Allergiefreies Renovieren: So Vermeiden Sie Allergische Reaktionen Nach Sanierungen

Einleitung

Renovierungsarbeiten können für Allergiker zu einer besonderen Herausforderung werden. Obwohl Sanierungen oft notwendig sind, um bestehende Allergene wie Hausstaubmilben in Teppichen zu beseitigen, können sie gleichzeitig neue Gesundheitsrisiken bergen. Während der Renovierungsarbeiten werden verschiedene Substanzen freigesetzt, die allergische Reaktionen auslösen oder bestehende Allergien verschlimmern können. Dazu gehören Staubpartikel, Schimmelsporen sowie chemische Emissionen aus Farben, Klebern und anderen Baumaterialien. Dieser Artikel beleuchtet, wie Allergiker Renovierungen planen und durchführen können, um gesundheitliche Risiken zu minimieren und eine wohngesunde Umgebung zu schaffen.

Allergene in Innenräumen: Ursachen und Auswirkungen

Allergische Reaktionen in Wohnräumen werden durch verschiedene Auslöser verursacht. Die häufigsten Allergene in Innenräumen sind Schimmelpilzsporen, die nicht nur allergische Reaktionen hervorrufen können, sondern aufgrund ihrer möglichen toxischen oder pathogenen Wirkung unbedingt vermieden werden sollten. Besonders gefährlich ist das krebserregende Formaldehyd, das in älteren Fertighäusern und Holzwerkstoffen vorkommt und früher auch zur Konservierung von Farben eingesetzt wurde.

Die Hausstauballergie gehört zu den zweithäufigsten Allergien in Deutschland. Diese Allergien werden durch den Kot der Hausstaubmilben verursacht und können von verstopfter Nase und tränenden Augen bis hin zu Atemnot und asthmatischen Beschwerden reichen. Die Milben vermehren sich besonders gut bei einer Luftfeuchtigkeit über 70 % und einer Raumtemperatur um 25 Grad. Die Luftfeuchtigkeit lässt sich durch eine ausbalancierte Wärmedämmung und diffusionsoffene Wandaufbauten unter diesem Wert halten und gut regulieren.

Besonders problematisch ist, dass Symptome einer Allergie oft nach einem Umzug in eine neue Wohnung, einer Sanierung, der Anschaffung neuer Möbel oder bei Schimmelbefall in der Wohnung auftreten. Die Betroffenen waren bereits sensibilisiert, kommen nun in erneuten Kontakt mit erhöhten Mengen des Allergens und reagieren mit den typischen Symptomen. Auch eine veränderte Abwehrlage des Körpers durch eine Krankheit oder einen medizinischen Eingriff kann dazu führen, dass sich eine Allergie zeigt.

Gefährliche Substanzen in Renovierungsmaterialien

Bei der Auswahl der Renovierungsmaterialien müssen Allergiker besonders vorsichtig sein. Viele konventionelle Materialien enthalten nicht nur Allergene, sondern auch potenziell allergieauslösende Stoffe. Zu den gefährlichsten Substanzen gehören:

  • Lösungsmittel: Können die Atemwege reizen und bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen.
  • Formaldehyd: Ein potentes Allergen, das oft in Holzwerkstoffen und als Konservierungsmittel in Farben vorkommt.
  • Terpene: Pflanzliche Lösemittel, die in Naturfarben enthalten sein können.
  • Biozide: Werden zur Schimmel- und Schädlingsbekämpfung eingesetzt, können aber selbst allergen wirken.
  • Weichmacher: Finden sich in Bodenbelägen und können gesundheitsschädlich sein.
  • Acrylate: Werden als Bindemittel in Farben und Klebern verwendet und können allergische Reaktionen auslösen.
  • Phenolformaldehydharze: Können allergene Wirkungen haben.

Diese Stoffe werden in verschiedenen Renovierungsmaterialien eingesetzt, darunter in Farben, Lacken, Klebern, Bodenbelägen und Dämmmaterialien. Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) warnt besonders vor Aldehyden, Ammoniak, Anilin, Benzol, Blei, Butanolen, Cadmium, Citrusterpenen, Methanol, Phenol, Phthalsäure, Polyurethanen, Styrol, Terpenen, Toluol und Xylol, die in vielen Wandfarben enthalten sein können.

