Der Volkspark Mariendorf in Berlin-Tempelhof-Schöneberg steht im Herzen einer umfassenden Sanierung, die nicht nur die Erhaltung des Gartendenkmals, sondern auch die Anpassung an klimatische Herausforderungen, die Förderung ökologischer Vielfalt und die Schaffung barrierefreier Zugänglichkeit zum Vorschein bringt. Die Sanierungsmaßnahmen, die in mehreren Phasen durchgeführt werden, sind Teil eines langfristigen Konzepts, das den Park für die nächsten Generationen fit macht und gleichzeitig den historischen Charakter bewahrt. Im Folgenden werden die Hintergründe, Ziele, Methoden und aktuelle Entwicklungen dieser Sanierung detailliert vorgestellt.
Der Park als historisches Gartendenkmal
Der Volkspark Mariendorf wurde in den 1920er Jahren als Modellboot-Teich konzipiert und zählt heute zu den bedeutendsten grünen Anlagen Berlins. Mit seiner Einrichtung als Gartendenkmal und Grünanlage hat der Park nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine kulturelle und soziale Bedeutung für die lokale Bevölkerung. Seine Vielfalt an Freizeitangeboten – von Erholung und Naturbegegnung bis hin zu Bewegungs- und Sportmöglichkeiten – macht ihn zu einem zentralen Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Lebens.
Die Geschichte des Parks ist eng verbunden mit der Entwicklung der städtischen Grünflächen in Berlin. Die frühen Planungen der 1920er Jahre legten Wert auf eine harmonische Integration von Wasserflächen, Pflanzen- und Sitzbereichen. Diese ursprünglichen Gestaltungsideen bilden auch heute noch die Grundlage für die Sanierung, die sich nach diesen historischen Vorgaben richtet und gleichzeitig neue Anforderungen berücksichtigt.
Ziele der Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierungsmaßnahmen des Volksparks Mariendorf sind auf mehrere zentrale Ziele ausgerichtet, die sich aus der Verbindung von Denkmalschutz, Klimaresilienz und barrierefreier Nutzung ergeben:
Modernisierung nach historischen Vorgaben: Die Sanierung verfolgt das Ziel, die ursprüngliche Gestaltungsidee des Parks zu bewahren und gleichzeitig den heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Dazu gehören die Wiederherstellung historischer Sichtachsen, die Revitalisierung von markanten Elementen wie dem Blümelteich, und die Einrichtung neuer, aber historisch verträglicher Freizeitangebote.
Barrierefreie Erschließung: Eine der zentralen Aufgaben der Sanierung ist die Schaffung barrierefreier Zugänge und Wege. Dies betrifft insbesondere die Verbesserung des Wegenetzes, das in seinem aktuellen Zustand marode und schwer zugänglich ist. In mehreren Abschnitten des Parks werden die Wege erneuert, um die Erschließung für alle Altersgruppen und Menschen mit Behinderungen zu verbessern.
Anpassung an den Klimawandel: Die Sanierungsmaßnahmen berücksichtigen auch die Herausforderungen des Klimawandels, insbesondere die Erhöhung von Hitzebelastungen und Starkregenereignissen. Dazu gehören die Anpassung der Pflanzung an trockenere Bedingungen, die Schaffung von Schattenspendern und die Verbesserung der Drainage im gesamten Park.
Ökologische Vielfalt fördern: Ein weiteres Ziel ist die Steigerung der Biodiversität durch die Einrichtung von Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten. Der Sumpfgarten, der im Fokus der Sanierung steht, wird beispielsweise durch Neupflanzungen und die Beseitigung invasiver Arten wie dem Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) ökologisch aufgewertet.
Verbesserung der Aufenthaltsqualität: Die Sanierung zielt auch darauf ab, die Aufenthaltsqualität für Parkbesucher zu steigern. Dies umfasst nicht nur die Erneuerung von Sitzmauern und Einfassungen, sondern auch die Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche, wie z. B. der geplante Mehrgenerationen-Treff südlich des Stadions.
Projektphasen und Beteiligung der Bürger_innen
Die Sanierung des Volksparks Mariendorf ist in mehrere Phasen eingeteilt, wobei jede Phase auf ein spezifisches Projekt abzielt. Insgesamt ist die Sanierung in fünf Abschnitte unterteilt: Spielplatz, Spange, Sumpfgarten, Staudengarten und Rosengarten. Die Arbeiten finden in mehreren Abschnitten statt, wobei der Beginn der Baumaßnahmen im Jahr 2024 vorgesehen war.
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Beteiligung der Bürgerinnen. In den Phasen 2 und 3 der Planung fand jeweils eine Bürgerinnen-Beteiligung statt, bei der der aktuelle Planungsstand vorgestellt wurde und Fragen beantwortet sowie Hinweise in die Planung einfließen konnten. Diese Beteiligung ist Teil des Bemühens, den Park nicht nur nach objektiven Kriterien, sondern auch nach den Wünschen und Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung zu gestalten.
