Schafwolle als nachhaltige Lösung für Schadstoffsanierung und Raumluftverbesserung: Das airwool-Verfahren

Einleitung

Die Qualität der Raumluft in Gebäuden gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Gesundheit der Bewohner. Besonders in Bestandsgebäuden, insbesondere in Schulen und Kindergärten, finden sich oft erhöhte Schadstoffkonzentrationen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. Einer der häufigsten Schadstoffe ist Formaldehyd, der seit Juni 2014 innerhalb der EU als krebserzeugend eingestuft und ab April 2015 mit einer neuen Kennzeichnungspflicht versehen wurde. Diese Entwicklung stellt Bauträger, Vermieter, Planer und die gesamte Bauwirtschaft vor erhebliche Herausforderungen.

Als nachhaltige Lösung zur Schadstoffsanierung und Raumluftverbesserung hat sich das airwool-Verfahren etabliert, das auf den besonderen Eigenschaften von Schafwolle basiert. Dieses Verfahren wird bereits seit Jahren für nachhaltige Sanierungen eingesetzt, unter anderem in Schulen und Kindergärten. Die Funktionalität über lange Zeiträume wurde unter anderem vom Deutschen Wollforschungsinstitut an der Universität Aachen, in Kooperation mit dem eco-Institut in Köln, nachgewiesen.

Schadstoffe im Gebäudebestand und ihre Gesundheitsrisiken

In vielen Bestandsgebäuden, insbesondere solchen, die in den 1970er und 1980er Jahren errichtet wurden, finden sich erhöhte Konzentrationen von Schadstoffen in der Raumluft. Besonders problematisch sind dabei flüchtige organische Verbindungen (VOCs) und Formaldehyd, die aus Baumaterialien wie Spanplatten, Klebstoffen, Farben und Lacken freigesetzt werden.

Die steigenden Anforderungen an "emissionsarme Gebäude" durch diverse Gebäudezertifikate mit definierten Raumluftwerten sowie die rechtlichen Grundlagen zum Thema "Wohngesundheit" stellen eine erhebliche Herausforderung dar. Besonders besorgniserregend ist die Situation in Schulen und Kindergärten, da Kinder eine erhöhte Atemrate haben und daher eine verstärkte Aufnahme von Schadstoffen erfolgt.

Bei Verdacht auf Belastungen sollte daher unverzüglich gehandelt werden. Die herkömmlichen Sanierungsmethoden sind oft aufwendig und teuer, da stark belastete Materialien vollständig entfernt und ersetzt werden müssen. Eine innovative Alternative bietet das airwool-Verfahren, das auf den besonderen Eigenschaften von Schafwolle basiert.

Das airwool-Verfahren: Grundlagen und Funktionsweise

Das airwool-Verfahren nutzt die besonderen Eigenschaften von Schafwolle zur Sanierung von Schadstoffen und zur Verbesserung der Raumluftqualität. Dabei handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff mit herausragenden technischen und gesundheitlichen Vorteilen.

Die besonderen Eigenschaften von Schafwolle

Schafwolle besitzt die Fähigkeit, zahlreiche Raumschadstoffe wie Formaldehyd und VOCs definitiv abzubauen. Viele andere Schadstoffe werden dauerhaft in der Wollstruktur gebunden. Diese Eigenschaft macht Schafwolle zu einem idealen Material für die Schadstoffsanierung.

Das verwendete Produkt ist eine speziell modifizierte Schafwolle, die in Form eines Vlieses zum Einsatz kommt. Die Funktionalität über lange Zeiträume wurde von unabhängigen Instituten nachgewiesen. Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit zur Zersetzung von Formaldehyd, was durch Forschungsberichte des Deutschen Wollforschungsinstituts in Aachen belegt ist.

Die wissenschaftliche Grundlage

Die Wirksamkeit des airwool-Verfahrens wird durch mehrere wissenschaftliche Untersuchungen gestützt:

  • Das Deutsche Wollforschungsinstitut Aachen (DWI)
  • Das eco-Umweltinstitut Köln
  • Dissertationen des DWI Aachen (Edith Claßen, Stefan Thome)
  • Publikationen auf der Indoor Air 99 Konferenz zum Thema Formaldehydabbau

Diese Forschungen belegen die Langzeitwirksamkeit der Schafwolle bei der Sanierung von Schadstoffen und ihrer Eignung für den Einsatz in Gebäuden.

Anwendungsbereiche der Schafwolle in der Sanierung

Schafwolle bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Sanierung und des gesunden Bauens. Die besonderen Eigenschaften des Materials machen es für verschiedene Einsatzgebiete geeignet.

Schadstoffsanierung in Schulen und Kindergärten

Ein wesentlicher Anwendungsbereich des airwool-Verfahrens ist die Sanierung von Schulen und Kindergärten. Aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Schadstoffen und ihrer höheren Atemrate ist hier besonders schnelles Handeln erforderlich.

