Sanierung in der Steiermark: Förderprogramme, Innovationen und Praxisbeispiele

Einführung

Die Sanierung von Gebäuden spielt in der Steiermark eine zentrale Rolle in der Wohnungspolitik, im Klimaschutz und in der regionalen Wirtschaft. Jährlich werden etwa 8.000 Wohnungen und Eigenheime gefördert saniert, was einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung und Modernisierung bestehender Wohnobjekte sowie zur Schaffung von neuem Wohnraum leistet. Ziel der Sanierungsförderungen ist es, leistbares Wohnen zu sichern, den Klimaschutz zu unterstützen, Arbeitsplätze im Bau- und Baunebengewerbe zu schaffen und den Gebäudebestand in den Ortszentren attraktiv zu halten.

In den letzten Jahren hat sich die Sanierung nicht nur als Alternative zum Neubau etabliert, sondern auch durch innovative Technologien und Fördermodelle an Relevanz gewonnen. Eines dieser Projekte ist die „serielle Sanierung“, ein Modulsystem, das den Sanierungsprozess beschleunigt und gleichzeitig die Lebensqualität der Bewohner*innen verbessert. Zudem sind in der Steiermark verschiedene Förderprogramme verfügbar, die je nach Art und Umfang der Sanierung unterschiedliche Zuschüsse oder Darlehen bieten. Im Folgenden werden die aktuellsten Informationen zu diesen Themen detailliert ausgearbeitet, basierend auf den verfügbaren Quellen.

Sanierungsziele und Rahmenbedingungen in der Steiermark

Wichtige Ziele der Sanierung

Die Sanierung in der Steiermark ist nicht nur auf die Erhaltung von bestehenden Immobilien ausgerichtet, sondern auch auf die Modernisierung in Bezug auf Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Umweltverträglichkeit. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbesserung der thermischen Qualität der Gebäudehülle, der Umstellung bestehender Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen auf alternative Energieformen sowie der Schaffung von barrierefreien Wohnungen. Zudem wird die denkmalgerechte Renovierung baukulturell wertvoller Gebäude gefördert, was besonders in historischen Ortszentren eine wichtige Rolle spielt.

Ein weiteres Ziel ist die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bau- und Baunebengewerbe. Die Sanierung ist in der Steiermark ein wirtschaftlicher Faktor, der über die reinen Bauarbeiten hinaus Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht. Durch die Förderung der umfassenden Sanierung entstehen nicht nur neue Wohnräume, sondern auch Arbeitsplätze in der Region.

Förderung und Finanzierung

Die Sanierung wird durch verschiedene Förderprogramme unterstützt, die je nach Art und Umfang der Maßnahme unterschiedliche Konditionen bieten. Ein zentrales Programm ist die „Umfassende Sanierung“, die die Sanierung von Gebäuden oder von mindestens drei Wohnungen sowie Neubauten mit Mindestanforderungen für die Energieeffizienz abdeckt. Die Förderung besteht in Form von nicht rückzahlbaren Annuitätenzuschüssen in Höhe von 45 % zu Bankdarlehen mit einer Laufzeit von 15 Jahren.

Ein weiteres Programm ist die sogenannte „Kleine Sanierung“, die die Sanierung von mindestens 30 Jahre alten Gebäuden fördert. Allerdings ist aktuell eine Antragstellung für diese Förderung nicht möglich. Stattdessen ist ein schrittweises Vorgehen geplant, bei dem im ersten Quartal 2026 die Förderung für Eigenheim-Neubauten und den Kauf bestehender Eigenheime mit anschließender Sanierung starten wird. Ein neues Fördermodell, der „Sanierungspass“, ist für das zweite Quartal 2026 geplant und soll mehrere Maßnahmen flexibel kombinieren.

Zusätzlich gibt es die Förderung zur „Belebung von Ortskernen“, die nicht direkt Sanierungen abdeckt, sondern den Ankauf von Objekten in Ortszentren, die dann saniert oder neu gebaut werden können. Die Förderung beträgt maximal 70 % des angemessenen Ankaufspreises und hat eine Laufzeit von 28 Jahren mit halbjährlichen Rückzahlungsraten in Höhe von 1,915 % des Darlehensbetrages.

