Denkmalschutz und Energieeffizienz: Die Sanierungsphilosophie von Albrecht Weber

Einleitung

Albrecht Weber ist ein freier Architekt mit Spezialisierung auf die Sanierung historischer Gebäude. Sein Büro in Langenargen am Bodensee, das "Büro für Baudenkmale", verbindet die denkmalgerechte Erhaltung von Bauwerken mit modernen, energieeffizienten Lösungen. Weber hat sich einen Namen gemacht durch Projekte, die nicht nur den Charakter historischer Bauten bewahren, sondern sie auch für die Zukunft fit machen – durch drastische Reduktion des Energieverbrauchs und Integration zeitgemäßer Technik. Dieser Artikel beleuchtet seine Arbeitsweise, seine wichtigsten Projekte und die besonderen Ansätze, die seine Sanierungsphilosophie auszeichnen.

Werdegang und Qualifikationen

Dipl.-Ing. Albrecht Weber wurde 1961 in Wadern/Saar geboren. Sein Abitur absolvierte er mit Zusatzprofilierung Elektro am Technisch-Wissenschaftlichen Gymnasium in Dillingen/Saar. Anschließend studierte er Architektur an der Technischen Universität Kaiserslautern, wo er 1989 sein Diplom erhielt. Bereits während seines Studiums arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Lehrstühlen für Entwurf, Gebäudelehre und Städtebau bei Prof. Ermel sowie für Plastisches Gestalten/Bildhauerei bei Prof. Gernot Rumpf.

Seit 1986 ist Weber freiberuflich als Planer und Architekt tätig. Er sammelte Erfahrungen in verschiedenen namhaften Büros, darunter AS-Plan Prof. Ermel, Horinek, Möbius u. Weber in Kaiserslautern (1986-1990), das Architekturbüro Furtwängler in München (1990-1992) und Prof. Elwert + Maßen in Ravensburg (1992-1994). Es folgte eine Zusammenarbeit mit Architekt Dieter Rädle in Ravensburg (1994-1998) und Dierig + Weber in Horgenzell (1996-1999).

1999 gründete Weber sein eigenes "Büro für Baudenkmale" in Langenargen am Bodensee, das heute zwei Mitarbeiter beschäftigt. Das Büro ist eingetragen in der Fachliste Denkmalschutz bei der Architektenkammer Baden-Württemberg. Weber kooperiert mit namhaften Partnern wie Prof. Dr. Harald Garrecht (Leiter MPA an der TU Stuttgart), Prof. Silvia Stürmer (HTWG Konstanz) und der Werkstatt für Baudenkmale H-J. Klose.

Auszeichnungen und Anerkennung

Webers Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet. Er erhielt den 1. Preis im Bundespreis Handwerk in der Denkmalpflege 2011, den Bauherrenpreis des Wirtschaftsministeriums und der Architektenkammer Baden-Württemberg sowie den Baukultur Schwäbische Alb 2013 (vergeben von AK Baden-Württemberg und RP Baden-Württemberg). Darüber hinaus wurde sein mehrfach mit dem "Beispielhaftes Bauen" der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgezeichnet (2006, 2008, 2012, 2018).

Eine besondere Anerkennung erhielt Weber für die Sanierung des Pfarrhauses Urnau mit dem im erstmalig ausgelobten Wettbewerb DENKMALENERGIEZUKUNFT. Diese Auszeichnung würdigt besonders gelungene Kombinationen aus Denkmalschutz und Energieeffizienz.

Ausgewählte Sanierungsprojekte

Pfarrhaus Urnau - Leuchtturmprojekt für Denkmal und Energieeffizienz

Die Sanierung des Pfarrhauses Urnau wurde als Leuchtturmprojekt im Wettbewerb DENKMALENERGIEZUKUNFT ausgezeichnet. Dieses Projekt demonstriert exemplarisch, wie historische Bausubstanz mit modernen energetischen Maßnahmen kombiniert werden kann, ohne den denkmalgeschützten Charakter zu beeinträchtigen. Weber selbst betonte in einer Pressemeldung des Südkuriers: "Dank für das gemeinsam beispielhaft Erreichte und den jeweiligen Beitrag zum Gelingen".

Das Projekt zeigt, dass Denkmalschutz und Energieeffizienz keine Gegensätze sein müssen. Vielmehr gelingt es durch durchdachte Planung und handwerkliche Exzellenz, historische Gebäude für die Zukunft zu rüsten, ohne ihren bauhistorischen Wert zu gefährden.

Studentenwohnheim in Friedrichshafen - 97% Reduktion des Energieverbrauchs

Ein bemerkenswertes Beispiel für Webers Fähigkeit, historische Bauten energetisch zu modernisieren, ist die Sanierung eines Studentenwohnheims in Friedrichshafen am Bodensee. Das Gebäude, das ursprünglich 1969 errichtet wurde, wurde zu einem KfW Effizienzhaus 55 umgebaut. Die Sanierung erreichte eine drastische Reduktion des Energieverbrauchs um 97%.

