Die Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim, erbaut für die Olympischen Spiele 1972, ist ein zentraler Bestandteil Münchens olympischem Erbe. Allerdings stehen die Anlage und ihre Infrastruktur vor erheblichen Herausforderungen. Die Sanierung der Anlage, ursprünglich für 61 Millionen Euro geplant, wurde mehrfach zurückgestellt und auf 15 Millionen Euro bis 2026 reduziert, später nochmals auf neun Millionen Euro bis 2022. Die aktuelle Planung konzentriert sich auf notwendige Grundsanierungen, um die Anlage für Freizeitsportler und Veranstaltungen wie die European Championships 2022 wieder nutzbar zu machen. Gleichzeitig bleibt die langfristige Zukunft der Anlage, insbesondere die Sanierung der denkmalgeschützten Tribüne, unklar.
Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die aktuelle Finanzierungslage, den Sanierungsbedarf sowie die kritischen Stimmen aus der Sport- und Politikszene.
Die Geschichte und der aktuelle Zustand der Regattastrecke
Die Regattastrecke in Oberschleißheim wurde 1972 als Teil der Olympischen Spiele errichtet und ist bis heute eine der bedeutendsten Ruderstrecken in Europa. Die Anlage war ursprünglich mit einer Tribüne, Sanitäranlagen, Stegen und einem umlaufenden Weg ausgestattet. Mit der Zeit sind jedoch zahlreiche Teile in ein katastrophales Zustand geraten. Die Sanitäranlagen sind marode, die Stege und Wege sind stark verschlissen, und die Tribüne ist aufgrund von Einsturzgefahr gesperrt.
Laut mehreren Berichten aus den zitierten Quellen (z. B. Quelle 2) ist die Anlage nicht mehr in der Lage, internationale Wettkämpfe zu beherbergen, da sie nicht den heutigen Sicherheits- und Komfortstandards entspricht. Dies hat zur Folge, dass Veranstaltungen wie die Euro-Masters-Regatta in Zukunft nach Slowenien verlegt werden müssen. Zudem sind die Ruderer auf der Strecke nicht immer sicher: So berichtet Jutta Deuschl aus dem Vorstand des Verbands Regatta München, dass der Siegersteg aufgrund von Wasseransammlungen bei übermäßiger Belastung bis zu den Knöcheln ins Wasser sinkt (Quelle 4).
Die Finanzierung der Sanierung: Von 61 auf neun Millionen Euro
Die Finanzplanung für die Sanierung der Regattastrecke hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Ursprünglich hatte der Stadtrat im Jahr 2019 grünes Licht für eine Investition in Höhe von 61 Millionen Euro gegeben. Dieser Betrag sollte für einen umfassenden ersten Bauabschnitt genügen, der unter anderem die Sanierung der Tribüne, der Stege, der Sanitäranlagen und des umlaufenden Weges beinhaltete (Quelle 1).
Allerdings fiel die geplante Generalsanierung im Haushalt des Jahres 2020 dem sogenannten „Rotstift“ zum Opfer, da die Stadt aufgrund der Corona-Pandemie mit Einnahmeverlusten zu kämpfen hatte. Der Haushaltsüberschuss verwandelte sich in ein Defizit, wodurch die finanzielle Planung der Stadt stark eingeschränkt wurde. Nach mehreren Verhandlungen und Kompromissen wurde beschlossen, bis 2022 insgesamt neun Millionen Euro in die Sanierung zu investieren. Von diesen acht Millionen Euro sind für 2021 geplant, drei Millionen für 2022. Eine Million Euro ist zudem für temporäre Bauten für die European Championships 2022 gedacht (Quelle 5).
Diese Entscheidung wurde von Sportverbänden und lokalen Akteuren mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während die Stadt München betont, dass die Investitionen den Freizeitsport und die Nutzung der Anlage durch Amateursportler sichern sollen, kritisieren die Betreiber der Anlage, dass die Mittel nicht ausreichen, um internationale Wettkämpfe zu ermöglichen. Oliver Bettzieche von Regatta München betont, dass mit den neuen Mitteln zwar eine Nutzung durch Freizeitsportler möglich sei, aber die Standards für internationale Wettkämpfe nicht erfüllt werden könnten (Quelle 2).
Der Sanierungsbedarf: Prioritäten und Herausforderungen
Die Sanierung der Regattastrecke umfasst mehrere zentrale Baumaßnahmen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen. Diese beinhalten:
- Sanierung der Stege und Uferwege: Die Stege und der umlaufende Asphaltweg sind stark verschlissen und stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Sie sollen barrierefrei ausgebaut und saniert werden. Zudem ist geplant, den Weg für Jogger, Radfahrer und Inlineskater sicherer und begehbarer zu machen (Quelle 5, Quelle 7).
- Renovierung der Sanitäranlagen: Die sanitären Einrichtungen sind in einem katastrophalen Zustand und müssen komplett erneuert werden. In einigen Toiletten bilden sich Pfützen, was hygienisch problematisch ist und die Nutzung durch Besucher erschwert (Quelle 2).
- Tribüne: Die Tribüne, die ursprünglich für 9000 Sitzplätze gebaut wurde, ist seit 2018 unter Denkmalschutz und kann nicht mehr genutzt werden. Obwohl sie nicht einsturzgefährdet ist, ist sie denkmalgeschützt, was die Sanierung besonders kostspielig macht. Eine vollständige Sanierung der Tribüne wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt, was weit über dem geplanten Budget liegt (Quelle 6). In der Zwischenzeit wird für die European Championships 2022 eine mobile Tribüne errichtet, die später wieder abgebaut werden kann.
