Die Freizeiteinrichtung Heloponte in Bad Wildungen, ein langjähriges Wahrzeichen der Stadt, stand im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen und Gutachten, bis sie im Jahr 2023 aufgrund schwerwiegender baulicher Mängel endgültig geschlossen werden musste. Die Entscheidung zur Schließung und später zur Abrissgenehmigung war nicht allein politisch motiviert, sondern folgte objektiven Gutachten, die die Einsturzgefahr sowie die Unmöglichkeit einer wirtschaftlichen Sanierung dokumentierten. In diesem Artikel werden die Hintergründe, die aufgetretenen baulichen Defizite, die durchgeführten Sanierungsversuche, sowie die Schritte bis hin zum Abbruch detailliert analysiert, um eine fundierte Übersicht für Eigentümer, Kommunen und Fachleute in der Sanierungs- und Baubranche zu liefern.
Historische Entwicklung und frühere Sanierungsmaßnahmen
Der Heloponte wurde in den Jahren 1975 bis 1978 errichtet und war von Anfang an als zentraler Freizeit- und Erholungsbereich für die Stadt Bad Wildungen konzipiert. Die Einrichtung umfasste ein Hallenbad, ein Freibad mit Liegewiesen, eine Saunalandschaft, eine Kunsteisbahn, eine Großrutsche, einen Wintergarten und einen Erlebnisbereich für Kinder. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Angebot stetig erweitert, um den sich wandelnden Anforderungen der Bevölkerung zu entsprechen. So fanden bis 1996 mehrere Modernisierungsmaßnahmen statt, darunter die Erweiterung des Eingangs- und Kassenbereichs, die Sanierung der Helohütte/Gastronomie, die Erneuerung des Freibads und die Verbesserung der Infrastruktur.
Die ersten größeren Sanierungsarbeiten fanden bereits in der Mitte der 1980er Jahre statt, als die Dachhaut saniert und die Dachkonstruktion verstärkt werden musste. Im Jahr 2004 folgte eine weitere umfassende Sanierung der Dachkonstruktion, bei der Kosten von rund 1,8 Millionen Euro anfielen. Diese Arbeiten waren notwendig, nachdem der Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall im Jahr 2006 aufgefallen war und dadurch nationale Sicherheitschecks an ähnlichen Dachkonstruktionen erforderlich wurden. In den darauffolgenden Jahren wurde zudem eine jährliche Überprüfung der Leimbinder durchgeführt, da diese als tragendes Element der Dachkonstruktion besonders kritisch betrachtet wurden.
Bauliche Degradation und wachsende Risiken
Trotz dieser Sanierungsmaßnahmen war die Bausubstanz des Heloponte in den späten 2000er Jahren zunehmend marode. Im Jahr 2011 wurde der sanierungsbedürftige Zustand offiziell festgestellt, und es wurden umfangreiche Gutachten erstellt, die den Zustand der Dachkonstruktion, der Schwimmbad- und Lüftungstechnik sowie der allgemeinen Tragfähigkeit des Gebäudes analysierten.
Ein zentrales Problem lag in den Holzleimbindern, die die Dachkonstruktion trugen. Diese Holzträger, die für den charakteristischen geschwungenen Dachbau des Heloponte verantwortlich waren, zeigten massive Schwunderscheinungen. Ein Holzgutachter diagnostizierte, dass ein Drittel der Binder bereits weggefault war. Besonders problematisch war, dass der Binder, der 2017 noch aufwendig saniert worden war, sich weiter verschlechtert hatte. Diese Degradation stellte eine direkte Einsturzgefahr dar, nicht nur für das Hallenbad, sondern auch für das direkt angrenzende Freibad, da die Fassade unter dem Einsturz der Dachkonstruktion mitgerissen werden konnte.
Die Stahlbewehrung im Beton der Dachkonstruktion war über weite Strecken rostig und löchrig. Ein Gutachter beschrieb den Zustand des Hallenbads als „eine Tropfsteinhöhle“, was den katastrophalen Zustand verdeutlichte. Die statischen und bautechnischen Defizite führten immer wieder zu Betriebsunterbrechungen, Einschränkungen für die Gäste und Notfalleinsätzen. So mussten beispielsweise Leitungsschäden behoben, Notabstützungen vorgenommen und defekte Fassadenverglasungen ersetzt werden.
Die Entscheidung zur Schließung und Schließung des Freibades
Im Jahr 2023 ergab eine erneute Untersuchung der Leimbinder, dass mehrere Binder nicht mehr tragfähig waren und dringend ersetzt werden müssten. Gleichzeitig stellte ein Betongutachten fest, dass eine Sanierung der bestehenden Struktur weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll sei. Die Kosten einer umfassenden Sanierung hätten sich auf mehrere Millionen Euro belaufen, und selbst dann wäre die Standsicherheit nicht gewährleistet gewesen. Diese Erkenntnisse führten dazu, dass die Stadt Bad Wildungen beschloss, das Heloponte endgültig zu schließen. Die Entscheidung war emotional aufgeladen, da das Heloponte nicht nur eine technische Einrichtung, sondern auch ein symbolisches und soziales Zentrum der Stadt war.
