Einleitung
Die Alsterschwimmhalle in Hamburg, liebevoll "Schwimmoper" genannt, ist weit mehr als nur ein Schwimmbad. Sie ist ein ikonisches Beispiel der Hamburger Nachkriegsmoderne, ein Wahrzeichen der Stadt und ein technisches Meisterwerk. Die umfassende Sanierung, der Umbau und die Erweiterung des Gebäudes zwischen 2020 und 2023 stellen einen der bedeutendsten denkmalgerechten Bauvorhaben in der Hansestadt dar. Mit einem Gesamtvolumen von rund 80 Millionen Euro wurde nicht nur ein kostbares architektonisches Erbe bewahrt, sondern die Anlage auch in Einklang mit modernen Standards für Sport, Freizeit, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit gebracht. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Herausforderungen der Sanierung, die angewandten technischen Lösungen und die Ergebnisse eines Projekts, das als Vorbild für die Verbindung von Denkmalschutz und zukunftsfähiger Infrastruktur dient.
Historischer Hintergrund
Die Alsterschwimmhalle, erbaut in den späten 1960er-Jahren, ist mit ihrer markanten Gebäudeform weit über die Hansestadt hinaus bekannt. Bereits bei ihrer Eröffnung 1973 weckte das besondere rochenförmige Dach das Interesse der Bevölkerung und Gäste der Stadt. Das Gebäude, entworfen von den Architekten Horst Niessen, Rolf Störmer, Walter Neuhäusser und dem Ingenieur Jörg Schlaich, beeindruckt durch sein markantes Dach aus zwei hyperbolischen Paraboloidschalen, die von drei Stützfüßen getragen werden. Diese Konstruktion erinnerte die Hamburger damals an die Oper in Sydney – und brachte ihr den liebevollen Beinamen "Schwimmoper" ein.
Als einer der größten Schalenbauten Europas gilt die Alsterschwimmhalle als Wahrzeichen der Hamburger Nachkriegsmoderne. Das Besondere an dem Gebäude ist das außergewöhnliche Dach, an dessen Entwurf bereits vor mehr als 50 Jahren Jörg Schlaich beteiligt war. Die eindrucksvoll geschwungene Betonschale besteht aus zwei hyperbolischen Paraboloiden, die sich an ihrer Symmetrieachse anlehnen. Trotz eines Grundrisses von etwa 100 x 60 m beträgt die Dicke der Schale nur 8 Zentimeter – eine beeindruckende Ingenieursleistung, die damals wie heute für Aufsehen sorgt.
Ursprünglich war die Schwimmhalle als Wettkampfstätte errichtet worden, entwickelte sich aber über die Jahre zu einem beliebten Freizeit- und Familienbad. Selbst nach fast fünf Jahrzehnten des Betriebs zählte die Anlage 2014 immer noch 400.000 Besucher jährlich, was ihre Beliebtheit unterstreicht.
Herausforderungen der Sanierung
Die Sanierung der Alsterschwimmhalle war von Beginn an eine Gratwanderung zwischen dem Erhalt des historisch und architektonisch bedeutsamen Bestands und der Notwendigkeit, den Anforderungen eines modernen Sport- und Freizeitbetriebs gerecht zu werden. Besonders komplex gestaltete sich der Erhalt des spektakulären Daches, das lange Zeit ungewiss war, ob die beeindruckende Konstruktion erhalten werden könnte.
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Schwimmhalle war die Diskussion über ihre Zukunft nach 2014. Aus Kostengründen wurde damals eine Schließung mit Abriss und die Errichtung eines modernen Neubaus in Betracht gezogen. In Kooperation mit schlaich bergermann partner (sbp) erstellte gmp jedoch eine Machbarkeitsstudie, die zur Entscheidungsgrundlage für den Erhalt und die Sanierung wurde. Der Denkmalschutz des spektakulären Daches spielte dabei eine Schlüsselrolle, da das Gebäude als bedeutendes architektonisches und technisches Denkmal eingestuft wurde.
Die Herausforderung bestand darin, die visionäre Geste aus den 1970er-Jahren unverändert zu erhalten, während im Inneren fast alles verändert werden musste, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden. Diese Balance zwischen Bewahrung und Innovation stellte das Planungsteam vor außergewöhnliche technische und gestalterische Herausforderungen.
Der Sanierungsprozess
Der gesamte Sanierungsprozess erstreckte sich über einen Zeitraum von drei Jahren, von 2020 bis 2023. Das Projekt wurde von den verantwortlichen Büros gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg) und schlaich bergermann partner (Stuttgart) durchgeführt. Für diese Büros handelte es sich in vielerlei Hinsicht um ein Heimspiel: Nicht nur konnte das Hamburger Büro gmp damit ein Projekt in seiner Heimatstadt realisieren, sondern bestand auch ein persönlicher Bezug zum Gebäude. Der 2021 verstorbene Jörg Schlaich, Gründer von schlaich bergermann partner (sbp), hatte nämlich im Wesentlichen die Tragwerksplanung der 1973 eingeweihten Schwimmhalle damals noch als Planer bei Fritz Leonhardt und Wolfhardt Andrä verantwortet.
