Einleitung
Nach einer Sanierung atmen Mitarbeiter nicht nur frische Luft ein - sie atmen auch die Chemie der neuen Baustoffe ein. Neue Fenster, Tapeten, Bodenbeläge, Kleber, Farben und Dämmmaterialien geben in den ersten Wochen nach der Einbauzeit massive Mengen an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und Aldehyden ab. Die Luft in einem frisch renovierten Raum kann bis zu 37,8% höher belastet sein als acht Wochen später. Für Büroumgebungen, in denen Mitarbeiter täglich viele Stunden verbringen, hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Aldehyde sind in der Innenraumluft, insbesondere in Büros, häufig anzutreffende Substanzen. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung von Aldehyden, ihre gesundheitlichen Auswirkungen, Messmethoden und Kontrollmaßnahmen nach Sanierungen in Büroumgebungen.
Was sind Aldehyde?
Aldehyde sind in der Innenraumluft häufig anzutreffende Substanzen. Sie entstehen hauptsächlich aus dem oxidativen Abbau von ungesättigten Fettsäuren, wie sie häufig in Linoleum, Alkydharzen, aber auch in Lacken und Farben auf Naturbasis enthalten sein können. Problematisch ist deren weiterer Abbau zu organischen Säuren, durch die eine zusätzliche Reiz- oder auch Geruchsentwicklung hinzukommen kann.
Für die Aldehyde (C4-C11, gesättigt, azyklisch, aliphatisch) wurde im Jahr 2009 ein Innenraumrichtwert abgeleitet, der sich vor allem auf die störende Geruchswirkung bezieht, da Aldehyde geruchsaktive Substanzen mit teilweise widerlichen Geruchsnoten bei niedrigen bis sehr niedrigen Wahrnehmungsschwellen darstellen. Der sich aus dem Innenraumrichtwert ergebende Summenwert bietet jedoch kein Maß für die Geruchsintensität, mit dem das Aldehydgemisch in einem Raum wahrnehmbar ist. Für die rechnerisch abgeleitete Geruchsintensität werden Berechnungen auf Basis von drei Geruchsschwellen-Reihen nach DEVOS, AIR-ODT50 und nach AIR-vGLW (den vorläufigen Geruchsleitwerten) in Gutachten und Prüfberichten angegeben. Aus dem berechneten Wert der Geruchsintensität kann direkt auf die geruchliche Qualität des beprobten Raumes geschlossen werden.
In Büroumgebungen kommen Aldehyde zusätzlich aus anderen Quellen. Elektronische Geräte wie Computer, Drucker und Kopiergeräte können ebenfalls zur Aldehydbelastung beitragen, insbesondere wenn sie in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen stehen. Auch Möbel, Teppiche und Rauchen im Büro können die Aldehydkonzentration in der Büroluft erhöhen.
Gesundheitsauswirkungen von Aldehyden
Die Aufnahme von Aldehyden über die Atemluft kann verschiedene gesundheitliche Auswirkungen haben. Acute Symptome können Kopfschmerzen, Reizungen der Augen, Atemwegsbeschwerden und Müdigkeit umfassen. Diese Symptome können bereits bei niedrigen Konzentrationen auftreten, insbesondere bei empfindlichen Personen.
Die deutschen Grenzwerte für Innenraumluftqualität, die vom Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) des Umweltbundesamts definiert werden, berücksichtigen diese gesundheitlichen Aspekte. Der AIR leitet zur gesundheitlichen Beurteilung zwei Richtwerte (Vorsorge- und Gefahrenrichtwert) ab:
Richtwert I (RW I - Vorsorgerichtwert) beschreibt die Konzentration eines Schadstoffes in der Innenraumluft, bei deren Einhaltung oder Unterschreitung nach gegenwärtigem Kenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition von empfindlichen Personen keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist.
Richtwert II (RW II - Gefahrenrichtwert) ist ein wirkungsbezogener Wert, der sich auf die gegenwärtigen toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisse zur Wirkungsschwelle eines Schadstoffes stützt.
Im Konzentrationsbereich zwischen RW I und RW II ist eine unmittelbare Gefährdung der Gesundheit nicht zu erwarten. Dennoch ist von einer über das übliche Maß hinausgehenden unerwünschten Belastung auszugehen. Aus Gründen der Vorsorge sollten in diesem Fall Maßnahmen zur Minimierung der Schadstoffkonzentration in der Innenraumluft ergriffen werden. Der RW I kann hiermit als Zielwert bei einer Sanierung dienen.
