Einführung
Die Schwimmhalle Schilksee in Kiel, errichtet im Zuge der Olympischen Spiele 1972, ist ein architektonisch und historisch bedeutendes Gebäude im Olympiazentrum. Sie ist seit 2018 als Werk der Baukultur der 1970er Jahre anerkannt und war bis zu ihrer Schließung im Juni 2022 ein zentraler Treffpunkt für Sportler, Familien und Freizeitschwimmer. Aufgrund des hohen Sanierungsbedarfs, insbesondere im Bereich der Stahlbetonkonstruktionen und der Haustechnik, wurde sie in einer umfassenden Sanierung geschlossen. Ziel der Sanierung ist es, die Halle in einen generationsübergreifenden, barrierefreien und energetisch effizienten Sport- und Freizeitort zu verwandeln.
Die Sanierungsarbeiten, die ursprünglich bis 2024 abgeschlossen sein sollten, gerieten jedoch in die Verzögerung, unter anderem aufgrund unerwarteter Schäden, rechtlicher Auseinandersetzungen und planerischer Herausforderungen. Dennoch laufen die Arbeiten auf Hochtouren, um das Ziel einer nachhaltigen, funktionalen und architektonisch wertvollen Einrichtung im Olympiazentrum zu erreichen.
In diesem Artikel werden die Hintergründe, Planung, technischen Aspekte, Herausforderungen und aktuelle Fortschritte der Sanierung der Schwimmhalle Schilksee detailliert vorgestellt.
Historischer Hintergrund und Gebäudekomplex
Die Schwimmhalle Schilksee wurde 1972 im Rahmen der Vorbereitungen der Olympischen Spiele in München errichtet und ist Teil des Olympiazentrums, das von den Architekten Hinrich Storch und Walter Ehlers gestaltet wurde. Der Komplex besteht aus zwei Gebäuden, die über eine Brücke miteinander verbunden sind. Die Schwimmhalle selbst war bis vor Kurzem mit Meerwasser betrieben und hat in den vergangenen Jahrzehnten eine bedeutende Rolle im regionalen Sport- und Freizeitangebot gespielt.
Das Olympiazentrum ist ein anerkanntes Werk der Baukunst und zugleich denkmalwürdig. Der Charakter des Gebäudes, geprägt von der Architektur der 1970er Jahre, ist ein zentraler Aspekt der Sanierungsplanung. Ziel ist es, die ursprüngliche Gestalt und Funktion des Baus zu bewahren, während gleichzeitig modernste Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Nutzerfreundlichkeit erfüllt werden.
Sanierungsbedarf und Ursachen
Die Entscheidung für eine umfassende Sanierung der Schwimmhalle Schilksee war auf mehrere kritische Faktoren zurückzuführen:
Stahlbetonkonstruktionen: Die Stahlbetonkonstruktionen, insbesondere im Bereich der Schwimmbecken und Technikräume, sind aufgrund der Chloridbelastung durch Meerwasser stark korrosionsgefährdet. In vielen Bereichen zeigten sich bereits erhebliche Schäden, die die Standsicherheit und Dauerhaftigkeit des Gebäudes beeinträchtigten.
Haustechnik: Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) war veraltet und konnte nicht mehr die heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Komfort und Nutzerbedürfnisse erfüllen. Besonders die Schwimmbadtechnik benötigte eine grundlegende Modernisierung.
Barrierefreiheit: Aufgrund der demografischen Entwicklung und des Wandelns des Stadtteils Kiel-Schilksee, in dem vermehrt junge Familien ansässig sind, war ein Umbau hin zu barrierefreien Räumlichkeiten erforderlich, um den Zugang für Menschen mit Behinderung und ältere Menschen zu verbessern.
Funktionalität und Nutzung: Die vorhandene Nutzung kontrastierte mit den heutigen Anforderungen. Insbesondere das Lehrschwimmbecken erwies sich als nicht mehr ausreichend, um den pädagogischen und sportlichen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.
Die Sanierung war also nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein gesellschaftliches und städtebauliches Vorhaben, das die Zukunftsfähigkeit des Olympiazentrums sichern sollte.
