Einleitung
Die ehemalige Adam-Kaserne in Soest durchläuft derzeit eine umfassende Transformation von einem militärischen Gelände zu einem modernen, gemischt genutzten Wohnquartier. Dieser Konversionsprozess stellt eine besondere Herausforderung dar, da er die Sanierung und Umnutzung bestehender Gebäude mit der Entwicklung neuer Quartiere verbindet. Die Wirtschaft & Marketing Soest GmbH erschließt das Gelände seit 2018 zu einem hochwertigen Wohnstandort, der Raum für etwa 1.080 zukünftige Bewohner bieten soll. Bei der Entwicklung spielt insbesondere die Sanierung der vorhandenen Kasernenblöcke eine zentrale Rolle, die sowohl technische als auch kulturelle Aspekte berücksichtigt. Dieser Artikel beleuchtet die Konzepte, Methoden und Herausforderungen bei der Sanierung und Entwicklung der Adam-Kaserne.
Historische Entwicklung und Konzept
Die Adam-Kaserne im Soester Westen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die nun eine neue Richtung einschlägt. Seit dem Abzug der belgischen Truppen im Jahr 1995 nutzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das Gelände für Zwischennutzungen, indem sie die Blöcke unter anderem an Vereine vermietete. Diese Vereine haben erhebliche Investitionen in den Erhalt und den Ausbau der Kaserne getätigt und leisten wertvolle Arbeit im Bereich Kultur und Sport.
Die Stadt Soest plant nun, das Kasernengelände zu erwerben und mit der REGIONALE 2013 zu einem kreativen Arbeits- und Wohnstandort weiterzuentwickeln. Das Konzept sieht eine klare Strukturierung des Geländes vor: Die historische Kasernenanlage im Süden und drei neue Quartiere im Norden öffnen sich zu einer grünen Mitte. Die historische Achse soll als Rückgrat der gesamten Anlage gestärkt werden. Als weithin sichtbarer Orientierungspunkt dient der Turm am Eingang, der als "Turmrestaurant" ein markantes Zeichen in der Höhe setzen wird.
Die drei neuen Quartiere im Norden werden als ablesbare, selbständige Cluster konzipiert, die sich aneinanderreihen. Diese Cluster werden bewusst der "militärischen" Strenge der historischen Kasernengebäude gegenübergestellt und überschaubare, identitätsstiftende Nachbarschaften für die zukünftigen Nutzer bilden. Jedes Quartier erhält einen zentralen Platz als lebendigen Mittelpunkt, um den sich kleine Versorgungsstützpunkte mit Läden, Praxen und Betreuungsangeboten entwickeln sollen.
Baumaßnahmen und Sanierungstechniken
Bei der Neuentwicklung von Konversionsflächen wie der Adam-Kaserne spielen Erschließungsmaßnahmen und insbesondere die Befestigung der Flächen eine entscheidende Rolle. Die Anforderungen an diese Flächen sind vielfältig: Sie müssen nicht nur gut aussehen, sondern auch den täglichen Verkehrsbelastungen gewachsen sein. Reine Asphaltflächen wären technisch zwar praktikabel, wirken aber optisch wenig reizvoll. Herkömmlich gepflasterte Flächen sehen zwar oft besser aus, sind aber nicht immer in der Lage, alle anfallenden Verkehrsbelastungen aufzunehmen.
Ein häufiges Problem bei herkömmlichen Pflasterflächen sind Schäden, die schon nach kurzer Nutzungsdauer auftreten. Die Hauptursache hierfür sind oft die Fugen, die ihre Funktion als elastischer Puffer zwischen den Steinen nicht ausreichend wahrnehmen können. Entweder die Fugen wurden von Anfang an zu gering dimensioniert oder das Fugenmaterial wurde falsch auf das Bettungsmaterial abgestimmt, sodass es in die Bettung rieselt und sich die Fuge quasi nach und nach auflöst.
Um diese Probleme zu umgehen, setzt die Stadt Soest bei der Flächenbefestigung in der Adam-Kaserne auf das Bettungs- und Fugenmaterial ECOPREC® von der SF-Kooperation. Dieses bietet den Vorteil, dass die Fugen aufgrund ihrer bituminösen Eigenschaften als elastischer Puffer zwischen den Steinen dauerhaft verschlossen bleiben. Schub- und Horizontalkräfte, die der Verkehr auf der Fläche verursacht, werden über das Fugenmaterial abgepuffert und gleichmäßig in die Tragschichten weitergeleitet.
