen erhöht. Dies ist ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Clubs, da die Konkurrenz im Hamburger Musikszene stetig wächst und der Gruenspan wettbewerbsfähig bleiben muss.
Die Auswirkungen auf die Hamburger Kultur- und Clubszene
Die Sanierung des Gruenspan und des Indra hat nicht nur bauliche, sondern auch kulturelle und wirtschaftliche Auswirkungen. Beide Clubs sind Ikonen der Hamburger Livebühnenlandschaft und tragen maßgeblich zur Identität der Stadt bei. Ihre Sanierung ist daher nicht nur ein baulicher Prozess, sondern auch ein kultureller Impuls, der die Zukunft der Hamburger Clubkultur sichert.
Senator Carsten Brosda betont in mehreren Erklärungen, dass die Clubs „aus der Hamburger Livebühnenlandschaft nicht wegzudenken“ sind. Er freue sich sehr, „diese beiden Ikonen des Kiez‘ bald in neuem Glanz zu sehen.“ Die Sanierung ist somit nicht nur eine Investition in bauliche Strukturen, sondern auch in die kulturelle Identität der Stadt.
Zudem hat die Sanierung wirtschaftliche Vorteile. Die Investitionen in die Clubs werden auch indirekt den Handel, die Gastronomie und den öffentlichen Nahverkehr in der Region St. Pauli und im Schanzenviertel unterstützen. Der neue Standort des Gruenspan im Schanzenviertel wird beispielsweise durch die Nähe zur S-Bahn und zum Parkhaus Messe eine bessere Erreichbarkeit bieten, was auch für die Nachbarschaft von Vorteil ist.
Die Rolle der Stadt und der Finanzbehörde
Die Stadt Hamburg und insbesondere die Finanzbehörde spielen eine zentrale Rolle in der Planung und Durchführung der Sanierungsmaßnahmen. Die Finanzbehörde ist nicht nur Eigentümerin des Grundstücks, sondern auch Verantwortliche für die Finanzierung des Projekts. Dies zeigt, dass die Sanierung nicht nur als baulicher Akt gesehen wird, sondern auch als Investition in die kulturelle Infrastruktur der Stadt.
Die Stadt hat sich auch dafür eingesetzt, dass der Gruenspan während der Sanierungsarbeiten einen Interimsstandort hat, um den Spielbetrieb nicht gänzlich zu unterbrechen. Der neue Standort in der Lagerstraße 11 wurde nach intensiven Planungen ausgewählt und wird von der Stadt finanziell unterstützt. Dies unterstreicht die Bedeutung des Clubs für die Hamburger Kultur.
Zudem ist vorgesehen, dass auf dem Grundstück, auf dem der Gruenspan steht, ein Azubi-Wohnheim für die Hamburger Stadtwirtschaft gebaut wird. Dies zeigt, dass die Sanierungsmaßnahmen nicht isoliert betrachtet werden, sondern in einen größeren städtischen Entwicklungsplan eingebettet sind.
Fazit
Die Sanierung der Hamburger Musikclubs Gruenspan und Indra ist ein umfassendes Projekt, das nicht nur bauliche, sondern auch kulturelle, wirtschaftliche und soziale Aspekte berücksichtigt. Die Investitionen der Stadt Hamburg in die Sanierung zeigen, dass die Erhaltung historischer Kulturorte eine zentrale Aufgabe in der Stadtentwicklung ist. Die Sanierungsmaßnahmen tragen nicht nur zur Sicherheit und Barrierefreiheit bei, sondern auch zur Zukunftsfähigkeit der Clubs.
Die Planung ist weit fortgeschritten, und die Sanierung wird in Kürze beginnen. Der Gruenspan zieht in ein temporäres Ausweichquartier, während die Arbeiten an seinem historischen Standort durchgeführt werden. Der Indra bleibt in dieser Zeit geöffnet. Die Maßnahmen sind geplant, um den historischen Charakter der Clubs zu bewahren, ihre Funktion als Livebühnen zu stärken und sie für die Zukunft fit zu machen.
Die Sanierung ist somit nicht nur ein baulicher Akt, sondern auch ein Impuls für die Hamburger Kultur- und Clubszene, der die historische Bedeutung der Clubs betont und gleichzeitig ihre Rolle in der modernen Stadtgesellschaft sichert.
Quellen
- Finanzierungs-Schub macht Sanierung der St. Pauli-Traditionsclubs „Gruenspan“ und „Indra“ möglich
- Gruenspan und Indra sollen saniert werden
- Sanierung der Musikclubs Gruenspan und Indra
- FAQ – Gruenspan
- Finanzierungs-Schub macht Sanierung der St. Pauli-Traditionsclubs „Gruenspan“ und „Indra“ möglich
- Hamburger Clubszene: "Mutter aller Clubs" zieht auf den Fleischgroßmarkt
- Hamburger Clubs Gruenspan und Indra sollen saniert werden
- Gruenspan Ausweichquartier gefunden: Lagerstraße / Fleischgroßmarkt