Einführung
Die Sanierung in Eigenverwaltung hat sich in den letzten Jahren als eine der erfolgversprechendsten Strategien zur Rettung wirtschaftlich in Bedrängnis geratener Unternehmen etabliert. Im Falle der Otto Dilg GmbH Feinmechanik, einem traditionsreichen Familienunternehmen im Bereich der Maschinen- und Anlagenbau, wurde dieser Weg im Jahr 2020 beschritten. Inmitten der Herausforderungen der Corona-Pandemie und abnehmenden Umsätzen erkannte Geschäftsführer Rüdiger Dilg rechtzeitig, dass eine aktive Sanierungsstrategie notwendig war, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.
Die Otto Dilg GmbH Feinmechanik, die hauptsächlich Bürstmaschinen und Filteranlagen für verschiedene Produktionsumgebungen herstellt, war ein kompetenter Partner in der CNC-Dreh- und Fräsbearbeitung sowie in der Schweißtechnik. Der Weg der Sanierung in Eigenverwaltung begann mit der Entscheidung, externe Sanierungsexperten hinzuzuziehen. In Zusammenarbeit mit der Kanzlei Planer und Kollegen sowie dem gerichtlich bestellten Sachwalter Dr. Marc Zattler gelang es, eine erfolgreiche Sanierung zu realisieren. Im Rahmen eines sogenannten Asset Deals übernahm schließlich die PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG das Unternehmen, wodurch ein großer Teil der Arbeitsplätze erhalten blieb und die Produktion in Deutschland fortgeführt werden konnte.
Der vorliegende Artikel beleuchtet den Fall der Otto Dilg GmbH Feinmechanik im Detail, analysiert die Rahmenbedingungen der Sanierung in Eigenverwaltung und gibt Einblicke in die Schlüsselmaßnahmen, die den Sanierungserfolg ermöglichten. Zudem wird der Prozess der Sanierung in Eigenverwaltung erläutert und anhand konkreter Beispiele verdeutlicht, wie dieser Ansatz auch für andere Unternehmen in wirtschaftlicher Notlage genutzt werden kann.
Die Situation der Otto Dilg GmbH Feinmechanik vor der Sanierung
Die Otto Dilg GmbH Feinmechanik stand im Jahr 2020 vor einer ernsthaften wirtschaftlichen Krise. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie führten zu einem Rückgang der Umsätze, was das Unternehmen in eine finanzielle Schieflage brachte. Die traditionelle Struktur als Familienunternehmen, die in mehreren Generationen fortgeführt worden war, erwies sich in dieser Situation als besonders belastend, da die Ressourcen begrenzt waren und der Druck, das Unternehmen zu bewahren, besonders groß war.
Geschäftsführer Rüdiger Dilg erkannte, dass dringend Maßnahmen erforderlich waren, um das Unternehmen zu stabilisieren. In einer Pressemitteilung betonte er: „Ich wollte nicht zusehen, wie ein Familienunternehmen untergeht, das schon in mehreren Generationen fortgeführt wird.“ Zudem sah er Potenziale in der Synergie mit der PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG, die in der Herstellung von Laminar-Flow-Anlagen, Waschmaschinen und Sonderanlagen für die pharmazeutische Industrie tätig ist. Diese Synergien boten die Möglichkeit, zusätzliche Märkte außerhalb des Pharmabereichs zu erschließen.