Innovative Sanierungsansätze: Die „Serielle Sanierung“

Technologische Innovation

Die „serielle Sanierung“ ist ein bahnbrechendes Modulsystem, das von einem steirischen Forschungsteam entwickelt wurde. Es basiert auf vorgefertigten Fassadenelementen, die sich wie bei einem Puzzle an der Gebäudehülle montieren lassen. Diese Module beinhalten bautechnische Strukturen (Tragkonstruktion, Wärmedämmung, Fenster) sowie Komponenten der Gebäudetechnik (z. B. Photovoltaik, Lüftung, Wärmeabgabesysteme, Steigstränge). Der Vorteil dieser Technologie liegt in der kurzen Montagezeit vor Ort, die sich auf wenige Tage beschränkt, und in der minimal invasiven Ausführung. Bewohner*innen müssen nicht ausziehen, es entsteht kaum Lärm, Staub oder Abfall, und die Ausführungsqualität ist hoch.

Das Projekt wird im Rahmen des Großforschungsprojekts „Renvelope“ durchgeführt, das von der steirischen Forschungseinrichtung AEE – Institut für nachhaltige Technologien (AEE INTEC) geleitet wird. 17 Partner aus Forschung und Bauindustrie sind an dem Projekt beteiligt. Laut Christian Fink, Geschäftsführer von AEE INTEC, sind rund 70.000 Gebäude in Österreich für diese Sanierungsform geeignet.

Praxisbeispiel: Studentenwohnheim in der Grüne Gasse

Ein konkretes Beispiel für die Umsetzung der seriellen Sanierung ist das Studentenwohnheim in der Grüne Gasse in Graz. Hier wurde die Fassade mit modularen Elementen ausgestattet, darunter eine 10 cm dicke Ausgleichsdämmung. Zusätzlich erfolgte die Dämmung der Kellerdecke und die Umstellung der Wärmeversorgung von dezentralen elektrischen Nachtspeicheröfen. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage mit 24 kWp installiert. Insgesamt konnte der Wärmebedarf des Gebäudes um 50 % reduziert werden.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom betont, dass dieses Projekt ein Musterbeispiel für regionale Innovation und Wirtschaftskraft ist. Die serielle Sanierung bündelt Forschung, heimische Produktion und Handwerk zu einer marktfähigen Lösung, die Arbeitsplätze schafft, Wertschöpfung in der Region sichert und Innovation „made in Styria“ international bekannt macht.

Wohnbaulandesrätin Simone Schmiedtbauer betont, dass solche Innovationen entscheidend seien, um die Wohngebäude fit für die Zukunft zu machen. Sie sieht in der seriellen Sanierung einen Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele und zur Schaffung leistbaren Wohnraums.

Vorteile und Perspektiven

Die serielle Sanierung bietet mehrere Vorteile im Vergleich zu traditionellen Sanierungsverfahren:

  • Zeitersparnis: Die Montagearbeiten vor Ort dauern nur wenige Tage, wodurch der Sanierungsprozess beschleunigt wird.
  • Minimale Störung der Bewohner*innen: Da die Arbeiten an der Fassade stattfinden und keine Aussiedelung nötig ist, bleibt das Gebäude während der Sanierung bewohnbar.
  • Klimaschutz: Die Einfügung von energieeffizienten Komponenten wie Photovoltaik oder Lüftungssystemen trägt zum Klimaschutz bei.
  • Wirtschaftlichkeit: Die Kosten liegen bei etwa 750 bis 800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, was in Relation zur erzielten Energieeinsparung eine wirtschaftliche Alternative darstellt.
  • Handwerkliche Umsetzung: Das Modulsystem ist so konzipiert, dass es von regionalen Handwerksbetrieben umgesetzt werden kann, was Arbeitsplätze sichert.

Diese Vorteile machen die serielle Sanierung zu einer vielversprechenden Technologie, die sich in der Zukunft auch über die Steiermark hinaus etablieren könnte.

Bestehende und geplante Fördermodelle

Umfassende Sanierung

Die „Umfassende Sanierung“ ist ein zentrales Förderprogramm, das von der Landesregierung der Steiermark betrieben wird. Sie richtet sich an Gebäude, die in beträchtlichem Ausmaß über die notwendige Erhaltung hinaus saniert werden. Dazu gehören Maßnahmen wie die Verbesserung der thermischen Qualität der Gebäudehülle, die Umstellung auf alternative Heizsysteme oder die barrierefreie Gestaltung von Bestandswohnungen.

Die Förderung besteht in Form von nicht rückzahlbaren Annuitätenzuschüssen in Höhe von 45 % zu Bankdarlehen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Diese Kombination aus Zuschüssen und Darlehen ermöglicht es Eigentümer*innen, ihre Sanierungsprojekte mit geringer Eigenkapitalbelastung durchzuführen. Die Errichtung von Wohnraum kann auch durch Ein- und Umbauten oder Gebäudeerweiterungen erfolgen, wodurch die Förderung flexibel eingesetzt werden kann.