Richtige Materialien für Allergiker

Für eine allergikergerechte Sanierung müssen belastende Baustoffe und Einbauten entfernt und schadstoff- und allergenfreie Materialien gewählt werden. Bei der Wahl der Produkte sollten Allergiker darauf achten, dass sie keine Stoffe enthalten, die Allergien auslösen können.

Farben und Lacke

Statt gewöhnlicher Wohnraumfarbe mit zugesetzten Chemikalien sollten für ein gesundes Wohnklima nur schadstoffarme Varianten ins Haus kommen. Besonders geeignet sind laut der Europäischen Allergiestiftung (ECARF) Naturfarben, Wachse, Öle und schadstoffarme Anstriche. Auch Silikat- und Kalkfarben sind eine Option. Diese sind zwar weniger wischfest und deckend als herkömmliche Wandfarbe, gelten jedoch als gesundheitsschonender.

Allerdings können selbst schadstoffarme Dispersion-Wandfarben, die mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" als emissionsarm ausgezeichnet sind, Konservierungsmittel enthalten, die bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen hervorrufen können. Daher empfehlen Experten Allergikern, Produkte zu wählen, die den Aufdruck "Frei von Konservierungsmitteln" tragen.

Bodenbeläge

Bei Bodenbelägen sollten Allergiker auf Produkte ohne Biozide und Weichmacher achten. Teppiche können besonders problematisch sein, da sie Staub und Allergene binden. Bei einer Hausstaubmilbenallergie kann es notwendig sein, Teppiche durch glatte Böden zu ersetzen. Kinderzimmer sollten besonders sorgfältig ausgewählt werden, da Kinder häufig auf dem Boden spielen und länger mit potenziellen Allergieauslösern in Kontakt kommen.

Weitere Materialien

Bei allen Renovierungsmaterialien sollten Allergiker darauf achten, dass sie keine Biozide, Kolophonium, Phenolformaldehydharze oder Acrylate enthalten. Produkte, die durch Gefahrenhinweise wie "reizend" oder "gesundheitsschädlich" gekennzeichnet sind, sollten vermieden werden. Stattdessen sollten bevorzugt Produkte verwendet werden, die das Umweltzeichen "Blauer Engel" oder das Europäische Umweltzeichen (EU-Ecolabel) tragen.

Beim Kauf von Bodenbelägen oder Möbeln sollten Allergiker zudem ihre eigene Nase zurate ziehen: Dünsten Teppiche, PVC oder die ins Auge gefasste Polstergarnitur einen stechenden oder anderweitig unangenehmen Geruch aus, sollte auf den Kauf verzichtet werden.

Schutzmaßnahmen während der Renovierung

Beim Renovieren selbst müssen Menschen mit Allergien besonders umsichtig vorgehen, um eine Exposition gegenüber Allergenen und Schadstoffen zu minimieren.

Persönlicher Schutz

Beim Abreißen von Tapeten, beim Entfernen von Bodenbelägen, beim Zuschneiden von Laminat oder beim Schleifen sollte eine Staubmaske getragen werden, damit der dabei entstehende Staub nicht in die Atemwege gelangt. Menschen mit einer Kontaktallergie sollten zusätzlich einen Einmal-Overall – einen Schutzanzug – tragen, der verhindert, dass Staub und Chemikalien auf die Haut gelangen. Auch Arbeitshandschuhe können sinnvoll sein.

Raumabschottung und Staubkontrolle

Bei den Renovierungsarbeiten sollte man soweit wie möglich die Räume verschließen, damit der Staub und Dreck im Zimmer bleibt. Türöffnungen können mit feuchten Tüchern verhängt werden, die den Staub auffangen. Kleidung und Schuhe, die beim Renovieren getragen werden, sollten im selben Raum bleiben und gut gereinigt werden.

Es ist vorteilhaft, wenn die Arbeiten von Personen durchgeführt werden, die nicht an einer Allergie leiden, da neben Staub auch Schimmelsporen die Raumluft belasten können. Schon beim Abreiß der alten Tapeten entsteht viel Staub, wie auch beim Bohren, Schleifen etc. Vorteilhaft ist es, wenn der entstehende Staub direkt mit einem Staubsauger eingefangen wird. Viele Arbeitsgeräte haben spezielle Halterungen für Absaugschläuche oder Staubfangbeutel, die beim Kauf berücksichtigt werden sollten.

