Die Sanierung des Bauhaus Dessau in der DDR: Die Rekonstruktion von 1976 und ihr Erbe

Einleitung

Das Bauhaus-Gebäude in Dessau zählt seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe und stellt einen Meilenstein der modernen Architektur dar. Entworfen von Walter Gropius und eröffnet 1926, erlebte das Gebäude eine wechselvolle Geschichte, die von seiner Nutzung als Kunst-, Design- und Architekturschule über die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs bis hin zur deutschen Teilung reicht. Insbesondere in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde das Gebäude mehrfach saniert, wobei die sogenannte "Reko 76" als eine der ersten grundlegenden Sanierungsmaßnahmen an prominenten Bauhaus-Bauten überhaupt gilt. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte der Sanierung des Bauhaus-Gebäudes in der DDR mit Fokus auf die Rekonstruktion von 1976 und deren Bedeutung für den heutigen Zustand des Weltkulturerbes.

Historischer Kontext

Das Bauhaus-Gebäude in Dessau entstand 1926 nach Plänen von Walter Gropius in Zusammenarbeit mit den Bauhaus-Werkstätten. Das Gebäude, das zunächst wie eine "große Schachtel" wirken mag, ist in Wirklichkeit ein komplexes Gebilde mit unterschiedlichen Teilen, die jeweils ihrer Funktion entsprechend gestaltet wurden. Der Werkstattflügel mit seiner innovativen Vorhangfassade wurde von Gropius als "Laboratorium der Ideen" bezeichnet, während das Atelierhaus mit der berühmten Lochfassade Wohn- und Arbeitsräume für Studierende und Jungmeister bot.

Nach der Schließung der Institution Bauhaus in Dessau im Jahr 1932 wurde das Gebäude unter anderem von der Landesfrauen-Arbeitsschule genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Dessau am 7. März 1945 durch Brandbomben in weiten Teilen zerstört, wobei auch das Bauhaus-Gebäude betroffen war. Insbesondere die Vorhangfassade aus Stahl und Glas konnte der Hitze nicht standhalten.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden Notreparaturen durchgeführt, bei denen die Außenwände mit kleinen Lochfenstern wieder aufgemauert wurden. Als die DDR das Bauhaus wiederentdeckte, wurden horizontale Stahlfenster eingesetzt, die dem ursprünglichen Erscheinungsbild näherkamen. Geblieben waren jedoch die horizontalen gemauerten Brüstungen, die dem Konzept der Vorhangfassade widersprachen.

Die "Reko 76" - DDR-Rekonstruktion

Für das gesamte Gebäude gab es bereits 1976 eine sehr umfangreiche Bestandserfassung erstellt unter der Leitung des Bauhäuslers Konrad Püschel in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar. Auf dieser Grundlage wurde die Rekonstruktion durchgeführt, die Restaurierung, Konstruktion, Instandhaltung und technische Verbesserungen umfasste. Die "Reko 76" bildete damit eine der ersten grundlegenden Sanierungsmaßnahmen an prominenten Bauhaus-Bauten überhaupt. Zum Vergleich: Am Stuttgarter Weißenhof begannen die Sanierungsarbeiten erst in den frühen 1980er Jahren.

Die Vorhangfassade wurde 1976 allerdings nicht in Stahl, sondern in Aluminium nachgestellt. Dabei wurden die Stege nicht wie zur Bauzeit außen dunkelgrau und innen weiß gestrichen, sondern einheitlich schwarz eloxiert. Die Fenster auf der Brücke und im Nordflügel wurden durch vereinfachte Nachbauten ersetzt. Einige der 1976 entfernten Fenster wurden für Gartengewächshäuser in Dessau und Umgebung verwendet. Um das Jahr 2000, im Rahmen der sogenannten Generalsanierung, wurden diese Fenster entdeckt, restauriert und wieder am Gebäude eingesetzt.

Die Rekonstruktion von 1976 zielte darauf ab, die äußere Gestaltung des Gebäudes wiederherzustellen und die Festebene zu rekonstruieren. In einem Teil des Gebäudes wurde das Wissenschaftlich-Kulturelle Zentrum mit Sammlung und Archiv zur Bauhausgeschichte eingerichtet, dessen Aufbau 1976 begann. Die historische Sammlung konzentriert sich auf die Dessauer Zeit des Bauhauses von 1925 bis 1932, seine Wurzeln, Einflüsse und die weltweite Rezeption bis in die unmittelbare Gegenwart.

