Einleitung
Bei Fassadensanierungen treten häufig unerwartete Phänomene wie Farbübertragung und Abfärbung auf, die zu Irritationen und Reklamationen führen können. Diese Erscheinungen sind besonders sichtbar, wenn neu beschichtete Oberflächen erstmals gereinigt werden und das Wischtuch oder das Waschwasser den Farbton der Beschichtung zeigt. Obwohl dies zunächst nach einem Mangel aussieht, sind solche Abfärbungen in den wenigsten Fällen ein Grund zur Beanstandung. Die Ursachen können harmlos oder auf unangemessene Reinigungsmethoden zurückzuführen sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Farbübertragung bei Fassaden, die zugrunde liegenden Mechanismen sowie geeignete Präventions- und Lösungsmethoden.
Ursachen von Farbübertragung und Abfärbung
Farbübertragung, also die Freisetzung von Farbpigmenten von einer Oberfläche, steht stets im Zusammenhang mit der Struktur des Beschichtungsfilms, in den diese Pigmente eingebunden sind. Nach den Quellen zeigt sich Abrieb üblicherweise infolge mechanischer, seltener chemischer, Einwirkung auf die betreffende Oberfläche. Für Abfärbungen im weitesten Sinne müssen mehrere Effekte in Betracht gezogen werden, die in unterschiedlicher Ausprägung eine Rolle spielen.
Mechanismen in Beschichtungssystemen
Die Art des Beschichtungssystems hat erheblichen Einfluss auf das Phänomen der Farbübertragung. Bei Holzuntergründen werden heute aufgrund ökologischer Forderungen kaum noch Lösemittellacke eingesetzt. Stattdessen dominieren wasserbasierte Systeme, die sich grundlegend von den traditionellen lösemittelbasierten Beschichtungen unterscheiden:
Lösemittelbasierte Beschichtungen: Diese chemisch trocknenden Systeme verfilmen durch Oxidationsprozesse, bei denen sich langkettige Bindemittelmoleküle zusammenlagern und anschließend untereinander vernetzen.
Wasserbasierte Beschichtungen: Diese physikalisch verfilmenden Systeme trocknen, indem sich der Nassfilm nach und nach verflüchtigt. Die Wasserlacke bilden durch die Verdunstung des Wassers einen Film, in dem die Pigmente eingebettet sind.
Die unterschiedlichen Verfilmungsmechanismen haben direkte Auswirkungen auf die Resistenz der Oberfläche gegenüber Abrieb und Farbübertragung.
Typische Szenarien für Farbübertragung
Farbübertragung tritt in verschiedenen Kontexten auf, die aus den Quellen hervorgehen:
Erstreinigung neuer Gewerke: Sobald neu eingebaute Bauteile wie Fenster oder Türen einer ersten Reinigung unterzogen werden, stellen manche Kunden unerwartete Abfärbungen fest. Das Wischtuch oder das Waschwasser zeigt dabei deutlich den Farbton der Beschichtung.
Reinigung bereits in Betrieb befindlicher Fassaden: Besonders bei der ersten Reinigung nach einer Sanierung kann es zu Farbübertragung kommen, insbesondere wenn die Beschichtung noch nicht vollständig ausgehärtet ist.
Mechanische Belastung: Abrieb zeigt sich üblicherweise infolge mechanischer Einwirkung auf die Oberfläche, wie beispielsweise bei Reinigungsvorgängen mit Bürsten oder Hochdruckreinigern.
Präventionsmaßnahmen gegen Farbübertragung
Um Farbübertragung bei Fassaden zu minimieren, können verschiedene präventive Maßnahmen ergriffen werden. Die Quellen bieten hierzu konkrete Empfehlungen:
Auswahl geeigneter Materialien
Die Investition in hochwertige Farben und Putze, die für den jeweiligen Untergrund geeignet und wetterbeständig sind, ist entscheidend. Informationen und Bewertungen zu Produkten können bei der Auswahl helfen. Fachgerechte Anwendung der neuen Farbe sollte gemäß den Anweisungen des Herstellers erfolgen, einschließlich der Beachtung der empfohlenen Anzahl an Farbschichten sowie Trocknungszeiten.
