Einleitung
Die Autobahn A9 als eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Deutschland erfordert kontinuierliche Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen, um die Sicherheit und Funktionalität für den täglichen Verkehr zu gewährleisten. Im Jahr 2018 wurden verschiedene Bauprojekte entlang der A9 durchgeführt, die Teil eines umfassenden Sanierungsplans sind, der sich über mehrere Jahre erstreckt. Diese Maßnahmen umfassen die Erneuerung von Fahrbahndecken, Brückenbauwerke und die Anpassung von Verkehrsführungen. Der vorliegende Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die wichtigsten Sanierungsprojekte an der A9 im Jahr 2018 und in den folgenden Jahren, basierend auf offiziellen Quellen und Pressemitteilungen.
Sanierung der Regensburger Straße in Nürnberg (2018)
Im Juli 2018 startete das Staatliche Bauamt Nürnberg eine umfassende Sanierungsmaßnahme an der Regensburger Straße (B4) zwischen der Anschlussstelle Nürnberg-Fischbach (A9) und der Einmündung der Breslauer Straße (St2401) in Richtung A9. Die Maßnahme begann am 30. Juli 2018 und dauerte vier Wochen bis zum 27. August 2018. Die Sanierung gliederte sich in vier Bauphasen mit wechselnden Verkehrsführungen.
Die Bundesstraße 4 ist auf dem rund drei Kilometer langen Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Nürnberg-Fischbach zur A9 und der Einmündung der Breslauer Straße mit rund 22.000 Fahrzeugen pro Tag hoch belastet. Aufgrund dieser hohen Belastungen war es notwendig, Teile des verschlissenen Straßenoberbaus im Rahmen eines Deckenbaus zu erneuern. Während der Baumaßnahme wurde der Verkehr auf der bereits im vergangenen Jahr sanierten Richtungsfahrbahn Nürnberg geführt und auf jeweils eine Fahrspur je Fahrtrichtung eingeengt.
Für die Umleitung des Verkehrs waren spezielle Beschilderungen installiert, die auf Umleitungen zum Klinkium Süd hinwiesen. Die Bundesstraße 4 blieb während der gesamten Bauzeit für den Verkehr mit Einschränkungen befahrbar, was für die Anwohner und Berufspendler eine besondere Herausforderung darstellte.
Großbaustelle zwischen Ingolstadt-Nord und Stammham
Eine der größten Sanierungsmaßnahmen an der A9 läuft derzeit zwischen Ingolstadt-Nord und Stammham. Seit Oktober wird der rund zehn Kilometer lange Abschnitt saniert. Neben dem Fahrbahnbelag werden auch elf Brücken erneuert. Die Bauarbeiten sollen nach Angaben der Autobahndirektion noch bis Ende 2026 andauern. Die Kosten für die Sanierung des Abschnitts werden voraussichtlich 165,6 Millionen Euro betragen.
Besonders herausfordernd war die Umstellung der Verkehrsführung. Statt der üblichen sechs Fahrstreifen gibt es während der Bauarbeiten nur noch fünf, die zudem deutlich schmaler ausfallen. Der Verkehr wird auf einer Fahrbahnseite geführt, während die andere Seite saniert wird.
Die Auswirkungen auf den Verkehr sind erheblich. Seit Baustellenbeginn gab es mehr als doppelt so viele Unfälle wie zuvor. In den ersten Monaten wurden 196 Unfälle gezählt, im Vorjahr - ohne Baustelle - waren es 90. Die meisten Unfälle ereigneten sich im zweispurigen Bereich in Fahrtrichtung München. Als Reaktion darauf wurde Anfang des Jahres dort die Geschwindigkeit tagsüber von 80 auf 60 km/h reduziert.
Die Auswertung durch die Ingolstädter Verkehrspolizei zeigt, dass diese Maßnahme zwar nicht zu weniger Unällen führte, aber zu weniger Verletzten und weniger hohen Sachschäden. Die Kleinunfälle passieren nach wie vor hauptsächlich im zweispurigen Bereich in Fahrtrichtung München - vor allem mittags und im Berufsverkehr.
Die Polizei betont, dass einzelne "Chaostage" mit vielen Folgeunfällen die Statistik verzerren könnten, außerdem seien verschiedene Zeiträume nie 1:1 vergleichbar. Dennoch ist die Baustelle eine erhebliche Belastung für die Anwohner und Berufspendler.
Sanierungsprojekt bei Berg/Bad Steben
Ein weiteres Sanierungsprojekt befindet sich an der A9 zwischen der Anschlussstelle Berg/Bad Steben und der Landesgrenze Bayern/Thüringen. Dieser rund 7,3 Kilometer lange Abschnitt ist für die nächsten zweieinhalb Jahre eine Baustelle. Nach den seit Anfang September laufenden Vorarbeiten erfolgte im Juli 2018 der offizielle Startschuss für die umfangreiche Sanierung durch die Autobahn GmbH Nordbayern in Rudolphstein.