Die Entscheidung für eine Sanierung in Eigenverwaltung
Die Sanierung in Eigenverwaltung ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren, das Unternehmen in wirtschaftlicher Notlage hilft, ihre Zukunft zu sichern. Im Falle der Otto Dilg GmbH Feinmechanik war es das Mittel der Wahl, um die Krise zu bewältigen. Rüdiger Dilg entschied sich, Sanierungsexperten der Kanzlei Planer und Kollegen hinzuzuziehen. Klaus Ziegler, einer der Sanierungsexperten, erklärte: „Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist dann sinnvoll, wenn das Unternehmen das Potenzial hat, weiterzubestehen und dann gerade mit Hilfe des auch in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zur Verfügung stehenden Werkezugkastens der Insolvenzordnung saniert wird.“
Ein Vorteil des Verfahrens ist, dass der Geschäftsführer im „Driver’s Seat“ bleibt, also weiterhin handlungsfähig ist und die Sanierungsmaßnahmen aktiv steuern kann. Im konkreten Fall war dies entscheidend, um die Strukturen des Unternehmens so anzupassen, dass sie für die Zukunft tragfähig blieben.
Die Sanierungsmaßnahmen: Kostenoptimierung und Restrukturierung
Die Sanierungsstrategie der Otto Dilg GmbH Feinmechanik konzentrierte sich auf zwei zentrale Säulen: die Kostenoptimierung und die Restrukturierung der Unternehmensorganisation. Ziel war es, die finanzielle Stabilität des Unternehmens wiederherzustellen und langfristig tragfähige Strukturen zu schaffen.
Zunächst wurde eine umfassende Kostenanalyse durchgeführt, um die notwendigen Einsparungen zu identifizieren. Dies umfasste unter anderem die Überprüfung der Betriebsabläufe, die Reduktion unnötiger Ausgaben und die Optimierung der Produktionsprozesse. Zudem wurden unrentable Unternehmensbereiche eingestellt und abgewickelt. Diese Maßnahmen trugen entscheidend dazu bei, die Liquidität des Unternehmens zu sichern.
Parallel dazu erfolgte eine Restrukturierung der organisatorischen Struktur. Ziel war es, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen, indem Prozesse optimiert und Synergien genutzt wurden. In diesem Zusammenhang spielte der Asset Deal mit der PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG eine zentrale Rolle. Rüdiger Dilg betonte: „Ich bin sehr stolz darauf, als eines der wenigen Unternehmen meiner Branche noch komplett in Deutschland zu produzieren.“
Der Asset Deal: Eine Lösung für die Zukunft
Im Rahmen des Asset Deals übernahm die PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG die Otto Dilg GmbH Feinmechanik. Der Deal wurde im Rahmen der Sanierung in Eigenverwaltung abgeschlossen und erhielt die Zustimmung der Gläubigerversammlung. Der Betriebsübergang erfolgte am 1. Januar 2021.
Die Übernahme bot mehrere Vorteile: Ein großer Teil der Arbeitsplätze blieb erhalten, die Produktion der Maschinen und Anlagen verblieb in Deutschland und das Unternehmen konnte seinen Standort behalten. Zudem stärkte der Deal die Position der PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG auf dem Markt und erweiterte deren Geschäftsfelder um die Kompetenzen der Otto Dilg GmbH Feinmechanik.
Klaus Ziegler betonte: „Von dem Asset Deal profitieren beide Partner.“ Der Sachwalter Dr. Marc Zattler fügte hinzu: „Ich bin sehr froh, dass die Otto Dilg GmbH Feinmechanik eine neue Heimat in der PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG gefunden hat und mit dieser Lösung auch für die Gläubiger das beste Ergebnis dargestellt werden kann.“
Erfolgsfaktoren der Sanierung in Eigenverwaltung
Die Sanierung in Eigenverwaltung gelang, weil mehrere zentrale Erfolgsfaktoren berücksichtigt wurden. Zunächst war es entscheidend, dass sich der Unternehmer rechtzeitig Unterstützung suchte. Rüdiger Dilg erkannte frühzeitig die Notwendigkeit einer Sanierungsstrategie und zog externe Experten hinzuziehen. Dies ermöglichte es, die notwendigen Maßnahmen professionell umzusetzen.