Verwendung von Grundierungen
In vielen Fällen kann die Verwendung einer Grundierung die Haftung der farblichen Schicht verbessern und eine gleichmäßige Oberfläche schaffen, wodurch das Risiko des Abblätterns und damit auch der Farbübertragung verringert wird. Eine hochwertige Grundierung verfestigt den Untergrund und verhindert das Durchschlagen von Kalk-Ausblühungen und Verfärbungen.
Der Vorteil einer solchen Grundierung besteht darin, dass die nachfolgende Fassadenfarbe gleichmäßig trocknet, sicher haftet und der Farbverbrauch reduziert wird.
Richtige Anwendungstechniken
Die fachgerechte Anwendung der Beschichtung ist entscheidend, um späteren Farbübertragung vorzubeugen:
Vorbereitung des Untergrunds: Stellen Sie sicher, dass die Fläche gut gereinigt ist, um eine optimale Haftung der neuen Farbe zu gewährleisten.
Trocknung des Untergrunds: Lassen Sie die Fassade vollständig trocknen, bevor Sie mit dem Neuanstrich beginnen. Achten Sie darauf, die Wetterbedingungen zu überprüfen und planen Sie die Arbeiten, wenn die Außentemperaturen mild sind und keine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.
Schichtdicke und Trocknungszeiten: Beachten Sie die vom Hersteller empfohlenen Schichtdicken und Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Anstrichen.
Umgang mit bestehender Farbübertragung
Tritt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Farbübertragung auf, gibt es je nach Ursache und Schweregrad unterschiedliche Lösungsansätze:
Bei Altbauten mit bestehenden Beschichtungen
Bei älteren Fassaden, bei denen die Farbübertragung auf eine nicht mehr voll funktionsfähige Beschichtung zurückzuführen ist, sind folgende Schritte empfehlenswert:
Bewertung des Untergrunds: Überprüfen Sie, ob der Untergrund noch tragfähig ist oder ob Beschichtungsschichten abblättern.
Reinigung: Die Fassade mit einem Hochdruckreiniger reinigen und eventuelle Verschmutzungen oder Verunreinigungen gründlich entfernen.
Trocknung: Die Fassade nach der Reinigung gut durchtrocknen lassen, damit die nachfolgende Grundierung besser in die Fassade eindringen kann.
Grundierung: Die Fassade mit einer hochwertigen Grundierung grundieren, die den Untergrund verfestigt und das Durchschlagen von Kalk-Ausblühungen und Verfärbungen verhindert.
Neuanstrich: Die Fassade mit einer geeigneten Farbe vor- und endstreichen, wobei die niedrige Viskosität des Voranstrichs für ein gutes Eindringen und damit eine gute Haftung der Endbeschichtung sorgt.
Bei nicht mehr tragfähigen Beschichtungen
In Fällen, in denen der Untergrund nicht mehr tragfähig ist oder eine komplette Entfernung der Farbschichten erforderlich ist, muss auf spezielle Verfahren zurückgegriffen werden. Laut den Quellen kann bei farbbeschichteten Fassadenoberflächen durch nicht tragfähige Untergründe ein komplettes Abbeizen der Farbschichten erforderlich werden. Dies wird durch ein auf den Untergrund abgestimmtes Abbeizverfahren ausgeführt.
Bei solchen Verfahren müssen alle durch die Umweltbehörde vorgeschriebenen Entsorgungsmaßnahmen und anzeigepflichtigen Meldungen durchgeführt werden. Solche Arbeiten sollten in der Regel von Fachfirmen durchgeführt werden, über die entsprechenden Genehmigungen und Fachkenntnisse verfügen.
