Sanierung und Entwicklung der Akademie der Künste am Pariser Platz: Ein komplexes Bauvorhaben in Berlin

Einleitung

Die Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin-Mitte stellt ein bedeutendes architektonisches und kulturelles Ensemble dar. Das Gebäude, das Teil des historischen Berliner Stadtbilds ist, wurde in den vergangenen Jahren umfassenden Sanierungs- und Umbaumaßnahmen unterzogen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Phasen der Sanierung, von den ursprünglichen Planungsarbeiten bis zur nachträglichen Installation der Klimaanlage, sowie die architektonischen Besonderheiten und Herausforderungen des Projekts. Die Akademie der Künste, mit ihrer herausragenden Sammlung an Architekturmodellen und ihrer Bedeutung für die Berliner Kulturlandschaft, steht dabei als Beispiel für die Komplexität moderner Sanierungsprojekte in denkmalgeschützten Bereichen.

Geschichte und ursprüngliche Planung

Die Akademie der Künste am Pariserplatz wurde als Teil eines größeren städtebaulichen Konzepts entwickelt, das die Rückkehr der Institution an ihren traditionsreichen Standort vorsah. Das Gebäude unterliegt teilweise dem Denkmalschutz, was die Planung und Durchführung von Sanierungsmaßnahmen erheblich beeinflusste. Der ursprüngliche Entwurf für den Bestand stammt vom Architekturbüro Behnisch & Partner aus Stuttgart, während die Planung der Sanierungsarbeiten von rw+ Architekten übernommen wurde.

Das Projekt begann 2008 und umfasste die Grundleistungen der Objektplanung nach HOAI-Leistungsphasen 2 bis 8. Die Gesamtkosten für diese erste große Sanierungsphase wurden mit 7,5 Millionen Euro veranschlagt. Der Auftraggeber war die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, was die öffentliche Bedeutung des Unterfangens unterstreicht. Die Sanierungsarbeiten konzentrierten sich auf die gebäudetechnischen und hochbauseitigen Aspekte sowie auf die Funktionsanpassung des denkmalgeschützten Gebäudes.

Erste Sanierungsphase (2008-2012)

Die erste große Sanierungsphase von 2008 bis 2012 konzentrierte sich auf die grundlegende Instandsetzung und Modernisierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Dabei handelte es sich um ein komplexes Unterfangen, das den Kompromiss zwischen Erhaltung der historischen Bausubstanz und Einführung moderner technischer Anforderungen herstellen musste.

Die Herausforderungen dieser Phase waren vielfältig: Einerseits musste die strukturelle Integrität des teilweise denkmalgeschützten Baus erhalten bleiben, andererseits mussten moderne technische Standards und Nutzungsanforderungen umgesetzt werden. Die Arbeiten umfassten die Sanierung der Fassade, die Modernisierung der technischen Anlagen sowie die Anpassung der Innenräume an die neuen Nutzungsbedürfnisse der Akademie der Künste.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Integration des Gebäudes in den städtebaulichen Kontext des Pariser Platzes, einem der repräsentativsten Plätze Berlins. Die Glasfassade, die später Gegenstand kontroverser Diskussionen wurde, war Teil dieses Konzepts, das Transparenz und Öffentlichkeit betonen sollte.

Foyersanierung (2015-2016)

Nach Abschluss der umfassenden Sanierungsarbeiten von 2008-2012 folgte 2015-2016 eine spezifische Sanierung des Foyers der Akademie. Diese Maßnahme wurde als Teil der Hauptaktion zur gebäudetechnischen Sanierung durchgeführt und konzentrierte sich auf die Neugestaltung des zentralen Eingangsbereichs.

Für diese zweite Sanierungsphase war die Akademie der Künste selbst als Auftraggeber tätig, was die Priorisierung dieses Bereiches für die Institution verdeutlicht. Die Planungsleistungen umfassten wiederum die Grundleistungen der Objektplanung nach HOAI-Leistungsphasen 2 bis 9, was den Umfang der Arbeiten zeigt. Die Kosten für die Foyersanierung beliefen sich auf etwa 500.000 Euro.

Die Gestaltung des Foyers, das als zentraler Verbindungsbereich zwischen Pariser Platz und Behrenstraße konzipiert wurde, stellte besondere Anforderungen an die Architekten. rw+ Architekten, die auch die Hauptsanierung geplant hatten, mussten hier einen Raum schaffen, der sowohl repräsentativ als auch funktional war und gleichzeitig zur architektonischen Gesamtkomposition des Gebäudes beitrug.

Technische Herausforderungen und Klimaanlagennachrüstung

Etwa neun Jahre nach der offiziellen Eröffnung des Gebäudes wurde eine der größten technischen Herausforderungen adressiert: die Installation einer Klimaanlage. Dieses Vorhaben war aus mehreren Gründen von besonderer Bedeutung und löste langjährige Probleme der Institution.

