Sanierung der Schwimmhalle Freiberger Straße in Dresden: Denkmalschutz, Technik und Bauplanung

Die Sanierung der Schwimmhalle Freiberger Straße in Dresden war nicht nur eine Herausforderung in technischer und organisatorischer Hinsicht, sondern auch eine bedeutende Aufgabe in Bezug auf Denkmalschutz und die Integration moderner Anforderungen. Diese Renovierung zählt zu den umfangreichsten Sanierungsprojekten in der sächsischen Landeshauptstadt und zeigt, wie historische Gebäude mit zeitgemäßen Funktionen verbunden werden können. Im Folgenden werden die Planung, die Baumaßnahmen, die technischen Herausforderungen, die Kosten und die Ergebnisse detailliert vorgestellt.

Historische und architektonische Grundlagen

Die ursprüngliche Schwimmhalle am Freiberger Platz wurde im Jahr 1968 errichtet und zählt zu den bedeutenden Bauten der DDR-Moderne. Das Ensemble umfasste bereits damals ein 50-Meter-Becken und ein Lehrschwimmbecken sowie eine Vielzahl von Funktionen, die in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich genutzt wurden. Die Hallenarchitektur war damals innovativ, insbesondere das 40 Meter spannende Hängedach, das als technische Leistung seiner Zeit gilt.

Die Hallenstruktur war in ihrer ursprünglichen Form unter Denkmalschutz gestellt, was bedeutete, dass bei der Sanierung historische Elemente erhalten bleiben mussten. Dazu gehörte unter anderem ein 50 Quadratmeter großes Mosaik, das die Wand des Lehrschwimmbeckens zierte. Obwohl der Künstler nicht bekannt war, stand das Mosaik unter Denkmalschutz und musste daher sorgfältig restauriert und in den neuen Gebäudekomplex integriert werden.

Die Sanierung in zwei Bauabschnitten

Die Sanierung wurde in zwei Bauabschnitten durchgeführt. Im ersten Schritt wurde eine neue Wettkampfhalle errichtet, die 2019 in Betrieb genommen wurde. Diese umfasste ein 50-Meter-Becken mit acht Bahnen, ein Lehrschwimmbecken, Tribünen und eine moderne Saunaanlage im Dachbereich. Die neue Halle war mit einem temporären Eingang ausgestattet, um den Betrieb so rasch wie möglich aufzunehmen.

Im zweiten Bauabschnitt stand die Sanierung der bestehenden Halle im Mittelpunkt. Dabei wurden die historischen Elemente der alten Halle behutsam mit neuen Technologien kombiniert. So wurde das 40 Meter spannende Hängedach ertüchtigt, indem es mit CFK-Lamellen verstärkt wurde. Zudem wurden die Bestandsdecke, Innenfassaden und Türen wiederverwendet, um die historische Identität des Gebäudes zu bewahren.

Ein zentrales Element der Sanierung war die Erstellung eines neuen Foyers, das sich längs der bestehenden Halle tief ins Gebäude erstreckte. Dieses Foyer ermöglichte nicht nur eine bessere Orientierung der Besucher, sondern auch eine klare Sortierung der Besucherströmen zwischen der alten und der neuen Halle. Zudem dient das Foyer als zentraler Anlaufpunkt für alle Funktionen des Schwimmkomplexes.

Technische Herausforderungen und Lösungen

Die Sanierungsarbeiten an der alten Halle waren von mehreren technischen Herausforderungen begleitet. Besonders herausfordernd war die Arbeit an der Dachkonstruktion. Die Hängedachkonstruktion, die ursprünglich in den 1960er Jahren errichtet wurde, war aus Spannbetonbindern gefertigt, die aus einem speziellen Hennigsdorfer Spannstahl bestanden. Dieser Stahltyp hatte in der Vergangenheit bereits bei anderen Bauten, wie beispielsweise der Carolabrücke, Probleme mit Korrosion und Rissen aufgewiesen.

Um die Stabilität des Dachs zu gewährleisten, war es notwendig, ein detailliertes Gutachten in Auftrag zu geben. Dieses Gutachten sollte den Zustand der Dachkonstruktion beurteilen und gegebenenfalls Sanierungsmaßnahmen vorschlagen. In Anbetracht dieser Unsicherheit wurde die Springerhalle im Jahr 2025 sogar vorübergehend gesperrt, da bei Vorbereitungen für das Gutachten Risse und statische Unsicherheiten festgestellt wurden.

Ein weiteres Problem trat im Zusammenhang mit der Wasserzirkulation im 50-Meter-Becken auf. Um den Effekt des Chlorverteilung zu simulieren, wurden sogenannte Färbetests durchgeführt. Dabei wurde ein Farbstoff in den Wasserkreislauf eingebracht, um zu beobachten, wie sich die Farbe innerhalb von 15 Minuten im Becken ausbreitete. Sollten tote Zonen entstehen, wurden Zustromdüsen neu justiert, um eine gleichmäßige Chlorverteilung zu gewährleisten.

Denkmalschutz und Konservierung

Ein besonderes Projekt innerhalb der Sanierung war die Konservierung des historischen Mosaiks im Lehrschwimmbecken. Das Mosaik, das seit 1968 die Wand des Beckens zierte, war unter Denkmalschutz gestellt, musste also nicht abgerissen, sondern restauriert werden. Dazu wurde es in mehreren Etappen sorgfältig von der Wand getrennt. Jedes der etwa 500 Einzelteile wurde nach Zeile und Spalte nummeriert, um es später wieder exakt an der neuen Stelle zusammenzusetzen.

