Die Sanierung des Philosophenturms der Universität Hamburg: Herausforderungen, Modernisierung und Zukunftsperspektiven

Die Sanierung des Philosophenturms der Universität Hamburg war eines der bedeutendsten Bauvorhaben in Norddeutschland der letzten Jahre. Das 14-geschossige Hochhaus, das 1962 von dem Architekten Paul Seitz errichtet wurde, stand nicht nur symbolisch für den Campus Von-Melle-Park, sondern auch für die Herausforderungen, die bei der Sanierung und Modernisierung von Altbauten entstehen können. Nach einer Bauzeit von insgesamt sechs Jahren wurde das Projekt abgeschlossen und der Universitätsbetrieb im Herbst 2023 wieder aufgenommen.

Einführung

Der Philosophenturm, auch „Philturm“ genannt, war in den vergangenen Jahrzehnten ein zentraler Ort für geisteswissenschaftliche Studierende und Forschende. Nachdem die Betriebsgenehmigungen des Gebäudes im Jahr 2017 ausgelaufen waren, war ein umfassender Sanierungsbedarf offensichtlich. Die Sanierung umfasste brandschutztechnische Maßnahmen, die Ertüchtigung der Gebäudetechnik sowie den Neubau des sogenannten „Cube“ im Innenhof. Zudem wurde die bis dato auf mehreren Stockwerken verteilte Bibliothekslandschaft in eine zentrale, barrierefreie Bibliothek integriert.

Die Sanierungsarbeiten begannen im Jahr 2019 und wurden durch verschiedene Herausforderungen wie die Pandemie und unvorhergesehene Verzögerungen beeinträchtigt. Dennoch war das Projekt ein Erfolg und bietet nun eine moderne, leistungsfähige und barrierefreie Infrastruktur für Lehre, Forschung und Studium. Diese Analyse basiert auf ausführlichen Berichten von beteiligten Unternehmen, Senatoren und der Universität selbst, wobei die Fakten eindeutig und transparent dargestellt werden.

Das Gebäude vor der Sanierung

Historischer Hintergrund und Grundriss

Der Philosophenturm ist ein denkmalgeschütztes Hochhaus mit einem Z-förmigen Grundriss, das sich aus vier Gebäudeteilen zusammensetzt. Es entstand in den 1960er Jahren und war ein Pionierbauwerk für die damaligen architektonischen Trends. Vor der Sanierung beherbergte das Gebäude vier geisteswissenschaftliche Fachbereiche: Philosophie, Geschichte, Literatur, Sprachen und Medien. Rund 2.500 Studierende und 500 Universitätsangestellte nutzten das Gebäude, das sich im Zentrum des Campus Von-Melle-Park befand.

Funktionale Struktur

Im Eingangsgeschoss lagen die Mensa sowie sieben Hörsäle, die einen Innenhof umgaben. Die Flügelbauten beherbergten Seminarräume und Büros der Fakultätsmitarbeiter*innen sowie die Fachschaftsräume. Der zentrale Mittelbau enthielt vor der Sanierung fünf Bibliotheken in verschiedenen Etagen. Die Aufzüge führten lediglich bis in den 12. Stock, wodurch die obersten Stockwerke nur über Treppen erreichbar waren.

Diese Struktur erwies sich nach Jahrzehnten als in der Funktionalität eingeschränkt. Die Brandschutztechnik war veraltet, und es bestand ein dringender Handlungsbedarf, um den Gebäudekomplex sicher und nutzungsgerecht zu machen.

Die Sanierungsmaßnahmen

Brandschutz und Ertüchtigung

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Verbesserung der Brandschutztechnik. Die Betriebsgenehmigungen des Gebäudes liefen Ende 2017 ab, was einen sofortigen Handlungsbedarf erzeugte. Die Brandschutzmaßnahmen umfassten die Überarbeitung der Feuerwehraufzüge, die Installation von Rauchschutzsystemen und die Sicherstellung von Notausgängen.

Diese Sanierungsarbeiten waren nicht nur aufwendig, sondern auch notwendig, da der Gebäudebestand an Sicherheitsanforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr erfüllte. Brandschutz stand im Vordergrund, da es sich um ein Hochhaus mit mehreren Stockwerken und hoher Belegung handelte.