Ein weiterer Vorteil der ECOPREC®-Bauweise ist, dass die etwa 4 cm dicke Bettung nahezu wasserundurchlässig ist. Auftretendes Niederschlagswasser wird oberflächlich in seitliche Regenabläufe abgeführt. Die üblichen Probleme, die man von Pflasterflächen kennt, bei denen unter Frosteinfluss aufgrund von Wassereinlagerungen Flächen aufplatzen, sind hier daher kein Thema. Darüber hinaus reduzieren sich aufgrund der bituminösen Konsistenz die Probleme beim Einsatz von Saug- und Kehrmaschinen auf solchen Flächen deutlich. Da die Korngrößen von Bettung und Fuge optimal aufeinander abgestimmt sind, besteht auch nicht das Problem, dass Fugenmaterial in die Bettung einrieselt.
Bei der Straßen- und Wegegestaltung in der Adam-Kaserne wurde besonderer Wert auf eine hohe Aufenthaltsqualität gelegt. Im Eingangsbereich erhalten die Straßen eine Separationsgestaltung aus Fahrbahn, Parkplätzen und Gehwegen. Im weiteren Verlauf werden verkehrsberuhigte Bereiche angelegt, die besondere Aufenthaltsqualität bieten.
Die Rolle der Vereine und kulturellen Einrichtungen
Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung der Adam-Kaserne ist die Frage, wie mit den zahlreichen Vereinen und kulturellen Einrichtungen umgegangen wird, die derzeit das Gelände nutzen. In den Blöcken der Kaserne haben sich seit dem Abzug der belgischen Truppen im Jahr 1995 zahlreiche Vereine und Gruppen etabliert, die teilweise sehr viel Geld in den Erhalt und den Ausbau der Kaserne investiert haben.
Betroffen von einer möglichen Kündigung nach dem Erwerb der Kaserne durch die Stadt Soest wären unter anderem:
- Mobile Funkhilfe Kreis Soest e.V.
- Marketenderrinnen und Landsknechte e.V.
- Museum der belgischen Streitkräfte e.V. (ca. 30 Mitglieder)
- Geschichtswerkstatt Französische Kapelle e.V.
- Soester Briefmarkenfreunde e.V.
- Poststempelgilde e.V.
- Bund der Vertriebenen Kultur- und Geschichtsverein der Deutschen aus Russland e.V. (ca. 50 Mitglieder)
- Künstlerhaus BEM Adam e.V. (ca. 130 Mitglieder)
- Sozialer Sportclub Soester Kickers 09 e.V. (ca. 100 Mitglieder)
- Athletic Club Soest e.V. - Gewichtheber Laufgruppe Deiringsen e.V.
- Modelleisenbahner Soest 03 e.V. (ca. 100 Mitglieder)
In diesen Vereinen sind hunderte Soesterinnen und Soester organisiert, und die Stadt wird daher aufgefordert, diesen Vereinen eine zukunftsfähige Perspektive zu bieten und sie bei den Planungen zu berücksichtigen.
Besonders hervorzuheben ist das Künstlerhaus BEM Adam e.V., das ein seit 10 Jahren finanziell unabhängiger und selbstverwalteter Verein ist. Dieser bietet nicht nur Künstlern Raum zum kreativen Arbeiten, sondern betreibt darüber hinaus eine eigene Produzentengalerie und hat mit insgesamt über 30 Ausstellungen seit 2004 aktiv das kulturelle Leben in Soest bereichert. Das Künstlerhaus hält vielfältige Vorlesungen ab, gestaltet aktiv die Bildung von Kindern und Jugendlichen mit, organisiert professionell Festivals sowie jährlich einen sehr gut besuchten Tag der offenen Tür.
Die Ateliers und Proberäume des Künstlerhauses werden als Keimzelle von Kunst und Kultur betrachtet, die bezahlbare Arbeitsräume für Künstler und Musiker aller Couleur anbietet. Der Verein hat sich in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil Soests entwickelt, und die Diskussion um die Entwicklung des Kasernengeländes sollte daher fairerweise unter Einbezug der dort ansässigen Vereine geführt werden.
Aus dem bürgerschaftlichen Engagement der dort arbeitenden Vereine lässt sich erkennen, dass das Entwicklungspotential der Adamskaserne in einer Kombination aus Wohnraum- und Kulturnutzung liegt. Die mit einem Kauf durch die Stadt Soest verbundene Perspektive allein für das Künstlerhaus im Block 4 wird sich künftig positiv auf das Kulturklima der Stadt auswirken.
Quartiersplanung und Infrastruktur
Die Planung für die Adam-Kaserne sieht eine differenzierte Nutzung der verschiedenen Blöcke vor. Während die historische Kasernenanlage im Süden und drei neue Quartiere im Norden eine grüne Mitte umgeben, soll die historische Achse als Rückgrat der Anlage gestärkt und mit einzelnen Nutzungsbausteinen für Kreativwirtschaft und Jugend weiter ausgebaut werden.
