Air Berlin: Sanierungsversuche und die Zukunft der deutschen Fluggesellschaft

Einleitung

Air Berlin, einst die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, befand sich seit Jahren in einer tiefen finanziellen Krise, die mehrere Sanierungsversuche und den Wechsel mehrerer CEOs erforderte. Die Airlineschiffahrtsgesellschaft kämpfte mit Verlusten in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro und einem negativen Eigenkapital von 575 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalquote von minus 32 % entsprach. Dieser Artikel beleuchtet die Sanierungsbemühungen der Airline, die geplanten Maßnahmen und die Zukunftsaussichten aus der Perspektive der zur Verfügung stehenden Informationen.

Die Krise von Air Berlin

Air Berlin befand sich bereits vor Jahren in finanziellen Schwierigkeiten, die sich über mehrere Jahre hinweg verschärften. Nach Angaben aus den Quellen schrieb die Fluggesellschaft seit Jahren "tiefrote Zahlen" und benötigte ständige finanzielle Unterstützung durch ihren Großaktionär Etihad, der an Air Berlin gut 29 % der Anteile hielt.

Die finanzielle Situation der Airline war so prekär, dass sie unlängst eine Sammelanleihe von Etihad und deren Beteiligungen auflegte, die jedoch "floppte". Statt der angestrebten 1,3 Milliarden Euro wurden nur 500 Millionen Euro eingesammelt, was die finanzielle Notlage des Unternehmens weiter verdeutlicht.

Die Sanierungsversuche und ihre Akteure

Die Sanierung von Air Berlin erwies sich als äußerst komplex und wurde von mehreren CEOs versucht, ohne nachhaltigen Erfolg:

  • Joachim Hunold
  • Hartmut Mehdorn
  • Wolfgang Prock-Schauer
  • Stefan Pichler

Auch der seit gut einem halben Jahr amtierende Vorstandschef Stefan Pichler, ein ehemaliger Thomas-Cook-Chef, hatte mit den Sanierungsbemühungen "schwerer als gedacht" zu kämpfen. Zwar hatte er angekündigt, dass es "Schlag auf Schlag gehen" werde, doch der vierte Sanierungsplan innerhalb von wenigen Jahren war offensichtlich noch nicht fertig oder widersprach in wichtigen Punkten den Interessen von Etihad.

Geplante Sanierungsmaßnahmen

Der aktuelle Sanierungsplan, der im Oktober 2017 vom Verwaltungsrat in London beraten werden sollte, sah drastische Maßnahmen vor:

Personalabbau

  • Abbau von 200 Piloten-Stellen
  • Kündigung von mindestens 300 Jobs in der Verwaltung

Unternehmensstrategie

  • Umfangreiche Auslagerung von Geschäftsfeldern an Dienstleister
  • Streichung weiterer Flugstrecken
  • Kooperation mit Tui für einen gemeinsamen Ferienflieger, die jedoch scheiterte

Die Pilotenvereinigung Cockpit reagierte auf diese Pläne bereits mit der Durchplanung von Streikszenarien. Ein Cockpit-Insider erklärte: "Gut möglich, dass wir Air Berlin ähnlich massiv wie die Lufthansa unter Druck setzen müssen."

Rolle der Bundesregierung

Angesichts der prekären Situation kündigte die Bundesregierung an, den Sanierungsprozess von Air Berlin "mit Übergangskrediten aktiv mitzugestalten". Dr. Stefan Schulte, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), begrüßte diese Entscheidung:

"Wir begrüßen sehr, dass die Bundesregierung heute angekündigt hat, den Prozess der Sanierung von Air Berlin in dieser schwierigen Phase mit Übergangskrediten aktiv mitzugestalten. Das ist eine gute Entscheidung für den Luftfahrtstandort Deutschland, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Kunden von Air Berlin."

Die Bundesregierung machte jedoch ihre Unterstützung von einem überzeugenden Zukunftskonzept abhängig. Luftverkehrsexperte Gerald Wissel vermutete, dass Etihad seine Finanzierungszusagen davon abhängig gemacht habe, "dass sich auch der deutsche Staat an der Rettung beteiligt. Keiner hat Interesse an einer harten Pleite der Air Berlin."