Technische Aspekte der Sanierung

Die Sanierung des Bauhaus-Gebäudes in der DDR stellte besondere Herausforderungen dar. Das Gebäude, das als "Laboratorium der Ideen" konzipiert wurde, bot durch seine innovative Architektur und Materialwahl besondere Schwierigkeiten bei der Restaurierung. Die Vorhangfassade, ein prägendes Merkmal des Gebäudes, musste komplett rekonstruiert werden.

Bei der Rekonstruktion der Vorhangfassade 1976 wurde Aluminium statt des ursprünglichen Stahls verwendet. Diese Materialänderung war eine pragmatische Entscheidung der DDR-Behörden, die wahrscheinlich auf Materialverfügbarkeit und Kostengründe zurückzuführen ist. Die Fenster auf der Brücke und im Nordflügel wurden durch vereinfachte Nachbauten ersetzt, was zu einer gewissen Vereinfachung der ursprünglichen Gestaltung führte.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Bewahrung der originalen Materialien und Techniken gelegt. Im Bauforschungsarchiv werden Elemente und Materialproben aus den prägenden Phasen der Baugeschichte aufbewahrt, die einerseits wieder am Gebäude eingebaut oder für Rekonstruktionen verwendet werden können, andererseits auch Informationen enthalten, die kein Foto transportieren könnte.

Restaurierung der Oberflächen

Bei der Rekonstruktion von 1976 bildeten die Oberflächen ein zentrales Thema. Die Farbigkeit der Innenräume wurde von Hinnerk Scheper, dem Leiter der Werkstatt für Wandmalerei am Bauhaus, geprägt. Um sein Ursprungskonzept in allen Details erfassen zu können, wurden sehr umfassende restauratorische Befunduntersuchungen durchgeführt.

Beim Bauhaus-Gebäude geht es nicht um eine geschmacklich geprägte, dekorative Bemalung, sondern um eine architekturbezogene Ausgestaltung. Der Werkstattflügel wird beispielsweise durch schalungsraue Betonoberflächen, Hohlsteindecken und geschlämmte Mauern geprägt. Farbe wirkt auf matten oder glänzenden Untergründen unterschiedlich, damit wird in der Bauhaus-Architektur bewusst gespielt.

Der Aspekt Fußboden wurde durch ein sanierungsbegleitendes Forschungsprojekt vertieft. Besonders interessant waren der Steinholz-Estrich, der zweilagig durch Magnesit gebunden war und mit eingemischten Sägespänen versehen wurde. Die poröse untere Schicht dient der Schall- und Wärmedämmung, während die obere Schicht fester und dadurch auch stabiler ausfällt. Ein weiterer bemerkenswerter Fußbodenbelag war Triolin, das auf den ersten Blick an Linoleum erinnert, aber in Wirklichkeit ein früher Kunststoffbelag auf der Basis von Nitrocellulose mit einem Hanf-Rücken darstellt. Dieses Material wurde nur in den 1920er und 1930er Jahren hergestellt und kann heute quasi nicht ersetzt werden, was seine Bewahrung im Original umso wichtiger macht.

Denkmalpflegerische Zielstellungen

Bei der Sanierung von 1976 wurde eine denkmalpflegerische Zielstellung festgeschrieben – eine Art Rahmenplan. Darin wurde beispielsweise festgelegt, dass in bestimmten Bereichen möglichst nah am Zustand von 1926 herangegangen werden sollte. In anderen Zonen orientierten sich alle Maßnahmen an der Reko 76. Es gab auch Bereiche, in denen technische Installationen möglich waren.

Diese differenzierte Herangehensweise spiegelt die Komplexität des Bauhaus-Gebäudes wider, das sowohl als architektonisches Meisterwerk als auch als funktionierendes Gebäude erhalten werden muss. Die Herausforderung bestand darin, die originalen gestalterischen Intentionen zu respektieren, gleichzeitig aber auch die praktischen Anforderungen eines modernen Betriebes zu berücksichtigen.

Langfristiger Pflegeplan

Schon vor zehn Jahren bemühte sich die Stiftung Bauhaus um einen Pflegeplan für das Bauhaus-Gebäude, um bei der Instandhaltung Kontinuität und Qualität zu sichern. Es gibt nicht DIE eine große Renovierung des Dessauer Bauhaus-Gebäudes, sondern mehrere. Neben der "Reko 76" und der zwischen 1996 und 2006 durchgeführten Generalsanierung werden kontinuierlich Arbeiten durchgeführt, weshalb derzeit ein langfristiger Pflegeplan für das Gebäude erstellt wird.

