Die Sanierung des Förderturms der ehemaligen Zeche Holland in Wattenscheid ist nicht nur ein Projekt der Stadterneuerung, sondern auch ein Meilenstein in der Transformation der industriellen Kultur in eine moderne, lebendige Stadtgestaltung. Der Turm, der einst als zentraler Bestandteil der Bergbautätigkeit diente, wurde nach jahrzehntelanger Brache durch umfassende Bau- und Renovierungsmaßnahmen wiederbelebt. Die Sanierungsarbeiten an dem 90 Meter hohen Fördergerüst und dem Außengelände haben nicht nur das Wahrzeichen Wattenscheids bewahrt, sondern auch eine neue Funktion als touristischer Anziehungspunkt und Begegnungsort für die lokale Bevölkerung geschaffen.
Historische Bedeutung und der Bedarf an Sanierung
Der Förderturm der Zeche Holland war ein zentraler Bestandteil der industriellen Vergangenheit Wattenscheids. Er symbolisierte den Bergbau, der in der Region über Jahrzehnte wirtschaftlich und kulturell prägend war. Mit der Schließung der Zeche jedoch stand das Fördergerüst vor dem Aus. Die langfristige Nutzung fiel weg, und die Struktur begann sich durch Witterung und mangelnde Pflege zu veralten.
Die Sanierung des Förderturms wurde notwendig, um nicht nur das historische Wahrzeichen zu bewahren, sondern auch um die Anlagen für die heutige Zeit fit zu machen. Mit den Sanierungsmaßnahmen begann man im Jahr 2018, nach intensiver Planung und technischer Vorbereitung. Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Erstellung eines Treppenaufgangs sowie einer Aussichtsplattform, um den Turm für Besucher zugänglich zu machen. Die Arbeiten an der Turmstruktur selbst wurden bis 2019 abgeschlossen.
Städtebauförderung und Finanzierung
Die Sanierung des Förderturms war Teil der Stadterneuerungsmaßnahme „Soziale Stadt“ in Wattenscheid. Diese Maßnahme zielt darauf ab, sozial benachteiligte Stadtteile durch infrastrukturelle und soziale Maßnahmen zu stärken. In diesem Kontext war die Sanierung des Turms ein zentraler Punkt, um nicht nur ein kulturelles Erbe zu bewahren, sondern auch eine neue Identität für den Stadtteil zu schaffen.
Die Sanierungsarbeiten konnten durch Fördermittel aus verschiedenen Quellen finanziert werden. Etwa 2,8 Millionen Euro der insgesamt 4 Millionen Euro stammten aus Fördertöpfen der Stadt Bochum, des Landes Nordrhein-Westfalen, des Bundes und der Europäischen Union. Ein besonderer Betrag von 1,5 Millionen Euro wurde für die Sanierung des Turms bereitgestellt. Diese Finanzierung ermöglichte nicht nur die baulichen Maßnahmen, sondern auch die Gestaltung der Außenfläche, die im Einklang mit den Wünschen der Wattenscheider Bevölkerung geplant wurde.
Technische Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierung des Förderturms war keine reine Schönheitspflege, sondern eine umfassende technische Renovierung, die den Turm fit für die Zukunft machte. Der Treppenaufgang, der in den Turm integriert wurde, ermöglichte erstmals eine Begehung des Fördergerüstes. Die Treppenstufen wurden so gestaltet, dass sie den baulichen Gegebenheiten entsprechen und dennoch barrierefrei und sicher zugänglich sind. Die Anbringung einer Aussichtsplattform war ein weiterer essentieller Schritt, um den Turm zu einem Erlebnis für Besucher zu machen.
Die Sanierung betraf auch die Sicherheit des Gerüstes. Durch umfassende Inspektionen und Materialwechsel konnten Schäden an der Struktur beseitigt werden, die durch die Jahre der Brache entstanden waren. Besonders aufwendig war die Sanierung der Außengelände, die im Jahr 2020 begonnen wurde. Erschließungswege, Sitzmauern und Baumpflanzungen wurden so gestaltet, dass sie den Charme der industriellen Kultur bewahren, aber gleichzeitig modernen Erwartungen entsprechen. Die Planung erfolgte in Zusammenarbeit mit lokalen Bürgergruppen, was sicherstellte, dass die Gestaltung den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht.
Beleuchtung und Sichtbarkeit als Wahrzeichen
Ein besonderes Augenmerk galt der Beleuchtung des Förderturms, insbesondere des sogenannten „Holland-Schildes“. Dieses Schild, das an der Spitze des Turms befestigt ist, wurde durch zwei LED-Spots angestrahlt, die an einem Mast in der Emil-Weitz-Straße montiert wurden. Die Beleuchtung wurde so geplant, dass der Turm auch bei Dunkelheit als Landmarke sichtbar bleibt. Um die Beleuchtung optimal zu prüfen, fand sogar eine Probe mit der Feuerwehr statt, um sicherzustellen, dass die Anordnung der Lampen keine Gefahren aufweist.
Die Beleuchtung des „Holland-Schildes“ ist ein zentraler Bestandteil der Sanierung. Sie unterstreicht die Bedeutung des Turms als Wahrzeichen Wattenscheids und trägt zur städtebaulichen Identität des Stadtteils bei. Durch die moderne LED-Technologie ist zudem eine energieeffiziente und nachhaltige Lösung gefunden worden, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll ist.
