Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 an der TU München: Integration historischer Strukturen und moderne Energieeffizienz

Die Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 an der Technischen Universität (TUM) in München ist ein herausragendes Beispiel für die sorgfältige Balance zwischen der Erhaltung architektonischer Identität und der Einhaltung moderner Energie- und Brandschutzstandards. Das Gebäude, erbaut im Jahr 1963 nach Plänen von Franz Hart, war aufgrund veralteter Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz und Nutzbarkeit umfassend sanierungsbedürftig. Die Architekten Hild und K Architekten übernahmen die Planung und Realisierung des Sanierungsprojekts, das sich in zwei Bauabschnitten bis 2013 erstreckte. Der Fokus lag dabei auf der Erhaltung des Stahlbetonskeletts sowie der Integration einer neuen Fassade, die sowohl die umgebende Bebauung als auch den historischen Bestand aufnimmt. Die Sanierung erfüllt nicht nur die aktuellen baulichen Vorgaben, sondern schafft gleichzeitig eine stimmige Verbindung zwischen Tradition und Moderne.

Historischer Hintergrund des Gebäudekomplexes 0505

Das Gebäude 0505 wurde 1963 nach Entwürfen des Architekten Franz Hart errichtet und dient seitdem der Technischen Universität München (TUM) als Institutsgebäude. Der Bau ist charakterisiert durch eine Kombination von unterschiedlichen Stockwerken, die sich auf einer geschossweise übereinandergestapelten Stahlbetonrahmenkonstruktion gründen. Diese Bauweise führte zu verschiedenen Baulinien zwischen der ebenerdig gelegenen Halle und den darüber liegenden Stockwerken. Obwohl das Gebäude in seiner ursprünglichen Form funktional war, erfüllte es im Laufe der Jahre nicht mehr die modernen Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz und Nutzbarkeit. Die Fassade, ursprünglich in Form einer Fertigteilfassade gestaltet, benötigte eine grundlegende Modernisierung, um die aktuelle Energieverordnung zu erfüllen. Gleichzeitig war die Funktion der Räume nicht mehr zeitgemäss, was eine tiefgehende Sanierung erforderlich machte.

Zielsetzung und Konzeption der Sanierung

Die Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 hatte mehrere zentrale Ziele. Zunächst sollte das Gebäude in den aktuellen Energie- und Brandschutzstandards modernisiert werden, um die Energieverbrauchskosten zu reduzieren und den CO2-Ausstoß zu minimieren. Zweitens war es erforderlich, die baulichen Defizite im Inneren des Gebäudes zu beheben, um die Räume für moderne Arbeits- und Lernmethoden fit zu machen. Drittens sollte die äußere Erscheinung des Gebäudes so gestaltet werden, dass sie sowohl den historischen Kontext als auch die umgebende Bebauung berücksichtigt.

Hild und K Architekten entwickelten ein Konzept, das diese Ziele in Einklang brachte. Das Stahlbetonskelett des Gebäudes blieb als tragende Struktur erhalten, wohingegen der sanierungsbedürftige Bestand bis auf das prägnante Skelett rückgebaut wurde. Die neue Fassade wurde so gestaltet, dass sie eine visuelle Verbindung zur umgebenden Bebauung herstellt und gleichzeitig die Energieeffizienz des Gebäudes deutlich verbessert. Ein zentraler Aspekt war auch die Optimierung der Tageslichtversorgung sowie die Integration von natürlicher Lüftung in die Arbeitsräume, um ein behagliches und gesundes Raumklima zu schaffen.

Die neue Fassade und äußere Erscheinung

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Entwicklung einer neuen Fassade, die sowohl funktionale als auch gestalterische Anforderungen erfüllt. Die Architekten wählten einen titangrauen Vormauerklinker, der sich harmonisch in das städtebauliche Umfeld der TU-Standorte einfügt. Dieser Materialwahl lag die Absicht zugrunde, eine Brücke zwischen den Sichtziegeln der Fünfziger- und Sechzigerjahre-Gebäude auf dem Nordgelände und den Aluminiumfassaden der technischen Neubauten auf dem Südgelände zu schlagen. Der Vormauerklinker schafft ein nuancenreiches Farbspiel, das durch den metallisch schimmernden Effekt und die Reliefstruktur der Fassade entsteht.

Die Fassade gliedert sich in Brüstungen und Pfeiler, die die Flucht der vorhandenen Stützen aufnehmen. Die Fenster sind fassadenbündig eingebaut und integrieren sich optimal in das Wechselspiel von Vorsprung und Fläche. Größe und Achsen blieben gegenüber dem Vorgängerbau weitgehend unverändert, was die Proportionen des Gebäudes bewahrt. Die vorgehängte Fassade mit Luftschicht und Dämmung gewährleistet zudem einen hohen Wärmedämmstandard, der den Anforderungen an einen Neubau entspricht.

Innenausbau und räumliche Optimierung

Im Inneren des Gebäudes wurde der sanierungsbedürftige Bestand bis auf das prägnante Stahlbetonskelett rückgebaut, wodurch die Gebäudestruktur optisch betont wurde. Die hellen Gelbtöne in Fluren, Seminaren und Büroräumen schlagen eine Brücke zu den Farben der umgebenden historischen Gebäude und tragen so zur städtebaulichen Harmonie bei. Großformatige Fenster unterstreichen die Beziehungen zwischen Außen- und Innenraum und sorgen für eine optimale Tageslichtversorgung der Arbeitsplätze.