Pro Tag atmet der Mensch 10 bis 20 m³ Luft ein, je nach Alter und Aktivitätslevel. Die eingeatmete Innenraumluft kann eine Vielzahl von Schadstoffen enthalten, die unsere Gesundheit beeinflussen können. Dies unterstreicht die Bedeutung der regelmäßigen Kontrolle der Luftqualität, insbesondere nach Sanierungen.
Messmethoden für Aldehyde in der Büroluft
Zur Kontrolle der Aldehydkonzentration in Büroluft stehen verschiedene Messmethoden zur Verfügung. Ein Test auf Wohngifte kann in der Büroluft messen, ob und welche Schadstoffe enthalten sind. Mit einem Test-Kit kann die Probenahme selbst durchgeführt werden, im Labor wird die Probe dann professionell auf Wohngifte untersucht.
Die Durchführung eines Tests auf Wohngifte kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz unter diffusen Beschwerden leiden, die keiner körperlichen Ursache zugeordnet werden können. Dies können beispielsweise Kopfschmerzen, Atemwegsbeschwerden oder Augenreizungen sein.
Die Büroluftanalyse Standard kann die Raumluft im Büro testen. Bei dieser Analyse wird die Konzentration von 32 relevanten leichtflüchtigen organischen Substanzen, die häufig in Büroräumen vorkommen, ermittelt. Eine ausführliche Auswertung gibt Aufschluss über die Luftqualität an dem Arbeitsplatz.
Für eine professionelle Innenraumluftmessung nach Sanierung sollten bestimmte Kriterien beachtet werden: - Keine "Testbedingungen" mit offenen Fenstern - Kalibrierte Messgeräte - Dokumentierte Probenahme - Genau Aufgelistung der verwendeten Bauprodukte
Die Kosten für eine professionelle Innenraumluftmessung liegen zwischen 850 und 1.200 Euro pro Raum - je nach Umfang und Anzahl der Schadstoffe.
Kontrollmaßnahmen nach Sanierungen in Büros
Nach einer Sanierung ist die Kontrolle der Aldehydkonzentration in der Büroluft von besonderer Bedeutung. Die ersten vier Wochen nach Sanierung sind die Emissionsphase neuer Baustoffe - in dieser Phase treten die höchsten Werte auf. Wer nach zwei Wochen misst, testet die kritischste Phase. Wer nach acht Wochen misst, sieht, wie sich die Werte beruhigt haben.
Die deutschen Grenzwerte für TVOC (Gesamtmenge an flüchtigen organischen Verbindungen) definieren verschiedene Stufen:
| Stufe | TVOC-Bereich | Bewertung |
|---|---|---|
| 1 | < 0,3 mg/m³ | Ideal, keine gesundheitlichen Bedenken |
| 2 | 0,3-1 mg/m³ | Empfohlene verstärkte Lüftung |
| 3 | 1-3 mg/m³ | Gesundheitliche Bedenken, begrenzte Nutzung |
| 4 | 3-10 mg/m³ | Hygienisch bedenklich, Raum nur mit starker Belüftung nutzbar |
| 5 | > 10 mg/m³ | Hygienisch kritisch, Räume sollten nicht genutzt werden |
Lüften hilft bei der Reduzierung von Aldehyden - aber nicht immer genug. Bei stark belasteten Räumen mit hohen TVOC-Werten (über 2.000 μg/m³) reicht Stoßlüften nicht aus. Die Schadstoffe werden kontinuierlich aus den Materialien freigesetzt. Ohne mechanische Lüftung oder Zeit bleibt die Belastung hoch. Lüften ist die erste Maßnahme, aber keine Lösung für strukturelle Probleme.
Effektivere Lösungen sind: - Mechanische Lüftungssysteme (z.B. mit Wärmerückgewinnung) - Geduld lassen: Die meisten VOCs nehmen innerhalb von 14 Tagen um 60-70% ab - Identifizierung und Beseitigung der Schadstoffquellen
Für Büros gibt es zusätzliche spezifische Maßnahmen: - Geräte mit dem Siegel "Blauer Engel" bevorzugen - Ausreichende Belüftung des Büroraums, in dem Drucker und/oder Kopierer stehen - Falls möglich, Geräte mit hoher Leistung in einen separaten Raum stellen - Geräte regelmäßig warten, Gebrauchsanleitung des Herstellers beachten - Verunreinigungen durch Toner mit einem feuchten Tuch aufnehmen - Hände nach Kontakt mit Toner gründlich mit Wasser und Seife reinigen - Luftionisator/Luftreiniger aufstellen (wichtig: ohne Ozonproduktion, wie Geräte von LightAir)
Rechtlicher Rahmen und Standards
Deutschland hat eines der strengsten und detailliertesten Systeme zur Bewertung der Innenraumluftqualität weltweit. Es gibt keine einheitliche Gesetzesvorgabe - sondern mehrere Richtlinien, die sich ergänzen.