Spezielle Aspekte bei verschiedenen Materialien
Klinkerfassaden
Bei Klinkerfassaden gibt es besondere Überlegungen im Zusammenhang mit Farbübertragung:
Prüfung der Saugfähigkeit: Alten Klinker kann man mit einer Silikonharzfarbe überstreichen, was besonders auf matten, rauen Klinkern gut funktioniert. Bei glasiertem Klinker kann die Farbe jedoch nicht so gut haften. Deshalb sollte die Saugfähigkeit zunächst mit Wasser geprüft werden. Perlen die Wassertropfen ab, besteht eine geringe Saugfähigkeit. Bildet sich ein brauner Fleck, ist die Fassade saugfähig. Bei stark saugendem Klinker wird dann ein Tiefengrund benötigt.
Reinigungsmethoden: Neben einer Hochdruckreinigung, die nicht unbedingt unter die Sanierungsarbeiten fällt, ist die Säuberung mit Reinigungsmitteln bereits deutlich aufwändiger. Dabei wird das Reinigungsmittel mit einem Quast in die Fassade einmassiert und das nach dem Abstrahlen der Fassade ablaufende Wasser in Auffangwannen gesammelt und entsorgt.
Alternative Verfahren: Ein alternatives Sandstrahlen der Fassade ist heute umstritten, da die oberste Schicht des Klinkers abgeschliffen und porös werden könnte. Gerade diese Schicht soll jedoch vor eindringender Feuchtigkeit und Verschmutzung schützen. Zudem kann beim Sandstrahlen schnell die Fuge beschädigt werden.
Imprägnierung: Innerhalb einer Sanierung bietet es sich an, die Klinkerfassade zu imprägnieren. Dabei wird häufig eine silikonhaltige Flüssigkeit aufgestrichen oder aufgesprüht, die dann in die Oberfläche des Klinkers eindringt und so vor Nässe, Schimmelbildung oder Frostschäden schützt. Einige Imprägniermittel besitzen zudem einen Lotus-Effekt, sodass die Fassade besser durch Regen gereinigt wird und nicht so schnell verschmutzt.
Betonoberflächen
Bei Betonoberflächen treten oft spezifische Verfärbungsprobleme auf, die unterschiedliche Lösungsansätze erfordern:
Blauverfärbung: Im Falle der Blauverfärbung oder einer dunklen Bauteilfärbung nach intensiver Nachbehandlung drücken sie sogar sichtbar ein dichtes Betongefüge im Sinne einer guten Betonqualität aus. Ist die unerwünschte Farbgebung allerdings zu intensiv, wird sie seitens der Bauherren und Auftraggeber häufig als Schönheitsfehler empfunden und entsprechend als Mangel gerügt.
Umgang mit Blauverfärbung: Im Falle der genannten Blauverfärbungen ist zu einem abwartenden Vorgehen zu raten. Sofern kein hochfestes und damit auch sehr dichtes Betongefüge vorliegt, zeigt die Erfahrung, dass dieser Farbeffekt mittel- oder langfristig durch die Umgebungsbedingungen egalisiert wird.
Gelb-Braun-Verfärbungen: Werden Gelb-Braun-Verfärbungen gerügt, so können diese nicht durch einen zusätzlichen Arbeitsgang egalisiert werden. Bei Betonwaren, die aufgrund ihrer höheren Kapillarporosität häufiger von diesem Phänomen betroffen sind, kommt nur ein Austausch der Betonprodukte infrage. Tritt der Effekt an Betonfertigteilen oder Ortbetonbauteilen auf, so ist ausschließlich eine Überarbeitung der Betonoberfläche, gegebenenfalls unter Verlust der Sichtbetoneigenschaft, in Betracht zu ziehen.
Carbonathaltige Ausblühungen: Im Falle carbonathaltiger Ausblühungen sind Produkte oder Bauteile dann nachträglich zu reinigen. Die dabei eingesetzten Reiniger, welche in ihrem pH-Wert als schwache Säure eingestellt sind, bewirken aber auch ein leichtes Anrauen der Betonoberfläche, was besonders bei schalungsglatten Bauteilen zu berücksichtigen ist.
Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS)
Bei WDVS-Fassaden gibt es besondere Überlegungen im Zusammenhang mit Farbübertragung und Sanierung:
Mechanische Beschädigungen: Bei mechanischen Beschädigungen und Veralgung an wärmegedämmten WDVS-Fassaden ist eine Sanierung von Armierungs-/Putzschichten auf WDVS unter Berücksichtigung von Standsicherheit, Brand-, Wärme- und Feuchteschutz erforderlich.
