Einleitung
Die Kapelle "Maria Opferung" in Osterhofen, ein kunsthistorisches Kleinod des späten Barock und Rokoko, steht seit kurzem im Mittelpunkt eines aufwendigen Sanierungsprojekts. Das Gotteshaus mit seinen prachtvollen Deckenfresken des Künstlers Eustachius Gabriel aus dem Jahr 1762 war aufgrund schwerer baulicher Mängel seit längerer Zeit geschlossen und drohte zu verfallen. Nach jahrelangen Bemühungen und einer beispielhaften Gemeinschaftsleistung ist die Sanierung im Sommer 2024 endlich begonnen worden. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, die Finanzierungsstruktur, den Zeitplan sowie die historische und kulturelle Bedeutung des Baudenkmals für die Region Bad Waldsee.
Historische Bedeutung der Osterhofen-Kapelle
Die für ein Dorf außergewöhnlich reich ausgestattete Kapelle in Osterhofen stellt ein bedeutendes kulturhistorisches Erbe dar. Im Jahr 1762 schmückte der Künstler Eustachius Gabriel (*1725 in Unterschwarzach, †1772 in Laibach/Slowenien) das Innere der Kapelle im Stil des späten Barock und Rokoko mit prächtigen Fresken. Auftraggeber für diese künstlerische Gestaltung waren vermutlich die beiden marianischen Bruderschaften des Ortes – die "alte" Bruderschaft von 1702 und die "jüngere" von 1718.
Das kunsthistorische Juwel beherbergt auch einen prachtvollen Hochaltar mit versetzten Säulen, der in der Mitte eine barocke Darstellung der spätgotischen Pietá von Steinhausen zeigt. Darüber ist Gottvater flankiert von Engeln zu sehen. Auf den Seitenkonsolen stehen links der Helfer für einen guten Tod, der heilige Josef, und rechts der heilige Johannes der Täufer. Am Chorbogen schützt der heilige [Name des Heiligen, in den Quellen nicht vollständig genannt] das Gotteshaus.
Die Kapelle ist nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch ein wichtiger Teil der Identität und Geschichte von Osterhofen. Wie Förderverein-Kassenprüfer Oskar Bohner in einer Gemeinderatssitzung betonte: "Man könnte sich Osterhofen gar nicht ohne Kapelle vorstellen." Diese Worte unterstreichen die enge Verbindung zwischen dem Ort und seinem historischen Gotteshaus.
Notwendigkeit der Sanierung
Die Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung der Kapelle ergab sich aus einer langen Liste von baulichen Mängeln, die seit mehr als einem Jahrzehnt bekannt waren. Die Situation hatte sich so verschlechtert, dass das Gotteshaus für die Öffentlichkeit gesperrt werden musste. Die Mängelliste war lang und vielfältig: Die Glocken hatten verstummt, die Kapellenuhr blieb stehen und vor allem das Dach war marode.
Die kritischste Situation betraf jedoch das wertvolle Innere der Kapelle mit den großartigen Deckenfresken von Eustachius Gabriel. Es stellte sich heraus, dass diese kunsthistorischen Schätze nur durch eine Totalsanierung des Dachstuhls und der Decke gerettet werden konnten. Die anfängliche Annahme eines kleinen Schadensfalls wich der Erkenntnis einer dringenden Notwendigkeit einer umfassenden Restaurierung.
Unter der Ägide der früheren Stadtspitze unter Weinschenk/Manz fühlte sich die Stadtverwaltung der Kapelle nicht verpflichtet, was zu einer Verzögerung der notwendigen Maßnahmen führte. Die neue Stadtspitze stand dem Anliegen jedoch aufgeschlossener gegenüber, was schließlich zur Gründung des Kapellen-Fördervereins im Jahr 2020 und letztlich zum Beginn der Sanierungsarbeiten führte.
Der Förderverein "Kapelle Osterhofen e.V."
Ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung war die Gründung des Fördervereins "Kapelle Osterhofen e.V." im Jahr 2020. Dieser Verein hat sich seitdem mit großem Engagement für die Rettung und Restaurierung des historischen Gotteshauses eingesetzt. Bei der jährlichen Mitgliederversammlung im April 2024 im vollbesetzten Pavillon des Gasthauses "Rose" in Hittelkofen konnte der engagierte Vorsitzende Markus Schmid über 215 Mitglieder begrüßen.