Öffentliche Zugänglichkeit und touristische Nutzung
Seit dem Spätsommer 2021 ist es Besuchern möglich, den Förderturm zu besteigen. Die Bochum Marketing GmbH hat hierzu Führungen organisiert, bei denen Besucher mit professionellen Guides in luftige Höhen geführt werden. Die Führungen sind in Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum geplant, um den Förderturm als touristisches Angebot zu positionieren. In den Sommermonaten 2023 wurden beispielsweise wieder kostenlose Führungen angeboten, die von der Bezirksvertretung Wattenscheid unterstützt wurden.
Die Besteigung des Turms ist nicht nur eine touristische Attraktion, sondern auch eine Möglichkeit, die Geschichte der Region hautnah zu erleben. Die Aussichtsplattform, die sich auf einer Höhe von etwa 90 Metern befindet, bietet einen weiten Blick über Wattenscheid und die umliegenden Regionen. Besonders beeindruckend ist die Sicht auf andere historische Fördertürme, wie den Tetraeder in Bottrop oder den Fördergerüst des Deutschen Bergbau Museums.
Integration in die Stadterneuerung
Die Sanierung des Förderturms ist ein zentraler Bestandteil der Stadterneuerungsmaßnahme „Soziale Stadt – WAT bewegen!“. In diesem Kontext hat der Turm nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine soziale Funktion. Durch die Gestaltung des Außengeländes wurde ein neuer Treffpunkt für Wattenscheider geschaffen, der sowohl für Familien als auch für Erwachsene attraktiv ist. Die Planung der Außenfläche erfolgte mit großer Einbeziehung der Bevölkerung, was sicherstellte, dass die Gestaltung den Bedürfnissen der Menschen entspricht. So entstanden beispielsweise eine kleine Bühne, die für Veranstaltungen genutzt werden kann, oder ein Biergarten, der als gesellschaftlicher Anziehungspunkt fungiert.
Die Sanierung des Förderturms ist somit nicht nur ein kulturelles Projekt, sondern auch ein sozialer Erfolg. Sie zeigt, wie Stadterneuerung gelingen kann, wenn sie die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt und gleichzeitig historische Werte bewahrt.
Umwelttechnische Aspekte und Bodensanierung
Ein weiteres wichtiges Element der Sanierung war die Untersuchung und Sanierung des Umfeldes des Förderturms. In der Umgebung des ehemaligen Zeche-Geländes war der Boden durch anorganische und organische Schadstoffe verunreinigt. Um die Gefahren durch Schadstoffe abzuwenden, wurden umfangreiche Sanierungsuntersuchungen durchgeführt. Diese umfassten Raumluftmessungen, Bodenluftabsaugversuche und Grundwasser-Pumpversuche. Ziel war es, das Schadstoffpotenzial in verschiedenen Umweltmedien abzugrenzen und zu quantifizieren.
Die Sanierungsuntersuchung erfolgte im Rahmen des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG). Dabei wurden geeignete Methoden ermittelt, um die von Schadstoffen ausgehenden Gefahren abzuwehren. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem zweiten Grundwasserstockwerk in den Kreidesedimenten, das von Verunreinigungen betroffen sein konnte. In der Nachbarschaft wurde bereits eine tiefreichende Grundwassersanierung durchgeführt, was als Vorlage für die Maßnahmen am Zeche-Gelände dienen konnte.
Zukünftige Pläne und Erweiterung der Nutzung
Die Sanierung des Förderturms ist noch nicht abgeschlossen. Im Gespräch ist eine weitere Erweiterung der touristischen Nutzung, etwa durch die Installation einer Besucherplattform in 40 Metern Höhe. Zudem ist geplant, eine kleine Gastronomie auf dem Gelände einzurichten, um den Förderturm auch künftig als Ausflugsziel in der Innenstadt zu positionieren. Diese Maßnahmen wären ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Geländes, das sich mittlerweile zum Gewerbepark entwickelt hat.
Zusammen mit dem Technologie- und Gründerzentrum Wattenscheid hat sich der Standort als lebendiger Wirtschaftsstandort etabliert. Zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Dienstleistung, IT und Lebensmittelindustrie haben sich hier angesiedelt. Der Förderturm als Wahrzeichen kann in diesem Kontext als Symbol für den Strukturwandel der Region dienen. Er ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern auch ein Teil der Zukunft der Stadt.
Fazit
Die Sanierung des Förderturms der ehemaligen Zeche Holland ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie historische Bauten in die moderne Stadt integriert werden können. Durch umfassende bauliche und technische Maßnahmen wurde ein Wahrzeichen erhalten, das nicht nur die Erinnerung an die industrielle Vergangenheit bewahrt, sondern auch eine neue Funktion als touristisches und soziales Angebot erfüllt. Die Sanierung war nur möglich durch die Zusammenarbeit zwischen der Stadt, den Fördergebern und der lokalen Bevölkerung, die aktiv in den Planungsprozess einbezogen wurde.
Die Finanzierung durch die Städtebauförderung und die Nutzung moderner Technologien wie LED-Beleuchtung oder barrierefreie Zugänge zeigen, wie Sanierungsprojekte auch nachhaltig und zukunftsorientiert gestaltet werden können. Der Förderturm ist heute nicht nur ein Symbol für Wattenscheid, sondern auch ein Leuchtturm der Stadterneuerung – ein Beweis dafür, wie Städte durch sorgfältige Planung und gemeinschaftliche Beteiligung ihre Identität bewahren und gleichzeitig in die Zukunft blicken können.