Gebäudetechnik und Energieeffizienz

Neben der Brandschutzsanierung wurde auch die gesamte Gebäudetechnik erneuert. Dazu gehörten die Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, die Beleuchtungssysteme sowie die elektrischen Installationen. Die Ertüchtigung der Technik trug dazu bei, die Energieeffizienz des Gebäudes zu verbessern und langfristig Kosten zu senken.

Die Modernisierung der Technik war ein zentraler Schritt, um die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit des Gebäudebetriebs zu erhöhen. Zudem wurde der Gebäudebestand so angepasst, dass er zukünftige Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaneutralität besser erfüllen kann.

Barrierefreiheit und Zugänglichkeit

Ein weiterer zentraler Punkt der Sanierung war die Schaffung von barrierefreier Zugänglichkeit. Vor der Sanierung waren die obersten Stockwerke nur zu Fuß erreichbar, was für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine große Hürde darstellte. Im Zuge der Renovierung wurden die Aufzüge erneuert und der Zugang zu allen Stockwerken sichergestellt.

Die neue barrierefreie Infrastruktur ermöglicht nun eine gleichberechtigte Nutzung des Philosophenturms für alle Nutzer*innen, unabhängig von ihrer körperlichen Konstitution. Diese Maßnahmen entsprechen den aktuellen gesetzlichen Vorgaben und tragen zur Inklusivität bei.

Der „Cube“: Neubau und Studentenleben

Konzeption und Funktion

Eine der größten Neuerungen der Sanierung war der Bau des „Cube“ im Innenhof. Der Cube ist ein neues studentisches Zentrum, das als Ort für Lernen, Austausch und Sozialleben dient. Es bietet zusätzliche Arbeitsplätze für Studierende und Räume für die Fachschaften.

Der Cube ist in der Mitte des Philosophenturms gelegen und füllt den bislang ungenutzten Innenhof. Er ist ein moderner, offener und flexibler Raum, der den Anforderungen der digitalen und flexiblen Lehre entspricht. Der Cube ist ein Herzstück der neuen Campuskultur und soll dazu beitragen, das studentische Leben zu fördern.

Auswirkungen auf die Nutzer*innen

Der Cube hat eine direkte Auswirkung auf die Studierenden der geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Er bietet zusätzliche Lern- und Arbeitsplätze und ermöglicht es, sich in Gruppen zu treffen, Fachschaften zu organisieren und sich in der Mitte des Campuslebens zu bewegen.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank betonte in einer Erklärung, dass der Cube ein wesentlicher Bestandteil der modernen Lern- und Arbeitsumgebung sei. Der Cube wurde in enger Abstimmung mit den Studierenden geplant und ist ein Beispiel für eine partizipative Planung, die die Bedürfnisse der Nutzer*innen berücksichtigt.

Die zentrale Bibliothek

Von dezentralen Beständen zu einer zentralen Einheit

Ein weiterer bedeutender Aspekt der Sanierung war die Umstrukturierung der Bibliothekslandschaft. Vor der Sanierung war die Bibliothek auf mehrere Stockwerke und verschiedene Fachbereiche verteilt. Nach der Renovierung wurden die Bestände auf 6.000 m² in fünf Stockwerken zusammengeführt und in eine zentrale Bibliothek integriert.

Diese zentrale Bibliothek ist barrierefrei zugänglich und bietet deutlich mehr Arbeitsplätze für Studierende. Sie ist somit ein zentraler Anziehungspunkt für geisteswissenschaftliche Studierende und Forschende. Die neue Bibliothek ist nicht nur größer, sondern auch moderner und besser ausgestattet.

Digitale und flexible Lernumgebung

Die neue Bibliothek spiegelt die Anforderungen einer digitalen und flexiblen Lehre wider. Sie ist mit modernen Technologien ausgestattet und bietet Zugang zu digitalen Ressourcen, elektronischen Bibliothekskatalogen und Studienräumen mit moderner Infrastruktur.

Die Integration der Bibliotheken in einen zentralen, barrierefreien und modernen Raum war ein zentraler Schritt, um die Qualität der Lern- und Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Herausforderungen und Verzögerungen

Auswirkungen der Pandemie

Die Sanierungsarbeiten des Philosophenturms wurden durch die Pandemie beeinträchtigt. Martin Görge von Sprinkenhof erklärte, dass der Bauablauf ab 2020 gestört wurde. Die Pandemie führte zu Verzögerungen bei der Planung, der Materialbeschaffung und der Ausführung der Arbeiten.

