Sanierung des Albtalradwegs: Umfangreiche Maßnahmen und Kontroversen um die Zukunft der wichtigen Radverkehrsroute

Einleitung

Der Albtalradweg, eine wichtige Verkehrsverbindung für Radfahrer im Albtal, befindet sich derzeit im Umfang einer umfassenden Sanierung. Diese Maßnahme betrifft den rund 14 Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der Landesstraße 564 zwischen den Gemeinden Waldbronn und Bad Herrenalb. Das Projekt, das vom Regierungspräsidium Karlsruhe in Auftrag gegeben wurde, gliedert sich in mehrere Bauabschnitte, die zwischen 2023 und 2025 durchgeführt werden. Während die Arbeiten laufen, gibt es jedoch auch Kontroversen um die zukünftige Einstufung des Radwegs, die erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit und die Nutzbarkeit für verschiedene Gruppen von Radfahrern haben könnte.

Geschichte und Hintergrund des Albtalradwegs

Der Albtalradweg wurde in den 1960er Jahren angelegt und verläuft durch Gemeinde- und Staatswald parallel zur stark befahrenen Landesstraße 564 zwischen Ettlingen und Bad Herrenalb. Über viele Jahre wurde der Radweg nicht instandgehalten, was zu einer stark beschädigten Fahrbahndecke führte. Lässt man die Aussagen des Regierungspräsidiums Karlsruhe gelten, lag dies an unübersichtlichen Vereinbarungen und unklaren Zuständigkeiten, die eine Sanierung über Jahre hinweg verzögerten.

Die unklaren Zuständigkeiten betrafen insbesondere die Abstimmung zwischen den Gemeinden entlang der Strecke, der Forstverwaltung Baden-Württemberg (ForstBW) und der Straßenbauverwaltung des Landes Baden-Württemberg. Diese komplizierte Struktur führte dazu, dass die ursprünglich getroffenen Vereinbarungen zur baulichen Pflege des Radwegs nur ungenügend umgesetzt wurden.

Eine Wende trat erst im Jahr 2022 ein, als sich die Gemeinden Waldbronn, Karlsbad, Marxzell und Bad Herrenalb sowie die Forstverwaltung Baden-Württemberg und die Straßenbauverwaltung des Landes Baden-Württemberg darauf einigten, dass der Albtalradweg auf Kosten des Landes erneuert werden sollte. Diese Vereinbarung schuf die rechtliche und finanzielle Grundlage für die umfassende Sanierung, die seit 2023 durchgeführt wird.

Die Sanierungsmaßnahmen im Detail

Die Sanierung des Albtalradwegs ist in drei Hauptabschnitte unterteilt, die nacheinander bearbeitet werden. Das gesamte Projekt umfasst eine Länge von rund 14 Kilometern und wird vom Regierungspräsidium Karlsruhe koordiniert und überwacht.

Bauabschnitt 1: Waldbronn-Busenbach bis Waldbronn-Etzenrot

Der erste Bauabschnitt mit einer Länge von ungefähr 1,3 Kilometer zwischen den Ortsteilen Waldbronn-Busenbach und Waldbronn-Etzenrot wurde im Jahr 2023 erfolgreich fertiggestellt. Dieser Abschnitt bildete den Auftakt der umfassenden Sanierungsmaßnahmen und diente als Pilotprojekt, um die Arbeitsmethoden und den organisatorischen Ablauf zu optimieren.

Bauabschnitt 2: Waldbronn-Etzenrot bis Marxzell

Der zweite Bauabschnitt, der sich über eine Strecke von rund 4,7 Kilometer zwischen Waldbronn-Etzenrot und Marxzell erstreckt, wurde im Jahr 2024 saniert. Die Arbeiten in diesem Abschnitt fanden vom Dienstag, 1. Oktober 2024, bis voraussichtlich Samstag, 30. November 2024 statt. Wie auch bei den anderen Bauabschnitten erfolgte die Sanierung unter Vollsperrung des Radwegs. Der Fuß- und Radverkehr wurde während dieser Zeit über den westlich der L 564 verlaufenden Graf-Rhena-Weg umgeleitet, der entsprechend ausgeschildert war.