Belüftung

Während der Renovierungsarbeiten sollte häufig kurz gelüftet werden (2-3 Minuten). Der renovierte Raum und die restliche Wohnung sollten nach Abschluss der Arbeiten gut gelüftet werden. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es beim Neubau oder Renovieren fast unmöglich ist, 100 % allergenfrei zu wohnen, da fast jeder Stoff zu einer Allergie führen kann.

Spezielle Überlegungen für Kinder und Allergiker-Kinder

Kinder von Allergikern haben ein erhöhtes Risiko, selbst an einer Allergie zu erkranken. Werden sie durch Teppiche oder Farben zusätzlich sensibilisiert, steigt das Risiko noch an. Vor allem am Fußbodenbelag fürs Kinderzimmer sollten Eltern nicht sparen, da Kinder häufig auf dem Boden spielen und dabei länger mit potenziellen Allergieauslösern aus dem Belag in Kontakt kommen.

Biozide im Teppich, die vor einem Schädlingsbefall schützen sollen, sind deshalb (nicht nur) im Kinderzimmer nicht zu empfehlen. Auch wenn keine Allergie besteht, ist es empfehlenswert, im Sinne der Vorsorge zu handeln, um einer Sensibilisierung entgegenzuwirken. Dies gilt insbesondere, wenn Kinder oder Schwangere im Haushalt leben, da Kinder besonders empfindlich sind.

Heizungssystem und Raumklima

Für Hausstauballergiker ist ein auf Strahlungswärme basierendes Heizungssystem wie zum Beispiel Wand- oder Fußbodenheizungen günstig, da durch einen hohen Anteil an Strahlungswärme weniger Staub aufgewirbelt wird. Die Luftfeuchtigkeit lässt sich durch eine ausbalancierte Wärmedämmung und diffusionsoffene Wandaufbauten unter dem kritischen Wert von 70 % halten und gut regulieren, was das Wachstum von Hausstaubmilben hemmt.

Nach der Renovierung: Reinigung und Luftqualität

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten ist sorgfältige Reinigung wichtig, um alle Staubreste und möglichen Schimmelsporen aus der Wohnung zu entfernen. Dazu gehört auch das Duschen, um alle Staubreste und mögliche Schimmelsporen aus den Haaren und vom Körper zu entfernen.

Der renovierte Raum sollte in den ersten Tagen nach der Renovierung nicht sofort wieder vollständig genutzt werden, damit eventuelle Emissionen abklingen können. Die Raumluft sollte regelmäßig kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen vorliegen.

Fazit

Eine Renovierung für Allergiker erfordert sorgfältige Planung und die Auswahl geeigneter Materialien. Durch den Verzicht auf schadstoffreiche Produkte wie Farben mit Formaldehyd, Lösungsmitteln oder Bioziden sowie durch den Einsatz von natürlichen, emissionsarmen Alternativen lässt sich das Risiko allergischer Reaktionen erheblich reduzieren. Während der Arbeiten sind persönliche Schutzmaßnahmen wie Masken und Schutzkleidung sowie eine konsequente Staubkontrolle und Belüftung unerlässlich. Besonders bei Kindern sollte auf die Verwendung der unbedenklichsten Materialien geachtet werden. Auch nach der Renovierung ist eine gründliche Reinigung und ausreichende Belüftung wichtig, um eine gesunde Wohnatmosphäre zu gewährleisten. Obwohl es unmöglich ist, eine 100 % allergenfreie Umgebung zu schaffen, lassen sich durch diese Maßnahmen die Belastungen deutlich reduzieren und eine wohngesunde Umgebung schaffen.

Quellen

  1. Gesund Sanieren für Allergiker: Was müssen Allergiker beachten?
  2. Allergien beim Renovieren, worauf sollten Allergiker achten?
  3. Allergien in Innenräumen
  4. Renovieren und bauen bei Allergien
  5. Allergiker bei Renovierungsarbeiten
  6. Renovieren: Top-Tipps für Allergiker:innen
  7. Allergene in Farbe, Lack und Möbeln: Worauf Allergiker beim Renovieren achten sollten

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