Durchfeuchtung: Ist eine WDVS-Fassade stark durchfeuchtet, so lässt sich diese sanieren, indem sie rasterförmig geschlitzt wird. Dadurch trocknen die Dämmschicht aus und anschließend kann ein spezieller Klebe- und Armierungsmörtels aufgetragen werden.
Algen- und Pilzbefall: Ist eine WDVS-Fassade von Algen oder Pilzen befallen, so ist dieser Bewuchs zwar kein Schadensfall, der durch eine komplette Fassadensanierung behoben werden müsste. Jedoch sprechen optische Gründe häufig für eine Sanierung der Fassadenoberfläche. Dazu wird diese zunächst mit einem Hochdruckreiniger gereinigt und anschließend ein Biozid aufgetragen, das etwa 3 Jahre vor weiterem Befall schützen soll. Effektiver wirken Wärme speichernde Dickputzsysteme zur Temperaturerhöhung der Oberfläche oder hydrophile Beschichtungen der Fassade, die Wasser besser aufnehmen können.
Regelmäßige Wartung zur Vorbeugung
Um zukünftige Probleme mit Farbübertragung und anderen Fassadenproblemen zu vermeiden, sollten regelmäßig präventive Maßnahmen durchgeführt werden:
Überprüfen Sie Ihre Fassade regelmäßig auf Anzeichen von Abnutzung oder Beschädigungen.
Sofortiges Handeln bei Problemen: Bröckelnde, absandende und lückenhafte Verfugungen müssen daher zügig nachgearbeitet oder neu verfugt werden. Dazu werden die alten Mörtelfugen von Hand ausgekratzt, ausgebohrt oder ausgeschnitten, gereinigt und wieder neu verfugt.
Fachgerechte Durchführung: Bei vielen Sanierungsarbeiten, insbesondere bei WDVS-Fassaden oder bei der Sanierung von Fachwerkfassaden, sollte auf eine vom Fachmann ausgeführte Arbeit zurückgegriffen werden. Zu groß ist die Gefahr, dass eine falsche Materialauswahl oder unzureichende Ausführung zu frühzeitigen Schäden führt und eine erneute Fassadensanierung notwendig macht.
Fazit
Farbübertragung und Abfärbung bei Fassaden sind zwar häufig beobachtete Phänomene, stellen jedoch in den meisten Fällen keinen Mangel dar. Die Ursachen können mechanischer Natur sein oder auf unangemessene Reinigungsmethoden zurückzuführen sein. Durch die Auswahl geeigneter Materialien, sorgfältige Vorbereitung des Untergrunds, den Einsatz von hochwertigen Grundierungen und fachgerechte Anwendung kann Farbübertragung wirksam vorgebeugt werden.
Bei bestehenden Problemen sind je nach Ursache und Schweregrad unterschiedliche Lösungsansätze möglich, von der einfachen Reinigung über die Neubeschichtung bis hin zur vollständigen Entfernung nicht mehr tragfähiger Beschichtungen. Bei verschiedenen Materialien wie Klinker, Beton oder WDVS-Fassaden sind jeweils spezifische Überlegungen und Maßnahmen erforderlich.
Regelmäßige Wartung und frühzeitiges Handeln bei ersten Anzeichen von Problemen helfen, größere Schäden und damit aufwendigere Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden. Bei Unsicherheit bezüglich der Ursache oder der geeigneten Sanierungsmethode ist die Konsultation eines Fachmanns zu empfehlen.
Quellen
- Farbenbauer.de - Meine Fassade blättert ab, was sollte man tun?
- Energie-Experten.org - Fassadensanierung
- Bausv.online - Unerwünschtes Abfärben beschichteter Oberflächen
- Krautol.de - Fassadenprojekte: Verfärbungen und Ausblühungen
- Der Sanierungsvorsprung - Verfärbungen von Beton
- Uwe Salchow - Leistungen: Wand: Fassadenfarbentfernung