Ein weiterer zentraler Aspekt war die Anpassung der Lüftungssysteme an die modernen Anforderungen. In den Büroräumen wurde eine natürliche Lüftung implementiert, die vom Nutzer reguliert werden kann, wodurch ein behagliches Raumklima entsteht. Zudem ist ein integrierter Sonnen- und Blendschutz vorgesehen, der den Komfort erhöht und den Energieverbrauch reduziert. Hörsäle, Labore und Besprechungsräume sind mit einer Klimatisierung ausgestattet, die Wärmerückgewinnung ermöglicht. Ein neu geschaffener Fernwärmeanschluss verbindet das Gebäude mit erneuerbaren Energiequellen und trägt somit zur CO2-Einsparung bei.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Die Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 war auch ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Durch die Modernisierung der Fassade, die Einrichtung effizienter Lüftungs- und Klimatisierungssysteme sowie den Anschluss an erneuerbare Energien wurde das Energieverbrauchsprofil des Gebäudes deutlich verbessert. Die vorgehängte Fassade mit Dämmung und Luftschicht trägt zu einer hohen Wärmedämmung bei, was die Heiz- und Kühlkosten reduziert. Gleichzeitig ermöglichte die Anpassung der Fenstergrößen und -achsen eine optimale Nutzung des Tageslichts, wodurch der Energiebedarf für künstliche Beleuchtung gesenkt wird.

Die Sanierung war zudem ein Beitrag zur CO2-Einsparung. Der Anschluss an das Fernwärmenetz ermöglicht es, das Gebäude in das System erneuerbarer Energien zu integrieren. In Kombination mit der Klimatisierung mit Wärmerückgewinnung entstand ein Gebäude, das sowohl energieeffizient als auch umweltfreundlich ist. Diese Maßnahmen spiegeln die aktuellen Vorgaben der Energieverordnung wider und zeigen, wie eine Sanierung sowohl architektonisch als auch ökologisch erfolgreich sein kann.

Anpassung an moderne Arbeits- und Lernmethoden

Neben der baulichen Sanierung wurde auch der innere Aufbau der Räume an moderne Arbeits- und Lernmethoden angepasst. Die räumliche Struktur wurde so geplant, dass sie flexibel genutzt werden kann und sowohl für traditionelle Lehrmethoden als auch für moderne, interaktive Formate geeignet ist. Große, lichtdurchflutete Räume und durchdachte Sitzanordnungen tragen dazu bei, dass Lern- und Arbeitsumgebungen leistungsfähiger und angenehmer gestaltet werden.

Ein weiterer Aspekt war die Erneuerung der Infrastruktur. Moderne Technikanlagen, die den heutigen Anforderungen entsprechen, wurden eingebaut. Damit war es möglich, die Gebäudefunktionen zu optimieren und gleichzeitig die Energieeffizienz zu verbessern. Zudem wurden die Räume so gestaltet, dass sie für die Zukunft weiterentwickelt werden können, ohne eine erneute umfassende Sanierung notwendig zu machen.

Integration in die städtebauliche Struktur

Die Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 war nicht nur ein baulicher Vorgang, sondern auch ein Prozess, der in die städtebauliche Struktur eingebettet wurde. Der Haupteingang, der ursprünglich zurückgesetzt war, wurde an den Straßenraum verlegt und mündet in einen gebäudehohen Luftraum, der durch farbige Kunstfenster aus dem Bestand eindrucksvoll inszeniert wird. Dieser Luftraum dient als zentrales Element des Gebäudes und verbindet die verschiedenen Funktionen miteinander.

Zudem wurden die Bezüge zur umgebenden Bebauung und zur historischen Architektur der TU berücksichtigt. Die hellen Gelbtöne der Flure und Räume sowie die Gestaltung der Fenster unterstreichen diese Beziehung und tragen so zur städtebaulichen Harmonie bei. Die Sanierung zeigt, wie ein Gebäude, das ursprünglich für eine andere Zeit geschaffen wurde, in das heutige städtebauliche Umfeld eingebettet und für die Zukunft fit gemacht werden kann.

Fazit

Die Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 an der TU München ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie ein baulicher Bestand sowohl in seiner historischen Identität bewahrt als auch für die Zukunft fit gemacht werden kann. Die Architekten Hild und K Architekten gelangen es, den Stahlbetonskelett des Gebäudes zu erhalten und gleichzeitig eine moderne, energetisch optimierte Fassade zu schaffen, die sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugt. Die Integration von erneuerbaren Energien, der Anschluss an das Fernwärmenetz sowie die Anpassung der Räume an moderne Arbeits- und Lernmethoden zeigen, dass eine Sanierung nicht nur baulich, sondern auch ökologisch und sozial erfolgreich sein kann.

Die Sanierung demonstriert zudem, wie ein Gebäude in den städtebaulichen Kontext eingebettet werden kann, ohne seine eigene Identität zu verlieren. Die hellen Gelbtöne, die Farben der Fenster und die Gestaltung der Eingangsbereiche tragen dazu bei, dass das Gebäude sowohl in seiner Funktion als auch in seiner Erscheinung zum Gesamtensemble der TU München beiträgt. Insgesamt ist die Sanierung des Gebäudekomplexes 0505 ein Vorbild für zukünftige Sanierungsprojekte, die die Herausforderungen der Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und städtebaulichen Integration aufgreifen.

Quellen

  1. BYAK – Umbau und Sanierung Gebäude 0505 TUM, Bauteil 1
  2. Hild und K – Projekt: Technische Universität München
  3. baukobox – Umbau des Gebäudes 0505 TUM
  4. BYAK – Sanierung Institutsgebäude 0505 TUM

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