Wie aus Berichten hervorgeht, war das Gebäude von Anfang an mit erheblichen technischen Mängeln behaftet, die teilweise auf Kosteneinsparungen zurückzuführen waren. Aus Kostengründen war auf Drängen des Senats das hintere Grundstücksteil an das Hotel Adlon verkauft worden. Diese Entscheidung, die den verlorenen Platz durch Ausbau in die Tiefe kompensieren sollte, erwies sich im Nachhinein als kostspieliger Fehler. Der Keller begann zu moderieren, und die in den vier Untergeschossen unterzubringenden Sammlungsbestände mussten in Außendepots zwischengelagert werden.

Die Ausstellungshallen des Gebäudes funktionierten ebenfalls nicht wie geplant. Insbesondere in der wärmeren Jahreszeit konnten licht- und feuchtigkeitsempfindliche Objekte nur mit Hilfe von Sondervitrinen präsentiert werden. Diese Einschränkungen beeinträchtigten nicht nur die Nutzungsmöglichkeiten, sondern gefährdeten auch die Erhaltung der wertvollen Sammlungen der Akademie.

Die Baumaßnahmen zur Installation der Klimaanlage begannen im September und sollten voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern. Aufgrund der beengten Verhältnisse rund um den Pariser Platz erfolgte die Baustelleneinrichtung indoor, was vorübergehende Räumungen von Büros und Verlagerungen von Mitarbeitern an andere Standorte der Akademie erforderlich machte.

Die Nachrüstung der Klimaanlage stellte einen entscheidenden Schritt dar, um das Gebäude voll funktionsfähig zu nutzen. Sie ermöglichte die Rückführung der Sammlungsbestände aus den Außendepots und verbesserte die Präsentationsmöglichkeiten für licht- und feuchtigkeitsempfindliche Objekte erheblich.

Architektonische Gestaltung und Besonderheiten

Die Architektur der Akademie der Künste am Pariser Platz ist geprägt vom Entwurf des Architekten Günter Behnisch, der sich durch besondere gestalterische Elemente und innovative Materialwahl auszeichnet. Das Gebäude präsentiert sich als eine komplexe Komposition aus verschiedenen Materialien und Formen, die sowohl ästhetische als auch funktionale Aspekte berücksichtigt.

Die Fassade zum Pariser Platz besteht hauptsächlich aus Glas, ergänzt durch vor und hinter dieser Ebene liegende Elemente, die wie Vorhänge zwischen innen und außen filternd vermitteln. Der äußere "Vorhang" nimmt Maß und Proportion den "architektonischen Apparat" der alten Architekturen auf, wird aber mit zeitgenössischen Materialien und Konstruktionen weiterentwickelt und transformiert. Diese Gestaltung soll dem Gebäude eine gewisse Tiefe verleihen, die über die reine Glasfassade hinausgeht.

Besonders auffällig ist der kräftig-gelb gefärbte Fahrstuhlturm, der aus der gleichmäßig in Fensterstreifen und Geländerbänder geteilten Glasfassade herausragt. Diese Farbigkeit verleiht der Fassade eine asymmetrische Komposition, die an Gemälde des russischen Konstruktivismus erinnert. Weitere gestalterische Details sind die schlanken Handläufe aus hellem Holz, die abgespreizt von den eigentlichen Stahlgeländern montiert sind.

Das zentrale Element des Gebäudeinneren ist das Foyer, das als Rückgrat von Behnischs Entwurf gilt und Pariser Platz und Behrenstraße verbindet. Die Glasdecke über dem Hauptfoyer ist mit Herbstblättern bedruckt und wirft farbige Reflexe auf jene schrägen Scheiben, die wie Splitter in den offenen Raum ragen. Diese gestalterische Elemente schaffen eine besondere Licht- und Raumwirkung, die den Besucher bereits beim Betreten des Gebäudes beeindruckt.

Struktur und Aufteilung des Gebäudes

Die Akademie der Künste gliedert sich in drei Hauptbereiche, die unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich architektonisch voneinander abheben: der Kopfbau zum Pariser Platz, die Räume der Direktoren und Referenten an der westlichen Seite sowie die im Zentrum liegenden alten Ausstellungshallen, die als "Fundstücke" belassen wurden.

Im Kopfbau, der sich direkt zum Pariser Platz hin orientiert, befindet sich im Erdgeschoss das Foyer als zentraler Eingangsbereich. Darüber schließt sich der Lesesaal und die Archivbibliothek an. Vom Foyer aus bietet sich eine axiale Sicht auf die alten Ausstellungshallen, während auf der östlichen Seite die Haupttreppe und das Bistro beginnen, das in den Wintergarten überleitet.