Der Sanierungsprozess wurde sorgfältig geplant und durchgeführt, um sowohl den vorgesehenen Kostenrahmen von rund 80 Mio. Euro als auch den Zeitrahmen von drei Jahren einzuhalten. Dirk Schumaier, Geschäftsführer von Bäderland Hamburg, betonte: "Die Sanierung der Alsterschwimmhalle war ein Modernisierungsprojekt der Superlative, vor dem wir angesichts dieser Dimensionen und der Bedeutung des Gebäudes für die Sportstadt Hamburg auch immer den nötigen Respekt hatten, von Beginn der Planungen vor zehn Jahren bis jetzt zur Fertigstellung. Genau deshalb haben Projektleiter Ingo Schütz und sein Team gemeinsam mit allen Planern und beteiligten Fachfirmen sowohl den vorgesehenen Kostenrahmen als auch den Zeitrahmen eingehalten."
Die Bauarbeiten begannen im Spätsommer 2020, und bereits während der Bauzeit zeigte das große Interesse der Öffentlichkeit an dem Projekt. Zahlreiche organisierte Führungen über die Baustelle und ein kürzlich durchgeführter Probebetrieb mit der Nachbarschaft demonstrierten die hohe Akzeptanz und Vorfreude der Hamburger Bevölkerung auf die Wiedereröffnung.
Architektonische Lösungen: Dachkonstruktion erhalten
Die spektakuläre Dachkonstruktion stellte eine der größten Herausforderungen des Sanierungsprojekts dar. Das schmetterlingsartige Dach ragt bis zu 24 Meter in die Höhe und besteht aus zwei hyperbolischen Paraboloidschalen, die nur acht Zentimeter dick sind. Ob diese beeindruckende Konstruktion erhalten bleiben könnte, war lange ungewiss. Die Erleichterung, dass gmp und schlaich bergermann partner das dünne Dach retten konnten, war vor allem der Bauherrschaft vom Bäderland Hamburg deutlich anzumerken.
Für die Sanierung wurde der komplette Bau enkernt, wobei die prägnante Schale lediglich mit Betonsanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen erhalten wurde. Die Form blieb dabei unverändert erhalten. Diese Lösung war nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch architektonisch bedeutsam, da die charakteristische Dachform das Wahrzeichen des Gebäudes darstellt und für den besonderen Charakter des Innenraums verantwortlich ist.
Die spektakuläre Dachkonstruktion der Alsterschwimmhalle wurde auch im Ingenieurbauführer Hamburg veröffentlicht, was ihre technische Bedeutung unterstreicht. Die Erhaltung dieser Dachkonstruktion ist ein Beispiel für gelungene Denkmalpflege bei technischen Bauwerken, bei der die ingenieurtechnische Meisterleistung der ursprünglichen Planer bewahrt wurde.
Innenrenovierung: Neue Becken und Anlagen
Während das Dach unverändert erhalten blieb, wurde das Innere der Schwimmhalle nahezu komplett umgestaltet, um den Anforderungen eines modernen Freizeit- und Wellnessbads gerecht zu werden. Die Sanierung war ein Modernisierungsprojekt der Superlative: 2.100 Quadratmeter Wasserfläche, gut 700 Kilometer Kabel, rund 750.000 Fliesen und ein 7.500 Tonnen schweres Dach mussten berücksichtigt werden.
Das 50-Meter-Becken, der 10-Meter-Sprungturm und der sogenannte "Fitness-Kubus" an der Ostseite der Alsterschwimmhalle blieben mit wenigen Eingriffen erhalten. Die alte, kaum noch genutzte Tribüne neben dem Becken wurde hingegen abgebrochen, um Platz für ein neues, separates Sprungbecken zu schaffen. Diese Maßnahme verbesserte nicht nur die Nutzungsmöglichkeiten, sondern ließ die zuvor teilweise verdunkelte Glasfassade noch mehr Helligkeit ins Innere bringen.
Im nördlichen Bereich der Schwimmhalle wurde der gesamte Funktionsbereich rückgebaut und durch einen ein- beziehungsweise zweigeschossigen Neubau ersetzt. Dort entstanden ein neues 25-Meter-Schwimmbecken und ein Kursbecken, ein barrierefreier Eingangsbereich sowie Umkleiden, Fitness- und Saunabereiche. Durch diese Erweiterungen wurde das Angebot für die Badegäste deutlich erweitert und die Attraktivität der Anlage gesteigert.
