Sanierung der Alfredbrücke in Essen: Umfangreiche Maßnahmen für Verkehrssicherheit und Barrierefreiheit

Einleitung

Die Alfredbrücke im Essener Stadtteil Rüttenscheid steht vor einer umfassenden Sanierung, die sowohl den Brückenneubau als auch die Neugestaltung der Fußgängerquerung umfasst. Das Bauwerk, das als Teil der Bundesstraße 224 eine wichtige weiträumige Verkehrsfunktion erfüllt, weist aufgrund seines Alters und der zunehmenden Verkehrsbelastung erhebliche planerische und konstruktive Mängel auf. Nach einer statischen Nachrechnung wurde festgestellt, dass eine Ertüchtigung wirtschaftlich nicht möglich ist und das Bauwerk daher ersetzt werden muss. Gleichzeitig wird die zugehörige Fußgängerquerung neu gestaltet, um die Barrierefreiheit zu verbessern und die Verkehrssicherheit für Fußgänger zu erhöhen. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die geplanten Maßnahmen, die Zeitplanung und die Auswirkungen auf den Verkehr und die Anwohner.

Hintergrund: Notwendigkeit der Sanierung

Die Alfredbrücke, die im Bereich der Grugahalle den Grugaweg, Pkw-Stellplätze sowie die Straße Grugaplatz überquert, stammt aus den 1960er Jahren. Das Bauwerk besteht aus einer Stahlbetonplatte, die zwischen den Widerlagern von drei Pfeilerreihen unterstützt wird. Untersuchungen haben ergeben, dass die Brücke erhebliche planerische und konstruktive Mängel aufweist, die in Verbindung mit der zunehmenden Verkehrsbelastung bereits zu deutlichen Schäden geführt haben.

Die Alfredstraße dient als Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 224 und erfüllt damit eine weiträumige Verkehrsfunktion. Auf der vorhandenen Brücke werden insgesamt sieben Fahrstreifen für den motorisierten Individualverkehr und zwei außenliegende Gehwege überführt, wobei der westliche Gehweg für den Radverkehr freigegeben ist.

Nach einer statischen Nachrechnung hat sich gezeigt, dass eine Sanierung oder Ertüchtigung des Bauwerks wirtschaftlich nicht möglich ist. Daher entschied der Rat der Stadt Essen bereits im November 2017 auf Grundlage des Empfehlungsbeschlusses des damaligen Bau- und Verkehrsausschusses, Finanzmittel für eine entsprechende Planung bereitzustellen. Der Ausschuss für Verkehr und Mobilität der Stadt hat in seiner Sitzung ebenfalls zugestimmt und die Verwaltung beauftragt, die Maßnahme zur Baureife zu bringen.

Planung des Brückenneubaus

Für den Brückenneubau wurden zwei Szenarien entwickelt, da eine Investorin plant, direkt westlich neben der Alfredbrücke ein Bürohochhaus zu errichten. Dieses Hochbauvorhaben würde sich auf das städtische Projekt auswirken. Daher wird es eine unabhängige Planung der Verwaltung geben, die auch ohne bzw. bei einer späteren Realisierung des Hochbauvorhabens umgesetzt werden kann.

Um den Verkehr auf der Alfredstraße (B 224) möglichst nicht erheblich zu beeinträchtigen und ebenso die Nutzungen unter der Brücke nicht erheblich einzuschränken, wurde eine Variante mit Rahmenbauwerken gewählt. Dabei werden zwischen den Widerlagern und Pfeilerreihen Stahlbetonrahmen eingebaut, die mit ihren Wänden, Decken und Bodenplatten jeweils wie ein Tunnel die Last aus der oben liegenden Straße aufnehmen. Dies soll abschnittsweise erfolgen, so dass nicht alle Unterquerungsmöglichkeiten gleichzeitig betroffen sind.

Durch die Konstruktionsdicke der Wände und Decken reduzieren sich die Breiten um ca. 1,50 bis 2 Meter und die Decken haben zukünftig eine ca. 0,80 bis 1 Meter tiefere Unterkante. Aufgrund der geringeren Höhe und Breite kann das vorhandene Podest, das am Widerlager eine halbhohe Unterquerung der Alfredstraße ermöglichte, nicht bestehen bleiben. Zudem entsprechen die zuführenden Rampen nicht den aktuellen Parametern der Barrierefreiheit.

