Griechenland und die Finanzierung von Kohlekraftwerken: Fakten, Kontext und Transformation

Einleitung

Im Jahr 2019 sorgte ein Facebook-Post aus der Region Tübingen für große Aufmerksamkeit. Darin wurde behauptet, dass die deutsche KfW-Bank 730 Millionen Euro für die „Restaurierung“ eines griechischen Kohlekraftwerks bereitgestellt habe, und dass die deutsche Partei Bündnis 90/Die Grünen indirekt daran beteiligt gewesen seien. Die Behauptungen lösten eine Debatte über Finanzierungspraxis und Klimaschutzpolitik aus. Allerdings enthielt der Post mehrere Ungenauigkeiten, die sich im Zuge einer Nachfrage an die KfW klären ließen.

In dieser Artikelserie beleuchten wir die Fakten um die Finanzierung des griechischen Kohlekraftwerks Ptolemaida 5, den wirtschaftlichen Hintergrund und die Entwicklungen im griechischen Energiemix. Zudem wird der aktuelle Stand des Kohleausstiegs und der Investitionen in erneuerbare Energien detailliert vorgestellt.

Die KfW und die Finanzierung von Ptolemaida 5

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist eine staatliche Bank mit öffentlicher Aufsicht und spielt eine zentrale Rolle in der Finanzierung von Infrastruktur- und Energiemega-Projekten. Ein Konsortium von Banken finanzierte den Bau des Kohlekraftwerks Ptolemaida 5 in Griechenland. Die KfW IPEX-Bank, eine Tochtergesellschaft der KfW, war mit 397 Millionen Euro an dem Projekt beteiligt, was 54 Prozent der Gesamtfinanzierung entspricht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1,4 Milliarden Euro, wovon 739 Millionen Euro durch ein Konsortium internationaler Banken bereitgestellt wurden.

Ein zentrales Missverständnis entstand dadurch, dass der Facebook-Beitrag lediglich von 730 Millionen Euro sprach, was auf eine ungefähre Rundung oder falsche Wiedergabe hindeutet. Die KfW bestätigte, dass der Kreditnehmer die staatlich kontrollierte Public Power Corporation (PPC) war, Griechenlands größter Energieversorger. Die Mittel wurden unter anderem verwendet, um Lieferungen der deutschen Firma Hitachi Power Europe GmbH (später in Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe GmbH umbenannt) zu finanzieren.

Die Beteiligung der Grünen oder anderer Parteien an der Entscheidung zur Finanzierung wird in den Unterlagen nicht erwähnt. Die Entscheidung zur Finanzierung fiel im September 2013, lange vor dem Erwerb der Partei Bündnis 90/Die Grünen in der Bundesregierung. Zudem ist die KfW eine Anstalt des öffentlichen Rechts, weshalb Entscheidungen über Finanzierungsprojekte durch politische Entscheidungsgremien getroffen werden, nicht jedoch durch Parteipolitik.

Griechenlands Kohleausstieg und die wirtschaftlichen Hintergründe

Griechenland hat sich in den letzten Jahren entschlossen, seinen Kohleausstieg zu beschleunigen. Nachdem die Regierung bereits 2028 als Ziel für den Ausstieg aus der Kohleverstromung genannt hatte, kündigte sie im Jahr 2025 an, dass alle Braunkohlekraftwerke bis zu diesem Zeitpunkt stillgelegt werden. Dieser Schritt markiert einen bedeutenden Meilenstein im griechischen Klimaschutzplan und folgt einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, da die Betriebskosten für Braunkohlekraftwerke in Griechenland aufgrund steigender Emissionsgebühren im EU-ETS (Emissionshandelssystem) immer höher werden.

Ein Bericht der NGO Green Tank von September 2019 zeigte, dass der griechische Energieversorger PPC von 2016 bis 2019 einen Nettoverlust von 683 Millionen Euro aus der Kohleverstromung erlitt. Für die nächsten drei Jahre waren Verluste von 1,3 Milliarden Euro prognostiziert. Versuche, die Kohlekraftwerke zu privatisieren, blieben erfolglos. Dies legt nahe, dass der Kohleausstieg nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich notwendig war.

Der Ptolemaida 5-Kraftwerk: Ein „Stranded Asset“?

Trotz der anfänglichen Planung und Finanzierung des Ptolemaida 5-Kraftwerks erwies sich das Projekt schnell als wirtschaftlich problematisch. Das Kraftwerk wurde 2022 in Betrieb genommen und hat eine Kapazität von 610 Megawatt. Allerdings sind die Betriebskosten so hoch, dass das Projekt als „Stranded Asset“ bezeichnet wird – also als Investition, die in Kürze nicht mehr wirtschaftlich tragfähig ist.

Experten wie Nikos Mantzaris von der Green Tank wiesen bereits vor der Inbetriebnahme auf die Risiken hin. Die Baukosten von über 1,5 Milliarden Euro für eine Anlage, die nur etwa vier Jahre im Betrieb bleibt, seien unverhältnismäßig hoch. Zudem könne das Kraftwerk bei steigender Produktion aus erneuerbaren Energien innerhalb weniger Jahre obsolet werden.

Umstellung auf fossiles Gas: Etwas langsamerer Schritt in die richtige Richtung

Im Jahr 2024 kündigte der griechische Energieversorger PPC an, das Kraftwerk Ptolemaida 5 von der Kohleverstromung auf fossiles Gas umzustellen. Diese Maßnahme ist Teil der Dekarbonisierungsstrategie des Unternehmens, die im Jahr 2025 abgeschlossen sein wird.

