Aloha Aqualand Osterode: Modernisierung nach mehrjähriger Sanierung

Einleitung

Nach über vierjähriger umfangreicher Sanierung öffnet das Aloha-Schwimmbad in Osterode am Harz am 1. März 2025 seine Türen für die Badegäste. Das mit rund 20 Millionen Euro veranschlagte Projekt hat aufgrund von unerwarteten Herausforderungen und notwendiger Abnahmen eine längere Bauzeit als geplant benötigt. Die Stadt Osterode investierte erhebliche Mittel in die Erneuerung der maroden Bausubstanz, veralteter Technik und die Erweiterung des Freizeitangebots. Dieser Artikel beleuchtet die Umsetzung des Großprojekts, die technischen Besonderheiten und die Herausforderungen bei der Sanierung des bedeutenden Badezentrums für die Region.

Historischer Hintergrund und Notwendigkeit der Sanierung

Das Aloha-Schwimmbad in Osterode hat eine lange Geschichte, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Das ursprüngliche Hallenbad wurde am 2. April 1970 eröffnet, nachdem die Bauarbeiten im Februar 1968 begonnen hatten. Die Bauzeit betrug 22 Monate, und die Kosten beliefen sich auf 2.000.000 Deutsche Mark. Das Freibad wurde bereits am 29. Mai 1971 erneuert, nach einer Bauzeit von 12 Monaten und Kosten von 400.000 Deutschen Mark.

Bereits im Jahr 2018 wurde vom Rat der Stadt Osterode der Neubau des Bades beschlossen. Die damalige Geschäftsführung hatte aufgrund schwerwiegender baulicher Mängel, Schäden an der Gebäudekonstruktion, veralteter Technik sowie rissiger Außenschwimmbecken einen dringenden Sanierungsbedarf festgestellt. Die mangelhafte Dachkonstruktion der Halle war bereits seit Mitte 2015 gesperrt, und die gesamte Gebäudekonstruktion wies erhebliche Mängel auf. Zudem war die Technik im Bad veraltet und reparaturintensiv geworden, was den wirtschaftlichen Betrieb gefährdete.

Die hohe Nichtschwimmerquote von 81% im Jahr 1962 unterstreicht die Bedeutung der Anlage für die Bevölkerung Osterodes und die umliegenden Gemeinden. Als zentrales Schwimmzentrum der Region war die Sanierung des Aloha-Bades von hoher Priorität für die Stadtentwicklung.

Baubeginn und erste Projektschritte

Der offizielle Baubeginn für die Sanierung des Aloha-Bades erfolgte im Juni 2020. Zuvor hatte der Rat der Stadt Osterode im September 2020 die umfangreichen Arbeiten mit einer Summe von rund 20 Millionen Euro beschlossen. Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Osterode GmbH (Wibo) als Projektträger standen vor einer großen Herausforderung: das marode Gebäude zu einem modernen Bad für Sport, Aktivität und Entspannung zu transformieren.

Die ersten Baumaßnahmen umfassten den Abriss des alten Hallenbades und die Vorbereitung des Baufeldes. Im Juni 2021 wurde auf der Baustelle eine Übung zur Höhenrettung mit der Bergwacht und Feuerwehr aus Clausthal-Zellerfeld durchgeführt, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Die Übungsszenarien umfassten einen Notfall in der 35 Meter hohen Kanzel und einen fiktiven Suizidversuch vom Ausleger, beide erfolgreich absolviert.

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 10. Juni 2021 mit dem ersten Spatenstich. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnten Interessierte die Fortschritte der Baumaßnahmen über eine Webcam live verfolgen. Im weiteren Verlauf des Jahres 2021 konzentrierten sich die Arbeiten auf die Erstellung der Fundamente und die Betonage der ersten Bauteile.

Fundament- und Tragwerksbau

Die Gründung des neuen Bades erforderte aufwendige Ingenieurarbeiten. In mehreren Wochen wurden 150 Bohrpfähle 12 Meter tief in die Erde gebohrt und anschließend mit Beton und Bewehrungseisen aufgefüllt. Diese Maßnahme war notwendig, um ein stabiles Fundament für das neue Schwimmbad zu schaffen, insbesondere unter Berücksichtigung der geologischen Gegebenheiten vor Ort.

Bis Ende August 2021 wurden bereits 1730 m³ Beton verarbeitet, was circa 4325 Tonnen entspricht oder 216 volle Betonmischer. Der Beton wurde von der Firma TSN-Beton aus den Mischanlagen Herzberg, Seesen und Goslar geliefert. Zur Verstärkung der Betonbauteile wurden bis zu diesem Zeitpunkt 300 Tonnen oder 12 volle LKW-Ladungen Bewehrungsstahl verbaut, die vom Goslarer Stahlhandel geliefert wurden.

Im Mai 2021 wurden die Bodenplatten des zukünftigen Mehrzweckbeckens und ein großer Teil der Umkleiden betoniert. Damit waren die Kellerräume fast fertiggestellt. Nach Abschluss der Armierung und Montage von Einbauteilen wurden im Oktober 2021 die Betonierarbeiten für die Schwimmbeckenwände und -köpfe sowie die Umfassungsschalung für den späteren Nassbereich durchgeführt.