Bauabschnitt 3: Marxzell bis Bad Herrenalb

Der dritte und letzte Bauabschnitt mit einer Länge von etwa 6,3 Kilometer zwischen Marxzell und Bad Herrenalb begann am Montag, 8. September 2025, und soll voraussichtlich bis Ende Oktober 2025 dauern. Die Arbeiten in diesem Abschnitt finden ebenfalls unter Vollsperrung des Radwegs statt. Die Umleitung für Fuß- und Radverkehr erfolgt ebenfalls über den Graf-Rhena-Weg westlich der L 564.

Laut einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Karlsruhe vom 28. August 2025 soll dieser letzte Bauabschnitt voraussichtlich bereits Mitte Oktober 2025 fertiggestellt werden, also rund zwei Wochen früher als ursprünglich geplant. Ab dem 15. Oktober 2025 soll dann der sanierte Albtalradweg über seine gesamte Länge wieder für den Fuß- und Radverkehr nutzbar sein.

Organisation und Durchführung der Arbeiten

Die Organisation der Sanierungsarbeiten liegt in den Händen des Regierungspräsidiums Karlsruhe, das als Auftragnehmer fungiert. Bei der Planung der einzelnen Bauabschnitte verfolgt die Behörde das Ziel, möglichst lange und für alle Beteiligten sinnvolle Abschnitte zu bilden, um die Belastungen für Anwohner und Nutzer der Strecke so gering wie möglich zu halten.

Während der Bauarbeiten ist der Albtalradweg für den Verkehr vollständig gesperrt. Die Umleitung erfolgt über den Graf-Rhena-Weg, der westlich der Landesstraße 564 verläuft. Diese Umleitungsstrecke ist entsprechend ausgeschildert, um die Sicherheit der Radfahrer und Fußgänger zu gewährleisten. Das Regierungspräsidium Karlsruhe bittet die Verkehrsteilnehmenden für die Belastungen und Behinderungen während der Bauzeit um Verständnis.

Kontroversen um die zukünftige Einstufung des Radwegs

Trotz der laufenden Sanierungsarbeiten gibt es erhebliche Kontroversen um die zukünftige Einstufung des Albtalradwegs. Das Regierungspräsidium Karlsruhe plant, den Radweg nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in Teilen als Waldweg einzustufen. Diese Herabstufung hat jedoch erhebliche Bedenken beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und bei anderen Nutzergruppen ausgelöst.

Die geplante Herabstufung

Laut Mitteilungen des Regierungspräsidiums sollen auch jene Abschnitte des Weges, die offiziell noch als Teil der L 564 geführt werden, künftig als Waldweg gelten. Diese Neuregelung ist Teil der neuen Vereinbarung zwischen den Gemeinden und ForstBW, der zufolge den Albtal-Kommunen auf Dauer gestattet wird, die asphaltierten Waldwegabschnitte im Staatswald zu unterhalten.

Bedenken des ADFC

Der ADFC warnt eindringlich vor den Folgen dieser geplanten Herabstufung. Nach Ansicht des Verbands gefährdet dies die sichere Route für Radfahrer, insbesondere für Pendler und den gewerblichen Radverkehr. Im schlimmsten Fall müssten Radfahrer dann auf die viel befahrene und potenziell gefährliche Landesstraße L 564 ausweichen.

Ein konkretes Datum für die geplante Umstellung ist bereits bekannt: Der ADFC protestiert gegen einen Bescheid des Regierungspräsidiums Karlsruhe, der vorsieht, dass der Radweg im Albtal parallel zur L 564 ab dem 1. Januar 2026 in Teilen als Waldweg eingestuft werden soll. Der Club hat für den 22. November 2025 eine Demonstration gegen diese Pläne angekündigt.

Konkrete Bedenken im Detail

Der ADFC hat mehrere konkrete Bedenken gegen die geplante Herabstufung des Albtalradwegs:

  1. Sicherheitsrisiko für Rad-Pendler: Eine Herabstufung könnte dazu führen, dass Radfahrer, insbesondere Berufspendler, auf die viel befahrene L 564 ausweichen müssen. Diese Straße ist für Radfahrer deutlich gefährlicher als der eigentliche Radweg.