Kleine Sanierung

Die „Kleine Sanierung“ fördert die Sanierung von mindestens 30 Jahre alten Gebäuden. Allerdings ist aktuell keine Antragstellung möglich, da das Programm einer Evaluierung unterzogen wird. Nach einer schrittweisen Öffnung ist im ersten Quartal 2026 geplant, die Förderung für Eigenheim-Neubauten und den Kauf bestehender Eigenheime mit anschließender Sanierung zu starten. Ein neues Modell, der „Sanierungspass“, ist für das zweite Quartal 2026 geplant und soll mehrere Maßnahmen flexibel kombinieren.

Die Evaluierung des Programms wurde gemeinsam mit Expert*innen, Wirtschaft und Sozialpartnern durchgeführt, um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Zukunft zu schaffen. Der „Sanierungspass“ soll dabei ein Baukastensystem mit Zuschlagspunkten beinhalten und möglicherweise auch einen Bonus für Jungfamilien. Zudem ist geplant, den Ersatz alter nachhaltiger durch neue, effizientere nachhaltige Heizungen (z. B. Holz auf Holz) zu fördern.

Belebung von Ortskernen

Die „Belebung von Ortskernen“ ist ein weiteres Förderprogramm, das nicht direkt Sanierungen abdeckt, sondern den Ankauf von Objekten in Ortszentren, die dann saniert oder neu gebaut werden können. Es ist besonders für Gemeinden, Gesellschaften, Gemeinnützige Bauvereine und Personengemeinschaften gedacht. Die Förderung beträgt maximal 70 % des angemessenen Ankaufspreises und hat eine Laufzeit von 28 Jahren mit halbjährlichen Rückzahlungsraten in Höhe von 1,915 % des Darlehensbetrages.

Dieses Programm hat das Ziel, die Ortszentren attraktiver zu gestalten und den Leerstand zu reduzieren. Durch den Ankauf und die anschließende Sanierung oder Neuerrichtung entstehen neue Wohn- und Gewerbeobjekte, die zur Stärkung der lokalen Wirtschaft beitragen.

Radonsanierung

Ein weiteres wichtiges Thema im Bereich der Sanierung ist die Radonsanierung. Radon ist ein radioaktives Edelgas, das in bestimmten Regionen, insbesondere in Gebieten mit Granitbergland, vorkommt. Die Förderung zur Radonsanierung wird genehmigt, wenn die Radonkonzentration über 1.000 Becquerel pro Quadratmeter liegt. Die Förderung beträgt maximal 22 % der Kosten, wobei die höchstmögliche Förderung 1.500 Euro pro Wohneinheit beträgt.

Diese Förderung ist besonders relevant für Gebäude, in denen die Radonbelastung bereits durch Messungen festgestellt wurde. Sie hilft dabei, die Gesundheit der Bewohner*innen zu schützen, ohne dass sie hohe Kosten für die Sanierung tragen müssen.

Fazit

Die Sanierung in der Steiermark ist ein zentrales Element der Wohn- und Energiepolitik. Sie trägt nicht nur zur Erhaltung und Modernisierung bestehender Immobilien bei, sondern auch zur Schaffung leistbaren Wohnraums und zur Stärkung der regionalen Wirtschaft. Durch innovative Technologien wie die serielle Sanierung und durch gezielte Förderprogramme wird der Sanierungsprozess beschleunigt, wirtschaftlicher gestaltet und zugleich die Umweltverträglichkeit erhöht.

Zudem sind die geplanten neuen Fördermodelle wie der „Sanierungspass“ und die schrittweise Öffnung der „Kleinen Sanierung“ ein Zeichen dafür, dass die Steiermark flexibel auf die Herausforderungen im Wohnungsbau reagiert. Die Kombination aus technologischen Innovationen, staatlicher Unterstützung und regionaler Wirtschaftskraft macht die Sanierung in der Steiermark zu einem Modellbeispiel, das über die Region hinaus Vorbildfunktion erfüllen kann.

Quellen

  1. Wohnbau Steiermark - Sanierung
  2. Gemeindeservice Steiermark - Umfassende Sanierung
  3. iDEST - Bauen und Sanieren
  4. MeinBezirk - Fördersysteme in der Steiermark
  5. OTS - Serielle Sanierung in der Steiermark
  6. Krone.at - Sanierung in der Steiermark
  7. Wohnbau Steiermark - Sanierungsprogramme

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