Bau der Schwimmbecken und Technikräume

Ein zentraler Bestandteil der Sanierung war die Errichtung der verschiedenen Beckenanlagen. Das neue Aloha-Schwimmbad wird über ein 25-Meter-Schwimmerbecken mit fünf Bahnen und zwei Sprungtürmen verfügen. Ergänzt wird dies durch ein Mehrzweck-Nichtschwimmerbecken mit Massagedüsen und Liegemulden sowie ein Kleinkindbecken mit Schiffchenkanal und kleiner Rutsche.

Die Abdichtung der Becken erforderte höchste Präzision. Im Juni 2022 wurde das neue Schwimmerbecken erstmals mit Wasser befüllt, um eventuelle undichte Stellen ausfindig zu machen. Gleichzeitig dienten diese Tests auch der Überprüfung der Dichtigkeit der Beckenkonstruktion. Die Dichtigkeitstests wurden erfolgreich abgeschlossen, und die Mangelbeseitigung etwaig entstandener Risse erfolgte in den folgenden Wochen.

Parallel zu den Beckenarbeiten wurden die Technikräume des Bades erstellt. Die allgemeine Bädertechnik wurde bis Mitte 2024 fertiggestellt, einschließlich der Rohrleitungen der Badewassertechnik und einer neuen Blitzschutzanlage für das Nichtschwimmer-Außenbecken. Die Versorgung des Bades mit Gas und Wasser wurde durch den Einbau der entsprechenden Hausanschlüsse sichergestellt.

Fassade und Außenanlagen

Das äußere Erscheinungsbild des neuen Aloha-Bades wurde durch eine moderne Fassade geprägt. Die Schieferfassade wurde im Laufe des Jahres 2024 fertiggestellt, und die Grundkonstruktion der Pfostenriegelfassade für die teilweise Verglasung war ebenfalls abgeschlossen. Mit der Montage der großen Glasscheiben konnte der Neubau rechtzeitig vor dem Beginn der kalten Jahreszeit geschlossen werden.

Die Außenanlagen des Bades wurden ebenfalls umgestaltet. Während der Freibadsaison von Anfang Juni bis Ende August können die Badegäste das Nichtschwimmer-Außenbecken nutzen. Eine besondere Attraktion, die im Sommer hinzukommen wird, ist die Ninja-Fun-Anlage – ein Parcours, der an Actiontagen quer über das Schwimmerbecken verläuft und für viel Wasserspaß sorgen wird.

Innenausbau und Ausstattung

Der Innenausbau des neuen Aloha-Bades schritt parallel zu den äußeren Bauarbeiten voran. Ende 2021 waren bereits erste Räume im Erdgeschoss entstanden, darunter die Duschräume, Putzmittelräume und Familienumkleiden. Im weiteren Verlauf des Jahres 2024 konzentrierten sich die Arbeiten auf die Fliesenarbeiten im Kleinkindbereich und den Eingangsbereich, wo Fußbodenheizungen verlegt wurden. Die Malerarbeiten begannen ebenfalls in dieser Phase.

Besonderes Augenmerk wurde auf die Ausstattung der Umkleide- und Sanitärbereiche gelegt. Die Garderobenschränke für den Schwimmbadbereich wurden aufgebaut, und der zukünftige Kassentresen wurde vorbereitet. Im Bereich des Verbindungsbaus zwischen Hallenbad und Sauna liefen weiterhin Fliesen- und Malerarbeiten.

Ergänzende Module und Sonderausstattungen

Nach eingehender Prüfung der Kostenparameter und der Sicherung des Budgets für andere städtische Projekte konnte die Geschäftsführung der Wibo im September 2020 die Umsetzung zusätzlicher Module vorstellen. In der Ratssitzung am 24. September 2020 votierten die Ratsmitglieder einstimmig für die Ausführung der Großwasserrutsche und des Bistro als ergänzende Module 2 und 3.

Bereits im Mai 2019 war vom Rat der Anschluss des vorhandenen Freibad-Nichtschwimmerbeckens (Modul 1) beschlossen worden. Somit komplettieren der Anschluss des Freibad-Nichtschwimmerbeckens, die Großwasserrutsche und das Bistro den neuen Hallenbadtrakt-Anbau und runden das Bild eines neuen, modernen und attraktiven ALOHA ab.

Zurückgebaut wurde die Rutsche des ehemaligen Hallenbad-Erlebnisbereiches, die in den ersten zwei Juni-Wochen 2024 vollständig entfernt wurde.

Verbindungsbau zur Sauna und wirtschaftliche Aspekte

Durch die Fortführung der Schließung des alten ALOHA konnte der Abriss des Gebäudes vorgezogen und der Verbindungsbau zur Sauna parallel zur Errichtung der neuen Schwimmhalle fertiggestellt werden. Die ursprünglich geplante Bauausführung des Verbindungsbaus nach Fertigstellung der Schwimmhalle, die geplant war, um den Betrieb des alten ALOHA möglichst lange aufrechtzuerhalten, ist somit nicht mehr erforderlich.

