Einleitung
Die SAGA Unternehmensgruppe als Hamburger Stadtentwicklungsgesellschaft steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen bei der Durchführung ihrer Sanierungs- und Bauprojekte. Während die Gesellschaft mit großem Auftritt neue Bauprojekte ankündigt und umsetzt, häufen sich bei bestehenden Sanierungsvorhaben Beschwerden von Mieterinnen und Mietern über lange Bauzeiten, mangelnde Kommunikation und unzumutbare Wohnbedingungen. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die aktuellen Projekte der SAGA, die aufgeworfenen Probleme und die geplanten Neubaumaßnahmen in Hamburg.
Probleme bei bestehenden Sanierungsprojekten
Der Friedrich-Ebert-Hof in Ottensen
Eines der am stärksten kritisierten Sanierungsprojekte der SAGA ist der Friedrich-Ebert-Hof im Hamburger Stadtteil Ottensen. Hier warten die Mieterinnen und Mieter der knapp 300 Wohnungen bereits seit vier Jahren auf den Abschluss der Sanierungsarbeiten, die eigentlich schon seit zwei Jahren hätte beendet sein sollen. Die Dauerbaustelle führt bei den Bewohnern zu erheblichen Belastungen.
Die Mieter klagen über "ständig wiederholte Strapazen" durch Lärm und Schmutz. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass die Sanierung in vier Bauabschnitten durchgeführt wird, was bedeutet, dass die Bewohner die Unannehmlichkeiten mehrfach durchleben müssen. Aus Sicht der Mieterinitiative ist das Projekt "aus dem Ruder gelaufen" und hat beim Eigentümer SAGA keine ausreichende Priorität.
Die Kommunikation zwischen SAGA und den Mietern wird als besonders mangelhaft beschrieben. Während Mietminderungen teilweise anerkannt werden, werden sie in vielen Fällen von der SAGA stattdessen als Mietrückstände angemahnt. Zahlreiche Einwendungen bei der Stadtentwicklungsbehörde hätten nichts gebracht, so die Mieter. Aus Verzweiflung wollen sie eine Unterschriftenliste an den Ersten Bürgermeister überreichen, damit das Vorhaben endlich zur "Chefsache" wird und die Bauarbeiten endlich abgeschlossen werden.
Weitere Problemobjekte der SAGA
Nicht nur im Friedrich-Ebert-Hof, sondern in immer mehr Immobilien der SAGA herrschen laut Berichten unzumutbare Zustände. In den Grindelhochhäusern sind defekte Aufzüge und Rattenplagen an der Tagesordnung. Überall in Hamburg klagen Mieter über Schimmelbefall und ausbleibende Reparaturen in SAGA-Gebäuden.
Viele SAGA-Mieter warten zudem auf einen Wohnungstausch und erhalten dabei nicht die zugesagte Unterstützung seitens der SAGA. Dr. Anke Frieling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, bestätigt diese Probleme: "Ich erhalte häufig Zuschriften inklusive Bildmaterials von verzweifelten SAGA-Mietern, die sich allein gelassen fühlen – mit den Baustellen, auf denen sie leben, mit Schimmelbefall, Rattenplagen oder tagelang defekten Aufzügen."
Die Kritik der CDU-Politikerin zielt direkt auf das Management der SAGA: "Meine zahlreichen Anfragen an den Senat zu diesem Thema zeigen: Es fehlt bei der SAGA an jeglicher Einsicht und an Verantwortungsübernahme. Wohnen ist ja kein x-beliebiges Thema! Es geht um das Zuhause von Menschen, die eine stetig steigende Miete bezahlen."
SAGA-Strategie und Neubauprojekte
Das Projekt an der Winsener Straße in Harburg
Während die SAGA bei Sanierungsprojekten in der Kritik steht, präsentiert sich die Gesellschaft bei Neubauprojekten deutlich aktiver. So hat die SAGA-Unternehmensgruppe den Ankauf eines Grundstücks in Hamburg-Harburg abgeschlossen und plant dort den Bau von über 300 Wohnungen.
Das Areal an der Winsener Straße 34 bis 52 im Bezirk Harburg umfasst rund 15.000 Quadratmeter. Dort sollen insgesamt 306 Wohnungen entstehen: 71 Einheiten im ersten Förderweg, 72 im zweiten Förderweg und 163 frei finanzierte Wohnungen. Ergänzt wird das Wohnangebot durch sieben Gewerbeeinheiten, darunter ein Vollsortimenter mit 2.900 Quadratmetern Verkaufsfläche und einer Kindertagesstätte mit 630 Quadratmetern Nutzfläche.
Die Energieversorgung soll durch ein Blockheizkraftwerk erfolgen, das als effizient und nachhaltig beworben wird. Außerdem sind rund 290 Stellplätze für PKW vorgesehen. Dr. Thomas Krebs, Sprecher des SAGA-Vorstands, erklärte, dass die SAGA trotz der anhaltenden Krise weiterhin bezahlbare Wohnungen bauen wolle. Er sieht das Projekt an der Winsener Straße als Beleg für die erfolgreiche Strategie, Grundstücke antizyklisch zu erwerben und zu entwickeln.