Auf der zweiten Etage des Kopfbaus befinden sich weitere Ausstellungsbereiche und der Plenarsaal. Darüber erstreckt sich ein Dachgarten mit einem großen Glasdach, von dem aus nicht nur der Pariser Platz, sondern auch der Skulpturengarten im Zentrum des Gebäudes auf der zweiten Etage zu überblicken ist.

Die drei Hauptbereiche des Gebäudes sind durch unterschiedliche architektonische Gestaltungsmittel voneinander abgegrenzt, aber gleichzeitig durch das zentrale Foyer und andere Verbindungsflächen miteinander verbunden. Diese Struktur ermöglicht einerseits die räumliche Trennung verschiedener Funktionen, andererseits aber auch die visuelle und funktionale Einheit des Gesamtgebäudes.

Kritische Rezeption und Diskussion

Die Rezeption des Gebäudes war von Anfang an kontrovers und spiegelte die unterschiedlichen Erwartungen an das Projekt wider. Einerseits wurde die Rückkehr der Akademie der Künste an den traditionsreichen Pariser Platz begrüßt, andererseits gab es erhebliche Kritik an der architektonischen Umsetzung.

Ein zentraler Kritikpunkt war die Glasfassade, die von manchen Beobachtern als zu abstrakt und ohne Bezug zum historischen Kontext des Pariser Platzes empfunden wurde. Die Fassade, die matte und glänzende Scheiben in Stäben aufgelöst zeigt, spiegelt zwar den zerstörten Altbau von 1944, kann aber nur von Kennern als solche interpretiert werden. Für die meisten Betrachter erscheint sie als Versuch, einer Glashaut Tiefe zu verleihen, wobei die einzige wahre Tiefe im Blick in die Foyers und Büros besteht.

Besonders im Vergleich zu den benachbarten Bauten, wie dem Berggruen-Museum von Frank O. Gehry mit seiner klaren, skulptural-kraftvollen Architektur, wirkte die Akademie der Künste für manche Kritiker wie "ein nur doktrinär begründetes Loch in der Platzwand, ohne Bezug zu Ort und Zeit". Diese Kritik kontrastiert mit der internen Bewertung der Akademie, die in dem Satz "Die Akademie hat Geschichte - aber die Künstler denken Zukunft" ihren Standpunkt zusammenfasst.

Die technischen Probleme des Gebäudes, insbesondere die fehlende Klimaanlage über viele Jahre, trugen ebenfalls zu der kritischen Wahrnehmung bei. Diese Mängel führten dazu, dass das Gebäude nicht wie geplant genutzt werden konnte und die Sammlungsbestände der Akademie gefährdet waren.

Fazit

Die Sanierung und Entwicklung der Akademie der Künste am Pariser Platz stellt ein komplexes Bauvorhaben dar, das die Herausforderungen des Denkmalsschutzes mit modernen architektonischen und technischen Anforderungen verbinden musste. Die verschiedenen Sanierungsphasen von 2008-2012 und 2015-2016 adressierten unterschiedliche Aspekte des Gebäudes, von der grundlegenden Instandsetzung bis zur spezifischen Gestaltung des Foyers.

Die technischen Herausforderungen, insbesondere die nachträgliche Installation der Klimaanlage fast ein Jahrzehnt nach der Eröffnung, verdeutlichen die Komplexität moderner Sanierungsprojekte, besonders in sensiblen städtebaulichen Kontexten. Diese Maßnahmen waren jedoch entscheidend, um das Gebäude voll funktionsfähig zu machen und die wertvollen Sammlungen der Akademie angemessen zu präsentieren und zu erhalten.

Architektonisch präsentiert sich die Akademie der Künste als ein Gebäude, das durch seine Transparenz und seine Verbindung von Innen und Außen besticht, aber auch durch seine Abstraktion und seine Loslösung vom historischen Kontroversen erregt. Die Kritik an der Gestaltung zeigt die unterschiedlichen Erwartungen an ein solches repräsentatives Gebäude und die Herausforderungen, zeitgenössische Architektur in einem historischen Umfeld zu positionieren.

Trotz aller Herausforderungen und Kontroversen hat die Akademie der Künste am Pariser Platz einen wichtigen Platz im Berliner Stadtbild und in der deutschen Kulturlandschaft etabliert. Die Sanierungsarbeiten haben dazu beigetragen, das Gebäude für die Zukunft zu rüsten und seine Funktion als Zentrum für Kunst und Architektur zu stärken.

Quellen

  1. Akademie der Künste am Pariser Platz, Berlin-Mitte
  2. Akademie der Künste am Pariser Platz, Berlin-Mitte, Foyer
  3. Baukunst am Pariser Platz
  4. Akademie Neubau: Erhalt Klimaanlage nach zehn Jahren
  5. Die Akademie der Künste zieht endlich an den Pariser Platz - in einen Neubau, der zu viel will
  6. Neubau, Erweiterung sowie Umbau und Sanierung Akademie der Künste Berlin

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