Einleitung
Das Agrippabad in der Kölner Innenstadt steht vor einer umfassenden Sanierung, die die Besucherstruktur und die Bäderlandschaft der Stadt erheblich beeinflussen wird. Nach gut 25 Jahren seit der letzten größeren Modernisierung wird das traditionsreiche Bad für geschätzte 20 Millionen Euro renoviert. Die Maßnahmen konzentrieren sich besonders auf die charakteristische, gläserne Schrägfassade und den Saunabereich. Die geplante Schließung von rund anderthalb Jahren stellt sowohl für die Badegäste als auch für die Kölner Bäder GmbH eine erhebliche Herausforderung dar. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Sanierung, die geplanten Maßnahmen und die Auswirkungen auf die städtische Infrastruktur.
Geschichte und aktueller Zustand des Agrippabads
Das Agrippabad zählt zu den ältesten und bekanntesten Schwimmbädern Kölns. Es wurde zwischen 1956 und 1958 nach den Plänen der Architekten Hansotto Schaefler und Wolfgang Bleser als Hallenbad errichtet. Die Anlage entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der beliebtesten Bäder der Stadt, das jährlich von Hunderttausenden Besuchern frequentiert wird.
Die letzte grundlegende Sanierung fand zwischen 1998 und 2001 statt, wobei damals 28 Millionen Euro investiert wurden. In diesem Zuge erhielt das Bad auch die markante Glasfront, die heute sein charakteristisches Erscheinungsbild prägt. Seit dieser letzten großen Überarbeitung hat sich jedoch der Zustand der Anlage deutlich verschlechtert. Die Technik, insbesondere im Saunabereich, gilt als marod und entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik.
Besonders stark frequentiert war das Bad vor der Corona-Pandemie. Im Jahr 2019 zählte das Agrippabad rund 430.000 Besucher, was es zum zweitmeistbesuchten kommunalen Bad nach dem Lentpark machte. Die Pandemie führte jedoch zu einem deutlichen Rückgang der Besucherzahlen auf zuletzt etwa 170.000 Gäste im Jahr 2021. Einige Quellen nennen auch eine Zahl von 120.000 Besuchern für das Jahr 2021, was auf unterschiedliche Zählmethoden oder Berichtszeiträume hindeuten könnte.
Das Bad bietet verschiedene Einrichtungen, darunter einen Sprungbereich mit Zehn-Meter-Turm, eine 130 Meter lange Röhren-Wasserrutsche, ein 25-Meter-Sportbecken und einen Außenbereich. Für Vereine und Schulen spielt das Agrippabad eine wichtige Rolle im Sport- und Schwimmprogramm der Stadt.
Geplante Sanierungsmaßnahmen
Die bevorstehende Sanierung des Agrippabads ist eines der größten Bauprojekte der Kölner Bäder GmbH in den kommenden Jahren. Die geplanten Maßnahmen umfassen zwei Hauptbereiche: die Neugestaltung der Saunalandschaft und die Überarbeitung der charakteristischen, gläsernen Schrägfassade. Allein die Fassadensanierung wird nach internen Planungen rund elf Millionen Euro kosten.
Die Saunalandschaft soll vollständig erneuert werden, da die bestehende Technik nicht nur veraltet, sondern auch reparaturanfällig ist. Laut Aussage von Claudia Heckmann, Geschäftsführerin der KölnBäder GmbH, möchte man "den Charme der 90er Jahre etwas verlassen" und betont: "Die Technik ist wirklich marode geworden. Es macht keinen Sinn, da weiter herumzuflicken."
Auch der Fitnessbereich AgrippaFit soll modernisiert werden. Hier sind neue Umkleiden und Duschen geplant. Während der Sanierungszeit bleibt der Fitnessbereich jedoch geöffnet, wie die KölnBäder GmbH bereits mitgeteilt hat.