In diesen Einrichtungen wird Schafwollvlies zur nachhaltigen Sanierung eingesetzt, um Schadstoffe wie Formaldehyd und VOCs zu binden und abzubauen. Die Langzeitwirkung des Materials wurde in zahlreichen Projekten nachgewiesen.

Präventiver Einsatz im Neubau

Nicht nur bei der Sanierung bestehender Gebäude, sondern auch im präventiven Einsatz zeigt Schafwolle ihre Vorteile. So wird es zur Raumluftverbesserung im Neubaubereich für Großraumbüros eingesetzt. Ein Beispiel ist das Gesundheitshaus Leverkusen, bei dem auf 7000 m² Schafwollvlies präventiv zur Raumluftverbesserung installiert wurde.

Besonders bei der Errichtung allergikerfreundlicher Häuser hat das Vlies eine besondere Funktion zur Verminderung natürlicher Allergene und Reizstoffe.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Im Bereich Bauen und Wohnen bewährt sich Schafwolle aufgrund zahlreicher technischer und gesundheitlicher Vorteile:

  • Als "raumluftverbessernde" Teppiche und dekorative Vliese
  • Als schadstoffabsorbierende Wandbeläge
  • Zur Geruchsreduktion bei Heizölgeruch oder nach Wohnungsbränden
  • Für Wärmedämmverbundsysteme in Kombination mit (schadstoffgeprüften) Pavatex Platten und Baumit-Außenputzen

Technische Durchführung der airwool-Sanierung

Die Durchführung einer Sanierung mit Schafwolle erfordert eine sorgfältige Planung und Umsetzung, um die volle Wirksamkeit des Materials zu gewährleisten. Die Vorgehensweise hängt stark von der Art und dem Ausmaß der Schadstoffbelastung ab.

Sanierung bei stark belasteten Spanplatten

Die häufigste Ursache für Formaldehydbelastungen in älteren Fertighäusern sind die damals verwendeten Spanplatten. Die optimale Vorgehensweise bei der Sanierung ist:

  1. Entfernen/Austauschen der belasteten Spanplatten
  2. Erneuerung der ebenfalls stark belasteten Dämmung gegen eine neue, gesundheitlich unbedenkliche Dämmung (bevorzugt ebenfalls Schafwolle)

In Bereichen, in denen ein Austausch aus statischen Gründen nicht möglich ist, sollten stark belastete Spanplatten möglichst "fugendicht" (überlappend) mit einem dünnen Schafwoll-Vlies "abgedeckt" (getackert) werden. Dadurch muss der Schadstoff das Vlies erst durchdringen, um die Innenraumluft belasten zu können. Bei diesem Durchdringen erfolgt der Abbau des Formaldehyds.

Weitere Sanierungsschritte

Nach der Abdeckung mit Schafwollvlies kann als Innenabdeckung eine unbedingt umfassend schadstoffgeprüfte Gipskartonplatte angebracht werden. Optimal empfohlen wird jedoch die "Fermacell greenline" (schadstoffgeprüft, eco-Institut Label) mit ebenfalls nachgewiesen zusätzlich formaldehydabbauender Funktion.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Abdichtung der Elektroinstallationsausgänge (vor allem Steckdosen). Hier sind gasdichte Gerätedosen erforderlich, um einen Formaldehyd-Einzug aus der Dämmebene, beispielsweise aus der Steckdose, zu vermeiden.

Anforderungen an die Schafwollprodukte

Bei allen "baulichen" Einsatzmöglichkeiten von Schafwolle und Schafwollvliesen ist auf folgende Aspekte zu achten:

  • Die Produkte müssen mit einem gesundheitlich unbedenklichen Mottenschutz mit Langzeitfunktion ausgestattet sein
  • Ihre "Schadstoffarmut" (beispielsweise Pyrethroide, Rückstände aus der Wollwäscherei, starker Eigengeruch durch unzureichende Wollwäsche) muss durch entsprechend umfassende Schadstoffprüfberichte belegen werden

Diverse Gütezeichen und Zertifikate ohne entsprechende komplette Prüfberichte reichen nicht für eine gesundheitliche Bewertung aus.

Vorteile und Grenzen der Schafwoll-Sanierung

Die Sanierung mit Schafwolle bietet zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden, weist aber auch gewisse Grenzen auf, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen.

Vorteile des airwool-Verfahrens

  1. Nachhaltigkeit: Schafwolle ist ein nachwachsender Rohstoff und somit ökologisch besonders wertvoll.

  2. Langzeitwirkung: Im Gegensatz zu vielen anderen Sanierungsmethoden, bei denen Schadstoffe nur temporär aufgenommen und nach einigen Jahren wieder freigesetzt werden können, bietet Schafwolle eine dauerhafte Lösung.

  3. Mehrfunktionales Material: Schafwolle bindet nicht nur Schadstoffe, sondern verbessert auch die Dämmeigenschaften des Gebäudes und trägt zu einem gesünderen Raumklima bei.

