M&A und Sanierung – Strategische Ansätze zur Überwindung von Unternehmenskrise

Die Wirtschaft ist geprägt von ständigen Veränderungen. Unternehmen stehen häufig vor Herausforderungen wie finanziellen Engpässen, Überschuldung oder veralteten Geschäftsmodellen. In solchen Krisensituationen kann eine Unternehmenssanierung oder eine M&A-Transaktion (Mergers & Acquisitions) den Schlüssel zur Erneuerung und zum Erfolg sein. Insbesondere in der Insolvenz- oder Restrukturierungsphase kann der gezielte Kauf oder Verkauf von Unternehmensteilen die Zukunft eines Unternehmens neu definieren. In diesem Artikel wird detailliert auf die Zusammenhänge zwischen M&A-Transaktionen und Sanierungsmöglichkeiten eingegangen, wobei der Fokus auf Vorgehensweisen, Risiken, Methoden und Praxisbeispielen liegt.


Einführung

Eine Unternehmenskrise kann viele Facetten haben: von Liquiditätsengpässen über fehlende Wettbewerbsfähigkeit bis hin zu Überschuldung. In solchen Fällen kann die Sanierung das Ziel sein, das Unternehmen durch gezielte Maßnahmen wieder in eine rentable Lage zu bringen. Alternativ kann eine M&A-Transaktion, insbesondere in der sogenannten distressed M&A, eine Alternative bieten. Hierbei geht es um den Kauf von Unternehmensteilen aus einer Insolvenz oder einer wirtschaftlichen Krise heraus.

Die Sanierung und der M&A-Prozess sind eng miteinander verbunden. In der Praxis kann der Kauf eines insolventen Unternehmens oder die Veräußerung von Teilen des Unternehmens ein zentraler Baustein der Restrukturierung sein. Die Expertise in diesem Bereich umfasst nicht nur die Identifikation von Käufern oder Investoren, sondern auch die Bewertung von Risiken, die Verhandlung von Transaktionsbedingungen und die Gestaltung von Maßnahmen zur Wertsteigerung.


M&A als Teil der Sanierungsstrategie

M&A-Transaktionen spielen in der Sanierung eine entscheidende Rolle, insbesondere wenn das Unternehmen durch den Verkauf von Assets oder Anteilen neue finanzielle Ressourcen generiert. In der distressed M&A werden Unternehmensteile oder ganze Unternehmen aus der Krise oder aus einem Insolvenzverfahren verkauft. Hierbei ist es entscheidend, die richtigen Käufer zu identifizieren und den Transaktionsprozess präzise zu gestalten.

M&A-Beratung: Der Schlüssel zum Erfolg

Eine professionelle M&A-Beratung ist ein zentraler Baustein für erfolgreiche Sanierungen. Sie umfasst verschiedene Phasen, von der strategischen Vorbereitung über die Due Diligence bis hin zur Integration. Eine qualitativ hochwertige M&A-Beratung hilft dabei, Risiken zu identifizieren, Chancen zu erkennen und den gesamten Prozess transparent zu gestalten. Besonders in der Sanierung ist es wichtig, dass die Bewertungen und Dokumentationen auf etablierten Standards basieren, wie beispielsweise den IDW S1 oder IDW ES 1. Dies gewährleistet prüfungssichere Bewertungen und vertrauenswürdige Transaktionen.

Struktur der M&A-Transaktionen

In Deutschland können Unternehmen in der Insolvenz auf zwei Weisen erworben werden:

  1. Assetdeal (übertragende Sanierung): Der Investor erwirbt die Vermögenswerte des insolventen Unternehmens, ohne die Verbindlichkeiten zu übernehmen. Dies umfasst sämtliche Altverbindlichkeiten, wie Bankdarlehen, Mezzanine-Kredite, Lieferanten- oder Steuerverbindlichkeiten. Der Kaufpreis wird typischerweise aus dem Insolvenzverfahren gezahlt.

  2. Sharedeal im Insolvenzplan: Hierbei wird der Kauf des Unternehmens durch einen Austausch der Gesellschafter erfolgen. Der Investor erwirbt die Anteile des insolventen Rechtsträgers und übernimmt damit auch dessen Verbindlichkeiten.

Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile. Der Assetdeal bietet den Vorteil, dass der Käufer keine Altverbindlichkeiten übernehmen muss, wohingegen der Sharedeal oft für Investoren attraktiver ist, die langfristig in das Unternehmen investieren möchten.


Der Sanierungsprozess

Ein strukturiertes Vorgehen ist entscheidend, um eine Sanierung erfolgreich umzusetzen. Nachfolgend werden die wichtigsten Schritte der Sanierung beschrieben:

I. Unternehmensanalyse

Die erste Phase der Sanierung besteht in einer umfassenden Unternehmensanalyse. Hierbei wird geprüft, ob das Unternehmen noch sanierbar ist. Eine sogenannte Fortbestehungsanalyse (Going-Concern-Analyse) hilft dabei, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu beurteilen. Nur wenn die Fortbestehung realistisch erscheint, kann eine Sanierung sinnvoll sein.

II. Definition von Sanierungsmaßnahmen

Nach der Analyse werden konkrete Maßnahmen definiert, die das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig machen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Investitionen in neue Technologien oder Produktentwicklungen
  • Schließung unrentabler Filialen
  • Optimierung von Produktionsprozessen
  • Gespräche mit Kreditgebern, Lieferanten und Mitarbeitern

Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, Vertrauen wieder aufzubauen und das Unternehmen neu zu positionieren.