Ein weiterer Erfolgsfaktor war die offene und transparente Kommunikation. Die Zusammenarbeit mit den Stakeholdern – Mitarbeitern, Gläubigern, Kunden und Lieferanten – war entscheidend für das Vertrauen in den Sanierungsprozess. Zudem wurde ein umsetzbares Sanierungskonzept entwickelt, das sowohl kurzfristige Maßnahmen zur Liquiditätssicherung als auch langfristige Strategien zur Profitabilitätssteigerung beinhaltete.
Die Eigenverwaltungsplanung spielte zudem eine zentrale Rolle. Sie war ein gesetzliches Muss und enthielt unter anderem Angaben zu den Ursachen der Krise und die Planung zur Bewältigung der finanziellen Schwierigkeiten. Diese Planung diente als Grundlage für die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen und half, den Prozess transparent und nachvollziehbar zu gestalten.
Herausforderungen und Risiken
Trotz des Erfolgs der Sanierung in Eigenverwaltung gab es auch Herausforderungen und Risiken, die überwunden werden mussten. Eine zentrale Herausforderung war es, die finanzielle Stabilität des Unternehmens während des Sanierungsprozesses zu gewährleisten. Die Liquidität musste streng überwacht werden, und es war notwendig, wöchentliche Berichte an die gerichtliche Aufsicht und den Sachwalter zu erstellen. Zudem wurde ein monatlicher IST/SONLL-Vergleich durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Planung nicht aus dem Ruder lief.
Ein weiteres Risiko bestand darin, dass die Sanierung gescheitern konnte, wenn während des Verfahrens die Zahlungsunfähigkeit erneut eintrat. Dies hätte bedeutet, dass das Unternehmen liquidiert werden musste. Um dieses Risiko zu minimieren, wurden Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung umgesetzt. Zudem wurde der Staat in die Sanierung eingebunden, da er drei volle Lohnrunden durch Insolvenzgeld übernimmt.
Die Rolle von Experten in der Sanierung
Die Einbindung von Experten war ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor. Sanierungsexperten der Kanzlei Planer und Kollegen sowie der gerichtlich bestellte Sachwalter Dr. Marc Zattler spielten eine zentrale Rolle bei der Planung und Umsetzung der Sanierungsstrategie. Klaus Ziegler erklärte: „Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten hat hervorragend geklappt.“
Die Experten halfen dabei, die notwendigen Maßnahmen professionell umzusetzen und sorgten für eine klare Kommunikation mit allen Stakeholdern. Zudem unterstützten sie bei der Entwicklung eines Sanierungsplans, der sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen beinhaltete. Diese Unterstützung war entscheidend, um die Sanierung erfolgreich zu gestalten und die Zukunft des Unternehmens zu sichern.
Fazit
Die Sanierung in Eigenverwaltung der Otto Dilg GmbH Feinmechanik ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ein traditionsreiches Familienunternehmen durch professionelle Sanierungsstrategien wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen kann. Die Kombination aus Kostenoptimierung, Restrukturierung und der Einbindung von Experten half dabei, die Krise zu bewältigen und langfristig tragfähige Strukturen zu schaffen.
Der Asset Deal mit der PTA Pharma-Technischer-Apparatebau GmbH & Co. KG war ein entscheidender Schritt in diesem Prozess. Er ermöglichte es, ein großer Teil der Arbeitsplätze zu erhalten, die Produktion in Deutschland fortzuführen und Synergien zu nutzen. Zudem stärkte er die Position des Unternehmens auf dem Markt und ermöglichte es, neue Märkte zu erschließen.
Die Erfahrung der Otto Dilg GmbH Feinmechanik zeigt, dass die Sanierung in Eigenverwaltung eine wertvolle Option für Unternehmen in wirtschaftlicher Notlage ist. Sie erfordert jedoch eine klare Planung, professionelle Unterstützung und die aktive Einbindung aller Stakeholder. Wer rechtzeitig handelt und die notwendigen Maßnahmen umsetzt, kann auch in einer Krise Chancen erkennen und das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen.