Einleitung
Die Abwasserinfrastruktur in Bottrop erlebt derzeit eine umfassende Modernisierung, die sowohl die öffentliche Kläranlage als auch private Abwassersysteme betrifft. Mit einem Investitionsvolumen von rund 45 Millionen Euro führt die Emschergenossenschaft Sanierungsarbeiten an ihrer Kläranlage in der Welheimer Mark durch, während gleichzeitig verschiedene Methoden für die private Rohrsanierung verfügbar sind. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen, Herausforderungen und technischen Lösungen im Bereich der Abwassersanierung in Bottrop.
Die Kläranlage Bottrop: Geschichte und Bedeutung
Die Kläranlage der Emschergenossenschaft in der Welheimer Mark ist als Deutschlands erste vollständig energieautarke Großkläranlage bekannt. Ihr Bau begann 1991 kurz vor dem Startschuss für das Generationenprojekt Emscher-Umbau. Fünf Jahre später, im Jahr 1996, konnte das moderne Klärwerk in Betrieb genommen werden. Die Anlage ist für eine Kapazität von zirka 1,34 Millionen Einwohnerwerten (d.h. Menschen plus Industrieunternehmen) ausgelegt und kann pro Sekunde maximal 8.500 Liter Abwasser reinigen.
Die Nachklärung der Kläranlage Bottrop besteht aus drei sogenannten "Straßen" mit jeweils einem Hauptzulaufgerinne und zwölf Nachklärbecken – in Summe also drei Hauptzulaufgerinne und 36 Becken. Nach rund 30 Jahren des Betriebs sind nun umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich, um die Funktionalität zu verbessern und die Nutzungsdauer zu verlängern.
Das aktuelle Sanierungsprojekt: Umfang und Herausforderungen
Die Emschergenossenschaft investiert derzeit rund 45 Millionen Euro in die Instandhaltung ihrer wasserwirtschaftlichen Infrastruktur am Kläranlagenstandort Bottrop. Das Projekt umfasst die bau- und maschinentechnische Sanierung bzw. Erneuerung der Nachklärung mit insgesamt 36 Nachklärbecken.
Die größte Herausforderung bei diesem Projekt ist der Umbau im laufenden Betrieb. Hierbei gilt es sicherzustellen, dass maximal vier Becken zeitgleich außer Betrieb genommen werden können, da die ordnungsgemäße Reinigung des Abwassers zu jeder Zeit gewährleistet sein muss. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der Emschergenossenschaft, hebt hervor, dass die Arbeiten unter hohen Sicherheitsbedingungen stattfinden, da es sich um einen Teil der sogenannten kritischen Infrastruktur handelt.
Die gesamte Sanierung ist in neun Umbauphasen bis Ende 2027 geplant. In den ersten drei Phasen sind auch die Hauptzulaufgerinne mit enthalten. Um diese umbauen zu können, ist ein umfangreiches Pumpenprovisorium erforderlich, damit die verbliebenen acht Becken der Straße weiterhin beschickt und betrieben werden können. Ab der vierten Umbauphase kann auf das Pumpenprovisorium verzichtet werden.
Technische Details der Sanierung
Für die Sanierung der Kläranlage Bottrop sind mehrere technische Verbesserungen vorgesehen:
Verbessertes Strömungsverhalten: Die Einlauföffnungen werden vergrößert sowie neue und optimierte Prallbleche eingebaut, um eine bessere Durchströmung der Nachklärbecken zu erreichen.
Neue Belüftungssystem: Für eine gleichmäßige Luftzufuhr installiert die Emschergenossenschaft eine neue Rinnenbelüftung, die die Effizienz des Reinigungsprozesses erhöht.
Algenbekämpfung: Die Klarwasserrinnen werden künftig abgedeckt, um den Algenbewuchs einzudämmen und die Wasserqualität weiter zu verbessern.
