Sanierung des Ovaverva Hallenbades in St. Moritz: Herausforderungen, Kosten und Konsequenzen

Einleitung

Die Sanierung des Ovaverva Hallenbades in St. Moritz, ein zentraler Anziehungspunkt des Schweizer Ferienortes, hat sich zu einem Mammutprojekt entwickelt. Der 2014 eröffnete Neubau, der nach langen Planungsphasen als „Befreiungsschlag“ angesehen wurde, geriet bereits nach kurzer Zeit in die Kritik, da er massive Baumängel aufwies. Diese Probleme führten schließlich zu einer notwendigen, aber kostspieligen Sanierung, die 2025 beginnen wird und 12,25 Millionen Franken kostet – deutlich mehr als ursprünglich geplant.

Die Kostenentwicklung, die konkreten Sanierungsmaßnahmen, die Rolle der verantwortlichen Bauunternehmen sowie die Auswirkungen der 13-monatigen Schließung auf das touristische Angebot und die lokalen Einnahmen sind zentrale Themen dieses Beitrags. Anhand der verfügbaren Quellen wird ein detaillierter Überblick über den Status quo und die Planung des Projekts gegeben, wobei ausschließlich die in den Quellen genannten Fakten berücksichtigt werden.

Geschichte und Planung des Ovaverva Hallenbades

Eröffnung und Erwartungen

Das Ovaverva Hallenbad, Spa & Sportzentrum wurde im Juli 2014 eröffnet und war das Resultat einer langen Diskussion über die Modernisierung des alten Hallenbads in St. Moritz. Das Projekt war von Anfang an mit hohen Erwartungen verbunden. Es sollte nicht nur ein neues Bade- und Wellnessangebot schaffen, sondern auch ein Symbol für den sportlichen und gesellschaftlichen Fortschritt des Ortes sein. Die Architektengemeinschaften Bearth & Deplazes aus Chur und Morger + Dettli aus Basel verantworteten den Entwurf, der auf vier Stockwerken ein zeitgemäßes Hallenbad mit Aussenbad, Sonnenterrasse, Wellnessanlage, Fitnesscenter, Outdoorsport-Zentrum und Bistro integrierte.

Die Baukosten betrugen insgesamt 69 Millionen Franken. Die Gemeinde St. Moritz hatte sich für den Neubau entschieden, nachdem diverse Sanierungsversuche des alten Hallenbades gescheitert waren. Das Ziel war es, einen modernen, multifunktionalen Anbau zu schaffen, der sowohl für Einwohner als auch für Gäste attraktiv wäre. Die Eröffnung war von großer Aufmerksamkeit begleitet – über 6000 Besucher nahmen an den Eröffnungstagen teil.

Frühzeitige Mängel und Reaktionen

Doch bereits nach sechs Jahren Betriebszeit zeigten sich erste Mängel. Diese führten dazu, dass 2019 ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren angeordnet wurde, um die Ausmaße der Probleme zu klären. Es stellte sich heraus, dass die Mängel so gravierend waren, dass eine umfassende Sanierung unumgänglich wurde.

Die Mängel betreffen insbesondere die Abdichtungen der unterirdischen Gebäudehülle gegen Grundwasser sowie die Abdichtungen unter den Plattenbelägen an Boden, Wänden und in den Wasserbecken. Zudem sind Rinnen, Abläufe und Dampfbäder mangelhaft. Schäden wurden auch im Glasmosaik im Wellnessbereich festgestellt.

Diese Probleme führten zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Funktion des Hallenbades und machten eine Sanierung notwendig. Die ursprünglich geplanten Sanierungsmaßnahmen waren auf den sogenannten „Mängeln der Priorität 1“ ausgerichtet. Doch das Projekt wurde später auf die Priorität 2 ausgeweitet, was zu einem deutlichen Anstieg der Kosten führte.