  4. Geringere Eingriffe: In vielen Fällen kann auf aufwendiges Entfernen von Bauteilen verzichtet werden, was Kosten und Lärm reduziert.

  5. Wissenschaftlich belegt: Die Wirksamkeit des Verfahrens wird durch anerkannte Forschungsinstitute wie das DWI Aachen und das eco-Institut Köln belegt.

Grenzen und Einschränkungen

  1. Anwendungsbereich: Die Wirksamkeit von Schafwolle ist auf bestimmte Schadstoffe wie Formaldehyd und VOCs beschränkt. Für andere Schadstoffe ist die Materialbindung möglicherweise nicht dauerhaft.

  2. Statische Gegebenheiten: In Bereichen, in denen statische Gründe den Austausch von Bauteilen verhindern, ist die Wirksamkeit der Sanierung eingeschränkt.

  3. Qualitätsunterschiede: Nicht alle Schafwollprodukte auf dem Markt erfüllen die hohen Anforderungen an Schadstoffarmut und Langzeitwirkung. Eine sorgfältige Produktauswahl ist unerlässlich.

  4. Kosten: Hochwertige Schafwollprodukte sind mit 20-30 Euro pro Quadratmeter teurer als herkömmliche Dämmmaterialien.

Wirtschaftlichkeit und Praxiserfahrungen

Die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung mit Schafwolle hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art und das Ausmaß der Schadstoffbelastung, die Größe des zu sanierenden Objekts und die gewählte Sanierungsstrategie.

Kostenvergleich

Die Kosten für ökologische Dämmstoffe variieren je nach Material. Schafwolle kostet etwa 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich:

  • Hanf: 15 bis 25 Euro pro Quadratmeter
  • Zellulose: 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter
  • Holzfasern: 16 bis 40 Euro pro Quadratmeter
  • Mineralwolle: 5–15 Euro pro Quadratmeter

Obwohl Schafwolle im Vergleich zu Mineralwolle teurer ist, bieten die gesundheitlichen Vorteile und die Mehrfunktionalität des Materials oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, besonders bei der Schadstoffsanierung.

Praxiserfahrungen

Aus verschiedenen Sanierungsprojekten liegen positive Erfahrungen mit Schafwolle vor:

  • In einem Thüringer Fachwerkhaus verbesserte Schafwolle die Luftqualität spürbar.
  • Holzfasern wurden in einem bayerischen Passivhaus für ihre Langlebigkeit geschätzt, trotz aufwendigerer Montage.
  • In Berlin überzeugte Hanf durch einfache Verarbeitung und Schimmelfestigkeit, was die Wohnqualität steigerte.

Fördermöglichkeiten

Bei der energetischen Sanierung von Fassaden können Fördermöglichkeiten in Anspruch genommen werden. Wird eine vorhandene EPS- oder XPS-Dämmung der Fassade in einer Dicke von 60 Millimetern durch eine Überdämmung mit 120 Millimeter dicken Steinwolle-Dämmplatten optimiert, dann ist die Fassadensanierung förderfähig, da ein U-Wert von < 0,20 W/(m²K) erreicht wird.

Vergleich mit anderen Sanierungsmethoden

Bei der Sanierung von Schadstoffen in Gebäuden stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Jede dieser Methoden hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Herkömmliche Sanierungsmethoden

Traditionelle Sanierungsmethoden konzentrieren sich darauf, stark belastete Materialien vollständig zu entfernen und durch schadstofffreie Alternativen zu ersetzen. Dieser Ansatz ist oft aufwendig, teuer und mit erheblichen Eingriffen in die Bausubstanz verbunden.

Nachteilig ist auch, dass bei herkömmlichen Methoden Schadstoffe oft nur in andere Bauteile verlagert werden, ohne dass sie tatsächlich abgebaut werden. Zudem ist die Wirksamkeit oft auf die unmittelbare Nachsanierungsphase beschränkt, ohne Langzeiteffekte.

Weitere ökologische Sanierungsmethoden

Neben Schafwolle werden auch andere ökologische Dämmstoffe im Sanierungsbereich eingesetzt:

  • Holzfasern: Als Platten geschraubt oder geklebt, häufig als Aussendämmung verwendet. Sie sind diffusionsoffen, was Feuchtigkeitsstau verhindert und die Schimmelprävention fördert.
  • Hanf: Ebenfalls diffusionsoffen und einfach zu verarbeiten, zeigt gute Schimmelfestigkeitseigenschaften.
  • Zellulose: Kann Heizkosten deutlich senken, wie in einem Münchner Sanierungsprojekt nachgewiesen wurde (Reduktion um 20 %).

Im Vergleich zu diesen Materialien bietet Schafwolle den Vorteil der aktiven Schadstoffbindung und -abbau, während andere Materialien hauptsächlich passive Dämmeigenschaften aufweisen.

Fazit

Das airwool-Ver

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