Klimaneutrale Sanierung der Krankenhäuser: Herausforderungen und Investitionsbedarf im Fokus

Die Sanierung und Modernisierung der Krankenhäuser in Deutschland hat sich zu einer der größten Herausforderungen im Gesundheitssektor entwickelt. Insbesondere die Anforderungen an Klimaschutz und Energieeffizienz, verbunden mit den immensen Kosten, die für die Umgestaltung nötig sind, stellen nicht nur die Kliniken, sondern auch die politischen Entscheidungsträger vor große Aufgaben. Laut einem Gutachten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), in Auftrag gegeben durch das Institute for Health Care Business (hcb), sind allein für den klimaneutralen Umbau der Kliniken etwa 31 Milliarden Euro erforderlich.

Ein Großteil dieser Investitionssumme, 23,4 Milliarden Euro, entfällt auf die Sanierung der Gebäudehüllen – darunter Dämmung von Fassaden, Dächer und Hitzeschutzmaßnahmen. Allein 12,7 Milliarden Euro davon werden für die Grundsanierung benötigt, bevor klimagerechte Maßnahmen überhaupt in Betracht gezogen werden können. Dies unterstreicht den immensen Investitionsstau, der sich in vielen Kliniken angesammelt hat und der nicht nur Energieeffizienz, sondern auch Sicherheit und Zukunftsfähigkeit der Gesundheitsversorgung betreffen kann.

Die Studie der DKG zeigt zudem, wie stark die Krankenhäuser in den vergangenen Jahrzehnten in Sachen Investitionskosten vernachlässigt wurden. DKG-Chef Gerald Gaß betont, dass die Politik die Kliniken bislang „allein gelassen“ habe. „Mehr als kleine Anpassungen etwa beim Hitzeschutz waren wegen ausbleibender Investitionsmittel nicht möglich.“ Dieser Mangel an staatlicher Unterstützung hat dazu geführt, dass viele Kliniken bereits jetzt einen milliardenschweren Investitionsbedarf für ihre Grundsanierung haben.

Der Investitionsstau und die Herausforderungen der Klimaneutralität

Die Sanierung der Gebäudehüllen ist nur ein Aspekt der umfassenden Modernisierung. Ein weiteres wichtiges Element ist die Umstellung auf klimafreundliche Energiequellen, effiziente Heiz- und Kühlsysteme sowie die Reduktion des CO₂-Ausstoßes. Pro Bett und Jahr verbraucht ein Krankenhaus etwa 7.800 kWh Strom und mehr als 300 Liter Wasser täglich. Laut Gerald Gaß „verbraucht ein Klinikbett rechnerisch so viel Energie wie zwei durchschnittliche Einfamilienhäuser.“ Dies zeigt, wie sensibel die Energiefrage in Krankenhäusern ist und warum der klimagerechte Umbau nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Die DKG spricht sich daher für einen Krankenhaus-Klimafonds mit einem Volumen von 31 Milliarden Euro aus, der bis mindestens 2035 zur Verfügung stehen sollte. Der Fonds würde Investitionen in Dämmung, Kühlsysteme, Begrünung und Verschattung unterstützen, um die Kliniken fit für den Klimawandel zu machen. Zudem ist ein klarer Fokus auf die Krankenhausreform notwendig, um die Struktur der Gesundheitsversorgung neu zu ordnen und dabei Klimaschutz gleichzeitig voranzutreiben.

Die Rolle der Bundesländer und die Finanzierungslücke

Die Bundesländer tragen eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung der Sanierungen. In Baden-Württemberg, zum Beispiel, hat die Landesregierung im Jahr 2025 ein Förderprogramm mit einem Volumen von 248 Millionen Euro beschlossen. Damit werden sieben große Bauprojekte und vier Planungsraten an Kliniken unterstützt. Im Doppelhaushalt 2025/2026 stehen insgesamt 1,065 Milliarden Euro für die Investitionsförderung der Krankenhäuser im Land bereit. Zudem kommen 300 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm 2024/2025 dazu.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann betont, dass die Investitionen in moderne Medizintechnik, Digitalisierung und dringend benötigte Baumaßnahmen Priorität haben. Die Summen, die für 2025 bereitgestellt werden, seien 160 Millionen Euro höher als im vorangegangenen Doppelhaushalt. Dieses Engagement ist besonders wichtig, da die Kliniken im Land im Jahr 2025 mit einem neuen Rekorddefizit von 1 Milliarde Euro rechnen müssen.

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) bestätigt diese Zahlen in einer Blitzumfrage: Etwa 73 Prozent der Krankenhäuser im Land schreiben rote Zahlen. Die Defizite steigen jedes Jahr – 2023 waren es 670 Millionen Euro, 2024 900 Millionen Euro und 2025 bereits 1 Milliarde Euro. Diese Entwicklung zeigt, wie dringend neue Finanzierungsquellen und Investitionen in die Infrastruktur der Kliniken erforderlich sind.

Strukturinvestitionen und der Transformationsfonds

Ein weiteres entscheidendes Instrument in der Finanzierung der Sanierung ist der Transformationsfonds für Krankenhäuser, den die Bundesregierung eingerichtet hat. Insgesamt hat die Regierung Soforthilfen in Höhe von vier Milliarden Euro für die Kliniken zugesagt, verteilt auf zwei Jahre. Diese Mittel sollen helfen, steigende Kosten und Investitionsdefizite abzufedern.