Materialerneuerung: Nach 30 Jahren Betrieb werden sowohl bauliche als auch maschinelle Komponenten erneuert, um die Lebensdauer der Anlage zu verlängern.
Neben der Kläranlage wurde auch der Abwasserkanal Emscher umgebaut. Dieses Projekt umfasste den Neubau von insgesamt 51 Kilometer Kanal, in dessen Verlauf das Abwasser in drei Pumpwerken – Bottrop, Gelsenkirchen und Oberhausen – hochgepumpt wird. Jedes Pumpwerk hat einen Innendurchmesser von ca. 48 m, eine Baugrubentiefe von 40 m und eine Förderhöhe von rund 17 m. Die Förderleistung beträgt bis zu 9,4 m³/s.
Die Schlitzwände dieser Pumpwerke reichen 50 m tief in den Untergrund und sind mit einer Breite von 2 m besonders stark ausgebaut. Für die Herstellung der Schlitzwände werden insgesamt ca. 15.000 m³ Beton benötigt.
Methoden der privaten Abwassersanierung
Neben den großen öffentlichen Projekten gibt es verschiedene Verfahren für die Sanierung privater Abwassersysteme in Bottrop und Umgebung. Je nach Art und Umfang der Schäden kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz:
1. Kurzliner-Verfahren
Beim Kurzliner-Verfahren wird ein mit Harz getränktes Gewebe mit Hilfe eines Packers (eine Art Gummiblase, die aufgeweitet wird) an der zu reparierenden Schadensstelle positioniert. Dieses Verfahren kommt ohne großen Aufwand und Tiefbaumaßnahmen aus und eignet sich besonders für Einzelschäden.
2. Chemische Abdichtungsmaterialien
Bei diesem Verfahren sammeln sich zwei Dichtungsmaterialien in Poren und Hohlräumen rund um das Rohr, reagieren dort miteinander und bilden eine feste, wasserdichte Masse, die die Schadensstelle abdichtet. So lassen sich auch unzugängliche Leitungsbereiche schnell sanieren. Allerdings müssen geeignete Bodenverhältnisse vorliegen, die vorab über eine Voruntersuchung abzuklären sind.
3. Schlauchlinerverfahren
Beim Schlauchlinerverfahren wird ein mit Kunstharz getränkter Schlauch aus Polyesterfaser oder Nadelfilz mit Luft- oder Wasserdruck so in die Leitung eingestülpt und aufgeweitet, dass er an der Rohrwand überall dicht und weitestgehend faltenfrei anliegt. Das Harz härtet innerhalb weniger Stunden aus und bildet in der alten Leitung ein neues Rohr. Bögen und Verzweigungen können die Einsatzmöglichkeiten dieses Verfahrens einschränken. Zuläufe, die durch den Liner verschlossen wurden, müssen nach der Sanierung durch einen Fräsroboter wieder geöffnet werden.
Das Institut für Unterirdische Infrastruktur – IKT hat im Frühjahr 2010 im Auftrag des MKULNV einen vergleichenden Warentest zu Hausanschlusslinern durchgeführt. Dabei wurde festgehalten, dass die Sanierung schadhafter Hausanschlussleitungen mit dem Schlauchlinerverfahren auch bei schwierigen Verhältnissen funktioniert.
4. Offene Sanierung
Bei der offenen Sanierung werden Leitungen freigelegt und erneuert. Hierbei ist zu beachten, dass der Abfluss aus tieferliegenden Entwässerungsgegenständen (Bodeneinläufen, Duschen oder Waschmaschinen) über eine Hebeanlage in die neue Leitung gepumpt werden muss. Ein wesentlicher Vorteil der offen zugänglichen Leitungen ist die optimale Kontrolle.