Bei der Fassade handelt es sich um ein zum Teil denkmalgeschütztes Bauwerk aus dem Jahr 1958, das 2001 seine charakteristische gläserne Schrägform erhielt. Die Sanierung muss hier die Grenzen der Statik des Dachs berücksichtigen. Ein zentrales Ziel ist die energetische Optimierung der Fassade, da die aktuelle Dämmung um 30 bis 40 Prozent weniger effizient ist als moderne Alternativen.
Planungsprozess und Herausforderungen
Die Planung der Sanierung gestaltete sich für die KölnBäder GmbH weitaus komplexer als zunächst angenommen. Ursprünglich war geplant, die Arbeiten im laufenden Betrieb durchzuführen. Diese erwies sich jedoch als unrealistisch, da der Prozess sich über einen Zeitraum von etwa vier Jahren erstreckt hätte und das Bad mehrfach für kürzere Phasen komplett hätte geschlossen werden müssen.
Statentschieden sich die Verantwortlichen für eine vollständige Schließung von etwa anderthalb Jahren, um die zügigere Umsetzung zu gewährleisten. Ein weiterer Rückschlag im Planungsprozess war, dass sich für die erste Ausschreibung der Detailplanung kein Bewerber fand. Claudia Heckmann bestätigte: "Die Detailplanung des Projekts sollte längst begonnen haben. Wir mussten den Planungsauftrag jedoch neu ausschreiben, weil sich beim ersten Mal niemand beworfen hatte."
Die Kölner Bäder GmbH befindet sich nun auf der "Zielgeraden" der Suche nach einem geeigneten Planungsbüro. Nach Abschluss der Detailplanungen müssen die einzelnen Gewerke noch separat ausgeschrieben werden. Ein exakter Zeitplan für die Sanierung kann nach Angaben der Bäder erst nach Abschluss dieser Detailplanungen erstellt werden.
Die geplante Baubeginn liegt im Laufe des Jahres 2025, wobei das Bad voraussichtlich für rund 15 Monate geschlossen sein wird. Während dieser Zeit sollen Schwimmbad, Sauna und Fitnessstudio teilweise parallel schließen, wobei eine Wiedereröffnung einzelner Bereiche je nach Baufortschritt schon früher möglich ist.
Finanzielle Aspekte der Sanierung
Die Kosten für die Sanierung des Agrippabads werden auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt. Diese Summe erscheint im Vergleich zur letzten großen Sanierung zwischen 1998 und 2001 (28 Millionen Euro) zunächst moderat, berücksichtigt jedoch die Inflation über die Jahrzehnte hinweg.
Interessant ist der Widerspruch in den Berichten über die geplanten Kosten. Während die meisten Quellen von rund 20 Millionen Euro ausgehen, hatte der damalige Geschäftsführer der KölnBäder GmbH, Berthold Schmitt, bereits 2018 erklärt: "Es werden keine 20 Millionen Euro sein, aber bestimmt mehr als drei oder vier Millionen Euro." Diese Aussage könnte auf eine frühe Planungsphase hinweisen, in der die Kosten noch nicht final kalkuliert waren.
Die Finanzierung der Maßnahme erfolgt durch die Stadt Köln als Trägerin der Kölner Bäder GmbH. Die hohen Investitionskosten sind Teil der strategischen Ausrichtung der Stadt, ihre öffentliche Badeinfrastruktur zu modernis und zukunftsfähig zu erhalten.
Auswirkungen auf die Kölner Badeinfrastruktur
Die Schließung des Agrippabads für anderthalb Jahre stellt eine erhebliche Lücke in der Kölner Badeinfrastruktur dar. Das Bad ist nach dem Lentpark das am zweithäufigsten besuchte kommunale Schwimmbad der Stadt. Die Schließung wird nicht nur die Badegäste betreffen, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf den Schul- und Vereinssport haben.