Allerdings ist die Finanzierung der Kliniken noch immer unzureichend, wie aus der 13. Stellungnahme der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung hervorgeht. Die Kommission betont, dass es einen klaren Unterschied zwischen Bestandsinvestitionen (z. B. Dämmung, Sanierung) und Strukturinvestitionen (z. B. Umbau der Kliniklandschaft) gibt. Beide Arten der Investitionen erfordern langfristige Planung und Finanzierung.

Ein weiterer Faktor, der die Finanzierung der Kliniken beeinflusst, ist die Digitalisierung. Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG), das 2020 beschlossen wurde, sieht Investitionen in Höhe von 3 Milliarden Euro für digitale Infrastruktur vor, wobei die Länder 1,3 Milliarden Euro beisteuern sollen. Fünf Jahre nach der Einführung ist das Fazit gemischt: Es gab Fortschritte, aber die Digitalisierung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Nordrhein-Westfalen: Fördergelder und Investitionsbedarf

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Sanierung der Kliniken ein zentrales Thema. Im November 2025 wurden Förderbescheide in Höhe von 823 Millionen Euro an 24 Kliniken übergeben. Dies entspricht etwa einem Drittel der Gesamtförderung für den Krankenhausplan, der insgesamt 2,5 Milliarden Euro umfasst. Die Einzelbeträge reichen von drei Millionen Euro bis zu 140 Millionen Euro.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonte, dass die Umbauten „zum Teil erhebliche Investitionen“ erfordern – nicht nur in bestehende Gebäude, sondern auch in neue Strukturen. Ein Problem bleibt jedoch, dass die Mittel für die Reform weit unter den tatsächlichen Bedarfen liegen. Laumann und andere Experten fordern, dass die Summe auf mindestens 5 Milliarden Euro erhöht wird, um den Reformprozess effektiv umzusetzen.

Die Rolle des Bundesrechnungshofes und der Kritik an der Finanzierung

Der Bundesrechnungshof (BRH) hat in mehreren Berichten auf strukturelle Mängel in der Finanzierung der Kliniken hingewiesen. So kritisierte er, dass die Finanzbeteiligung der Bundesländer an der Krankenhausreform zu gering sei. Die Länder deckten bisher nur etwa die Hälfte des Investitionsbedarfs ab, was den Investitionsstau weiter vergrößere.

Ein weiteres Problem ist die Unklarheit bei der Finanzierung von Sofortmaßnahmen. So wurde im Zusammenhang mit der Pandemie ein Versorgungsaufschlag für die Behandlung von Corona-Patienten eingeführt, der insgesamt 3,1 Milliarden Euro kostete. Der BRH kritisierte jedoch, dass die Kalkulation dieser Maßnahme nicht belastbar war und dass es keine klare Abgrenzung zu anderen Finanzierungsleistungen gab.

Fazit

Die Sanierung der Krankenhäuser in Deutschland ist nicht nur eine Herausforderung im Gesundheitswesen, sondern auch ein zentraler Punkt in der Debatte um Klimaschutz und Energieeffizienz. Mit einem Investitionsbedarf von 31 Milliarden Euro für den klimaneutralen Umbau allein ist klar, dass ohne staatliche Unterstützung und klare Finanzierungspläne viele Kliniken nicht in die Lage versetzt werden, ihre Anforderungen an Energieeffizienz, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit zu erfüllen.

Die Erfahrungen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen zeigen, dass Investitionen in die Kliniken möglich sind – sie müssen aber größer, nachhaltiger und langfristiger geplant werden. Zudem ist eine klare Abgrenzung zwischen Bestands- und Strukturinvestitionen erforderlich, um die Reformprozesse effektiv umzusetzen.

Die aktuelle Finanzierungssituation bleibt problematisch, wie die Rekorddefizite in mehreren Bundesländern zeigen. Ohne einen klaren Plan, der Klimaschutz, Digitalisierung und Strukturinvestitionen miteinander verbindet, wird es schwierig sein, die Kliniken in die Lage zu versetzen, ihre Zukunftsfähigkeit sicherzustellen.

Ein Krankenhaus-Klimafonds mit einem Volumen von 31 Milliarden Euro, wie ihn die DKG vorschlägt, könnte hier eine zentrale Rolle spielen. Zudem ist es unerlässlich, dass sich die Bundesregierung und die Länder in einer gemeinsamen Strategie auf die Herausforderungen der Zukunft einstellen – nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus ethischer und gesundheitspolitischer Perspektive.

Quellen

  1. Kliniken brauchen Milliarden für klimagerechte Modernisierung
  2. Krankenhäuser erwarten neues Rekorddefizit von 1 Mrd. Euro
  3. Land investiert 248 Millionen Euro in den Krankenhausbau
  4. Krankenhausreform stellt System vor Herausforderungen
  5. Krankenhausplan NRW: Förderbescheide übergeben
  6. Bundesrechnungshof kritisiert zu geringe Finanzbeteiligung der Länder an der Krankenhausreform

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