Die Arbeit des Vereins wurde von allen Seiten gewürdigt. Bürgermeisterin Monika Ludy bezeichnete den Förderverein in einer Gemeinderatssitzung als "Musterbeispiel ehrenamtlichen Engagements". Der Verein hat durch verschiedene Aktionen erhebliche Mittel für die Sanierung gesammelt, darunter den Verkauf von Weihnachtsgebäck und "Herberts Gulaschsuppe" bei den "Lichtmomenten" sowie Einnahmen aus dem Maifest.
Besonders hervorzuheben ist die großzügige Spende von Gerda Hymer in Höhe von 50.000 Euro, die einen bedeutenden Schub zur Finanzierung der geschätzten Kosten von 700.000 Euro für die Sanierung darstellte. Für diese außergewöhnliche Unterstützung wurde Gerda Hymer mit einem Haisterkirch-Buch bedankt.
Der Vorstand des Vereins besteht aus Markus Schmid (Vorsitzender), Florian Eisele (2. Vorsitzender), Pfarrer Stefan Werner, Ortsvorsteherin Rosa Eisele, Franz Maucher (Jüngere Marianische Bruderschaft), Peter Fluhr (Ältere Marianische Bruderschaft), Dr. Carmen Pöhl (Schriftführerin) und Oliver Stefan (Kassierer).
Finanzierungsstruktur des Sanierungsprojekts
Die Finanzierung der aufwendigen Sanierungsmaßnahmen stellt eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung verschiedener Institutionen und Privatpersonen dar. Die Kostenschätzung im April 2024 belief sich auf 660.000 Euro, wobei bei Einrechnung von möglichen Kostensteigerungen von insgesamt 700.000 Euro ausgegangen wird.
Die Finanzierung setzt sich wie folgt zusammen:
| Finanzierungsquelle | Betrag (Euro) | Anteil an Gesamtkosten |
|---|---|---|
| Bundes-Denkmalförderung | 210.000 | 30,0 % |
| Landes-Denkmalförderung | 116.000 | 16,6 % |
| Landkreis | 8.000 | 1,1 % |
| Weitere Spenden | 8.000 | 1,1 % |
| Förderverein | 100.000 | 14,3 % |
| Kath. Kirchenpflege Haisterkirch | 100.000 | 14,3 % |
| Stadt Bad Waldsee | 158.000 | 22,6 % |
| Gesamt | 700.000 | 100,0 % |
Die gesicherten Zuschüsse aus Bundes-, Landes- und Landkreismitteln sowie weitere Spenden summieren sich auf 358.000 Euro, also etwas mehr als die Hälfte der geschätzten Gesamtkosten. Der Förderverein bringt 100.000 Euro ein, darunter die bereits erwähnte Großspende von Gerda Hymer. Die Katholische Kirchenpflege Haisterkirch beteiligt sich mit ebenfalls 100.000 Euro an den Kosten. Als Eigentümerin der Kapelle trägt die Stadt Bad Waldsee den verbleibenden Betrag von 158.000 Euro bei.
Besonders bemerkenswert ist, dass sich die ursprüngliche Kostenschätzung von vor sieben Jahren (rund 460.000 Euro) mehr als verdoppelt hat, was auf die gestiegenen Baukosten im Laufe der Jahre zurückzuführen ist. Die Stadtspitze um Bürgermeisterin Monika Ludy hat jedoch Wege gefunden, wie das Projekt trotzdem realisierbar ist. Ludy, die für die Finanzchefin der Stadt die Restaurierung der Kapelle als "Herzensanliegen" bezeichnete, sicherte dem Förderverein zudem Vorfinanzierungen zu.
Beginn der Bauarbeiten und Zeitplan
Nachdem alle Finanzierungsfragen geklärt waren, konnte die lange ersehnte Sanierung der Kapelle im Sommer 2024 beginnen. Ein symbolischer Akt fand am 19. September 2024 statt, an dem zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Osterhofen sowie Vertreter aus Verwaltung, Politik, Kirche und dem Förderverein teilnahmen.
Bei diesem Festakt begrüßte Oberbürgermeister Matthias Henne die Anwesenden und zeigte in seiner Ansprache die Entwicklung auf, die mit vereinten Kräften dazu geführt hatte, das Kirchlein vor dem Verfall zu retten. "Meine Damen und Herren, ich wünsche den Bauarbeiten einen guten und unfallfreien Verlauf und erwarte Sie alle gerne wieder zur feierlichen Eröffnung dieses Schmuckstücks", waren seine abschließenden Worte. Dabei zitierte er die Ortsvorsteherin Rosa Eisele mit den Worten: "Mi fraits!", was auf Schwäbisch so viel bedeutet wie "Es wird wahr!".
Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis zum Frühsommer 2025 andauern, sodass mit einer feierlichen Wiedereröffnung in dieser Zeit gerechnet werden kann. Die Abrechnung der Baumaßnahmen erfolgt über den Förderverein, dem die Stadt mit Vorfinanzierungen zur Seite stehen wird.
Herausforderungen der Sanierung
Bei einem so komplexen und historisch wertvollen Bauvorhaben wie der Sanierung der Osterhofen-Kapelle gibt es zahlreiche Herausforderungen zu meistern. Einer der zentralen Aspekte ist die Restaurierung der wertvollen Deckenfresken von Eustachius Gabriel, die besondere Sorgfalt und Expertise erfordern. Diese Arbeiten müssen mit der Sanierung des Dachstuhls und der Decke koordiniert werden, um die Fresken nicht weiter zu gefährden.
In der Gemeinderatssitzung wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die kalkulierten Baukosten angesichts der vielen Preissteigerungen im Bausektor tatsächlich eingehalten werden können. Stadtbaumeister Andreas Heine-Strahl zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Weil Gewerke betroffen sind, die nicht so konjunkturabhängig sind", glaubte er fest daran, dass die Kostenpläne realisierbar sein werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbindung der örtlichen Gemeinschaft in den Sanierungsprozess. Der Förderverein hat bereits nach Möglichkeiten für Eigenleistungen im Zusammenhang mit der Sanierung gefragt und etliche sachverständige Anwesende haben dazu Diskussionsbeiträge geliefert. Diese aktive Beteiligung der Dorfbevölkerung unterstreicht die enge Verbindung zwischen den Menschen von Osterhofen und ihrer Kapelle.
Zukunftsperspektiven nach der Sanierung
Mit der geplanten Wiedereröffnung der Kapelle im Frühsommer 2025 wird nicht nur ein historisches Gotteshaus wiedereröffnet, sondern auch ein zentrales kulturelles und religiöses Zentrum für die Dorfgemeinschaft geschaffen. In der Gemeinderatssitzung sprach sich Rita König (SPD) dafür aus, die Kapelle ganzjährig für die Öffentlichkeit offenzuhalten, um ihre Bedeutung als kulturelles Erbe und Ort der Begegnung zu unterstreichen.
Der Förderverein ist jedoch bereits jetzt auf weitere Spenden angewiesen, um die Finanzierung des Projekts abzusichern. So wird beispielsweise der Reinerlös des Maifests am 1. Mai 2024 auf dem Anwesen von Josef Ruther und Gertrud Härle-Ruther ganz in der Nähe der Kapelle benötigt. Auch zukünftige Veranstaltungen des Fördervereins werden dazu beitragen, die laufenden Kosten für die Instandhaltung und Pflege des renovierten Gotteshauses zu decken.
Für die Ortsvorsteherin Rosa Eisele, die sich vielfach engagiert, um das Spendenaufkommen zu erhöhen, ist die Wiedereröffnung der Kapelle eine Herzensangelegenheit. Ihr Engagement und das vieler anderer Helfer werden entscheidend dazu beitragen, dass die Kapelle nach der Sanierung nicht nur als Baudenkmal, sondern auch als lebendiger Ort im Zentrum des Dorflebens erhalten bleibt.
Fazit
Die Sanierung der Kapelle in Osterhofen ist mehr als nur ein Bauvorhaben – sie ist ein Zeichen des gemeinsamen Willens, ein historisches Kleinod und kulturelles Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Die aufwendige Restaurierung des Gotteshauses mit seinen prachtvollen Deckenfresken von Eustachius Gabriel aus dem Jahr 1762 stellt eine enorme technische, finanzielle und organisatorische Herausforderung dar, die durch die enge Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Kirchengemeinde, Förderverein und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern gemeistert wird.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, was erreicht werden kann, wenn verschiedene Akteure an einem Strang ziehen und sich für den Erhalt eines bedeutenden Kulturdenkmals einsetzen. Die Kombination aus öffentlichen Fördermitteln, privaten Spenden, kirchlicher Unterstützung und ehrenamtlichem Engagement macht die Sanierung zu einem Modellprojekt für den Erhalt von Baudenkmälern im ländlichen Raum.
Mit der geplanten Wiedereröffnung im Frühsommer 2025 wird die Kapelle "Maria Opferung" in Osterhofen ihre ursprüngliche Funktion als Ort der Andacht und des kulturellen Lebens wieder aufnehmen und damit ein wichtiges Stück Heimat-, Religions- und Kulturgeschichte für die Region bewahren.