Schäden in Abwassersystemen und ihre Folgen
Undichte Grundstücksentwässerungsleitungen können negative Folgen für Hausbewohner, Gebührenzahler und die Umwelt haben:
Für die Hausbewohner können Schäden in privaten Abwasserleitungen zu Undichtigkeiten führen, die durch Bodeneinspülungen zu einer Hohlraumbildung im Bereich der Leitungszone führen. Dies ist verbunden mit Setzungen und Einstürzen sowie möglicher Gebäudevernässung.
Durch das Eindringen mineralischer Bodenpartikel in Verbindung mit den organischen Abwasserinhaltsstoffen können in den Leitungen verfestigte Ablagerungen verursacht werden, die zu Verstopfungen führen können.
Auch der Einwuchs von Wurzeln wird begünstigt, was die Funktionsfähigkeit der Grundstücksentwässerung beeinträchtigen und zu zeit- und kostenaufwändigen Folgen führen kann.
Finanzielle Fördermöglichkeiten für die Sanierung
Für die Sanierung von privaten Abwasserleitungen und Schächten können verschiedene finanzielle Fördermöglichkeiten in Anspruch genommen werden:
Ressourceneffiziente Abwasserbeseitigung NRW (ResA): Über das Förderprogramm des Umweltministeriums kann ein zinsgünstiges Darlehen für die private Kanalsanierungsmaßnahme beantragt werden. Der Zinszuschuss kann nur gewährt werden, wenn zum Zeitpunkt des Eingangs des Antrags bei der NRW.BANK mit der Sanierung noch nicht begonnen wurde.
Fremdwasserschwerpunktgebiete: In besonderen Einzelfällen, wenn die Stadt oder Gemeinde für einen abgegrenzten Teil des Stadtgebietes ein spezielles Sanierungsprogramm für ein Fremdwasserschwerpunktgebiet ausgearbeitet hat, kann ein Zuschuss gewährt werden. Dies ist nur dort möglich, wo sehr viel Grund-, Quell- und Dränagewasser unerlaubt in die Kanalisation eindringt und dadurch besondere Probleme verursacht werden.
Die zuständigen Sachbearbeiter der Stadt oder Gemeinde können über eventuelle Fördermöglichkeiten Auskunft geben. Auch die Verbraucherzentrale NRW berät in diesen Fragen.
Dienstleister für Abwassersanierung in Bottrop
In Bottrop gibt es mehrere spezialisierte Unternehmen, die Dienstleistungen im Bereich der Abwassersanierung anbieten. Diese bieten unter anderem:
- 24h-Notdienst und 24h-Sanitär-Notdienst
- Rattenschutz
- Rückstauschutz
- Rohrreinigungen und Abflussreinigungen
- Zustands- und Funktionsprüfungen
Durch eine TV-Kanaluntersuchung verschaffen sich diese Dienstleister einen umfassenden Überblick über den Zustand der Leitungen, um dann die geeignete Sanierungsmethode zu wählen. Bei verstopften Abflüssen können Hausbesitzer zunächst selbst mit einer Saugglocke (Pümpel) versuchen, das Problem zu beheben, bevor sie professionelle Hilfe hinzuziehen.
Fazit
Die Abwassersanierung in Bottrop umfasst sowohl große Infrastrukturprojekte wie die Modernisierung der Kläranlage in der Welheimer Mark als auch Maßnahmen an privaten Leitungen. Während die öffentliche Sanierung mit einem Investitionsvolumen von 45 Millionen Euro bis Ende 2027 fortgesetzt wird, stehen Hausbesitzern verschiedene Verfahren für die Sanierung ihrer privaten Abwassersysteme zur Verfügung. Je nach Schadensart können Kurzliner-, Schlauchliner- oder chemische Verfahren eingesetzt werden, die in vielen Fällen ohne aufwändige Erdarbeiten auskommen. Finanzielle Fördermöglichkeiten durch das Land Nordrhein-Westfalen erleichtern die Finanzierung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Dienstleistern in Bottrop gewährleistet, dass sowohl öffentliche als auch private Abwassersysteme effizient und nach modernen Standards saniert werden.