Ein Beispiel für die aktive Einbindung der Bürger_innen ist der Spaziergang im September 2024, bei dem Interessierte sich mit dem Landschaftsarchitekturbüro „Stadt Land B+“ über die Planung austauschen konnten. Dabei wurden auch konkrete Vorschläge zur Gestaltung von Sport- und Fitnessgeräten diskutiert, die auf die Anlage integriert werden sollen.
Fokussierte Sanierungsmaßnahmen
Sumpfgarten: Rückbau des Wildwuchses und Neupflanzungen
Der Sumpfgarten ist einer der zentralen Schwerpunkte der Sanierung. Er war in den vergangenen Jahren stark von Wildwuchs betroffen, wodurch die ursprüngliche Struktur und das Erscheinungsbild des Gartens verloren gegangen waren. Im Jahr 2022 begann der Rückschnitt des Wildwuchses, der bis Ende Februar 2023 abgeschlossen wurde. Ziel war es, die solitären Großbäume zu freistellen und die räumlichen Qualitäten des Parks wieder herzustellen.
Der Rückschnitt war notwendig, da der wilde Aufwuchs in der Strauchschicht durch fehlende Pflege entstanden war. Der heutige Zustand entspricht nicht mehr dem historischen Charakter des Gartendenkmals. Im Rahmen der Sanierung werden zudem invasive Pflanzenarten wie der Japanische Staudenknöterich beseitigt. In einem nächsten Schritt sollen Neupflanzungen vorgenommen werden, um den Sumpfgarten ökologisch und ästhetisch zu bereichern.
Blümelteich: Sanierung und Wiederherstellung
Der Blümelteich, das zentrale Gewässer des Parks, war in der Vergangenheit stark verschlammt und in einem schlechten Zustand. In den Jahren 2019 und 2020 erfolgte eine umfassende Sanierung, bei der der Teich entschlammt und mit frischem Wasser befüllt wurde. Die Uferbereiche wurden befestigt, und Wege wurden neu verlegt. Zudem wurden Sträucher und Stauden neu gepflanzt, um die ökologische Qualität des Gewässers zu steigern.
Diese Maßnahmen waren notwendig, da der Blümelteich nicht nur ein ästhetisches Element des Parks ist, sondern auch ein wichtiger Lebensraum für Amphibien und andere Tierarten. Die Sanierung trug dazu bei, die Biodiversität im Park zu erhöhen und gleichzeitig die Attraktivität des Gewässers für Besucher_innen zu steigern.
Dillgesteich und Kleiner Teich: Ökologische Sanierung
Neben dem Blümelteich sind auch zwei weitere kleine Gewässer im Park, der Dillgesteich und der Kleine Teich, Gegenstand der Sanierung. Beide Gewässer befinden sich in einem schlechten ökologischen Zustand und sind aufgrund von Wassermangel und starken Nutzungspressuren bedroht. Die Sanierung dieser Teiche, die im Herbst 2025 beginnen soll, wird in Zusammenarbeit mit dem Umwelt- und Naturschutzamt durchgeführt.
Die Probleme dieser Gewässer sind vielfältig: Der ständige Wassermangel erfordert eine kontinuierliche Nachfüllung aus dem Blümelteich. Zudem sind die Uferbereiche durch die starke Nutzung durch Parkbesucher_innen stark verdichtet, was der Uferbepflanzung schadet. Auch die Tierwelt profitiert nicht von diesen Gewässern, da für Amphibien wie Frösche und Kröten die nötigen Lebensbedingungen fehlen – geschützte Rückzugsorte, Laichplätze und Flachwasserzonen sind nicht ausreichend vorhanden.
Die Sanierung dieser Gewässer wird durch die Schaffung solcher Räume und die Beseitigung invasiver Pflanzen begünstigt. Ziel ist es, die ökologische Qualität der Teiche zu steigern und sie wieder als lebenswerte Räume für Tier- und Pflanzenarten zugänglich zu machen.
Neuer Spielplatz und Mehrgenerationen-Treff
Ein weiteres zentrales Projekt der Sanierung ist die Reaktivierung eines ehemaligen Spielplatzes südlich des Stadions. Auf einer Fläche von ca. 2000 Quadratmetern entsteht ein „Mehrgenerationen-Treff“, der sowohl Kindern als auch Erwachsenen Freizeit- und Bewegungsmöglichkeiten bietet. Vorgesehen sind Spielbereiche für die Kleinsten, Sportangebote für die Größeren sowie Bolz- und Picknickwiesen. Zudem sollen historische Obstgehölze mit essbaren Früchten eingesetzt werden, um das Gärtnern und Ernten gemeinsam zu fördern.