Als Alternative für eine schnelle und sichere Querung der Alfredstraße auch für mobilitätseingeschränkte Personen ist vorgesehen, etwa in Höhe der Gregorstraße eine signalisierte Fußgängerschutzanlage einzurichten. Die Nutzung durch Pkw-Stellplätze ist weiterhin vorgesehen.

Maßnahmen für die Fußgängerquerung

Im Zuge der geplanten Erneuerung der Alfredbrücke soll auch die dortige Fußgängerquerung neugebaut werden. Die jetzige Podest- und Rampenanlage wird zurückgebaut und durch zwei neue barrierefreie Rampen und zwei Treppenanlagen ersetzt.

Einerseits schließen die neuen Rampen barrierefrei an der Gregorstraße / Ecke Rüttenscheider Straße und an der Schönleinstraße / Nähe Weyerstraße an und verbinden die vorhandenen Gehwege mit dem Grugaweg. Andererseits entstehen durch den barrierefreien Ausbau längere Wege für zu Fuß Gehende, welche die Alfredstraße in diesem Bereich unterqueren wollen.

Um weiterhin eine kurze und sichere Querung der Alfredstraße auch für mobilitätseingeschränkte Personen als Alternative anzubieten, ist vorgesehen, etwa in Höhe der Gregorstraße eine Ampel für Fußgänger einzurichten. Ausgehend von der bestehenden Dreiecksinsel in der Gregorstraße erhält der Fußverkehr dadurch eine geradlinige Führung über die Alfredstraße. Damit Fußgänger sicher auf die Verkehrsinsel gelangen, wird jeweils zwischen nördlichem und südlichem Gehweg der Gregorstraße und der Dreiecksinsel ein Fußgängerüberweg eingerichtet. Sämtliche neue Bordsteinabsenkungen werden barrierefrei ausgebaut. Zudem werden die Fußgängerüberwege mit einer neuen und verkehrssicheren Beleuchtung ausgestattet.

Neben der Fußgängerschutzanlage sind Treppenanlagen sowohl westlich als auch östlich neben dem Bauwerk für den Fußverkehr geplant. Diese ermöglichen den Zugang zum Grugaweg auf kurzer Distanz. Die barrierefreie Anbindung der Quartiere westlich und östlich der Alfredstraße an den Grugaweg wird im Entwurf über entsprechende Rampen realisiert.

Die östliche Rampe beginnt oben an der Ecke Rüttenscheider Straße / Gregorstraße und erreicht vor dem Bauwerk das Niveau des Grugawegs. Diese Rampe wird im größtmöglichen Abstand zur Platanenreihe an der Gregorstraße errichtet, um eine bedeutsame Schädigung des Wurzelwerks zu vermeiden. Im Westen wird das Schönleinviertel im Amtsentwurf ebenfalls durch eine barrierefreie Rampe vom Grugaweg aus erschlossen.

Die zukünftige Unterführung der Straße Grugaplatz erhält neben der 6,50 Meter breiten Fahrbahn auf der Nordseite einen mindestens 2,50 Meter breiten Gehweg, der es ermöglichen wird, ohne Straßenquerung von den Stellplätzen aus die Grugahalle, den Grugapark und die Messe zu erreichen.

Veränderungen durch die Realisierung des Hochbaus

Nach dem jetzigen Stand der Abstimmungen mit der Investorin würden sich bei Realisierung des Hochbaus folgende Änderungen ergeben: Die Investorin erstellt eine Geh-/Radwegbrücke über den Grugaweg zum Schönleinviertel sowie eine barrierefreie Rampe auf der Südseite des Grugawegs, um diesen an die Brücke anzuschließen. Somit entfiele die Notwendigkeit der Westrampe des derzeitigen Entwurfs. Daher ist beabsichtigt, die städtische Baumaßnahme zunächst ohne die Westrampe auszuführen. Falls die angekündigten Maßnahmen der Investorin nicht realisiert werden, würde die Verwaltung diese Rampe nachträglich erstellen. Zwischenzeitlich ist die vorhandene Anbindung des Schönleinviertels an den Grugaweg rund 200 Meter westlich der Alfredbrücke, bzw. die geplante signalisierte Querung der Alfredstraße zu nutzen.

