Einleitung
Die Sanierung des Rheingau-Bades in Geisenheim ist ein herausragendes Beispiel für die Erhaltung und Modernisierung von kommunalen Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend und Kultur. Als einziges Hallenschwimmbad im Rheingau-Gebiet mit einem Einzugsbereich von 64.300 Einwohnern hat das Rheingau-Bad eine überregionale Bedeutung. Die Sanierungsarbeiten, die im Jahr 2021 begonnen wurden, zielten darauf ab, nicht nur die technischen Mängel zu beheben, sondern auch eine generationenübergreifende und barrierefreie Nutzung des Bades zu ermöglichen. Der Text beleuchtet die Hintergründe, den Ablauf und die Ergebnisse der Sanierungsmaßnahmen, wobei besonderes Augenmerk auf die organisatorischen, finanziellen und konstruktiven Aspekte gelegt wird.
Das Rheingau-Bad und seine Bedeutung
Das Rheingau-Bad ist weit mehr als eine reine Sporteinrichtung. Es fungiert als soziale Begegnungsstätte, in der Bewegung, Gesundheitserhaltung und Freizeitaktivitäten auf breiter Front verknüpft sind. Laut der Stadt Geisenheim hat das Hallenbad eine Schlüsselrolle im Schulsport des Rheingau-Taunus-Kreises. Jährlich nutzen rund 98.000 Besucher das Bad, darunter 14.800 Schulschwimmkinder. Das Rheingau-Bad wird von 17 verschiedenen Schulen, Kindergärten und sechs Vereinen für Schwimmaus- und -weiterbildung genutzt. Kurse für Baby- und Kleinkinderschwimmen, Wassergymnastik und Wellness ergänzen das Angebot, sodass das Bad für alle Altersgruppen attraktiv ist.
Mit einem Einzugsbereich von über 60.000 Einwohnern und der Funktion als einziges Hallenschwimmbad im Rheingau-Gebiet hat das Rheingau-Bad eine überregionale Bedeutung. Die Einrichtung ist nicht nur für die Gesundheitsvorsorge, sondern auch für soziale und kulturelle Aktivitäten unverzichtbar. Der Erhalt des Bades war daher von zentraler Bedeutung – sowohl aus finanzieller als auch aus sozialer Sicht.
Hintergrund der Sanierung
Im Jahr 2020 beschloss die Stadtverordnetenversammlung von Geisenheim, das Rheingau-Bad zu sanieren. Diese Entscheidung fiel im Kontext von immer größer werdenden technischen Mängeln, insbesondere in den Beckenbereichen. Massive Undichtigkeiten im Beckenkopfbereich führten dazu, dass gechlortes Beckenwasser ausströmte und Schäden im Unter- und Erdgeschoss verursachte. Ohne die geplanten Sanierungsmaßnahmen wäre die Schließung des Hallenbades unumgänglich gewesen.
Die Planung und Finanzierung der Sanierung setzte sich aus mehreren Etappen zusammen. Die Stadt Geisenheim musste auf externe Förderprogramme zurückgreifen, da der Erhalt des Bades ohne zusätzliche Mittel nicht möglich war. So wurden Förderbescheide sowohl vom Land Hessen („SWIM“) als auch vom Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ beantragt. Die Fördersumme betrug insgesamt 2,1 Millionen Euro, wodurch der Maßnahmenbeginn freigegeben werden konnte.
Organisation und Ausführung der Sanierungsarbeiten
Die Bauleistungen für die Sanierung wurden am 15. Februar 2021 öffentlich ausgeschrieben und in drei Fachgewerken aufgeteilt: „Elektrotechnik“, „Lüftungstechnik“ und „Edelstahlvollauskleidung der Becken, Fliesenarbeiten und Randgewerke“. Die Aufträge wurden in mehreren Schritten erteilt: Am 18. Mai 2021 für die Edelstahlarbeiten, am 15. Juli 2021 für die Elektrotechnik und am 30. November 2021 für die Lüftungstechnik. Die Baumaßnahme begann offiziell am 21. Juni 2021 mit einem symbolischen Spatenstich und einer kleineren Feierstunde mit politischen Akteuren aus Land und Bund.
Die Sanierung beinhaltete nicht nur die Beseitigung der Undichtigkeiten, sondern auch die Modernisierung der Technik, die Erneuerung der Beckenauskleidung und die Anpassung an moderne Anforderungen hinsichtlich Barrierefreiheit und Energieeffizienz. Besondere Aufmerksamkeit wurde den neuen Edelstahlbecken, der Rutschschlange für die jüngeren Besucher, der Waterclimbing-Wand und dem Wellnessbereich gewidmet. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, das Rheingau-Bad zu einem zukunftsfähigen, generationsübergreifenden Angebot zu machen.
Finanzierung und Unterstützung durch Kommunen
Die Sanierung des Rheingau-Bades war nicht allein die Aufgabe der Stadt Geisenheim. Vielmehr wurde ein Solidaritätsmodell eingesetzt, das alle Rheingauer Kommunen einbezieht. Jede Kommune leistete einen Soli von 2 Euro pro Einwohner und Jahr, um die Betriebskosten des einzigen öffentlichen Hallenbades in der Region zu tragen. Dieses Modell war von großer Bedeutung, da die Stadt Geisenheim den Erhalt und die Sanierung des Bades nicht alleine stemmen konnte.