Das Projekt umfasst die grundhafte Erneuerung der Fahrbahn und die Sanierung der Brückenbauwerke. Die Bauarbeiten werden in mehreren Abschnitten durchgeführt, um den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Für die Umleitung des Verkehrs sind spezielle Beschilderungen installiert, die auf alternative Routen hinweisen.
Die Autobahn GmbH hat versprochen, den Einfluss der Bauarbeiten auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört insbesondere die Einhaltung der vorgegebenen Bauzeiten und die Koordination der verschiedenen Gewerke.
Betonkrebs-Problematik in Sachsen-Anhalt und Sachsen
Ein besonderes Problem bei der Sanierung der A9 ist der sogenannte "Betonkrebs", eine chemische Reaktion zwischen Alkali und Kieselsäure, die Autobahnbeläge bröckeln lässt. Dieses Problem tritt auf vielen Autobahnen in Deutschland auf und erfordert aufwendige Sanierungsarbeiten.
Auf der A9 in Sachsen-Anhalt und Sachsen ist das Problem besonders ausgeprägt. Aktuell wird bei Wiedemar, zwischen dem Schkeuditzer Kreuz und der Abfahrt Halle, auf einer Strecke von 20 Kilometern gebaut. Weitere zwölf Abschnitte sind in Planung. Die Arbeiten sollen bis 2028 abgeschlossen sein.
Der Leiter der Außenstelle Magdeburg der Autobahn GmbH, Steffen Kauert, erklärte, dass auf zwölf Abschnitten die Fahrbahn grundhaft erneuert werden muss. Das Problem des Betonkrebses ist auf der A9 bereits Anfang der 2000er-Jahre aufgetreten, und 2011 gab es erste Sanierungsarbeiten.
Bei der Sanierung wird die Fahrbahn mit Beton erneuert, der rund 30 Jahre halten soll. Die Autobahn GmbH und der ADAC raten Auto- und Lastwagenfahrern, den Beschilderungen an den Baustellen zu folgen, anstatt ihren Navigationsgeräten zu vertrauen, da die Umleitungen speziell auf die Baustellen zugeschnitten sind.
ZWOPA Sanierung 2013 durch die Firma Kutter
Ein früheres Sanierungsprojekt an der A9 wurde 2013 durch die Firma Kutter aus Memmingen durchgeführt. Die A9 ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Bayern, und zwischen dem Autobahnkreuz München Nord und dem Kreuz Neufahrn ist das Verkehrsaufkommen extrem hoch. Bis zu 200.000 Fahrzeuge sind dort pro Tag unterwegs.
In diesem verkehrsempfindlichen Bereich musste eine komplette Fahrtrichtung saniert werden. Für das 4 Kilometer lange Teilstück in Richtung Nürnberg standen der Firma Kutter anstatt der üblichen zwei Wochen nur zwei Wochenenden zur Verfügung, was als absolutes Megaprojekt gilt.
Bei der Sanierung wurde die ZWOPA Deckschicht und die Asphalt Binderschicht ersetzt. Für die Fräsarbeiten wurden bis zu 10 Wirtgen Großfräsen W2200 und W250 des Memminger Fräsdienstleisters Kutter gleichzeitig im eingesetzt. Die neue Asphalt Binderschicht wurde mit zwei Vögele Straßenfertiger Super 1900-2 und einem Vögele Super 3000-2 eingebaut. Mit dem Vögele Super 3000-2 war der größte und leistungsfähigste Straßenfertiger weltweit auf der A9 im Einsatz.
Als Deckschicht wurde offenporiger Asphalt (OPA), sogenannter Flüsterasphalt eingebaut. Die Straßenbauprofis der Firma Kutter setzten dafür 4 gestaffelt fahrende Vögele Sprühfertiger Super 1900-2 und zwei Beschicker MT 3000-2 ein. 50 Sattelzüge versorgten die Baustelle Tag und Nacht mit Mischgut, das aus vier Mischwerken angeliefert wurde.
Ein Sprühfertiger ist ein Straßenfertiger, der mit einem zusätzlichen Sprayjet Modul ausgestattet ist. Beim Sprühverfahren wird in einem Arbeitsgang die Bitumenemulsion vorgesprüht und nahezu zeitgleich der offenporige Asphalt (OPA) eingebaut. In Rekordzeit konnte das Team der Firma Kutter aus Memmingen an nur zwei Wochenenden den vierten von insgesamt sieben Bauabschnitten der ZWOPA Sanierung der A9 abschließen.
Umbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost
Ein besonders komplexes Bauprojekt ist der Umbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost. Das Projekt umfasst eine Länge von 3,7 Kilometer und beinhaltet den Bau von 4 Rückhaltebecken mit vorgeschalteten Absetzbecken und 1 Vegetationspassage. Zudem werden 2 Überführungen und 4 Unterführungen neu errichtet oder saniert.