Vereine und Schulen, die bisher das Agrippabad für ihr Trainingsprogramm nutzten, werden auf andere Einrichtungen ausweichen müssen. Dies wird insbesondere in den Stoßzeiten zu Engpässen führen können. Die Kölner Bäder GmbH plant daher bereits alternative Angebote, um die Auswirkungen zu minimieren.
Neben der sportlichen Nutzung geht mit der Schließung auch ein erheblicher finanzieller Verlust einher. Das Agrippabad trug vor der Pandemie mit seinen Eintrittsgeldern erheblich zum Umsatz der Kölner Bäder bei. Der Wegfall dieser Einnahmen über anderthalb Jahre stellt die Wirtschaftlichkeit der gesamten Bädergruppe vor Herausforderungen.
Vorübergehende Schließungen im Jahr 2025
Bereits im Jahr 2025 musste das Agrippabad für einen längeren Zeitraum geschlossen werden. Geplant war eine Revisionsschließung von zwei Wochen, die sich jedoch aufgrund unerwarteter Schäden in den Duschräumen auf einen ganzen Monat verlängerte.
Bei den jährlichen Revisionsschließungen wird das komplette Wasser des Bades abgelassen, Fugen werden kontrolliert und alle Anlagen werden gereinigt. Bei dieser Gelegenstellt man jedoch Schäden an den Lüftungskanälen in den Duschen fest, die umgehend behoben werden mussten. "Um die Lüftungskanäle zu reparieren, mussten zum Teil die Decken in den Duschräumen entfernt werden, um die Leitungen zu erneuern", erklärte eine Sprecherin der KölnBäder.
Die Wiedereröffnung erfolgte am 24. März 2025, jedoch mit verkürzten Öffnungszeiten. Das Bad öffnete erst um 17 Uhr, da vormittags eine Betriebsversamlerstattung für die Beschäftigten stattfand.
Diese kurzfristige Schließung gab bereits einen Vorgeschmack auf die längere, geplante Schließung ab Ende 2025, die dann die eigentliche Sanierung umfassen wird.
Fazit
Die Sanierung des Agrippabads ist ein notwendiges und ambitioniertes Projekt, das die Kölner Badeinfrastruktur für die kommenden Jahrzehnte zukunftsfähig machen soll. Die Investition von rund 20 Millionen Euro in die Modernisierung der Saunalandschaft, der Fassade und des Fitnessbereichs wird nicht nur den Besucherkomfort erhöhen, sondern auch die Energieeffizienz des Gebäudes deutlich verbessern.
Die Herausforderungen bei der Planung und die notwendige, längere Schließzeit von anderthalb Jahren stellen sowohl für die Kölner Bäder GmbH als auch für die Badegäste eine große Belastung dar. Die Schließung wird die Verfügbarkeit von Schwimm- und Sportmöglichkeiten in der Innenstadt erheblich einschränken und finanzielle Einbußen für die Stadt bedeuten.
Dennoch ist die Maßnahme langfristig notwendig, um den Bestand dieses wichtigen Kultur- und Sportortes in der Kölner Innenstadt zu sichern. Die Sanierung wird dem Agrippabad ermöglichen, seine Rolle als zentraler Treffpunkt für Schwimmsport, Wellness und Freizeit auch in Zukunft erfüllen zu können.
Quellen
- Kölner Stadt-Anzeiger: Agrippabad Köln: Viele Neuerungen für die Gäste
- Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner Agrippabad bleibt weiter geschlossen
- Express: Köln: Agrippabad schließt für mehr als ein Jahr
- Rundschau-Online: Kölnbäder: Agrippabad in Köln schließt für mehr als ein Jahr
- Rundschau-Online: Köln: Modernisierung des Agrippabads wird neu ausgeschrieben
- Kölner Stadt-Anzeiger: Millionen-Sanierung: Agrippabad droht längere Schließung
- Kölner Stadt-Anzeiger: Köln: Agrippabad öffnet am Montag wieder