Die Wirtschaftlichkeit der Wibo stand bei diesem Großprojekt stets im Fokus. Unter Berücksichtigung der auf die WIBO zukommenden Mehrkosten der Sanierung ALOHA, hat die Geschäftsführung die Projekte Hintergebäude Scheffelstraße zum Museumsdepot und Sanierung Stadthalle auf die Finanzierbarkeit und auf die zeitliche Umsetzung geprüft.

In Gesprächen mit der Stadt Osterode am Harz konnte die Fördersumme für die Sanierung des Hintergebäudes Scheffelstraße erhöht werden und somit ein großer Beitrag zur gesamten Wirtschaftlichkeit der WIBO erreicht werden. Die geplante Sanierung der Stadthalle wurde allerdings, aufgrund der finanziellen Entwicklung der Sanierung ALOHA, auf voraussichtlich 2025 verschoben werden müssen.

Kostenentwicklung und Finanzierung

Die ursprünglich beschlossenen Kosten von rund 20 Millionen Euro im September 2020 wurden im Jahr 2022 um 3,7 Millionen Euro überschritten. Diese Kostensteigerung führte zu finanziellen Herausforderungen für die Stadt Osterode und die Wibo. Trotz dieser Mehrkosten gelang es der Geschäftsführung, die Wirtschaftlichkeit der Wibo zu sichern, indem andere Projekte überprüft und Fördermittel optimiert wurden.

Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch städtische Mittel und Fördergelder. Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Osterode GmbH (Wibo) als Projektträger sorgte für die Koordination und Umsetzung des Bauvorhabens.

Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit

Das neu sanierte Schwimmbad ALOHA ist nicht vollständig barrierefrei. Konkret geht es um Türen im Umkleidebereich, die sich nur schwer öffnen lassen und die keinen elektrischen Türöffner haben. Die Stadt möchte sich dieser Problematik annehmen, teilt der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Osterode, Maik Wächter, mit. Die finanziellen Mittel für eine barrierefreie Nachrüstung müsse die Stadt erst freigeben.

Andere Hinweise zur Barrierefreiheit hat das Schwimmbad bereits umgesetzt; etwa haben Mitarbeitende Aufhänge-Haken angebracht, die gut für Rollstuhlnutzende erreichbar sind. Diese Maßnahmen verbessern die Nutzbarkeit des Bades für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, auch wenn weitere Anpassungen nötig sind.

Eröffnung und Ausblick

Die Eröffnung des neuen Aloha-Schwimmbads ist für den 1. März 2025 geplant. Ursprünglich sollte das Bad bereits im Vorjahr eröffnen, doch ausstehende Abnahmen führten zur Verschiebung ins Jahr 2025. Die Stadt Osterode bittet um Verständnis für die Verzögerungen und verspricht den Badegästen ein modernes Schwimmbad, das Sport, Aktivität und Entspannung bietet.

Die Geschäftsführung sieht trotz der Corona-Krise, trotz aller finanziellen und zeitlichen Widrigigkeiten positiv in die Zukunft. Das neue ALOHA, das neue Museum und die neu aufgestellte Bibliothek in der Schachtrupp Villa werden für die Region ein erheblicher Zugewinn für Freizeit, Kultur und Bildung sein.

Für die Zukunft plant die Stadt Osterode, weitere Attraktionen und Angebote im Aloha-Schwimmbad zu etablieren, um die Besucherzahlen zu steigern und die Anlage noch attraktiver zu machen. Die Ninja-Fun-Anlage, die in der Freibadsaison 2025 erstmals genutzt werden kann, ist hierbei ein erster Schritt in diese Richtung.

Fazit

Die Sanierung des Aloha-Schwimmbads in Osterode am Harz stellt ein bedeutendes Infrastrukturprojekt für die Region dar. Mit Investitionen von über 20 Millionen Euro wurde eine marode Anlage in ein modernes Erlebnisbad für Groß und Klein verwandelt. Die Bauzeit von über vier Jahren und die mehrfachen Verschiebungen der Eröffnung verdeutlichen die Komplexität des Projekts.

Das neue Angebot mit verschiedenen Beckenbereichen, der Großwasserrutsche und dem Bistro wird die Attraktivität des Bades deutlich steigern. Gleichzeitig zeigt das Projekt die Herausforderungen bei der Sanierung öffentlicher Badeanlagen auf, sowohl technisch als auch finanziell. Die nicht vollständig gelöste Barrierefreiheit unterstreicht den Bedarf an weitergehenden Anpassungen, um allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu ermöglichen.

Trotz aller Herausforderungen wird das neue Aloha-Schwimmbad ab März 2025 eine bedeutende Einrichtung für Freizeit und Erholung in der Region Osterode am Harz sein und zum Wohlstand der Stadt beitragen.

Quellen

  1. Goslarsche Zeitung - ALOHA-Schwimmbad Osterode: Wiedereröffnung 2025
  2. Stadtradio Göttingen - Frisch saniert, aber nicht gänzlich barrierefrei
  3. Stadt Osterode am Harz - Sanierung und Modernisierung ALOHA Aqualand

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