Einleitung
Okal-Häuser des Typs 117 aus den 1970er Jahren stellen in der Sanierungspraxis eine besondere Herausforderung dar. Diese Fertighäuser, gebaut auf einem klassischen Holzständer-System, weisen häufig Mängel auf, die sich auf Dämmung, Luftdichtheit, Feuchteschutz und Innenraumluftqualität auswirken. Insbesondere Geruchsmüllungen, fehlende Dampfsperren, Asbestbelastungen und mangelhafte Dämmung machen eine tiefgehende Sanierung erforderlich.
Im Rahmen der vorliegenden Quellen wird ein konkretes Sanierungsbeispiel vorgestellt: ein Okal-Haus Typ 117 aus dem Jahr 1974 mit Satteldach (38°) und einer umfassenden Sanierung, die unter anderem die Geruchssanierung, Dämmung, und Fassadenerneuerung beinhaltet. Zudem wird in weiteren Quellen ein Haus aus dem Jahr 1969 beschrieben, das in einer ähnlichen Bauweise errichtet wurde und ebenfalls umfassend saniert wurde. Die beschriebene Sanierung erfolgte über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen und war KfW-gefördert.
Im Folgenden werden die strukturellen und baulichen Gegebenheiten, die typischen Sanierungsprobleme, und konkrete Sanierungsstrategien sowie deren Umsetzung aus den Quellen detailliert vorgestellt.
Baubeschreibung und bauliche Gegebenheiten des Okal-Hauses Typ 117
Grundriss und Konstruktion
Das Okal-Haus Typ 117, wie in mehreren Quellen beschrieben, weist einen typischen Grundriss auf. Bei einem Beispiel von 1969 betrugen die Maße 11.270 mm in der Länge und 10.260 mm in der Breite. In einem anderen Fall handelte es sich um ein Baujahr 1974 mit Satteldach. Die Konstruktion ist auf dem gängigen Holzständer-System basierend, wobei die Wandaufteilung von innen nach außen wie folgt beschrieben wird:
- Innen: Röhrenspanplatten (16–30 mm)
- Ständerwerk: 90 mm breit, gefüllt mit Mineralwolle (80 mm)
- Außen: 8–20 mm OSB-Platten, gegebenenfalls mit Luftschicht
- Fassade: Klinker oder Faserzementplatten (Asbest)
Einige Wände enthielten zusätzlich PE-Folie, wodurch die Luftdichtheit beeinträchtigt wurde. Im beschriebenen Fall war das Haus nicht winddicht, was zu weiteren Sanierungsanforderungen führte.
Die Dämmung war insgesamt unzureichend, was bei einer Sanierung besonders relevant wird. Zudem war die Dachkonstruktion in einem Fall nicht ausbaufähig, weshalb lediglich eine Dämmung des Dachbodens erfolgte.
Besondere Bauliche Gegebenheiten
- Asbestbelastung: In einem Sanierungsfall wurden Asbest-Faserzementplatten fachgerecht durch die Firma DASI entsorgt. Diese Platten waren Teil der Fassade und mussten aufgrund gesundheitlicher Risiken und Schadstoffbelastung komplett entfernt werden.
- Dampfsperre: Es gab keine Dampfsperre in der Konstruktion. Dies führte zu Feuchteproblemen und ggf. Schimmelpilzbildung.
- Feuchteschutz: Die Dämmung war nicht feuchteschützend, was bei einer Sanierung durch diffusionsoffene Materialien behoben werden sollte.
- Geruchsmüllung: In mehreren Fällen wurde aufgrund von Formaldehyd- und Chloranisolbelastungen eine Geruchssanierung durchgeführt. Diese Probleme entstanden durch mangelhafte Dämmung, fehlende Dampfsperre und veraltete Materialien.
Sanierungsziele und -methoden
Die Sanierungsziele bei Okal-Häusern des Typs 117 sind meist mehrfach gestaffelt und umfassen:
- Entfernung von Schadstoffbelastungen und Geruchssanierung
- Modernisierung der Wärmedämmung
- Verbesserung der Luftdichtheit
- Feuchteschutzmaßnahmen
- Erneuerung von Fassade und Dach
- Energiespareffekte durch KfW-Förderung
Schadstoffsanierung und Geruchssanierung
In mehreren Sanierungsbeispielen wurde eine Schadstoffsanierung durchgeführt, um Formaldehyd- und Chloranisolbelastungen zu reduzieren. Dazu wurden folgende Maßnahmen angewendet:
- Entfernung der alten Dämmung und Fassadenmaterialien
- Reinigung des Ständerwerks mit Kalkmilch- oder alkalischen Anstrichen
- Einbau von Absorptionsvlies (z. B. Renopan AirClear) zur Aufnahme von Schadstoffen
- Anwendung von ToxStop oder Induline SW-910, um Schadstoffe im Holzschutzmittel zu binden
- Einbau einer diffusionsoffenen Dämmung (z. B. Holzfaserdämmung) zur Förderung der Austrocknung
Diese Schritte trugen dazu bei, die Raumluftqualität nachhaltig zu verbessern. Eine Nachmessung durch eine Baubiologin zeigte, dass die Formaldehydkonzentration um 84 % reduziert werden konnte.
Wärmedämmung und Energieeffizienz
Die Sanierung umfasste auch die Modernisierung der Dämmung. Der ursprüngliche Wandaufbau, der aus 90 mm Holzständern mit 80 mm Mineralwolle bestand, wurde durch eine diffusionsoffene Holzfaserdämmung ersetzt. Zudem wurde eine Dampfbremse eingebracht, um Feuchtetransporte zu regulieren.