- Temporäre Bauten für die European Championships 2022: Um die Wettkämpfe durchzuführen, werden mobile Tribünen, TV-Studioanlagen und andere Bauten errichtet. Diese Investitionen sind vorübergehend und sollen nach der Veranstaltung abgebaut werden (Quelle 5, Quelle 7).
Die Prioritäten für die Sanierung sind nach Aussage der Stadt München klar definiert: Zunächst sollen die dringendsten Baumaßnahmen durchgeführt werden, um die Anlage für Freizeitsportler und Veranstaltungen wieder nutzbar zu machen. Langfristige Investitionen, insbesondere in die Tribüne, sollen erst später folgen, wenn die Finanzlage der Stadt besser ist (Quelle 5).
Kritik aus der Sport- und Politikszene
Die Entscheidung, die Sanierung der Regattastrecke auf einen Mindeststandard zu beschränken, stößt auf heftige Kritik. Sportbürgermeisterin Verena Dietl (SPD) betont, dass die Stadt in der Krise ihre Pflicht erfüllt, den Breitensport zu unterstützen. Allerdings zeigen sich die Sportverbände und Vereine in der Region enttäuscht. Der Verband Regatta München kritisiert, dass die Anlage nach der Sanierung nicht mehr in der Lage sei, internationale Wettkämpfe zu beherbergen (Quelle 7).
Der Vorsitzende von Regatta München, Oliver Bettzieche, spricht von einem „Sargnagel“ für die Zukunft der Anlage. Er betont, dass die Stadt sich nicht ausreichend für die langfristige Nutzung der Anlage einsetzt. Zudem habe die Stadt in der Vergangenheit mehrfach Investitionen in die Anlage zurückgestellt, obwohl sie einen prestigeträchtigen Status hat (Quelle 3).
Auch aus der Politik gibt es Kritik. Kathrin Abele (SPD) betont, dass die Sanierung der Tribüne besonders wichtig sei, da sie eine Voraussetzung für die Belegung der Anlage durch internationale Wettkämpfe ist. Allerdings ist die Tribüne denkmalgeschützt, was die Kosten enorm in die Höhe treibt (Quelle 2).
Der Bürgermeister von Oberschleißheim, Markus Böck (CSU), verlangt eine deutlich größere Investition in die Anlage. Er betont, dass die Stadt München nicht ausreichend Verantwortung übernimmt und dass die Anlage einen hohen kulturellen und sportlichen Wert habe. Gleichzeitig sei es jedoch nicht möglich, die Gemeinde finanziell zu verpflichten, da sie selbst nicht in der Lage sei, Gelder bereitzustellen (Quelle 2).
Die Rolle des Freistaats Bayern und des Bundes
Da die Stadt München nicht in der Lage ist, die gesamten Sanierungskosten allein zu tragen, wird auf Unterstützung vom Freistaat Bayern und vom Bundeshaushalt gehofft. Der Innenminister des Freistaats signalisierte in einer Sitzung des Städtetags, dass er bei einem guten Konzept bereit sei, einzusteigen. Allerdings ist bislang keine konkrete Förderzusage erfolgt. Ein Sprecher des Innenministeriums betont, dass es keine konkreten Zusage für die Finanzierung der Anlage gegeben habe (Quelle 2).
Sportbürgermeisterin Verena Dietl appelliert an Bund und Freistaat, die Bedeutung der Regattastrecke als Teil des olympischen Erbes zu erkennen. Sie betont, dass die Anlage nicht nur für den Sport, sondern auch für den Tourismus und die Region einen hohen Wert habe. Allerdings bleibt unklar, ob Bund oder Freistaat bereit sind, die notwendigen Mittel bereitzustellen (Quelle 3).
Fazit
Die Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim ist ein historisches und sportliches Wahrzeichen Münchens. Allerdings stehen sie vor erheblichen Herausforderungen, die eine umfassende Sanierung erforderlich machen. Die ursprünglich geplante Investition in Höhe von 61 Millionen Euro wurde aufgrund finanzieller Engpässe mehrfach reduziert und liegt aktuell bei neun Millionen Euro bis 2022. Diese Summe reicht zwar aus, um die Anlage für Freizeitsportler und Veranstaltungen wie die European Championships 2022 wieder nutzbar zu machen, reicht jedoch nicht aus, um internationale Wettkämpfe langfristig zu sichern.
Die Sanierungsmaßnahmen konzentrieren sich auf die Stege, die Sanitäranlagen, den umlaufenden Weg und die Errichtung von temporären Bauten. Die denkmalgeschützte Tribüne bleibt ein zentraler Problempunkt, da ihre Sanierung besonders teuer ist und politisch umstritten. Die Kritik aus der Sport- und Politikszene ist deutlich, und es bleibt abzuwarten, ob Bund oder Freistaat bereit sind, die notwendigen Mittel bereitzustellen, um die Anlage langfristig zu sichern.
Quellen
- Münchner Zeitung: Entscheidung im Rathaus – Olympia-Regattastrecke wird nun doch früher saniert
- Abendzeitung München: Rettung für die Regattastrecke soll doch saniert werden
- Merkur: Rettet die Olympia-Regattastrecke
- Abendzeitung München: Ruderregattastrecke wird saniert – das Erbe von Olympia stirbt
- Süddeutsche Zeitung: Sanierung – Neun Millionen für Regattastrecke
- Merkur: Sanierungsbedarf bei Olympia-Sportstätten im Landkreis München
- Süddeutsche Zeitung: München – Oberschleißheim – Regattaanlage Sanierung