Die Umstellung erfolgt in zwei Phasen: Zunächst wird das Kraftwerk in ein Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk (GuD) umgewandelt, was den Wirkungsgrad erhöht. In der zweiten Phase wird eine Dampfturbine mit 150 MW angeschlossen. Die Kosten für das Projekt werden auf über 300 Millionen Euro geschätzt, wobei die Bauarbeiten im ersten Halbjahr 2026 starten und bis Ende 2027 abgeschlossen sein sollen.

Ein weiteres Element der Transformation ist die Errichtung einer 10 Kilometer langen Gaspipeline durch den Netzbetreiber DESFA, die bis zum dritten Quartal 2027 fertiggestellt wird. Diese Maßnahmen zeigen, dass Griechenland auch bei der Übergangsphase auf Gas nicht einfach „die alte Technologie“ übernimmt, sondern auf Effizienz und Nachhaltigkeit setzt.

Griechenlands Investitionen in erneuerbare Energien

Während Griechenland den Kohleausstieg beschleunigt, investiert das Land gleichzeitig stark in erneuerbare Energien. Nach Angaben der Public Power Corporation (PPC) plant das Unternehmen den Bau von Solarparks mit insgesamt 2,3 Gigawatt Leistung. Darüber hinaus sind mehr als 25 Gigawatt an Photovoltaik- und Windkraftprojekten in der Planung oder im Bau.

Diese Investitionen sind Teil einer strategischen Umorientierung des griechischen Energiesektors. Ziel ist es, bis 2035 96,7 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Dieses Ziel hat Griechenland selbst formuliert und wird von internationalen Energieexperten beobachtet.

Ein weiteres Element der Energiepolitik ist der Ausbau von Energiespeichern. So entsteht in Amyndeo ein Batteriespeicher mit 50 MW Leistung und 200 MWh Kapazität. Zudem befinden sich zwei weitere Speicherprojekte in Kardia und Meliti im Bau, die zusammen 98 MW Leistung und 196 MWh Kapazität bereitstellen. Große Pumpspeicherkraftwerke sind ebenfalls in Planung und nutzen die Topografie ehemaliger Kohlereviere.

Der Strukturwandel in Griechenland: Infrastruktur, Ausbildung und Subventionen

Um den Strukturwandel in den ehemaligen Kohleregionen Westmakedonien und Megalopoli zu unterstützen, hat die griechische Regierung einen Plan mit insgesamt 5 Milliarden Euro an Fördermitteln vorgestellt. Diese Mittel sollen in Infrastrukturprojekte, Ausbildung und Subventionen für neue Unternehmen fließen.

Ziel ist es, den Kohlerevival durch Investitionen in saubere Energie, Landwirtschaft und Tourismus abzulösen. Private Investitionen in erneuerbare Energien und andere Aktivitäten sollen in den nächsten Jahren mehr als 8.000 Arbeitsplätze schaffen. Zudem sind Steueranreize für Neuansiedlungen geplant, um die wirtschaftliche Entwicklung in den ehemaligen Kohleregionen zu beschleunigen.

Griechenland und der Bürgerenergie-Gesetzgebung

Ein weiteres Element der griechischen Energiepolitik ist die Förderung von Bürgerenergie. Griechenland war im Januar 2018 das erste Land in Europa, das ein Bürgerenergiegesetz verabschiedete. Das Gesetz definiert, wie Energiegemeinschaften gegründet werden können, wie Anteile geteilt werden und wie Gewinne aus der Energieerzeugung verteilt werden. Dieser Schritt hat international Anerkennung gefunden und ist als Modell für andere Länder betrachtet.

Fazit

Die Finanzierung des griechischen Kohlekraftwerks Ptolemaida 5 durch ein Konsortium internationaler Banken, darunter die KfW IPEX-Bank, ist ein Fakt, der sich aus offiziellen Berichten ableiten lässt. Die Beteiligung der Partei Bündnis 90/Die Grünen an der Entscheidung ist jedoch nicht nachweisbar. Zudem hat Griechenland in den letzten Jahren entschieden, den Kohleausstieg zu beschleunigen, was auf wirtschaftliche wie politische Faktoren zurückzuführen ist.

Die Umstellung von Ptolemaida 5 auf fossiles Gas ist Teil eines größeren Transformationsprozesses im griechischen Energiesektor. Griechenland investiert stark in erneuerbare Energien, Energiespeicher und Infrastruktur, um die ehemaligen Kohleregionen zu revitalisieren. Die Regierung hat zudem ein Bürgerenergiegesetz erlassen, das das Land in der internationalen Energiepolitik hervorhebt.

Die Erfahrungen Griechenlands zeigen, dass der Ausstieg aus der Kohleverstromung nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich notwendig sein kann. Zudem ist der Übergang in eine nachhaltige Energiezukunft nur dann erfolgreich, wenn er mit Investitionen in Infrastruktur, Ausbildung und erneuerbare Energien kombiniert wird.

Quellen

  1. correctiv.org – Grüne hatten keinen Einfluss auf die Finanzierung eines Kohlekraftwerkes in Griechenland
  2. energiezukunft.eu – Geld für Kohleausstieg in Griechenland
  3. LinkedIn – Griechenland hat seit wenigen Monaten ein Kohlekraftwerk am Netz
  4. wko.at – Griechenland: Strom-Umrüstung
  5. cleanthinking.de – Griechenland beschleunigt Kohleausstieg
  6. euractiv.de – Griechenland bestätigt: Letztes Kohlekraftwerk geht 2025 vom Netz

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