In Richtung Westen reihen sich die Bestandsblöcke mit den Nutzungsangeboten Bildung, Museum und Kunst an. In den Blöcken 5 und 6 wird temporäres Wohnen im Sinne von Hostel, Gastwohnungen und Studentenwohnen vorgeschlagen. Diese sollen den Nutzungsschwerpunkt "Jugend" als Abschluss der Achse im Westen ergänzen. Das Bestandsgebäude wird hier als Jugendclub genutzt und zum Landschaftsraum hin mit Freilufttheater und Kitterturm ergänzt. Die Achse ist im gesamten Verlauf aktive Kommunikationsfläche und bietet allen anliegenden Nutzungen Raum zur Präsentation.
Die Neubauflächen werden in Baustufen quartiersweise entwickelt. Keimzelle jedes Quartiers ist der zentrale Platz mit den anliegenden Baufeldern. Eine Entwicklung von West nach Ost wird als sinnvoll erachtet. In den Zwischenstufen können bestehende Anlagen wie der Exerzierplatz, die Exerzierhalle und Lagergebäude weiter genutzt werden.
Der neue Landschaftsraum in der Mittelachse des Geländes spannt sich durch das gesamte Gebiet. Diese grüne Mitte vermittelt als Erholungs- und Rückzugsraum eine neue Qualität, die in die umgebende Bebauung ausstrahlt. "Grüne Finger" differenzieren sowohl zwischen neuen als auch zwischen bestehenden Strukturen. Es bildet sich ein grünes Netz mit vielfältigen Verknüpfungen, das einladend und kommunikativ für Nachbarschaft, gemeinsames Tun ist und weiterführend in städtische Grünstrukturen mündet.
Fuß- und Radwege vernetzen die neuen Quartiere mit der historischen Anlage. Strahlenförmig durchqueren sie den Landschaftsraum und treffen sich an markanten Kommunikationspunkten entlang der Wassermulde.
Die Bauflächen im gesamten Gebiet machen ca. 70 % des Gesamtgebietes aus, während der Anteil für Verkehrsflächen bei ca. 14 % und der Grünflächenanteil bei ca. 16 % liegt. In den letzten Jahren wurden im Baugebiet bereits ca. 90 Einfamilienhäuser als freistehende Einfamilienhäuser, Doppelhäuser oder Reihenhäuser errichtet.
Zukunftsperspektiven
Die Entwicklung der Adam-Kaserne ist ein langfristiger Prozess, der vorsichtig und sorgfältig geplant werden muss. Die Stadt Soest hat sich das Ziel gesetzt, das Gelände zu einem kreativen Arbeits- und Wohnstandort zu entwickeln, der sowohl historische Bausubstanz als auch moderne Wohn- und Lebensräume vereint.
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Projekts ist die Einbeziehung der bereits etablierten Vereine und kulturellen Einrichtungen. Diese haben über Jahre hinweg das kulturelle Leben in Soest geprägt und wichtige Impulse gegeben. Ihre Integration in die zukünftige Konzeption der Adam-Kaserne ist daher essenziell, um die lebendige Atmosphäre des Geländes zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Die technische Umsetzung der Baumaßnahmen, wie beispielsweise die Verwendung von ECOPREC® bei der Flächenbefestigung, zeigt, dass Wert auf nachhaltige und langlebige Lösungen gelegt wird. Solche Maßnahmen tragen dazu bei, die Unterhaltskosten langfristig zu senken und die Lebensqualität für die zukünftigen Bewohner zu erhöhen.
Die Schaffung einer grünen Mitte und die Vernetzung der verschiedenen Quartiere durch Fuß- und Radwege fördern zudem eine nachhaltige Mobilität und ein gemeinschaftliches Zusammenleben. Die geplante Infrastruktur mit kleinen Versorgungsstützpunkten in jedem Quartier sorgt für eine gute Versorgung der Bewohner und trägt zur Attraktivität des gesamten Geländes bei.
Fazit
Die Sanierung und Entwicklung der Adam-Kaserne in Soest stellt ein ehrgeiziges und vielschichtiges Projekt dar, das die Umnutzung eines ehemaligen Militärgeländes zu einem modernen, gemischt genutzten Wohnquartier vorsieht. Die Konzepte sehen die Bewahrung historischer Strukturen vor, während gleichzeitig neue Wohn- und Lebensräume geschaffen werden.
Ein besonderer Augenmerk liegt auf der Integration der bereits etablierten Vereine und kulturellen Einrichtungen, die das kulturelle Leben in Soest maßgeblich geprägt haben. Die technische Umsetzung der Baumaßnahmen, wie beispielsweise die Verwendung von hochwertigen Materialien bei der Flächenbefestigung, sichert Langlebigkeit und Nachhaltigkeit.
Die Schaffung einer grünen Mitte und die differenzierte Quartiersplanung fördern nicht nur die Lebensqualität für die zukünftigen Bewohner, sondern tragen auch zur städtebaulichen Entwicklung von Soest bei. Mit der Adam-Kaserne entsteht ein neuer, attraktiver Stadtteil, der Geschichte und Moderne verbindet und Raum für Wohnen, Arbeiten und Kultur bietet.