Am Bauhaus Dessau wurde der Entwurf für eine Datenbank entwickelt, die Informationen zur Instandhaltung und Pflege des Gebäudes systematisch erschließen soll. Mit einer kleinen Datenbank stieß das Projekt schnell an seine Grenzen, weshalb weiterführend ein Facility-Management-System aufgelegt wurde, mit dem die Stiftung Bauhaus bereits arbeitet. Darin können Wartungspläne angelegt, Aufträge verfolgt und geplant sowie Störungen gemeldet werden. Zusätzlich ist ein Baustein "Denkmal-Management" entstanden, der an die Facility-Management-Datenbank angedockt wird. Darauf ruft die Hoffnung der Verantwortlichen, in diesem System alle am Bauhaus-Gebäude Beteiligten in einem System zusammenführen zu können.

Vergleich mit späteren Sanierungen

Obwohl die "Reko 76" der Schwerpunkt dieses Artikels ist, ist es wichtig zu erwähnen, dass zwischen 1996 und 2006 eine umfassende Generalsanierung durchgeführt wurde. Bei diesen Sanierungsarbeiten war ein wichtiges Ziel, die denkmalpflegerischen Ansprüche des Weltkulturerbes mit den Anforderungen einer nachhaltigen Nutzung zu vereinbaren und insbesondere die Energieeffizienz des Gebäudes zu optimieren.

In den letzten Jahren wurden die Gebäude des Weltkulturerbes "staatliches Bauhaus" in Dessau sowie seine Außenanlagen grundlich saniert und ertüchtigt. Unter anderem mit Mitteln des Konjunkturpakets II konnten so wichtige und notwendige bauliche Maßnahmen zum Substanzerhalt umgesetzt werden. Für diese bauphysikalisch sehr diffizilen Gebäude wurden Konzepte der energetischen und funktionalen Optimierung erarbeitet, darunter die Klimatisierung des Sockelgeschosses, die Erneuerung der Lüftungsanlage in der Mensa sowie Instandsetzungsarbeiten der kompletten gebäudetechnischen Anlagen Heizung-Lüftung-Klima-Sanitär und Gebäudeleittechnik.

Fazit

Die Sanierung des Bauhaus-Gebäudes in der DDR, insbesondere die "Reko 76" von 1976, stellte einen bedeutenden Meilenstein im Denkmalschutz moderner Architektur dar. Als eine der ersten grundlegenden Sanierungsmaßnahmen an prominenten Bauhaus-Bauten überhaupt legte sie den Grundstein für die heutige Erhaltung des Weltkulturerbes.

Die Rekonstruktion von 1976 zeigte einerseits die Herausforderungen bei der Restaurierung von Bauhaus-Architektur auf, andererseits aber auch die Möglichkeiten, originale Materialien und Techniken zu bewahren oder in angepasster Form wiederherzustellen. Die Entscheidung, die Vorhangfassade in Aluminium statt Stahl zu rekonstruieren, spiegelt die pragmatischen Bedingungen der DDR-Zeit wider, während der Fokus auf der Bewahrung der originalen Oberflächen und Farbgestaltung zeigt, dass das künstlerische Konzept des Bauhaus bewahrt werden sollte.

Die "Reko 76" schuf nicht nur die physische Grundlage für die heutige Nutzung des Bauhaus-Gebäudes, sondern auch für die Sammlung und das Archiv zur Bauhausgeschichte, die seit 1976 im Gebäude aufbewahrt werden. Langfristig trug die Sanierung dazu bei, dass das Bauhaus Dessau 1996 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen werden konnte.

Die kontinuierliche Pflege und Sanierung des Bauhaus-Gebäudes, von der DDR-Rekonstruktion über die Generalsanierung bis hin zu aktuellen energetischen Optimierungen, zeigt exemplarisch den Umgang mit einem der bedeutendsten Baudenkmäler des 20. Jahrhunderts. Die Herausforderung, Denkmalschutz mit modernen Nutzungsanforderungen zu verbinden, bleibt auch heute zentral für die Erhaltung dieses architektonischen Meisterwerks.

Quellen

  1. Moderne Regional
  2. Kohle Dampf Licht Seen
  3. Gesellschaft für Energieeffizienz
  4. Denkmalpraxis Moderne
  5. Bauhaus Dessau

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