Die Erneuerung des Spielplatzes ist ein wichtiger Schritt, um den Park für die jüngere Generation attraktiver zu gestalten und gleichzeitig die soziale Funktion des Parks zu stärken. Die Planung des Spielplatzes erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, wobei auch Vorschläge zur Gestaltung von Sport- und Fitnessgeräten einfließen.
Erneuerung des Wegenetzes und barrierefreie Erschließung
Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung ist die Erneuerung des Wegenetzes im Park. Das marode Wegenetz soll nicht nur instand gesetzt, sondern auch barrierefrei gestaltet werden. In mehreren Abschnitten des Parks werden Wege erneuert, um den Zugang für alle Altersgruppen und Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Zudem werden Sitzmauern und Einfassungen erneuert, um die Aufenthaltsqualität im Park zu steigern.
Die barrierefreie Erschließung ist ein zentrales Ziel der Sanierung, das sowohl aus rechtlichen als auch aus sozialen Gründen von großer Bedeutung ist. Durch die Erneuerung der Wege und die Schaffung von barrierefreien Zugängen wird der Park für eine breite Bevölkerungsgruppe zugänglicher gemacht, was auch die Attraktivität des Parks für Touristen steigern wird.
Klimaresilienz und Anpassung an den Klimawandel
Die Sanierung des Volksparks Mariendorf berücksichtigt auch die Herausforderungen des Klimawandels. In Berlin sind die Temperaturen in den Sommermonaten zunehmend höher und Starkregenereignisse häufiger. Um den Park für diese Bedingungen fit zu machen, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen.
Zum einen wird die Pflanzung auf trockenere Bedingungen angepasst. Pflanzen, die weniger Wasser benötigen, werden eingesetzt, um den Wasserbedarf im Park zu reduzieren. Zum anderen werden Schattenspender geschaffen, um die Hitzeeinwirkung zu reduzieren. Dies geschieht durch die Erhaltung und Neupflanzung von Bäumen, die Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung bieten.
Ein weiteres wichtiges Element der Klimaanpassung ist die Verbesserung der Drainage. Starkregenereignisse können dazu führen, dass Wasser sich in bestimmten Bereichen des Parks staut. Um dies zu verhindern, werden Drainagekanäle erneuert und neue Ablaufrouten geschaffen, um das Wasser effizient abzuleiten.
Ökologische Vielfalt und Biodiversität fördern
Die Sanierungsmaßnahmen des Volksparks Mariendorf tragen auch der Notwendigkeit Rechnung, die Biodiversität in städtischen Räumen zu fördern. In Berlin, wo Grünflächen immer knapper werden, ist die Erhaltung von Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten von besonderer Bedeutung.
Im Sumpfgarten, aber auch in den umliegenden Bereichen des Parks, werden Maßnahmen ergriffen, um die ökologische Qualität zu steigern. Dazu gehören die Beseitigung invasiver Pflanzenarten, die Schaffung von Rückzugsorten für Tiere und die Einrichtung von Blühflächen, die die Bestäuberpopulationen unterstützen.
Ein weiteres Beispiel ist die Sanierung der Teiche. Durch die Schaffung von Flachwasserzonen und geschützten Laichplätzen wird der Lebensraum für Amphibien wie Frösche und Kröten verbessert. Zudem wird durch die Einrichtung von Nistkästen und Schmetterlingshotels die Vielfalt der Tierarten im Park erhöht.
Fazit
Die Sanierung des Volksparks Mariendorf ist ein komplexes und vielschichtiges Projekt, das nicht nur die Erhaltung eines historischen Gartendenkmals, sondern auch die Anpassung an moderne Anforderungen im Fokus hat. Mit der Schaffung barrierefreier Zugänge, der Revitalisierung von Gewässern und der Forderung nach Klimaresilienz wird der Park für die Zukunft fit gemacht. Gleichzeitig wird die Biodiversität gefördert, und die Aufenthaltsqualität für Besucher_innen gesteigert.
Die Beteiligung der Bürgerinnen und die Zusammenarbeit mit Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen zeigen, dass die Sanierung nicht nur technisch, sondern auch sozial nachhaltig ist. Mit den geplanten Maßnahmen wird der Volkspark Mariendorf nicht nur seine historische Bedeutung bewahren, sondern auch eine moderne, vielseitige und zugängliche Grünfläche bleiben, die für alle Generationen ein Ort der Erholung, der Begegnung und der Naturbegegnung sein wird.
Quellen
- Sanierung des Gartendenkmals Volkspark Mariendorf
- Volkspark Mariendorf wird fit gemacht fürs Jubiläum
- Volkspark Mariendorf: Sanierung – Info-Spaziergang
- Sanierte Kunstrasenplätze im Volkspark Mariendorf wiedereröffnet
- Im Volkspark Mariendorf: Sumpfgarten wird vom Wildwuchs befreit
- Kur für zwei Teiche
- Sanierung des Volksparks Mariendorf
- Volkspark Sanierung wird fortgesetzt – Das sind die Pläne