III. Erstellung des Sanierungskonzeptes

Das Sanierungskonzept wird in zwei Stufen erstellt:

  1. Stufe 1: Sicherstellung der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens und Abwendung der Zahlungsunfähigkeit für das laufende und folgende Jahr.
  2. Stufe 2: Entwicklung eines detaillierten Plans, wie das Unternehmen die Fortführungsfähigkeit erreichen kann.

Die Sanierung ist nur dann sinnvoll, wenn in Stufe 1 eine positive Fortbestehungsprognose vorliegt. Nur dann kann ein konkretes Sanierungskonzept entwickelt und umgesetzt werden.

IV. Umsetzung und Controlling

Nach der Erstellung des Sanierungskonzeptes beginnt die Umsetzung. Wichtig ist hierbei, dass der Prozess begleitet und kontrolliert wird. Dazu zählen:

  • KPIs (Key Performance Indicators) zur Messung des Fortschritts
  • Regelmäßige Meetings mit Stakeholdern
  • Transparenz in der Kommunikation mit Mitarbeitern, Banken und anderen Parteien

Ein gut durchdachtes Controllingsystem hilft, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und Korrekturen vorzunehmen.


M&A-Transaktionen in der Sanierung

M&A-Transaktionen können in der Sanierung entweder als Teil der Restrukturierungsstrategie oder als eigenständiger Schritt eingesetzt werden. In beiden Fällen ist eine professionelle Beratung entscheidend.

Due Diligence und Bewertung

Eine Due Diligence ist ein zentraler Baustein jeder M&A-Transaktion. Sie umfasst eine detaillierte Analyse der finanziellen, rechtlichen und operativen Aspekte des Unternehmens. Dazu gehören beispielsweise:

  • Prüfung der Bilanzstruktur
  • Bewertung des Working Capitals
  • Analyse der EBITDA-Qualität
  • Risiken aus Verträgen, Pensionsverpflichtungen und off-balance-Verbindlichkeiten

Die Bewertung erfolgt nach anerkannten Methoden wie dem Discounted Cash Flow (DCF)-Verfahren, dem Multiples-Ansatz oder der Substanzwertmethode. Diese Verfahren berücksichtigen auch insolvenzrechtliche, steuerliche und bilanzielle Rahmenbedingungen.

Integration nach dem Closing

Ein erfolgreicher M&A-Deal endet nicht mit dem Closing. Die Post-Merger-Integration (PMI) ist genauso wichtig wie die Vorbereitung. Sie umfasst die Integration des erworbenen Unternehmens in das bestehende Unternehmen. Dazu gehören:

  • Kulturelle Anpassung
  • Strukturelle Integration
  • Synergieerstellung

Eine klare Strategie und eine professionelle Umsetzung sind hierbei entscheidend, um den langfristigen Erfolg zu sichern.


Praktische Vorteile und Risiken

Vorteile von M&A in der Sanierung

  1. Neuanfang ohne Altverbindlichkeiten: Bei einem Assetdeal bleibt das Unternehmen von Altverbindlichkeiten verschont.
  2. Zugang zu neuen Märkten: Der Erwerb eines Unternehmens kann den Zugang zu neuen Marktnischen ermöglichen.
  3. Synergieeffekte: Durch die Kombination von Ressourcen können Kosteneinsparungen und Wachstumspotenziale realisiert werden.

Risiken

  1. Fehlinvestitionen: Nicht jedes Unternehmen ist sanierbar. Eine falsche Beurteilung kann zu erheblichen Verlusten führen.
  2. Integrationsschwierigkeiten: Der kulturelle und strukturelle Unterschied zwischen den Unternehmen kann zu Konflikten führen.
  3. Rechtliche Hürden: Insolvenzverfahren sind rechtsintensiv. Ein falsch gestaltetes Vorgehen kann den gesamten Prozess gefährden.

Rolle der Beratung

Eine professionelle Beratung ist in der M&A- und Sanierungslandschaft unverzichtbar. Sie unterstützt sowohl Käufer als auch Verkäufer durch:

  • Due Diligence-Begleitung
  • Deal-Strukturierung
  • Finanzierungsberatung
  • Transaktionsverhandlungen
  • Post-Merger-Integration

Außerdem ist die Kommunikation mit Stakeholdern ein zentraler Aspekt. Eine transparente und konsequente Kommunikationsstrategie ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und die Integration zu erleichtern.


Fazit

M&A-Transaktionen und Sanierungsmaßnahmen sind eng miteinander verbunden und können sich gegenseitig verstärken. In Krisensituationen kann der gezielte Kauf oder Verkauf von Unternehmensteilen den Schlüssel zur Erneuerung und zum langfristigen Erfolg sein. Dabei ist es entscheidend, den Prozess professionell zu gestalten, Risiken frühzeitig zu erkennen und Synergien zu nutzen. Mit einer strukturierten Vorgehensweise, einem klaren Sanierungskonzept und professioneller Beratung können Unternehmen nicht nur aus der Krise hervorgehen, sondern auch gestärkt in die Zukunft starten.


Quellen

  1. Sanierung & Distressed M&A
  2. M&A Beratung
  3. Unternehmenserwerb aus einem Insolvenzverfahren
  4. Sanierungsberatung & Restrukturierungsberatung
  5. MA-Prozess in Insolvenzverfahren
  6. Unternehmenssanierung – Ratgeber

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