Einleitung
Die Sanierung des Leobads in Leonberg stellt ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Modernisierung einer öffentlichen Badeanlage dar. Eröffnet im Jahr 1988, wurde das Freibad nach drei Jahrzehnten intensiver Nutzung gründlich saniert. Ziel der Maßnahme war es, die Anlage technisch und gestalterisch zu erneuern, um sie für die Zukunft fit zu machen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kosten der Sanierung unter den geplanten Budgets blieben, was in der Baubranche nicht ungewöhnlich, aber selten ist.
Durch eine sorgfältige Planung, die Einbindung professioneller Planer und Ingenieure sowie eine transparente Projektsteuerung gelang es, die Anlage in zwei Phasen zu renovieren. Das Ergebnis ist ein modernes, ganzjährig nutzbares Freibad mit erweitertem Angebot, das sowohl sportlich aktive Besucher als auch Familien und Wellness-Liebhaber anspricht.
Dieser Artikel beschreibt die Hintergründe, Planung, Durchführung und Erfolge der Sanierung des Leobads in Leonberg. Dabei werden auch die technischen Herausforderungen, die kostentechnischen Entwicklungen sowie die nachhaltigen Vorteile im Detail analysiert.
Hintergrund und Entscheidung zur Sanierung
Das Leobad wurde im Jahr 1988 eröffnet und war bis zu seiner Sanierung ein zentraler Freizeit- und Sportort in Leonberg. Nach 30 Jahren Betriebszeit stellte sich jedoch fest, dass die Anlage den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Nutzerkomfort nicht mehr gerecht wurde. Zudem war die technische Ausrüstung veraltet, und die bauliche Substanz zeigte Abnutzungen, die dringend Sanierungsmaßnahmen erforderlich machten.
Die Entscheidung für eine umfassende Sanierung fiel im Januar 2017, nach einer intensiven Diskussion innerhalb der Stadtverwaltung. Eine Alternative wäre ein Neubau oder die Schließung der Anlage gewesen, doch beide Optionen wurden verworfen. Stattdessen setzte sich der Erhalt der Anlage unter modernisierten Bedingungen durch. Dieser Entscheidung zugrunde lag auch ein Bürgerentscheid, der den Erhalt des bestehenden Sportzentrums in Leonberg vorsah.
Ziel war es, die Anlage nicht nur zu erneuern, sondern auch zu vergrößern, um das Angebot für die Nutzer zu diversifizieren. Die Sanierung sollte zudem die Energieeffizienz verbessern und langfristig wirtschaftlich sinnvoll sein.
Planung und Projektsteuerung
Die Planung der Sanierung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen. Als Architekten für die gestalterische Umsetzung wurden die 4a Architekten GmbH aus Stuttgart beauftragt. Technische Planungen und Ingenieurleistungen übernahm die ARGE-Leobad, bestehend aus Völlger-Feil-Architekten und L&P Beratende Ingenieure. Letztere verantworteten auch die Objektplanung der Edelstahlbecken, wodurch eine hohe Qualität und Langlebigkeit der Wasserelemente sichergestellt wurde.
Die Projektsteuerung wurde nach dem Leistungsbild AHO (ARGE Hochbau) in den Projektstufen 1 bis 5 durchgeführt. Dieses Vorgehen ermöglichte eine umfassende Planung von der Konzeption bis zur Abnahme. Die Stadtverwaltung Leonberg fungierte als Bauherr, vertreten durch das Gebäudemanagement.
Die Sanierungsmaßnahmen wurden in zwei klar getrennten Bauabschnitten geplant und umgesetzt. Diese Aufteilung hatte den Vorteil, dass die Nutzung der Anlage während der Bauphase so weit wie möglich erhalten blieb. Der erste Bauabschnitt konzentrierte sich auf die Sport- und Schwimmflächen, während der zweite Bauabschnitt der Saunabereich umfasste.
Bauabschnitte und Sanierungsmaßnahmen
Erster Bauabschnitt: Sport- und Schwimmflächen
Der erste Bauabschnitt begann mit der Sanierung der Sport- und Schwimmflächen. Diese Arbeiten umfassten die Erneuerung der Schwimmbecken, die Modernisierung der Technik und die gestalterische Aufwertung der Umgebungsflächen. Die Arbeiten wurden bis 2014 abgeschlossen, wodurch die Wiedereröffnung der Schwimmbereiche für Schulsport, Vereine und allgemeine Nutzer ermöglicht wurde.
Ein zentraler Bestandteil der Sanierung war die Erneuerung der Schwimmbecken, die aus Stahlbeton in Edelstahlbecken umgewandelt wurden. Diese Maßnahme brachte nicht nur ästhetische Vorteile, sondern auch technische Vorteile, da Edelstahlbecken robuster und wartungsärmer sind. Zudem wurden die Rinnenköpfe und Einbauten durch Hochdruckwasserstrahlen und Betonsäge- und Kernbohrarbeiten entfernt und anschließend reprofiliert.
Die technische Infrastruktur wurde ebenfalls überarbeitet. So wurden neue Heizungs-, Lüftungs- und Wasseraufbereitungssysteme installiert, die den Energieverbrauch reduzieren und die Betriebskosten senken. Zudem wurden Risse und Gebäudefugen in den Betonkonstruktionen verpresst, um Grundwassereintritte zu vermeiden.
Zweiter Bauabschnitt: Saunabereich
Der zweite Bauabschnitt beinhaltete die Erneuerung und Attraktivierung der Sauna-Anlage. Diese Arbeiten wurden bis 2016 abgeschlossen und markierten den Abschluss der Sanierungsarbeiten. Die Sauna-Anlage wurde modernisiert und erweitert, um zusätzliche Entspannungsmöglichkeiten für die Nutzer zu bieten.