Die Kosten für das Projekt werden auf 160 Millionen Euro geschätzt. Der Baubeginn war bereits 2018/2019 mit Vormaßnahmen, der Beginn des Brückenbaus folgte 2019 (1 Überführung, 2 Unterführungen). Der Beginn des Streckenbaus war im Jahr 2020, und der Baubeginn für das Überführungsbauwerk Rampe Heilbronn-Berlin ("Overfly") erfolgte 2021. Die Verkehrsbereite Fertigstellung ist für Ende 2025 geplant.
Ein zentrales Element des Projekts ist der "Overfly", eine flachabgespannte Schrägseilbrücke, die den Verkehr am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost entlasten und die Verkehrssicherheit erhöhen soll. Das Überführungsbauwerk soll der hohen Grundbelastung durch den überregionalen und internationalen Verkehr sowie dem täglich Berufs- und Wirtschaftsverkehr gerecht werden.
Besonders anspruchsvoll war der Bau der Brücke. Am 14. und 15. Mai wurde der Overfly um weitere 115 Meter verschoben. Beim letzten Verschub zeigte sich, wie präzise bei der Fertigung des Überbaus gearbeitet wurde, da das Randfeld ohne Probleme auf das Widerlager auffahren konnte.
Der Vorbauschnabel hat nach dem letzten Verschub ausgedient und wurde noch vor Weihnachten demontiert. Im neuen Jahr stehen die nächsten Schritte an, darunter das Nachspannen der Seile auf die jeweilige Sollkraft, das Abstapeln des Überbaus um einen Meter und das Versetzen auf die endgültigen Lager. Im Anschluss wird die Ortbetonfahrbahnplatte betoniert. Die letzten Arbeitsschritte umfassen die Abdichtungsarbeiten der Fahrbahnplatte, die Herstellung einer Gussasphaltschutzschicht sowie die Herstellung des Fahrbahnbelags. Zuletzt werden die Fahrzeugrückhaltesysteme auf dem Bauwerk und den Dämmen montiert sowie die Fahrbahnmarkierung aufgebracht.
Mit der fertiggestellten flachabgespannten Schrägseilbrücke wird der Verkehr am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost entlastet und die Verkehrssicherheit erhöht. Das Überführungsbauwerk wird somit der hohen Grundbelastung durch den überregionalen und internationalen Verkehr sowie dem täglich Berufs- und Wirtschaftsverkehr gerecht. Zusätzlich ist das Autobahnkreuz durch den Overfly zukünftig noch besser auf verkehrsintensive Großveranstaltungen wie Messen, Fußballspiele und Konzerte ausgelegt.
Fazit
Die Sanierungsprojekte an der A9 zeigen die enorme Herausforderung, die Erhaltung und Modernisierung einer der wichtigsten Verkehrsadern Deutschlands zu bewerkstelligen. Die Maßnahmen umfassen nicht nur die Erneuerung von Fahrbahndecken, sondern auch den komplexen Neubau von Brückenbauwerken und die Anpassung von Verkehrsführungen.
Die Projekte in Nürnberg, Ingolstadt, Berg/Bad Steben, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie der Umbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost verdeutlichen den langfristigen Planungs- und Finanzierungsaufwand, der notwendig ist, um die Infrastruktur auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Besonders die Lösung von spezifischen Problemen wie dem "Betonkrebs" erfordert spezialisierte Kenntnisse und innovative Bauverfahren.
Die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen wie der Autobahn GmbH, der Bauämter und spezialisierte Bauunternehmen wie Kutter ist entscheidend für den Erfolg dieser Großprojekte. Gleichzeitig müssen die Interessen der Verkehrsteilnehmer, der Anwohner und der Wirtschaft berücksichtigt werden, was eine hohe Koordination erfordert.
Die anhaltenden Bauarbeiten an der A9 sind notwendig, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhen und die Funktionalität der Autobahn für die Zukunft zu gewährleisten. Die Investitionen in die Infrastruktur zahlen sich langfristig durch weniger Unfälle, geringere Wartungskosten und eine höhere Effizienz im Verkehr aus.
Quellen
- Staatliches Bauamt Nürnberg - Pressemeldung 23/2018
- BR Nachrichten - A9-Großbaustelle: So reagiert man auf die hohen Unfallzahlen
- Frankenpost - Verkehr: Startschuss für wichtiges Sanierungsprojekt auf A9
- MDR Nachrichten - Betonkrebs: Autobahn neun Baustellen Sanierung bis zweitausendachtundzwanzig
- Baustellenfilmer - A9 ZWOPA Sanierung 2013 durch die Firma Kutter
- Donaukurier - A9-Baustelle Vollsperrung lief reibungslos: Welche Schritte jetzt folgen
- Autobahn.de - Planen & Bauen: Umbau des Autobahnkreuzes Nürnberg-Ost