  2. Weniger Streckenkontrollen: Auf einem Waldweg könnten weniger Streckenkontrollen durchgeführt werden als auf einer offiziell als Radweg ausgewiesenen Strecke. Dies könnte die Sicherheit weiter beeinträchtigen.

  3. Langfristige Sperrungen: Im Falle von Holzeinschlägen im Wald könnte die Route für längere Zeit gesperrt werden. Für Pendler, die auf den Radweg angewiesen sind, wäre dies ein erhebliches Problem.

  4. Nur noch für Erholungszwecke geeignet: Die Nutzung des Albtalradwegs wäre nach der Herabstufung möglicherweise nur noch für Erholungszwecke erwünscht, was den regulären Verkehrsaufkommen entgegenstehen würde.

Zukunftsaussichten und langfristige Perspektiven

Trotz der aktuellen Kontroversen gibt es auch positive Aussichten für die Zukunft des Albtalradwegs. Barbara Saebel, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Ettlingen, hofft, dass bis zur 2026er Kampagne "Stadtradeln" die gesamte Albtalradwegstrecke saniert sein wird. Diese Kampagne, bei der Bürgerinnen und Bürger zum Radfahren ermutigt werden, könnte ein symbolischer Zeitpunkt für die vollständige Fertigstellung und Neueröffnung des sanierten Radwegs sein.

Die neue Vereinbarung zwischen den Gemeinden und ForstBW, die den Kommunen erlaubt, die asphaltierten Waldwegabschnitte im Staatswald dauerhaft zu unterhalten, könnte langfristig zu einer besseren Pflege und Instandhaltung des Radwegs führen. Diese klare Regelung der Zuständigkeiten war einer der Hauptgründe für die jahrelangen Verzögerungen bei der Sanierung und sollte nun zu einer nachhaltigeren Betreuung der Strecke beitragen.

Fazit

Die Sanierung des Albtalradwegs ist ein dringend notwendiges Projekt, das nach jahrelangen Verzögerungen endlich umgesetzt wird. Die Aufteilung in mehrere Bauabschnitte hat sich als sinnvoll erwiesen, da so die Belastungen für Anwohner und Nutzer der Strecke verteilt werden. Die Fertigstellung des letzten Bauabschnitts Mitte Oktober 2025 wird voraussichtlich die gesamte Strecke für Radfahrer und Fußgänger wieder nutzbar machen.

Dennoch bleibt die zukünftige Einstufung des Radwegs ein umstrittenes Thema. Die geplante Herabstufung zum Waldweg ab 2026 könnte erhebliche negative Folgen für die Sicherheit und die Nutzbarkeit der Strecke haben. Insbesondere für Pendler und gewerbliche Radfahrer würde dies einen Rückschritt bedeuten. Die Proteste des ADFC und anderer Gruppen sind daher verständlich und zeigen, wie wichtig eine ausgewogene Lösung ist, die sowohl die Interessen der Waldbesitzer als auch die Sicherheit der Radfahrer berücksichtigt.

Die vollständige Sanierung des Albtalradwegs ist jedoch ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur im Albtal. Sie wird nicht nur die Sicherheit für Radfahrer erhöhen, sondern auch die Attraktivität der Region für den Tourismus und den Nahverkehr steigern. Die Herausforderungen bei der zukünftigen Einstufung des Weges sollten Anlass sein, die Interessen aller Beteiligten neu zu bewerten und eine Lösung zu finden, die den Radweg als wichtige Verkehrsader erhält.

Quellen

  1. Albtalradweg wird saniert
  2. Radwegerneuerung entlang der L 564
  3. Albtalradweg wird weiter saniert
  4. L 564: Radwegerneuerung zwischen Marxzell und Bad Herrenalb
  5. ADFC warnt: Herabstufung des Albtalradwegs gefährdet sichere Route für Radfahrer
  6. Albtalradweg: Ettlinger Radweg wird zum Waldweg

Ähnliche Beiträge