Planung und Umsetzung
Die Sanierungsplanung wurde in mehreren Phasen durchgeführt, wobei sowohl die Erhaltung des historischen Charakters als auch die Einhaltung moderner baulicher und funktionaler Standards im Vordergrund standen.
Architektonische Planung
Die Architekturleistungen für den Wiederaufbau wurden in einem Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben. Ziel war es, ein Konzept zu erarbeiten, das die bauliche Substanz der Schwimmhalle Schutz spendete, ohne den ursprünglichen Charakter der 1970er Jahre zu zerstören. In dieser Phase wurde auch eine umfassende Betrachtung der Raum- und Funktionsbedarfe durchgeführt, wodurch sich der Notwendigkeit eines Anbaus an das Lehrschwimmbecken ergab.
Diese Planung führte jedoch zu einer Rechtsstreitigkeit, da der ursprüngliche Architekt des Gebäudes gegen den Anbau aus Urheberrechtsgründen Einspruch erhob. Der Streit verlängerte die Planungsphase und führte zu einer Verzögerung der Arbeiten. Am 18. September 2025 beschloss die Ratsversammlung, den Umbau trotz des Prozessrisikos durchzuführen, um den Schwimmbetrieb für Vereine und Schulen wieder zu ermöglichen.
Technische Planung
Im Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) und Schwimmbadtechnik wurden umfassende Sanierungsarbeiten geplant. Ziel war es, ein Effizienzhausniveau zu erreichen, um erhebliche Endenergie- und CO₂-Einsparungen zu ermöglichen. Die Planung orientierte sich an den Vorgaben des KfW-Programms 432 „Olympiazentrum Energiequartier“.
Ein Schwerpunkt lag auf der Sanierung der Stahlbetonkonstruktionen. Hierbei wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um den Ist-Zustand der Bauteile zu ermitteln. Die Arbeiten umfassten Betonsanierungsmaßnahmen, die Beseitigung von Schadstoffen, sowie die Planung und Einbau von Edelstahlbeckenteilen.
Baumaßnahmen und Verfahren
Die Sanierungsarbeiten wurden in mehreren Verfahren durchgeführt, darunter:
Ingenieurbau und Tragwerksplanung: Dies beinhaltete die Sanierung von Stahlbetonteilen, die Planung von Schadstoffsanierungen und die Einbauplanung für Edelstahlbeckenteile.
Technische Gebäudeausrüstung (TGA): Die Modernisierung der TGA umfasste insbesondere die Schwimmbadtechnik, die bis dato veraltet war.
Rohbauarbeiten: Im Zuge der Sanierung des Hauptbeckens und des Ersatzneubaus des Lehrschwimmbeckens wurden erweiterte Rohbauarbeiten durchgeführt. Dies umfasste unter anderem die Demontage von Stahlbetonkonstruktionen, den Einbau von Minibohrpfählen und die Durchführung von Betonsanierungsarbeiten.
Die Verfahren wurden europaweit ausgeschrieben, wobei der Landeshauptstadt Kiel als Auftraggeber eine führende Rolle zukam. Die Verfahren wurden über das Deutsches Vergabeportal abgewickelt, wobei die Einreichung von Teilnahmeanträgen und Angeboten ausschließlich in elektronischer Form erfolgte.
Herausforderungen und Verzögerungen
Obwohl die Sanierungsarbeiten ursprünglich bis 2024 abgeschlossen sein sollten, traten mehrere Herausforderungen auf, die zu Verzögerungen führten.
Ungeplante Schäden
Bereits bei den ersten Untersuchungen und Abrissarbeiten stellte sich heraus, dass die Schäden am Gebäudekomplex größer waren als erwartet. Insbesondere die Korrosion der Stahlbetonkonstruktionen und die Veraltung der Haustechnik erforderten umfangreiche, nicht vorgesehene Sanierungsmaßnahmen.
Rechtliche Auseinandersetzungen
Ein weiteres Problem war die Rechtsstreitigkeit um den Anbau an das Lehrschwimmbecken. Der ursprüngliche Architekt des Gebäudes erhob aus urheberrechtlichen Gründen Einspruch gegen den Anbau. Da sich die Parteien nicht einigten, blieb das Projekt in dieser Phase festgehalten, was die Planung und Ausführung verzögerte.
