Einleitung
Im August 2012 wurde der Flughafen Bremen für einen Zeitraum von sechs Tagen komplett geschlossen, um eine umfassende Sanierung der Start- und Landebahn durchzuführen. Dieses Großprojekt stellte eine besondere Herausforderung dar, da die Arbeiten in einem extrem kurzen Zeitfenster von nur 96 Betriebsstunden realisiert werden mussten. Die Maßnahme war notwendig, da die Startbahn, die zuletzt 1990 teilerneuert wurde, durch ständige Nutzung und natürlichen Alterungsprozess dringend einer Erneuerung bedurfte. Dieser Artikel beleuchtet die Details dieser außergewöhnlichen Baumaßnahme, die technischen Aspekte und die Auswirkungen auf den Flugbetrieb.
Hintergrund der Sanierungsmaßnahme
Die Start- und Landebahn des Flughafens Bremen ist eine kritische Infrastruktur, die hohe Anforderungen an Sicherheit und Funktionalität erfüllen muss. Die Piste hat eine Länge von 2.034 Metern und eine Breite von 45 Metern. Sie besteht aus einem Mittelteil und zwei 300 Meter langen Startbahnköpfen für Airbus-Flugzeuge, darunter den schweren "Beluga"-Flugzeuge mit einem Startgewicht von 150 Tonnen.
Die Geschichte der Startbahn reicht bis ins Jahr 1937 zurück, als eine ursprünglich etwa 650 Meter lange Betonpiste entstand. In den folgenden Jahren wurde die Bahn mehrmals verlängert: 1939 nach Westen um etwa 600 Meter und 1949 nach Osten um 575 Meter. Die Erweiterungen wurden als Betonplatten mit einer Dicke von 24 Zentimetern ausgeführt. Im östlichen Bereich kam 1949 zusätzlich ein 210 Meter langer Startbahnkopf mit 30 Zentimetern Beton auf 35 Zentimetern Sand hinzu.
Über die Jahre wurden verschiedene bituminöse Verstärkungen aufgebracht – in den Jahren 1963, 1966, 1971, 1980 und zuletzt 1990. Diese Asphaltschichten summten sich im Mittel auf eine Dicke von 40 Zentimetern, was ein massives Gesamtpaket ergab. Dennoch war die Erneuerung 2012 notwendig geworden, um den sicheren Flugbetrieb langfristig zu gewährleisten.
Planung und Vorbereitung der Sanierung
Die Planung der Sanierungsmaßnahme war äußerst komplex, da die Startbahn für nur 96 Betriebsstunden komplett gesperrt werden konnte. Um eine maximale Effizienz zu gewährleisten, arbeitete der Flughafen Bremen mit dem renommierten Ingenieurbüro A.C.E. – Airport Consulting Engineers zusammen. Dieses Unternehmen hat deutschlandweit bereits diverse Projekte dieser Art für Flughäfen realisiert und brachte die notwendige Expertise in das Projekt ein.
Als besonders schwierig erwies sich die Terminfindung. Die Flughafengesellschaft entschied sich für den Zeitraum vom 6. bis zum 11. August 2012, da dies die verkehrsärmsten Augusttage am Flughafen Bremen waren. Dennoch mussten rund 40.000 Passagiere informiert werden, dass alternative Flughäfen wie Hamburg, Hannover oder Münster-Osnabrück genutzt werden mussten.
Die Airlines wurden bereits Ende des Vorjahres über die geplante Maßnahme informiert, sodass sie ihre Flugpläne entsprechend umgestalten konnten. Viele Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Die Flughafengesellschaft betonte, dass alle Airlines frühzeitig über das Vorhaben informiert worden seien, um eine reibungslose Abwicklung zu ermöglichen.
Durchführung der Bauarbeiten
Die eigentlichen Bauarbeiten begannen in der Nacht zum 6. August 2012 und liefen im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Die Arbeiten waren extrem komplex und erforderte eine präzise Koordination aller Beteiligten. Innerhalb von nur 30 Stunden wurde die obere Schicht der alten Asphaltdecke der Start- und Landebahn abgefräst. Anschließend wurde ein neuer Belag auf die Piste aufgebracht.
Die Bauarbeiten umfassten mehrere wesentliche Maßnahmen:
- Abfräsen der Asphaltschichten: Es wurden etwa 12 cm alte Asphaltschichten entfernt.