Diese Erweiterung war von großer Bedeutung, da sie das Angebot der Anlage über das reine Schwimm- und Sportangebot hinaus vergrößerte. So wurde das Leobad von einem reinen Freibad in ein ganzjährig nutzbares Sport- und Wellnesszentrum transformiert, das für verschiedene Zielgruppen attraktiv bleibt.
Technische Herausforderungen
Die Sanierung des Leobads stellte in mehreren Aspekten technische Herausforderungen dar, die mit professioneller Planung und Ausführung gemeistert werden konnten:
Gründung auf schwachem Baugrund: Aufgrund des schlechten Baugrunds wurden die Bestandskonstruktionen mit 611 Ortbetonrammpfählen punktförmig gegründet. Zudem wurden Zugpfähle eingebracht, um die Auftriebsicherung der Becken und unterkellerten Gebäudeteile zu gewährleisten. Diese Maßnahme war erforderlich, da das Gelände in der Nähe des Flusses Glems liegt.
Sanierung des Technikgeschosses: Im Technikgeschoss unterhalb der Badeplatte waren aufwendige Betonsanierungs- und Abdichtungsarbeiten notwendig. Risse und Gebäudefugen wurden verpresst, um drückendes Grundwasser abzuhalten.
Umbau der Schwimmbecken: Die Umstellung von Stahlbetonbecken auf Edelstahlbecken erforderte eine sorgfältige statistische Untersuchung der vorhandenen Strukturen. Die Einbauarbeiten mussten so geplant werden, dass die Bestandskonstruktionen nicht gefährdet wurden.
Kostenentwicklung und Budgettreue
Eine der auffälligsten Erfolgsstorys der Sanierung ist die positive Kostenentwicklung. Laut der Abrechnung der Gesamtmaßnahme, die das Gebäudemanagement dem Sozial- und Kulturausschuss des Gemeinderats vorgelegt hat, lag die ursprünglich geplante Gesamtkosten bei 13,837 Millionen Euro. Die tatsächlichen Kosten betrugen jedoch nur 13,159 Millionen Euro, was einer Unterschreitung um 678.000 Euro entspricht.
Diese Budgettreue ist in der Bauwirtschaft selten, da Sanierungsprojekte oft mit Kostenüberschreitungen verbunden sind. Die Gründe für die günstige Kostenentwicklung können in effizientem Projektmanagement, günstigen Marktbedingungen und genauer Planung liegen. Die Stadtverwaltung Leonberg betont, dass die Sanierung durch eine klare Zieldefinition, eine professionelle Projektsteuerung und eine transparente Kostenkontrolle gelungen wurde.
Erweiterung des Angebots und Nutzen für die Bürger
Die Sanierung brachte nicht nur technische und gestalterische Verbesserungen, sondern auch eine erweiterte Nutzungsmöglichkeit mit sich. Obwohl die Gesamtwasserfläche nach der Sanierung geringer ist als zuvor, bietet das Leobad nun ein breiteres Angebot für verschiedene Nutzergruppen:
- Erlebnisbecken, Schwimmerbecken, Springerbecken, Warmbecken und Kinderbecken sorgen für sportliche und familienfreundliche Angebote.
- Die Sauna-Anlage, die 2016 fertiggestellt wurde, bietet Entspannungsmöglichkeiten über das reine Schwimmbad-Erlebnis hinaus.
- Die Wandlung des Freibades in ein ganzjährig nutzbares Bad ermöglicht eine erweiterte Nutzungszeit und damit eine höhere Attraktivität für die Nutzer.
Durch diese Maßnahmen wurde die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert. Moderne gestalterische Elemente, verbesserte Umgebungsflächen und zeitgemäße Einrichtungen trugen dazu bei, ein angenehmes Ambiente für Besucher zu schaffen.
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung lag auf der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Die Modernisierung der Heizungs-, Lüftungs- und Wasseraufbereitungssysteme führte zu einer reduzierten Energiekosten und einem geringeren ökologischen Fußabdruck. Zudem trugen die hochwertigen Materialien, wie Edelstahl für die Becken, zur Langlebigkeit und Wartungsarmut der Anlage bei.
Diese Maßnahmen zeigen, dass eine nachhaltige Sanierung nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft sein kann. Die Stadt Leonberg setzte mit der Sanierung ein Vorbild für andere Kommunen, die in ähnlicher Weise ihre öffentliche Infrastruktur modernisieren möchten.
Fazit
Die Sanierung des Leobads in Leonberg ist ein Modellprojekt für die erfolgreiche Modernisierung öffentlicher Badeanlagen. Durch die Kombination aus professioneller Planung, technischem Know-how und klarer Zieldefinition gelang es, die Anlage in zwei Phasen zu erneuern, ohne den geplanten Budgetrahmen zu überschreiten.
Die Sanierung erwies sich nicht nur als technisch machbar, sondern auch als wirtschaftlich sinnvoll und nachhaltig. Die positiven Kostenentwicklungen, die erweiterten Nutzungsmöglichkeiten und die verbesserte Nutzererfahrung sprechen für eine gelungene Modernisierung. Zudem dient das Leobad heute als zentraler Freizeit- und Sportort für die Bürger Leonbergs, der sowohl sportlich aktive Besucher als auch Familien und Wellness-Liebhaber anspricht.
Das Projekt unterstreicht, dass mit professionellem Projektmanagement, transparenter Kostenkontrolle und klaren Vorgaben auch komplexe Sanierungsarbeiten erfolgreich umgesetzt werden können. Es bietet wertvolle Erkenntnisse für Planer, Bauherren und Kommunen, die in der Zukunft ähnliche Projekte planen oder umsetzen möchten.