Planerische und logistische Herausforderungen
Die Planung einer Sanierung, die sowohl den historischen Charakter des Gebäudes bewahrte als auch modernste Anforderungen erfüllte, war an sich komplex. Hinzu kamen die logistischen Herausforderungen einer Baustelle, die in einem städtischen Umfeld gelegen war und für die eine umfassende Baustelleneinrichtung erforderlich war.
Aktueller Stand der Sanierungsarbeiten
Die Sanierungsarbeiten laufen seit 2022 und befinden sich aktuell in der finalen Phase. Laut Berichten aus 2025 sind die Rohbauarbeiten weitgehend abgeschlossen, und die technischen Arbeiten sowie die Sanierung der TGA befinden sich im Endstadium. In einigen Bereichen, insbesondere im Lehrschwimmbecken, dauern die Arbeiten noch an, da hier der Ersatzneubau und die Integration in den Bestand komplexer als ursprünglich geplant war.
Die Sanierung ist mit einem Budget von rund zwölf Millionen Euro veranschlagt, wobei der Zeitplan auf Grund der Verzögerungen angepasst werden musste. Die Landeshauptstadt Kiel hat sich jedoch verpflichtet, das Projekt so weit wie möglich zu beschleunigen, um den Schwimmbetrieb für Vereine, Schulklassen und die allgemeine Öffentlichkeit wieder aufzunehmen.
Auswirkungen der Sanierung auf die Region
Die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee hat weitreichende Auswirkungen auf die Region Kiel und den Stadtteil Schilksee. Die Halle ist nicht nur ein zentraler Sport- und Freizeitort, sondern auch ein städtebauliches Element, das zur Entwicklung des Stadtteils beiträgt.
Soziale und gesellschaftliche Bedeutung
Die Schwimmhalle war und ist weiterhin ein generationsübergreifender Treffpunkt, der Sportler, Familien, Senioren und Vereine zusammenbringt. Die Sanierung ermöglicht es, diese Funktion zu bewahren und gleichzeitig die Inklusivität und Barrierefreiheit zu verbessern. Insbesondere für Menschen mit Behinderungen und ältere Bürgerinnen und Bürger ist die Sanierung ein Schritt in Richtung einer barrierefreieren Nutzung der Anlage.
Städtebauliche Bedeutung
Die Sanierung trägt auch zur Stadterneuerung in Kiel-Schilksee bei. Der Stadtteil erfährt derzeit einen demografischen Wandel, wobei vermehrt junge Familien in den Bereich ziehen. Die modernisierte Schwimmhalle wird in diesem Kontext eine zentrale Rolle spielen, um das Angebot an Freizeit- und Sporteinrichtungen zu sichern und gleichzeitig den städtischen Charakter zu bewahren.
Energetische und ökologische Vorteile
Durch die Sanierung wird die Energieeffizienz der Anlage erheblich verbessert. Ziel war es, ein Effizienzhausniveau zu erreichen, um CO₂-Emissionen zu reduzieren und langfristig Energiekosten zu senken. Dies ist insbesondere im Kontext der Klimaziele der Bundesregierung und der Stadt Kiel von besonderer Bedeutung.
Fazit
Die Sanierung der Schwimmhalle Schilksee ist ein komplexes und vielschichtiges Projekt, das nicht nur technische Herausforderungen, sondern auch gesellschaftliche, städtebauliche und ökologische Aspekte umfasst. Obwohl die Arbeiten zeitlich und planerisch in die Verzögerung geraten sind, ist das Projekt ein Beispiel für die Integration historischer Werte mit modernen Anforderungen. Die Landeshauptstadt Kiel hat sich der Herausforderung gestellt und investiert in eine nachhaltige, inklusive und funktional optimierte Einrichtung, die für die Zukunft gerüstet ist.
Die Schwimmhalle Schilksee wird nach Abschluss der Sanierung nicht nur wieder ein zentraler Sport- und Freizeitort in Kiel sein, sondern auch ein Symbol für die Wichtigkeit von Sanierungsmaßnahmen in der städtischen Infrastruktur. Sie ist ein Beweis dafür, dass historische Bauten nicht veraltet sind, sondern mit modernen Konzepten und Technologien für die Zukunft fit gemacht werden können.