Der Leuchtturm Dornbusch auf der Insel Hiddensee ist nicht nur ein ikonisches Wahrzeichen der Ostseeinsel, sondern auch ein historisches und funktionales Element der regionalen Schifffahrt. Nach einer umfassenden Sanierung, die von Mai bis Oktober 2023 durchgeführt wurde, ist der 27,5 Meter hohe Turm wieder in Betrieb und für Besucher zugänglich. Diese Sanierung war notwendig, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten und die Funktionalität des Leuchtfeuers als Seezeichen aufrechtzuerhalten. In diesem Artikel wird die Hintergrundgeschichte, die Ausmaße der Sanierungsarbeiten, die Herausforderungen bei der Öffnung für den Publikumsverkehr sowie die ökologischen und historischen Aspekte genauer betrachtet.
Historische Bedeutung und Funktion
Der Leuchtturm Dornbusch wurde im Zeitraum von 1887 bis 1888 in Klinkerbauweise errichtet und später mit einem Stahlbetonmantel umkleidet. Er stand über ein Jahrhundert lang unter der Bewirtschaftung von Leuchtturmwärtern, wobei der letzte Wärter Deutschlands im Jahr 1998 seine Arbeit beendete. Danach erfolgte die Übernahme durch automatisierte Systeme, die den Betrieb bis heute sichern.
Der Leuchtturm dient weiterhin als Schifffahrtszeichen in der Ostsee, wobei sein Licht bis zu 45 Kilometer weit sichtbar ist. Die automatisierte Technik ermöglicht eine kontinuierliche Funktion ohne menschliche Betreuung, was den Turm heute noch aktuell und sicher macht. Gleichzeitig bleibt er ein beliebtes Ausflugsziel, das jährlich Tausende Besucher anzieht.
Der Sanierungsbedarf
Die Sanierungsarbeiten wurden aufgrund von strukturellen und Sicherheitsproblemen notwendig. Regelmäßige Bauwerksinspektionen ergaben, dass die Absturzsicherung (Geländer) sowie die Bausubstanz stark in Mitleidenschaft gezogen waren. Insbesondere die Feuchtigkeitsschäden an der Betonaußenhaut und an der Stahlkanzel führten zu einem Risiko für die Sicherheit der Besucher.
Zudem bestand ein Mangel an einem zweiten Rettungsweg, was bei Notfällen problematisch sein konnte. Aufgrund dieser Sicherheitsdefizite wurde der Zugang zum Leuchtturm bereits vor der Sanierung gesperrt. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee (WSA) hat daher eine umfassende Sanierung in Auftrag gegeben, um den Turm wieder sicher und funktional zu machen.
Umfang und Durchführung der Sanierung
Die Sanierungsarbeiten umfassten mehrere Bereiche, darunter:
- Fassade: Die Betonaußenhaut wurde instandgesetzt und repariert.
- Außengalerie: Die Sicherung des Geländers wurde überarbeitet, und neue Sicherheitsscheiben wurden eingesetzt.
- Einhausung der Leuchtfeueroptik: Die optischen Elemente des Leuchtfeuers wurden überprüft und bei Bedarf erneuert.
- Statische Sicherheit: Die Geländer an der Aussichtsgalerie wurden montiert und verstärkt, um einen sicheren Aufenthalt der Besucher zu gewährleisten.
- Absturzsicherung: Die Absturzsicherung wurde neu installiert, um das Risiko von Unfällen zu minimieren.
- Aufräumarbeiten: Nachdem die Hauptarbeiten abgeschlossen waren, folgten noch Aufräumarbeiten, um die Struktur des Turms weiter zu stabilisieren.
Die Arbeiten wurden im Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang Oktober 2023 durchgeführt. Laut Angaben des WSA Ostsee kosteten die Sanierungsarbeiten insgesamt rund 390.000 Euro. Die Kosten umfassen neben den Materialien auch die personellen Ressourcen, die für die Durchführung der Arbeiten erforderlich waren.
Herausforderungen bei der Öffnung für den Publikumsverkehr
Zwar wurde der Leuchtturm saniert und ist technisch wieder voll funktionsfähig, doch die Öffnung für Besucher gestaltete sich aufgrund rechtlicher und baulicher Rahmenbedingungen schwierig. Das Bauamt des Landkreises stellte zunächst „abenteuerliche Bedingungen“ an die Gemeinde Hiddensee. Dazu zählten unter anderem Anforderungen an die Barrierefreiheit und die Notwendigkeit eines zweiten Rettungswegs.