- Verlegung der Kabelleerrohre: Die notwendigen Kabelverbindungen für die Beleuchtung wurden erneuert.
- Einbau der Asphaltbinder- und Asphaltdeckschicht: Die neue Fahrbahndecke wurde aufgetragen.
- Markierungsarbeiten und Vermessung: Die Markierungen der Startbahn wurden erneuert.
- Erneuerung der Befeuerung: Die Mittellinien- und Aufsetzzonenbefeuerung wurde komplett ausgetauscht.
Insgesamt wurden bei den Arbeiten 60.000 Tonnen Material bewegt, wobei die abgefrästen Brocken weitgehend wiederverwertet wurden. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf etwa 5,6 Millionen Euro, wobei der entgangene Umsatz durch die knapp einwöchige Unterbrechung darin nicht enthalten war.
Technische Herausforderungen und Lösungen
Die Sanierung der Startbahn stellte besondere technische Herausforderungen dar. Um eine durchgehende Asphaltdecke ohne Querfugen aufbringen zu können, war eine komplette Schließung der Startbahn notwendig. Alternativ wäre es möglich gewesen, nur nächtlich zu arbeiten, jedoch hätten sich die Arbeiten dann über Monate hingezogen, verbunden mit entsprechender Lärmbelastung für die Anwohner.
Aus Sicht der Betreiber gab es zur vorübergehenden Einstellung der Flüge in Bremen keine Alternative. Die Entscheidung für eine kurzzeitige, vollständige Sperrung wurde getroffen, um:
- Die Baukosten zu minimieren
- Die Bauzeit zu verkürzen
- Lärmbelästigung für die Anwohner zu begrenzen
- Eine qualitativ hochwertige, fugenfreie Oberfläche zu gewährleisten
Besonders anspruchsvoll war die Koordination der verschiedenen Gewerke. Während der Bauzeit mussten alle Arbeiten ohne Unterbrechungen realisiert werden, um den Zeitplan einhalten zu können. Die Flughafengesellschaft rechnete damit, dass die Flugzeuge bereits am Sonntag um 6.00 Uhr morgens wieder starten und landen können.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb und Passagierzahlen
Die sechstägige Schließung des Flughafens Bremen hatte erhebliche Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Laut Flughafen-Sprecher Florian Kruse wurden in diesem Zeitraum mehr als 450 Flüge gestrichen. Die Passagierzahlen im Jahr 2012 lagen bei 2.447.001, was 113.022 (4,4 Prozent) weniger als im Jahr zuvor war. Auch die Zahl der Starts und Landungen sank um 675 (1,5 Prozent) auf 44.737.
Dennoch zeigte sich im vierten Quartal eine Trendwende. Die Passagierzahlen lagen im Oktober, November und Dezember jeweils über denen des Vorjahresmonats. Im Dezember stiegen in Bremen 170.058 Passagiere aus den Fliegern und in die Flieger, was knapp 8.000 (4,8 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor war.
Als "großen Erfolg" verbuchte der Airport im vergangenen Jahr die Ansiedlung der Fluglinie "Germania". Die Berliner haben drei Flugzeuge in Bremen stationiert und ihr Streckennetz ausgebaut. Im Sommerflugplan flog Germania 18 Ziele von der Hansestadt aus an.
Fazit
Die Sanierung der Start- und Landebahn des Flughafens Bremen im August 2012 stellte ein bemerkenswertes Beispiel für eine effiziente und zeitlich begrenzte Großbaumaßnahme dar. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem externen Fachplaner A.C.E. – Airport Consulting Engineers und die sorgfältige Planung gelang es, die notwendigen Arbeiten in nur 96 Betriebsstunden abzuschließen.
Die Entscheidung für eine vollständige, wenn auch kurzzeitige Sperrung der Startbahn erwies sich als richtig, da dies eine qualitativ hochwertige und dauerhafte Lösung ermöglichte. Die Maßnahme war notwendig, um den sicheren Flugbetrieb langfristig zu gewährleisten und den hohen Anforderungen an die Startbahn, insbesondere für die Schwerlastverkehre von Airbus, gerecht zu werden.
Die Auswirkungen auf den Flugbetrieb und die Passagierzahlen waren zwar kurzfristig spürbar, doch die langfristigen Vorteile überwiegen deutlich. Die modernisierte Startbahn bietet nun eine sichere und hochwertige Infrastruktur für den Flugverkehr in Bremen und trägt zur Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens bei.