Der Künstler des Mosaiks war nicht bekannt, weshalb die Identität des Werkes im Dunkeln blieb. Dennoch war die Arbeit an diesem Kunstwerk von großer symbolischer Bedeutung. Nicht nur, dass das Mosaik ein Wahrzeichen der alten Halle war, es trug auch die Erinnerungen vieler Dresdner, die darin ihr Schwimmtraining absolviert hatten. Die restaurierte Mosaikfläche wurde schließlich in das neue Foyer integriert, wo sie auch weiterhin sichtbar bleibt.

Kosten, Finanzierung und Budget

Die Gesamtkosten für die Sanierung des gesamten Schwimmhallenkomplexes beliefen sich auf mindestens 31,4 Millionen Euro. Laut den Berichten lag der geplante Eröffnungstermin für die komplett sanierte Halle im Spätherbst 2018. Allerdings zeigten sich während der Arbeiten mehrere unerwartete Herausforderungen, die die Kosten und den Zeitrahmen beeinflussten.

Die Sanierung umfasste nicht nur den Neubau der Wettkampfhalle, sondern auch die umfangreiche Sanierung der alten Halle, die Erweiterung der Saunaanlage, die Integration des restaurierten Mosaiks und die Erstellung des neuen Foyers. Darüber hinaus mussten auch die technischen Anlagen, wie Wasserzirkulation, Heizung und Beleuchtung, modernisiert werden.

Die Finanzierung erfolgte über die kommunale Dresdner Bäder GmbH. Da die Halle ein bedeutendes städtisches Objekt ist, trug der Haushalt der Stadt einen großen Teil der Kosten. Zudem waren Investitionen in die Infrastruktur und in die Erhaltung historischer Bauten Teil der langfristigen Planung der Stadt Dresden.

Nutzungsstruktur und Funktionen

Nach Abschluss der Sanierung bot der Schwimmsportkomplex Freiberger Platz eine Vielzahl an Funktionen für sowohl Vereins- als auch Freizeitsportler. Die beiden Hallen verfügen über jeweils ein 50-Meter-Becken mit einer Wassertiefe von zwei Metern. Jeder Tag steht mindestens vier Bahnen für das öffentliche Schwimmen zur Verfügung. Darüber hinaus finden Schwimm- und Fitnesskurse statt, die unter anderem im Lehrschwimmbecken mit einem Schrägboden angeboten werden.

Moderne Umkleide- und Duschkabinen sorgen für ein angenehmes Schwimmerlebnis, während eine großzügige Saunalandschaft im Obergeschoss für Entspannung nach dem Training sorgt. Der gesamte Komplex ist barrierefrei gestaltet, was die Zugänglichkeit für alle Besucher sichert.

Ausblick und zukünftige Herausforderungen

Obwohl der Schwimmhallenkomplex nach Abschluss der Sanierung eine moderne und zugängliche Einrichtung darstellt, bleiben einige Herausforderungen bestehen. Insbesondere die Stabilität der Dachkonstruktionen und die dauerhafte Erhaltung der historischen Elemente erfordern kontinuierliche Wartung und Inspektionen. Darüber hinaus müssen auch die technischen Anlagen regelmäßig überprüft und ggf. erneuert werden, um den Betrieb sicher und effizient zu gewährleisten.

Die Erfahrung mit der Sanierung der Freiberger Straße zeigt, dass die Kombination von historischem Erbe und moderner Technologie nicht immer einfach ist, aber durch sorgfältige Planung und Expertise meistbar. Sie bietet einen Vorbildcharakter für andere Städte, die ähnliche Baudenkmäler sanieren und gleichzeitig ihre Funktionen an moderne Anforderungen anpassen müssen.

Fazit

Die Sanierung der Schwimmhalle Freiberger Straße in Dresden war ein komplexes Projekt, das sowohl architektonische, technische als auch organisatorische Herausforderungen aufwarf. Durch die Integration historischer Elemente, wie dem restaurierten Mosaik und der ertüchtigten Hängedachkonstruktion, gelang es, den Charakter des alten Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig eine moderne, funktionale Einrichtung zu schaffen.

Die Investitionen in die Sanierung und Erweiterung des Komplexes zeigen das Engagement der Stadt Dresden, ihre Kultur- und Sportinfrastruktur langfristig zu sichern. Der Schwimmhallenkomplex Freiberger Platz ist heute nicht nur ein Wahrzeichen der sächsischen Landeshauptstadt, sondern auch ein leistungsstarkes Angebot für Sportler und Freizeitbesucher.

Quellen

  1. Schwimmkomplex Freiberger Straße | Dresden | Sanierung
  2. Schwimmhalle Freiberger Straße: Rettungsaktion und Mosaik-Sanierung
  3. Schwimmhalle Freiberger Straße: Platz, Rathaus färbt das Wasser
  4. Pressemitteilung: Deutschen Meisterschaften abgebrochen
  5. Dresden: Hallensperrung aufgrund von Rost im Dachstahl
  6. Neustart für Dresdens größte Schwimmhalle
  7. Schwimmsportkomplex Freiberger Platz – Dresdner Bäder GmbH

Ähnliche Beiträge