Auswirkungen auf Kunden und Mitarbeiter

Kunden

Die Reisenden mussten sich keine Sorgen machen, "auf ihren gebuchten Flugtickets sitenzubleiben", so der BDL-Präsident. Der Flugbetrieb war für die Zukunft zunächst gesichert. Allerdings kam es bereits seit Ende März (Beginn des Sommerflugplans) zu Flugausfällen und großen Verspätungen, da das Unternehmen die Neuordnung seines Netzes mangelhaft geplant hatte. Teilweise fehlte es an Flugzeugen und Kabinenpersonal.

Mitarbeiter

Die direkten Arbeitsplätze an den Flugzeugen (rund 5500 Jobs in Deutschland) hatten laut Gewerkschaft Verdi wohl am wenigsten zu befürchten. Ernsthaft bedroht waren jedoch die Positionen in der Air-Berlin-Verwaltung, die zu einem großen Teil durch Personal von Eurowings ersetzt werden könnten.

Tochtergesellschaft Niki

Die geplante, aber noch nicht vollzogene Verkauf der Niki-Anteile von Air Berlin an Etihad sollte laut Aussage beider Parteien über die Bühne gebracht werden. Die vereinbarten 300 Millionen Euro für den Deal waren bereits geflossen, so dass die Frage einer Rückzahlung vorerst nicht gestellt werden musste. Bis auf weiteres übernahm Niki die Urlaubsflüge des Air-Berlin-Konzerns, während die Mutter die Langstrecken und den Metropolenverkehr in Europa betrieb.

Mögliche Übernahme durch Lufthansa

Obwohl Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann auch von anderen Interessenten sprach, galt eine Übernahme durch die Lufthansa als naheliegendste Lösung, sofern die kartellrechtlichen Probleme gelöst würden. Lufthansa hatte ein Interesse, "auf ihrem Heimatmarkt keine neue Konkurrenz entstehen zu lassen."

Lufthansa hatte seine Billig-Plattform Eurowings genau so aufgebaut, "dass jederzeit eigenständige Gesellschaften in unterschiedlicher Intensität andocken können." Luftverkehrsexperte Wissel vermutete: "An der Marke Air Berlin hat die Lufthansa nach meiner Einschätzung kein Interesse." Die Jets einer möglichen "Air Berlin neo" würden dann in Eurowings-Farben auf Strecken starten, die in der Kölner Eurowings-Zentrale geplant würden.

Fazit

Die Sanierungsbemühungen von Air Berlin gestalteten sich als äußerst komplex und herausfordernd. Trotz mehrerer Versuche durch verschiedene CEOs gelang es nicht, die Fluggesellschaft nachhaltig zu stabilisieren. Die geplanten Maßnahmen wie Personalabbau, Streckenstreichungen und Auslagerungen von Geschäftsfeldern sollten die Wirtschaftlichkeit verbessern, stießen jedoch auf Widerstand von Arbeitnehmervertretungen.

Die Unterstützung durch die Bundesregierung in Form von Übergangskrediten bot eine kurzfristige Lösung, langfristig blieb die Frage nach der Zukunft der Airline offen. Eine Übernahme durch Lufthansa mit Integration in Eurowings schien die wahrscheinlichste Lösung, was jedoch kartellrechtliche Herausforderungen mit sich gebracht hätte.

Letztendlich scheiterten die Sanierungsbemühungen, und Air Berlin musste Insolvenz anmelden. Die Marke, die "nur für gute Verbindungen nach Europa und in die ganze Welt" stand und "auch unsere Hauptstadt" repräsentierte, ging als wichtige Säule des deutschen Luftverkehrs verloren.

Quellen

  1. Sanierungsplan für Air Berlin wird erst später abgesegnet
  2. Air-Berlin-Piloten spielen Streikszenarien durch
  3. Gute Entscheidung zur Zukunftssicherung der Air Berlin
  4. Neuer Air-Berlin-Chef stellt erste Sanierungsschritte vor
  5. Air-Berlin-News: Aktuelle Nachrichten zur insolventen Airline
  6. Air Berlin-Sanierungsplan bei Air Berlin geplatzt - Was heißt das für Kunden?

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