Die Schließung betraf nicht nur das Hallenbad, sondern auch das Freibad. Aufgrund der strukturellen Verbindungen zwischen beiden Anlagen und der Einsturzgefahr bestand das Risiko, dass die Fassade des Hallenbads auf das Freibad stürzen könnte. Deshalb wurde auch das Freibad geschlossen, was in der Vergangenheit eine lang erwartete Erleichterung für die Stadt gewesen wäre. Der Hauptamtsleiter der Stadt erklärte, dass zum ersten Mal seit zehn Jahren genügend Personal für den Freibadbetrieb vorhanden gewesen sei, doch die Sicherheitsbedenken ließen keine andere Option zu.
Planung des Abbruchs und Schadstoffsanierung
Nach der Schließung folgten politische Diskussionen und Gutachten, die schließlich zur Entscheidung für den Abbruch führten. Im November 2024 wurde die Abbruchgenehmigung für den gesamten Komplex erteilt. Die Arbeiten begannen am 28. April 2025 mit der Schadstoffsanierung, da im Gebäude gefährliche Materialien wie Asbestdichtungen und Mineralwolledämmeisen entdeckt worden waren. Diese Schadstoffe wurden vorsichtig und unter Schutzkleidung ausgebaut, in spezielle Säcke verpackt und auf der Eisbahnfläche zwischengelagert, um später transportiert zu werden. Die Schadstoffsanierungsarbeiten wurden größtenteils abgeschlossen, bevor die eigentlichen Abrissarbeiten begannen.
Während der Arbeiten wurde ein gerichtlicher Baustopp verhängt, da umstrittene Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung Gegenstand eines Verwaltungsverfahrens waren. Dies führte zu einer Unterbrechung der Arbeiten für einen Monat. Nach der Klärung des Verfahrens konnten die Arbeiten fortgeführt werden. Die Fachfirma, die den Zuschlag nach einem Ausschreibungsverfahren erhalten hatte, setzte sich aus regionalen Unternehmen zusammen, um die Arbeit mit lokalen Ressourcen durchzuführen.
Ausblick und Planung für die Zukunft
Die Schließung des Heloponte markiert einen Abschluss, aber auch einen Neubeginn. Bürgermeister Ralf Gutheil betonte, dass Bad Wildungen ein Schwimmbad benötige, das in den nächsten drei bis fünf Jahren wieder in Betrieb genommen werden müsse. In politischen Gremien wurde ein Runder Tisch eingerichtet, der aus Politikern, Bürgern, Fachplanern, Personal des Heloponte und Verwaltungsmitarbeitern bestand. Dieses Gremium sollte den Weg für einen Neubau oder eine Alternative planen.
Die Stadt sicherte zudem Käufen von Jahres- und Zeitkarten Erstattungen zu, um die finanzielle Belastung für die Nutzer abzufedern. Der Magistrat hatte nichts unversucht gelassen, um zumindest das Freibad zu öffnen, doch die baulichen Risiken machten dies unmöglich. Gutheil stellte klar, dass ein Schwimmbad nicht einfach „ausgeschaltet“ werden könne wie ein Kühlschrank – Sicherheit und langfristige Planung müssten im Vordergrund stehen.
Fazit
Die Geschichte des Heloponte in Bad Wildungen ist ein trauriges Beispiel für die Herausforderungen, mit denen Kommunen konfrontiert sind, wenn historische bauliche Strukturen über ihre ursprüngliche Lebensdauer hinaus genutzt werden. Der Zustand des Gebäudes zeigte, wie kritisch eine sorgfältige Beobachtung und zeitnahe Sanierungsmaßnahmen sein können, um bauliche Katastrophen zu verhindern. Die Entscheidung zur Schließung und später zum Abbruch war nicht leicht, aber sie war notwendig, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.
Für Eigentümer und Kommunen, die mit ähnlichen Situationen konfrontiert sind, bietet die Erfahrung des Heloponte wertvolle Lehren: Regelmäßige Gutachten, transparente Kommunikation mit der Bevölkerung, klare Priorisierung von Sicherheitsaspekten und die Bereitschaft, in schwierigen Fällen den Abbruch in Betracht zu ziehen, sind entscheidend. Obwohl das Heloponte nicht mehr existiert, bleibt die Hoffnung auf eine moderne, sichere Alternative bestehen, die Bad Wildungen in Zukunft wieder als Ort der Erholung und Freizeit nutzen kann.
Quellen
- Bad Wildungen – Presse: Totalabbruch der Freizeiteinrichtung Heloponte
- Eder Dampfradio – Abbrucharbeiten an der Freizeitanlage Heloponte in vollem Gange
- SPD Bad Wildungen – Heloponte: Eine Geschichte von Herausforderungen und Hoffnung
- HNA – Das alte Heloponte öffnet nie wieder
- Bad Wildungen – Presse: Abbrucharbeiten an der Freizeitanlage Heloponte in vollem Gange