Die Maßnahmen, die zu dieser beeindruckenden Energieeinsparung führten, umfassten:

  • Konsequente Einsatz von PU-Dämmstoffen für Dach, Wand und Keller
  • Einbau von Fenstern mit Dreifachverglasung (Ug=0,5)
  • Installation von LED-Lampen
  • Intelligente Steuerungssysteme mit sogenannten Totmannschaltungen

Besonders innovativ ist das Konzept der "Totmannschaltungen": Verlässt ein Bewohner seine Wohnung für längere Zeit, werden fast alle Stromverbraucher (außer Kühlschränke und PC-Steckdosen) automatisch abgeschaltet. Ist niemand in der Wohnung, werden sowohl die Lüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG) als auch die Heizung reduziert. Das hoch gedämmte Haus kühlt selbst bei längerer Abwesenheit der Bewohner nur minimal aus.

Der Primärenergieverbrauch des Mehrfamilienhauses sank durch die Grundsanierung von 400 auf lediglich 12 kWh/m²a. Beheizt wird das Gebäude mit der Abwärme mehrerer Server eines dezentral operierenden Rechenzentrums (Cloud & Heat).

Im Zuge der Bauarbeiten wurden die Balkone abgesägt, neue Fenster eingesetzt, das Haus baurechtskonform erweitert und ein Penthouse auf das Flachdach gesetzt. Die Nutzfläche erhöhte sich von 360 auf 483 m². Statt der einst drei Mietparteien wohnen hier jetzt in fünf Appartements, zwei Wohnungen und zwei WGs für bis zu 16 Personen.

Die Fassade des Gebäudes ist mit PU-WDV-Systemen auf Basis von purenotherm-Dämmstoffen gedämmt, die seit Ende 2014 eine allgemeine Dämmstoffzulassung für WDV-Systeme besitzen.

Ein besonderes Merkmal des Konzepts ist die Festpreis-Warmmiete für komplett eingerichtete, allergikergeeignete Wohnungen. Damit verfolgte der Bauherr das Ziel, die Kosten für Heizung und Strom zu minimieren und den Verzicht auf verwaltungsintensive Heiz- oder Stromkostenabrechnungen zu ermöglichen.

St. Georg Kirchturm in Tettnang - Sanierung eines Wahrzeichens

Die Sanierung des Kirchturms der St. Georg-Kirche in Tettnang stellt eine besondere Herausforderung dar, da bei historischen Bauwerken oft die Ursache für Bauschäden nicht offensichtlich ist. Wie Architekt Weber erläutert, "liegt das Problem im Grund". Die Kirche ist feucht, weshalb nicht nur an der Fassade des Turms der Putz bröckelt. Die Ursache für diese Schäden ist im Erdreich zu finden, von wo aus Wasser in das Gemäuer eindringt.

Die Sanierungsarbeiten umfassten mehrere Aspekte:

  • Sanierung der Tragkonstruktion
  • Erneuerung der Schallläden, die vorher "in der Nähe zu laut, in der Ferne zu leise" waren
  • Neujustierung der Winkel der Schalllädenelemente zur Optimierung der Schallwirkung
  • Erneuerung des Glockenstuhls, bei dem eine massive Stahlvorrichtung durch eine Eichenholzkonstruktion ersetzt wurde. Dies, so Kirchenpflegerin Ivonne Weiß, "beschert einen besseren Klang"
  • Austausch der Ziffernblätter, die auf der Westseite fast abgeblättert waren
  • Anbringung einer neuen Taubenabwehr am Turm
  • Installation eines Falkenkastens

Die Gesamtkosten für die Sanierung wurden ursprünglich auf 330.000 Euro veranschlagt. Hiervon sollten 50.000 Euro über einen Hilfsfonds finanziert werden, 24.000 Euro vom Landesdenkmalamt bewilligt werden, und die Stadt steuerte 28.000 Euro bei. 50.500 Euro sollten durch Spenden erzielt werden, allerdings wurden bisher erst 10.000 Euro an Spenden zusammengetragen.

Noch ausstehend ist die Sockelsanierung, die notwendig ist, um die Grundmauern abzudichten und so das Eindringen von Wasser aus dem Erdreich zu verhindern. Für diese Maßnahmen könnten laut Schätzung weitere 77.000 Euro auf die Kirchengemeinde zukommen. "Eine Menge Geld, die man teils in einen Bereich steckt, den man nicht sieht", so Weber, "aber es ist notwendig."

Dammhäusle in Langenargen - Sanierung eines historischen Wahrzeichens

Ein weiteres Projekt von Albrecht Weber ist die Sanierung des Dammhäusles am Kopf des Landestegs in Langenargen. Bei der Einweihung des sanierten Gebäudes betonte Weber: "Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in den heutigen Zeiten die veranschlagten Kosten in Höhe von 152.000 Euro einhalten konnten. Dieses kleine und schmucke Gebäude ist zu recht denkmalgeschützt."