Zudem wurden die Förderprogramme des Landes Hessen und des Bundes entscheidend genutzt. Die Beantragung und Bewilligung der Fördermittel war ein komplexer Prozess, der umfangreiche Unterlagen erforderte. Die Stadt Geisenheim und ihre Partner konnten schließlich die erforderlichen Mittel sichern, wodurch der Sanierungsbeginn ermöglicht wurde. Diese Finanzierungsstrategie unterstreicht die Notwendigkeit von partnerschaftlichen Modellen in der Erhaltung kommunaler Einrichtungen.
Nachbesserungen und Herausforderungen nach der Sanierung
Obwohl die Sanierungsarbeiten weitgehend erfolgreich waren, mussten nach der Fertigstellung noch Nachbesserungen durchgeführt werden. So wurden geringfügige, lokale Wassereintritte im Kellerbereich festgestellt, die sich nicht immer eindeutig lokalisieren ließen. Ebenso wurde eine Hohlraumbildung unter dem Fliesenbelag im Nichtschwimmerbecken beobachtet, wobei keine Bruchstellen erkennbar waren. Diese Feststellungen führten zu weiteren Besprechungen mit dem Planungsbüro und den ausführenden Firmen, um dauerhafte Lösungen zu finden.
Ein weiteres Problem, das im Zusammenhang mit der Sanierung auftrat, waren Lieferengpässe und der Fachkräftemangel. So fehlten beispielsweise die Abschlusseckenplatten rund um das Bad, und die Sprungtürme mussten nochmals lackiert werden. Zudem fehlten wichtige Dichtungen in den Klappen des Technikraums, die ausgetauscht werden mussten. Diese Herausforderungen verzögerten den geplanten Wiederbetrieb des Bades. Dennoch konnten die Verantwortlichen die Arbeiten in den letzten Monaten abschließen, sodass das Bad in neuem Glanz eröffnet werden konnte.
Die Eröffnung und die Wirkung der Sanierung
Die Eröffnung des sanierten Rheingau-Bades war ein großer Erfolg. Mit einer feierlichen Veranstaltung wurde die Einweihung im Juli 2023 begangen, an der zahlreiche Akteure aus Politik, Sport, Kultur und Kommune teilnahmen. Bürgermeister Christian Aßmann betonte in seiner Ansprache, dass das Rheingau-Bad nicht nur ein modernes, attraktives Hallenbad sei, sondern auch ein Zeichen für Solidarität, Engagement und gemeinschaftliches Handeln. Landrat Frank Kilian sprach von einem „Herzensprojekt“, das durch die Zusammenarbeit und den Glauben an das Projekt ermöglicht wurde.
Die Wirkung der Sanierung zeigte sich bereits in den ersten Monaten nach der Eröffnung. Das Bad erhielt positive Resonanzen von allen Nutzergruppen, und die Betriebsleitungen der Stadtwerke Geisenheim stellten einen gut angelaufenen Badebetrieb fest. Die Investitionen in die Sanierung haben sich somit bezahlt gezeigt, und das Rheingau-Bad hat sich als eine zukunftsfähige Einrichtung etabliert.
Barrierefreiheit und inklusive Nutzung
Ein besonderer Schwerpunkt der Sanierungsarbeiten lag auf der Barrierefreiheit. Der Weg vom Parkplatz bis zum Beckenrand ist barrierefrei passierbar, und auch die Umkleide- sowie Sanitärbereiche wurden entsprechend gestaltet. Diese Anpassungen ermöglichen eine gleichberechtigte Nutzung des Bades für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Stadt Geisenheim hat damit nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, sondern auch eine inklusive Nutzung im Vordergrund gestellt.
Zudem wurde in der Sanierung auf pflegeleichte, rutschhemmende und hochwertige Materialien gesetzt, um eine sichere und dauerhafte Nutzung zu gewährleisten. Die Einrichtung des Bades wurde so geplant, dass sie den Anforderungen der verschiedenen Alters- und Bewegungsgruppen gerecht wird. So ist das Rheingau-Bad nicht nur ein Ort für Sport und Gesundheit, sondern auch ein Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders.
Fazit
Die Sanierung des Rheingau-Bades in Geisenheim ist ein herausragendes Beispiel für die Erhaltung und Modernisierung von kommunalen Einrichtungen. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Planung, Handwerk und der Bevölkerung konnte ein generationsübergreifendes, barrierefreies und zukunftsfähiges Hallenbad geschaffen werden. Die Investitionen in die Sanierung haben sich bezahlt gezeigt, und das Rheingau-Bad hat sich als eine zentrale Einrichtung im Rheingau-Gebiet etabliert.
Die Erfahrungen aus diesem Projekt zeigen, dass die Sanierung von Bädern nicht nur eine technische Herausforderung ist, sondern auch eine organisatorische, finanzielle und soziale Aufgabe. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren, der Sicherung von Fördermitteln und der Einbeziehung der Bevölkerung ab. Das Rheingau-Bad ist nicht nur ein Modellprojekt für die Erhaltung von Bädern, sondern auch ein Symbol für Solidarität, Engagement und gemeinschaftliches Handeln.