Die neu geschaffene fußläufige Durchwegung in Ost-West-Richtung verbindet das Wohnquartier mit der Innenstadt und ermöglicht den Besuchern einen komfortablen Zugang. Über einen kleinen Vorplatz gelangen die Besucher nun ebenerdig in die Umkleideräume und von dort aus direkt in die Halle. Außerdem kann dadurch das östlich angrenzende Wohnquartier zu einem verkehrsberuhigten Bereich ausgebildet werden.
Technische Aspekte der Sanierung
Die technische Sanierung der Alsterschwimmhalle stellte das Planungsteam vor außergewöhnliche Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Erhaltung der einzigartigen Dachkonstruktion. Die dünnen Betonschalen des Daches erforderten spezielle Sanierungsverfahren, die die Strukturintegrität gewährleisteten, ohne die architektonische Ästhetik zu beeinträchtigen.
An der Fassadenebene wurde aufgrund des Denkmalschutzes nur wenig verändert. Hier wurden lediglich die Gitterstützen ertüchtigt und die Glasscheiben ausgetauscht, um die Fassade energetisch zu optimieren. Diese Maßnahmen verbesserten nicht nur die Energieeffizienz des Gebäudes, sondern trugen auch zur Verbesserung der Lichtverhältnisse im Inneren bei.
Die technische Infrastruktur wurde vollständig erneuert, um den modernen Anforderungen an Betriebssicherheit, Energieeffizienz und Komfort gerecht zu werden. Rund 700 Kilometer Kabel wurden neu verlegt, und die gesamte Gebäudetechnik wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass die Schwimmhalle auch in Zukunft wirtschaftlich betrieben werden kann und den Besuchern ein hohes Maß an Komfort geboten wird.
Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit
Ein wichtiges Ziel der Sanierung war es, die Alsterschwimmhalle in Einklang mit modernen Standards für Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit zu bringen. Durch den Erhalt der bestehenden Bausubstanz wurde bereits eine erhebliche Menge an Ressourcen geschont, die für einen kompletten Abriss und Neubau erforderlich gewesen wären.
Die energetische Optimierung der Fassade durch den Austausch der Glasscheiben und die Ertüchtigung der Gitterstützen trägt zur Reduzierung des Energieverbrauchs bei. Die Modernisierung der Gebäudetechnik verbesserte die Energieeffizienz zusätzlich und stellt sicher, dass die Schwimmhalle den Anforderungen an nachhaltiges Bauen gerecht wird.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Barrierefreiheit gelegt. Der neu gestaltete Eingangsbereich ermöglicht den Besuchern mit Mobilitätseinschränkungen einen barrierefreien Zugang zu allen Bereichen der Schwimmhalle. Diese Maßnahme stellt sicher, dass die Alsterschwimmhalle allen Bürgern Hamburgs zugänglich ist und Teil eines barrierefreien Hamburg wird.
Die Träger des Kompetenzzentrums für ein barrierefreies Hamburg sind der Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen e.V., der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. und der Barrierefrei Leben e.V., die die Umsetzung dieser Maßnahmen unterstützten.
Wirtschaftliche Bedeutung und öffentliche Resonanz
Die Sanierung der Alsterschwimmhalle war nicht nur ein architektonisch und technisch bedeutendes Projekt, sondern hatte auch erhebliche wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Stadt Hamburg. Mit einem Investitionsvolumen von rund 80 Millionen Euro handelte es sich um eines der größten Bauprojekte in der Hansestadt in den letzten Jahren.
Die Alsterschwimmhalle war schon vor der Modernisierung das größte Schwimmbad Hamburgs. Nach der Sanierung und Modernisierung ist sie "größer und attraktiver als je zuvor", wie Hamburgs Erster Bürgermeister, Dr. Peter Tschentscher, betonte. Er fügte hinzu: "Die Alsterschwimmhalle ist mit ihrer besonderen Architektur ein markanter Punkt im Stadtbild. Sie zählt zu den bekanntesten Schwimmhallen Deutschlands. Generationen von Hamburgerinnen und Hamburgern haben hier Schwimmen gelernt."
Die öffentliche Resonanz auf die Sanierung war durchweg positiv. Schon vor der Wiedereröffnung zeigte sich das große Interesse der Bevölkerung: Das kostenfreie Anschwimmen und Saunieren am 26. November 2023, dem Vortag der eigentlichen Eröffnung, war über die sozialen Medien innerhalb von nicht einmal zwei Stunden ausgebucht.
Dr. Anna Joss, Leiterin Denkmalschutzamt Hamburg, resümierte: "Die Alsterschwimmhalle ist ein wahres Highlight technischer Baukunst, das vor allem durch die markante Dachkonstruktion zu einem Unikum für ganz Hamburg geworden ist