Verkehrsführung während der Baumaßnahmen

Mit Beginn der Arbeiten für die Fußgängerquerung wurde am Montag, 14. April, zunächst auf Höhe der Einmündung zur Gregorstraße in beiden Fahrtrichtungen jeweils die innere Fahrspur gesperrt. Im Laufe der Bauarbeiten wird die Verkehrsführung angepasst, wobei stets eine Fahrspur befahrbar bleibt. Der Individualverkehr bleibt durchgängig gewährleistet.

Die Arbeiten und die damit verbundenen Einschränkungen werden voraussichtlich sechs Wochen andauern. Parallel dazu gibt es weitere Baustellen in Rüttenscheid, wie beispielsweise die Verlegung von Fernwärme auf der Rü zwischen Fridtjof-Nansen-Straße und Joseph-Lenne-Straße bis Ende Mai, was zu weiteren Verkehrseinschränkungen führt.

Bei der Bevölkerung stoßen diese Baustellen auf geteilte Resonanz. Während die Maßnahmen grundsätzlich dazu dienen, die Infrastruktur zu optimieren, werden sie insbesondere wegen Lärm, Schmutz, Sperrungen und anderer Nachteile als störend empfunden. Eine Rüttenscheiderin äußerte in einem Facebook-Post ihren Frust über die zwei gleichzeitig stattfindenden Baustellen in der Region.

Zeitplan und Kosten

Die detaillierte Planung für die Brückensanierung sollte der Bezirksvertretung und dem Ausschuss für Verkehr und Mobilität in einer separaten Vorlage im vierten Quartal 2023 vorgestellt werden. Mit einer Vergabe der Bauleistungen bzw. dem Beginn der Bauarbeiten ist nicht vor 2024 zu rechnen.

Mit der Brückensanierung wird nach jetzigem Planungsstand frühestens im zweiten Halbjahr 2024 begonnen. Um die Fußgängerquerung bereits vor dem Rückbau der Rampen einzurichten, soll mit dem Bau der Fußgängerquerung im Sommer 2024 begonnen werden. Die Gesamtkosten für die Maßnahme liegen bei rund 190.000 Euro.

Fazit

Die Sanierung der Alfredbrücke in Essen ist ein notwendiges und umfassendes Projekt, das die Sicherheit und Funktionalität der wichtigen Verkehrsverbindung für die Zukunft sichern soll. Durch den Neubau des Bauwerks werden die planerischen und konstruktiven Mängel behoben, die durch das Alter und die zunehmende Verkehrsbelastung entstanden sind.

Parallel zur Brückensanierung wird auch die Fußgängerquerung neu gestaltet, um die Barrierefreiheit zu verbessern und die Verkehrssicherheit für Fußgänger zu erhöhen. Die geplanten Maßnahmen, wie die Einrichtung einer signalisierten Fußgängerschutzanlage und die barrierefreie Ausgestaltung der Rampen und Treppen, werden die Attraktivität und Zugänglichkeit des Bereichs für alle Bürgerinnen und Bürger verbessern.

Während der Bauzeit kommt es zu Verkehrseinschränkungen, die durch eine sorgfältige Planung der Bauabläufe und eine angepasste Verkehrsführung so gering wie möglich gehalten werden. Die Maßnahme ist Teil der kontinuierlichen Bemühungen der Stadt Essen, ihre Verkehrsinfrastruktur an die aktuellen Anforderungen anzupassen und die Lebensqualität für die Anwohner zu verbessern.

Quellen

  1. Pressemeldung: Fußgängerquerung Alfredstraße wird neugebaut
  2. Alfredstraße: Straßenbauprojekt Straßenüberführung
  3. Pressemeldung: Arbeiten an Fußgängerquerung beginnen
  4. DerWesten: Baustelle Sanierung Straße Sperrung Baustellen
  5. Pressemeldung: Planung für Erneuerung der Alfredbrücke

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