Kostenentwicklung und Finanzierung

Ursprünglicher Kostenvoranschlag

Die Gemeinde St. Moritz hatte zunächst mit Kosten in Höhe von 8,7 Millionen Franken für die Sanierung gerechnet. Dieser Betrag war auf die Beseitigung der schlimmsten Mängel ausgerichtet. Doch die konkrete Sanierung wurde auf eine umfassendere Maßnahme ausgeweitet, wodurch sich die Kosten um 2,25 Millionen Franken erhöhten. Der neue Kostenvoranschlag beträgt somit 12,25 Millionen Franken und basiert auf einem sogenannten „Worst Case Szenario“.

Zusätzliche Kostenpositionen

Zusätzlich zu den reinen Sanierungskosten entstehen weitere Ausgaben. Dazu zählen:

  • Einnahmeausfälle und Betriebsaufwendungen: 4 Millionen Franken
  • Vorleistungen: 1,7 Millionen Franken

Diese Positionen sind notwendig, da das Hallenbad während der Sanierungsarbeiten für 13 Monate geschlossen sein wird. Die Gemeinde wird also nicht nur für die Reparaturen, sondern auch für den finanziellen Verlust während der Schließungsphase aufkommen.

Finanzierungsmodelle und Haftung der Bauunternehmen

Ein zentrales Thema ist, wer letztlich für die Sanierungskosten verantwortlich ist. Die Gemeinde St. Moritz hat angekündigt, die verantwortlichen Bauunternehmen in die Pflicht zu nehmen. Allerdings ist unklar, ob diese Bereitschaft zur Kostenübernahme zeigen. Sollte es keine Zustimmung seitens der Bauunternehmen geben, wird die Gemeinde die Sanierungsmaßnahmen trotzdem durchführen, um die Dringlichkeit der Mängel zu bewältigen. Anschließend plant sie, die Kosten von den betroffenen Unternehmen zurückzufordern.

Diese Vorgehensweise zeigt, dass die Gemeinde St. Moritz den Schutz der Interessen der Steuerzahler priorisiert, auch wenn sie dafür vorerst zusätzliche Mittel bereitstellen muss.

Sanierungsmaßnahmen

Kernmaßnahmen: Schwimm- und Badebecken

Die Sanierung des Ovaverva Hallenbades konzentriert sich hauptsächlich auf die Beseitigung der Mängel an den Schwimm- und Badebecken. Die bestehenden Becken werden so weit wie nötig abgebaut und durch Edelstahlbecken ersetzt. Dieser Schritt ist von zentraler Bedeutung, da die alten Becken aufgrund von Mängeln an der Abdichtung undicht und damit unbrauchbar gewesen sind.

Die Wahl von Edelstahl als Material hat mehrere Vorteile. So bietet Edelstahl eine hohe Korrosionsbeständigkeit, ist hygienisch einwandfrei und ermöglicht eine bessere Wartung. Zudem bietet es eine längere Lebensdauer im Vergleich zu herkömmlichen Materialien, was langfristig Kosten sparen könnte.

Ergänzende Verbesserungen

Neben der Sanierung der Schwimm- und Badebecken sind auch weitere Verbesserungen im Rahmen des Projekts geplant. Dazu gehören:

  • Neue Attraktionen für Kinder: Im Kinderplanschbecken werden neue Elemente integriert, um das Angebot attraktiver zu gestalten.
  • Verbesserung der Betriebsabläufe: Die Gemeinde investiert zusätzlich 1 Million Franken, um Betriebsabläufe und Angebote im Allgemeinen zu optimieren.
  • Modernisierung des Spa-Bereichs: Im Spa-Bereich ist ein neues Kältetauchbecken geplant, das das Angebot für Wellness-Gäste erweitert.

Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Funktion des Hallenbades wiederherstellen, sondern auch das Angebot für die Besucher verbessern und somit langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Zentrums stärken.