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) des Umweltbundesamts definiert die bereits erwähnten Stufen für TVOC-Werte. Die DGNB-Kriterien (2023) gehen noch einen Schritt weiter und belohnen oder bestrafen mit Punkten, je nach Einhaltung der Luftqualitätsstandards.
Die DGNB unterscheidet zwischen Messungen innerhalb und außerhalb der ersten vier Wochen - weil die Grenzwerte danach strenger sind. Wer nach acht Wochen misst und trotzdem hohe Werte hat, hat ein echtes Problem. Wer nach zwei Wochen misst und Werte hat, die knapp unter den Grenzwerten liegen, hat vielleicht nur eine vorübergehende Belastung.
Fallbeispiele
Ein Fall aus München zeigt: Ein Einfamilienhaus wurde komplett saniert. Die Baufirma verwendete ausschließlich Bauprodukte mit Emissionsklasse A+ (nach EMICODE). Die erste Messung nach zwei Wochen ergab: TVOC 420 μg/m³, Formaldehyd 28 μg/m³ - volle 50 DGNB-Punkte. Kein Problem, kein Stress, keine Klagen.
Ein Fall aus Stuttgart: Ein Mehrfamilienhaus wurde saniert, mit günstigeren Materialien. Die Messung nach drei Wochen ergab: TVOC 980 μg/m³, Formaldehyd 58 μg/m³ - technisch im DGNB-Rahmen. Doch die Mieter klagten über Kopfschmerzen und Reizhusten. Erst nach sechs Wochen, als die Werte auf TVOC 420 μg/m³ und Formaldehyd 28 μg/m³ fielen, hörten die Beschwerden auf.
Dies zeigt: Grenzwerte sind keine Garantie für Wohlbefinden. Sie sind ein rechtlicher Rahmen - nicht ein gesundheitlicher Idealzustand. Wer wirklich gesund arbeiten will, sollte nicht nur die Grenzwerte einhalten, sondern sie deutlich unterschreiten.
Empfehlungen für Büros
Wer eine Sanierung in einem Büro plant, sollte schon vor dem Kauf der Materialien denken: - Wählen Sie Bauprodukte mit Emissionsklasse A+ oder EMICODE EC1 Plus - Vermeiden Sie Spanplatten mit Formaldehyd - nutzen Sie Holzwerkstoffe mit niedriger Emission - Fragen Sie beim Lieferanten nach den Emissionswerten - nicht nur nach der Farbe oder dem Preis - Planen Sie mindestens vier Wochen Belüftungszeit vor der Belegung ein - Budgetieren Sie eine professionelle Messung als fester Bestandteil der Sanierung - nicht als Nachtrag
Die beste Sanierung ist nicht die billigste - sie ist die, die gesund bleibt.
Darüber hinaus sollten Büros: - Regelmäßige Luftanalysen durchführen, insbesondere nach Sanierungen - Auf die richtige Belüftung achten - Elektronische Geräte angemessen platzieren und warten - Rauchen im Arbeitsplatz verbieten - Auf Hygiene bei der Handhabung von Toner achten
Fazit
Aldehyde in der Büroluft sind nach Sanierungen ein relevantes Thema, das die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter beeinflussen kann. Durch bewusste Materialwahl, angemessene Belüftung, regelmäßige Messungen und Einhaltung der Grenzwerte kann die Luftqualität signifikant verbessert werden.
Die deutschen Richtlinien wie die des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR) und die DGNB-Kriterien bieten einen guten Rahmen für die Bewertung und Kontrolle der Innenraumluftqualität. Die Einhaltung dieser Richtwerte ist jedoch kein Garant für ein optimales Wohlbefinden - vielmehr sollten die Werte deutlich unterschritten werden.
Die Kontrolle der Aldehydkonzentration in der Büroluft ist keine Einmalmaßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der besonderes Augenmerk nach Sanierungen verdient. Nur so kann ein gesundes und produktives Arbeitsumfeld geschaffen und erhalten werden.