Das Dammhäusle ist mit dem Schloss Montfort, der Kirche St. Martin und dem Gemeindehafen Teil der Langenargener Seeansicht und somit ein markantes, lieb gewonnenes Wahrzeichen. Bereits 2018 erfolgten aufgrund des desolaten Zustandes umfassende Schadenserfassungen und entsprechende Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Zwischen Dezember 2022 und Mai 2023 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Holzrestaurierungen an der Tragkonstruktion und im Inneren
  • Erneuerung des Daches mit Kupferblech
  • Änderung der Farbgebung von Gelb zu Grün, basierend auf historischem Befund
  • Installation von Blitzschutz
  • Erneuerung der Elektrik und Beleuchtung
  • Einbau einer Heizung
  • Herstellung der Barrierefreiheit

Das Dammhäusle wurde 1927 als witterungsschützender Wartebereich für die Passagiere der Bodenseepersonenschifffahrt errichtet und ersetzte einen Vorgängerbau aus dem Zeitraum 1904 bis 1926. Erste urkundliche Erwähnungen über eine Anlegestelle für die Schifffahrt in diesem Bereich stammen laut einer Urnummernkarte von 1825 aus dem Jahr 1150.

Weber beschreibt das innere Raumerlebnis als eine "revitalisierte Bereicherung der Gemeinde" und empfiehlt, den Schutz- und Rückzugsraum bei Extremwetterereignissen gemäß seiner bauzeitlichen Funktion der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

Sanierungsphilosophie und Methodik

Albrecht Webers Arbeit basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der drei Kernprinzipien vereint:

  1. Denkmalschutz: Die denkmalgerechte Erhaltung des bauhistorischen Werts steht im Vordergrund. Weber ist als Experte in der neuen Fachliste Denkmalschutz bei der Architektenkammer Baden-Württemberg geführt und legt Wert auf werksgerechte Sanierung.

  2. Energieeffizienz: Historische Gebäude werden mit modernsten Technologien und Materialien ausgestattet, um den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren. Dies geschieht unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an Denkmalbauten.

  3. Funktionalität: Die Sanierungen verbessern nicht nur den energetischen Zustand, sondern auch die Nutzbarkeit und den Komfort der Gebäude für heutige Ansprüche.

Weber bietet umfassende Gesamtkonzepte an, die von der Planung über die Ausführung bis hin zur Gestaltung von Details wie Möbeln und Gärten reichen. Besonderes Augenmerk legt er auf baubiologische Aspekte bei der Innenarchitektur sowie auf alternative Baumethoden wie Holz- und Lehmbau oder Stahl/Glas-Konstruktionen.

Ein wesentlicher Aspekt seiner Arbeit ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Experten aus verschiedenen Fachbereichen. So kooperiert er mit Materialprüfanstalten, Infrarot-Diagnostikern und Hochschulen, um innovative Lösungen für die Sanierung historischer Bauten zu entwickeln.

Herausforderungen bei der Sanierung historischer Bauten

Die Sanierung von Denkmalbauten stellt besondere Herausforderungen dar, die sich von Neubauten fundamental unterscheiden. Weber hat in seinen Projekten verschiedene typische Probleme identifiziert und Lösungsansätze entwickelt:

Ursachenforschung bei Bauschäden

Wie am Beispiel der St. Georg-Kirche in Tettnang gezeigt, ist die Ursachenforschung oft die erste und wichtigste Phase einer Sanierung. Schäden an Fassaden oder Putz können durch eindringendes Wasser aus dem Erdreich verursacht sein, was eine Sanierung der Grundmauern erfordert. Weber betont die Wichtigkeit solcher Ursachenanalysen, um dauerhafte Sanierungserfolge zu gewährleisten.

Balance zwischen historischer Substanz und modernen Anforderungen

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, historische Bausubstanz zu erhalten, während gleichzeitig moderne Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Komfort umgesetzt werden müssen. Weber zeigt in seinen Projekten, dass diese scheinbaren Gegensätze durch durchdachte Planung und innovative Technologie in Einklang gebracht werden können.

Finanzierung und Kostenmanagement

Die Sanierung von Denkmalbauten ist oft mit hohen Kosten verbunden, die sich nicht immer vollständig durch Einsparungen bei den laufenden Betriebskosten refinanzieren lassen. Weber hat in seinen Projekten bewiesen, dass es möglich ist, die veranschlagten Kosten einzuhalten – wie am Beispiel des Dammhäusles in Langenargen gezeigt. Dies erfordert sorgfältige Planung, genaue Kalkulation und effizientes Projektmanagement.

Akzeptanz und Einbeziehung der Öffentlichkeit

Bei öffentlichen Gebäuden wie Kirchen oder denkmalgeschützten Bauwerken ist die Akzeptanz der Öffentlichkeit und der Nutzer ein wichtiger Faktor für den Projekterfolg. Weber legt Wert auf transparente Kommunikation und die Einbeziehung aller Beteiligten in den Planungs- und Entscheidungsprozess.

Fazit

Albrecht Weber hat sich als Architekt einen Ruf für die Sanierung historischer Gebäude mit besonderem Fokus auf Energieeffizienz erarbeitet. Seine

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