In einem Beispiel wurde ein Wandaufbau mit einem U-Wert von 0,20 W/(m²K) erreicht. Dieser Wert entspricht den Anforderungen der EnEV (Energieeinsparverordnung) und trägt zur Energieeinsparung bei.
Dach- und Fassadenerneuerung
Die Dachentwässerung wurde in einem Fall aus Zink erneuert, und die Rollläden wurden ersetzt. Bei der Fassade erfolgte eine Neuanstrich mit dem kairatin® Wandsystem 100, das sowohl eine Dämmung als auch eine Geruchssanierung umfasste.
Die Fassade, ursprünglich aus Klinker oder Asbestzementplatten, wurde in den Sanierungsbeispielen komplett erneuert. In einem Fall wurde ein WDVS (Wärmedämmverbundsystem) aus Holzfaser eingesetzt.
Sanierung der Heizung und Energieversorgung
In einem Fall wurde die alte Ölheizung entsorgt und durch eine Gasbrennwertanlage ersetzt. Zudem wurde eine Kaminanlage eingebaut. Diese Maßnahmen trugen zur Verbesserung der Energieeffizienz und Reduktion der Emissionsbelastung bei.
Elektrische und Installationstechnische Maßnahmen
Die Elektroinstallation wurde in einem Sanierungsbeispiel umfassend überarbeitet. Dabei wurden Kabel über Türenlaibungen verlegt, um Durchdringungen in den Außenwänden zu vermeiden. Die Innenwände wurden mit Rigidur H ActivAir-Platten beplankt, die eine zusätzliche Schadstoffbindung ermöglichen.
Sanierungsablauf und Dauer
Die Sanierungsarbeiten, wie in einem Fall beschrieben, dauerten drei bis vier Wochen. Der Ablauf war gut koordiniert und umfasste folgende Phasen:
- Besichtigung und Beratung mit einem Fachbetrieb (z. B. HG-Nord)
- Abbauarbeiten (Entfernen von Fassade, Dämmung, Fenstern, Rollläden, etc.)
- Schadstoffreinigung und Geruchssanierung
- Einbau der neuen Dämmung, Dampfsperre und Vlies
- Neuanstrich der Fassade, Dachentwässerung, Rollladen, etc.
- Abschlussarbeiten (Fußboden, Elektrik, etc.)
- Nachmessung der Raumluftqualität (ggf. durch Baubiologe)
Der Ablauf war effizient, da der Bauherr vor Beginn alle Absprachen traf und keine unplanbaren Verzögerungen auftraten. Das Team war motiviert und arbeitete mit guter Koordination.
Sanierungskonzepte und Empfehlungen
Wichtige Sanierungsschritte
- Entfernen der alten Fassade und Dämmung
- Reinigung des Holzständerwerks mit alkalischen Anstrichen
- Einbau einer diffusionsoffenen Dämmung (z. B. Holzfaser)
- Einschichtung einer Dampfbremse
- Einbau von Absorptionsvlies (z. B. Renopan AirClear)
- Neuanstrich der Fassade und Dach
- Sanierung der Heizungsanlage und Elektroinstallation
- Geruchssanierung innen (ggf. mit kairatin® oder ActivAir-Platten)
Empfehlungen für die Sanierung
- Totalsanierung ist erforderlich: Eine teilweise Sanierung reicht meist nicht aus, da die baulichen Mängel tiefgreifend sind. Eine Totalsanierung ist notwendig, um die Wohnqualität nachhaltig zu verbessern.
- Förderung durch KfW: Die Sanierungsmaßnahmen können durch KfW-Förderprogramme unterstützt werden, was die Kosten senkt.
- Fachbetriebe einbeziehen: Die Sanierung sollte möglichst durch erfahrene Fachbetriebe durchgeführt werden, da die baulichen Gegebenheiten komplex sind.
- Geruchssanierung nicht vernachlässigen: Schadstoffbelastungen und Geruchsmüllungen sollten durch eine fachgerechte Sanierung behoben werden, um die Gesundheit der Bewohner zu schützen.
- Bauphysikalische Aspekte beachten: Die Sanierung muss bauphysikalisch korrekt erfolgen, um Feuchtetransporte zu vermeiden und die Dauerhaftigkeit der Maßnahmen zu gewährleisten.
Fazit
Die Sanierung eines Okal-Hauses Typ 117 ist eine komplexe, aber notwendige Maßnahme, um die baulichen Mängel nach 50 Jahren zu beheben. Die beschriebenen Sanierungsbeispiele zeigen, dass eine umfassende Totalsanierung erforderlich ist, um die Wohnqualität, Energieeffizienz und Schadstofffreiheit zu verbessern. Insbesondere Geruchssanierungen, Dämmung und Feuchteschutzmaßnahmen sind entscheidend für den Erfolg einer Sanierung.
Die Sanierung kann durch KfW-Förderprogramme unterstützt werden, was die finanzielle Belastung verringert. Zudem ist es wichtig, fachkundige Partner einzubeziehen, um die baulichen Gegebenheiten korrekt zu bewerten und fachgerechte Maßnahmen durchzuführen.
Ein Okal-Haus Typ 117, das gut saniert wird, kann zu einem energiesparenden, gesunden und wohnlichen Zuhause werden. Allerdings ist es wichtig zu bedenken, dass eine teure Sanierung nur sinnvoll ist, wenn der Grundstückswert und der zukünftige Wert des Hauses die Investition rechtfertigen.