Diese Verzögerungen führten dazu, dass der ursprüngliche Fertigstellungstermin nicht eingehalten werden konnte. Dennoch gelang es, das Projekt erfolgreich abzuschließen und den Universitätsbetrieb pünktlich zum Vorlesungsbeginn im Oktober 2023 wieder aufzunehmen.

Kostenentwicklung

Die Sanierungsarbeiten wurden mit einem ursprünglichen Kostenrahmen von rund 85 Millionen Euro geplant. Aufgrund der Verzögerungen und zusätzlichen Maßnahmen stiegen die Kosten jedoch. Es wird berichtet, dass die Sanierung letztendlich mit einem Budget von über 115 Millionen Euro abgeschlossen wurde.

Diese Kostensteigerungen waren auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter die Verzögerungen, die höhere Materialkosten und die notwendigen Anpassungen an die Brandschutzvorschriften. Dennoch war die Sanierung ein Investition in die Zukunft, die langfristige Vorteile für die Universität Hamburg bietet.

Der Ablauf des Umzugs und der Neubeginn

Schrittweiser Umzug

Der Umzug des universitären Betriebs begann im August 2023 mit dem schrittweisen Rücktritt der Mitarbeitenden in das renovierte Gebäude. In der City Nord war ein Ersatzstandort eingerichtet worden, in dem die geisteswissenschaftliche Fakultät bis zur Fertigstellung der Sanierungsarbeiten untergebracht war.

Der Umzug war ein komplexes Projekt, das sorgfältig geplant und durchgeführt wurde. Nach der Rückkehr in den Philosophenturm war es noch einige Wochen, bis alle Räume und Funktionen vollständig nutzbar waren. Dennoch wurde der Universitätsbetrieb pünktlich zum Vorlesungsbeginn wieder aufgenommen.

Wiedereröffnung und Zukunftsperspektiven

Die Wiedereröffnung des Philosophenturms war ein bedeutendes Ereignis, an dem Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, Finanzsenator Dr. Andreas Dressel, Universitätspräsident Prof. Dr. Hauke Heekeren und Sprinkenhof-Geschäftsführer Martin Görge teilnahmen. Sie würdigten das Projekt als einen Meilenstein in der Campusentwicklung und hoben die Bedeutung des Philosophenturms für die Zukunft der Universität Hamburg hervor.

Die geisteswissenschaftlichen Fakultäten kehrten nach der Sanierung zurück auf den Campus Von-Melle-Park. Dies ist ein Symbol für die Wiederbelebung des Campuslebens und der sozialen Interaktionen unter Studierenden. Die Wiedereröffnung markiert den Beginn einer neuen Ära, in der Lehre, Forschung und Studium in einem modernen, inklusiven und leistungsfähigen Umfeld stattfinden.

Fazit

Die Sanierung des Philosophenturms der Universität Hamburg war ein groß angelegtes Projekt, das aufgrund von Verzögerungen und Herausforderungen aufwändiger wurde, als ursprünglich geplant. Dennoch gelang es, das Gebäude in einen modernen, barrierefreien und funktionalen Zustand zu überführen, der den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht.

Die Sanierungsarbeiten umfassten brandschutztechnische Maßnahmen, die Ertüchtigung der Gebäudetechnik, die Schaffung barrierefreier Zugänglichkeiten und die Integration der Bibliotheken in einen zentralen, modernen Raum. Zudem wurde der Cube gebaut, der als Herzstück der neuen Campuskultur fungiert.

Die Wiedereröffnung des Philosophenturms ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Campus Von-Melle-Park. Sie ermöglicht es, das Campusleben zu stärken und die Studierenden in einem modernen, inklusiven und leistungsfähigen Umfeld zu unterrichten und zu betreuen. Die Sanierung ist somit nicht nur ein architektonisches Projekt, sondern auch ein Investition in die Zukunft der Universität Hamburg und in die geisteswissenschaftlichen Fakultäten.

Quellen

  1. Philosophenturm – Campus Von-Melle-Park
  2. Übergabe Philosophenturm
  3. Philosophenturm Projekt
  4. Wiedereröffnung Philosophenturm
  5. Pressemitteilung Wiedereröffnung
  6. Philosophenturm – taz.de

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