Die Gemeinde argumentierte, dass ein 150 Jahre alter Leuchtturm nicht barrierefrei sein könne und dass die baulichen Gegebenheiten nicht erlauben, einen zweiten Rettungsweg zu errichten. Der Bürgermeister Thomas Gens betonte, dass Bestandsregelungen berücksichtigt werden sollten, um den Leuchtturm wieder öffnen zu können.
Trotz dieser Diskussionen wurde der Leuchtturm letztendlich für Besucher wieder zugänglich. Allerdings bleibt die Frage nach der langfristigen Nutzung für den Besucherverkehr bestehen, da ein entsprechender Antrag beim Landkreis nicht vorliegt. Ein solcher Antrag müsste in Abstimmung mit dem Denkmalschutz gestellt werden, um die Öffnung zu rechtfertigen und zu ermöglichen.
Ökologische und kulturelle Aspekte
Neben den rein technischen Aspekten der Sanierung spielten auch ökologische und kulturelle Faktoren eine Rolle. Unweit des Leuchtturms wurde ein Projekt zur Renaturierung des Dornbusch-Plateaus durchgeführt. Traktoren mit Schneidevorrichtungen setzten sich mit dem Ginster auseinander, der zwar optisch attraktiv ist, aber ökologisch nicht förderlich. Ziel war es, eine halboffene Weidelandschaft zu schaffen, die den nährstoffarmen Trockenrasen als geschützten Lebensraum unterstützt.
Laut Stephanie Puffpaff vom Nationalparkamt Vorpommern ist es wichtig, dass solche Lebensräume erhalten werden, da sie in anderen Regionen oft durch die Landwirtschaft verloren gegangen sind. Der Ginster wird nicht komplett beseitet, sondern nur reduziert, um den Biodiversitätsgehalt der Insel zu erhöhen. Dies zeigt, wie auch bei scheinbar reinen Baumaßnahmen ökologische Aspekte eine zentrale Rolle spielen.
Der Status quo: Leuchtturm in Betrieb und für Besucher zugänglich
Nach Abschluss der Sanierung ist der Leuchtturm Dornbusch seit Anfang November 2023 wieder in Betrieb und für Besucher zugänglich. Das Baugerüst wurde abgebaut, und die Sicherheitsmaßnahmen sind vollständig umgesetzt. Besucher können sich auf eine Aussichtsplattform freuen, von der aus man bei klarer Sicht bis nach Dänemark blicken kann.
Die Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind auf der offiziellen Website der Gemeinde Hiddensee zu finden. Allerdings ist der Leuchtturm im Winter traditionsgemäß geschlossen, sodass die Öffnungszeiten saisonbedingt variieren.
Fazit
Die Sanierung des Leuchtturms Dornbusch auf Hiddensee war eine notwendige und komplexe Maßnahme, die sowohl technische als auch rechtliche Herausforderungen beinhaltete. Mit einem Investitionsvolumen von 390.000 Euro wurde der Turm wieder funktional und sicher gemacht. Gleichzeitig blieb die historische und kulturelle Bedeutung des Leuchtturms erhalten.
Die öffentliche Nutzung des Turms, insbesondere durch Touristen, blieb jedoch aufgrund von baulichen und rechtlichen Einschränkungen vorübergehend eingeschränkt. Dies zeigt, wie sensibel die Balance zwischen Sicherheit, Nutzbarkeit und Erhaltung historischer Bausubstanz sein kann.
Zukünftig wird der Leuchtturm voraussichtlich alle 18 bis 20 Jahre einer ähnlichen Sanierung unterzogen, da die baulichen Gegebenheiten aufgrund der harschen Wetterbedingungen der Ostsee stetig beansprucht werden. Die Erfahrung mit dem Dornbusch könnte auch für andere Leuchttürme in der Region und darüber hinaus eine wertvolle Referenz darstellen, wie man die Herausforderungen der Sanierung und Nutzung historischer Bauten meistert.
Quellen
- Nordkurier – Leuchtturm Dornbusch öffnet wieder für Besucher
- WSA Ostsee – Sanierung Leuchtturm Dornbusch
- Volksstimme – Hiddensees Wahrzeichen ist wieder für Besucher offen
- Ostsee-Zeitung – Hiddensee: Leuchtturm Dornbusch wieder in Betrieb
- Nordkurier – Leuchtturm auf Hiddensee bleibt geschlossen
- mt.de – Hiddensees Wahrzeichen ist wieder für Besucher offen
- RND – Kein Zugang für Hiddensee-Reisende zum frisch sanierten Leuchtturm
- t-online – Hiddensee: Leuchtturm Dornbusch wieder offen für Besucher