Weitere Neubauprojekte
Neben dem Projekt in Harburg plant die SAGA offenbar weitere Neubaumaßnahmen. So gibt es laut Meldungen zwei neue Bauvorhaben im Süderelberaum mit insgesamt mehr als 100 Wohnungen.
Auch andere Projekte werden derzeit von der SAGA umgesetzt, wie etwa an der Stephanstraße in Hamburg mit 141 Wohnungen, die ab dem 1. Februar 2026 bezugsfertig sein sollen, sowie am Billhorner Mühlenweg mit 59 Wohnungen, die ebenfalls ab dem 1. Februar 2026 verfügbar sein werden.
Die Strategie der SAGA
Die SAGA betont in ihren Verlautbarungen eine antizyklische Vorgehensweise bei Grundstückserwerb und Projektentwicklung. Laut Dr. Thomas Krebs bewährt sich diese Strategie auch unter erschwerten Marktbedingungen. Durch den gezielten Ankauf von Grundstücken könne das Unternehmen auch in Krisenzeiten agieren und bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Senatorin Karen Pein für Stadtentwicklung und Wohnen lobt diese strategische Vorgehensweise der SAGA. Sie hebt hervor, dass die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft durch vorausschauendes Handeln in der Lage sei, ihre Bestände kontinuierlich zu erweitern. Der Ankauf des Grundstücks an der Winsener Straße sei Zeugnis dafür, dass Neubau auch in herausfordernden Zeiten möglich bleiben kann.
Die SAGA selbst beschreibt ihr Neubauprogramm als Antwort auf die anhaltend hohe Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen in Hamburg. Ziel sei es, den gebotenen Anspruch an Architektur und öffentlich geförderten Wohnungsbau in Einklang zu bringen. Gleichzeitig investiert die SAGA fortlaufend in ihren Bestand, um die Gebäude durch Modernisierungsmaßnahmen sowohl qualitativ als auch energetisch aufzuwerten.
Zeitplan und Umsetzung
Projekt Winsener Straße
Die Übernahme des Grundstücks an der Winsener Straße ist für Anfang 2025 geplant. Anschließend sollen die Erschließungsmaßnahmen beginnen, bevor der Bau voraussichtlich 2026 startet. Die Bauarbeiten werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen, so die Prognose.
Die SAGA verspricht, dass durch das Projekt ein gut durchmischtes Quartier entstehen soll, das bezahlbare Mieten und eine hohe Lebensqualität biete. Langfristig sollen nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbe- und Infrastruktureinrichtungen für ein lebendiges Quartier geschaffen werden.
Allgemeine Modernisierungsstrategie
Bei der Modernisierung ihres Bestands sieht sich die SAGA als "Bestandhalterin" der städtebaulichen Bedeutung ihres denkmalgeschützten Bestands für die Stadt bewusst. Dabei sei es wichtig, aufwändige denkmalgerechte Modernisierungen unter Berücksichtigung der heutigen Ansprüche an bezahlbares Wohnen mit der nötigen Wirtschaftlichkeit sozial verantwortlich in Einklang zu bringen.
Diese Balance zu finden, scheint jedoch in der Praxis nicht immer zu gelingen, wie die zahlreichen Beschwerde von Mietern über Sanierungsprojekte zeigen, die oft länger dauern als geplant und mit erheblichen Belastungen für die Bewohner verbunden sind.
Fazit
Die SAGA Unternehmensgruppe befindet sich in einem Spannungsfeld: Einerseits wirbt sie als stadteigene Gesellschaft mit erfolgreichen Neubauprojekten und einer antizyklischen Strategie, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Andererseits häufen sich bei bestehenden Sanierungsprojekten Klagen von Mietern über lange Bauzeiten, mangelnde Kommunikation und unzumutbare Wohnbedingungen.
Das Beispiel des Friedrich-Ebert-Hofs in Ottensen zeigt, dass selbst bei geplanten Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude die Belange der Mieter nicht ausreichend berücksichtigt werden. Gleichzeitig plant die SAGA mit großen Neubauprojekten wie dem an der Winsener Straße in Harburg weiter in die Zukunft.
Für die SAGA besteht die Herausforderung darin, bei Sanierungsprojekten eine bessere Kommunikation mit den Mietern zu gewährleisten, realistische Zeitpläne zu erstellen und die Belange der Bewohner stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig muss sie ihre Versprechen bezüglich bezahlbaren Wohnraums auch bei Neubauprojekten unter erschwerten Marktbedingungen erfüllen.
Quellen
- ndr.de - Friedrich-Ebert-Hof in Ottensen: Bewohner fordern Ende der Dauerbaustelle
- entwicklungsstadt.de - SAGA plant den Bau von 300 Wohnungen in Hamburg-Harburg
- cduhh.de - Frieling: Was ist los bei der SAGA?
- saga.hamburg - Bau von 300 Wohnungen an der Winsener Straße in Harburg geplant
- mopo.de - SAGA reißt Häuser in Hamburg ab: Das ist der Plan dahinter
- saga.hamburg - Wir für Hamburg: Bauen für Hamburg
- saga.hamburg - Aktuelle Neubauprojekte