Zeitplan und Schließungsmaßnahmen

Baubeginn und Dauer der Sanierung

Der Baustart für die Sanierungsarbeiten ist für den 1. April 2025 geplant. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich 13 Monate dauern. Während dieser Zeit wird das Ovaverva Hallenbad, Spa und Sportzentrum vollständig geschlossen sein. Diese Schließung betrifft nicht nur das Hallenbad, sondern auch den Wellness- und Sportbereich. Die Entscheidung für eine umfassenden Schließung liegt daran, dass die Sanierungsarbeiten umfangreich sind und eine kontinuierliche Nutzung des Zentrums nicht möglich ist.

Alternativen für Gäste

Um die touristischen und sportlichen Angebote während der Schließung nicht vollständig zu unterbrechen, hat die Gemeinde Alternativen bereitgestellt. So bleibt beispielsweise das Outdoorcenter von Suvretta Sports geöffnet und ist in der Zeit vorübergehend im Forum Paracelsus, direkt neben dem Ovaverva, untergebracht. Für das Fitness-Training steht das update Fitnesscenter in St. Moritz Dorf zur Verfügung.

Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Gäste auch während der Sanierungsarbeiten ihre sportlichen und Wellness-Aktivitäten in der Region fortsetzen können.

Projektgenehmigung und politische Hintergründe

Zustimmung durch den Gemeindevorstand

Der Gemeindevorstand von St. Moritz hat das Sanierungsprojekt bereits gutgeheißen. Die endgültige Genehmigung liegt nun beim Gemeinderat, der das Projekt am Mittwochabend beraten und beschließen wird. Da es sich um eine gebundene Ausgabe handelt, kann der Gemeinderat diese beschließen, ohne dass ein Referendum durchgeführt werden muss.

Referendum für Optimierungsmaßnahmen

Hingegen unterliegen die Kosten des Optimierungsprojekts, das zusätzliche Verbesserungen beinhaltet, einem fakultativen Referendum, da dies eine frei bestimmbare Ausgabe darstellt. Dies bedeutet, dass die Bevölkerung St. Moritz eine Abstimmung anfordern kann, sollte sie sich nicht mit der Ausgabenplanung einverstanden sein.

Fazit

Die Sanierung des Ovaverva Hallenbades in St. Moritz ist ein Projekt, das aufgrund der frühen Mängel an einem noch jungen Gebäude notwendig geworden ist. Mit einer Kostensteigerung auf 12,25 Millionen Franken und einer 13-monatigen Schließung des Zentrums ist das Vorhaben eine erhebliche Herausforderung für die Gemeinde. Dennoch ist es notwendig, um die Funktion und Attraktivität des Hallenbades wiederherzustellen.

Die Gemeinde St. Moritz hat sich entschlossen, die Bauunternehmen in die Pflicht zu nehmen und die Kosten nachträglich zurückzufordern, falls diese nicht von den Firmen übernommen werden. Zudem sind umfassende Sanierungsmaßnahmen geplant, die nicht nur die Mängel beheben, sondern auch das Angebot für die Besucher optimieren. Der Baustart ist für den April 2025 geplant, und das Wiedereröffnungstermin ist für den Mai 2026 vorgesehen.

Das Projekt zeigt, wie wichtig es ist, bei der Planung und Ausführung von Bauwerken auf Qualität und Langlebigkeit zu achten. Es unterstreicht zudem die Bedeutung von klaren Verantwortlichkeiten und finanziellen Absicherungen, um Kostensteigerungen und langfristige Probleme zu vermeiden.

Quellen

  1. Sanierung des St. Moritzer Hallenbades kostet 12 Millionen Franken
  2. Wegen BauMängeln: St. Moritz muss Ovaverva-Hallenbad teuer sanieren
  3. Baumängel: Hallenbad-Sanierung in St. Moritz kostet 12 Millionen Franken
  4. Sanierungskosten des St. Moritzer Hallenbads werden höher als geplant
  5. Sanierung des noch nicht einmal zehn Jahre alten Hallenbades in St. Moritz
  6. St. Moritz-Hallenbad Ovaverva schließt für Sanierung
  7. Sanierung des St. Moritzer Hallenbades kostet 12 Millionen Franken

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