Einleitung
Die Sanierung von Kanal- und Leitungssystemen ist eine notwendige Maßnahme zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur und zur Vermeidung von Umweltschäden. In Germering führt der Amperverband derzeit ein umfangreiches Sanierungsprojekt durch, bei dem ein Grundwassereinfall in einen Schmutzwasserkanal behoben werden muss. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Aspekte dieses Projekts, die eingesetzten Sanierungsmethoden sowie die Auswirkungen auf die Anwohner und die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme.
Hintergrund des Sanierungsprojekts in Germering
In Germering muss eine wichtige Kanalleitung saniert werden, da Grundwasser in das Schmutzwasserkanalnetz eindringt. Laut Informationen des Amper-Verbands handelt es sich bei der betroffenen Leitung um einen Kanal mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern, der auf einer Länge von etwa 1,4 Kilometern saniert werden muss. Die Notwendigkeit dieser Sanierung ergibt sich aus mehreren technischen und wirtschaftlichen Gründen.
Das eindringende Grundwasser verursacht erhöhte Kosten in der Kläranlage, da das Abwasser nach Menge berechnet wird. Das Schmutzwasser fließt in die Kläranlage, aber auch das eingedrungene Grundwasser wird dorthin transportiert und gereinigt. Dadurch steigen die Gebühren für die Germeringer Haushalte, da die Kläranlage mit größeren Wassermengen belastet wird wird. Der Amper-Verband, vertreten durch dessen Vorsitzenden und Bürgermeister von Allings Stefan Joachimsthaler, hat daher die Entscheidung für eine Sanierung getroffen.
Die Sanierung erfolgt mit einem speziellen grabenlosen Verfahren, bei dem ein Schlauch in den vorhandenen Kanal eingezogen wird. Dieser Schlauch legt sich von innen an die Rohrwandung und härtet aus, wodurch die Rohrleitung wieder dicht wird und auch gegen von außen eindringendes Wasser gesichert ist. Diese Methode wurde gewählt, um die Eingriffe in die Oberfläche und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer zu minimieren.
Methoden der grabenlosen Kanalsanierung
Die grabenlose Kanalsanierung hat sich in den letzten Jahrzehnten als effiziente Alternative zu herkömmlichen offenen Bauweisen etabliert. Insbesondere das Synthesefaser-Schlauchlining-Verfahren, das 1971 eingeführt wurde, hat weltweit Erfolge gefeiert. Dieses Verfahren wird nicht nur für die Sanierung von Hauptkanälen eingesetzt, sondern ebenso erfolgreich bei der Sanierung von Hausanschlussleitungen, Grundleitungen und Fallrohren.
Für das in Germering eingesetzte Verfahren wird ein spezieller Schlauchliner in den bestehenden Kanal eingezogen, der sich dann an die Rohrwandung anlegt und aushärtet. Dadurch entsteht eine neue, dichte Rohrleitung im Inneren der alten Leitung. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass keine umfangreichen Erdarbeiten notwendig sind, was die Beeinträchtigungen für die Anwohner und den Verkehr reduziert.
Eine Weiterentwicklung dieser Technik stellt das LED-Lichthärteverfahren dar, das die Vorteile des Synthesefaserliners mit Warmhärtung und des Glasfaserliners mit UV-Härtung vereint. Der sogenannte F-Liner härtet mit blauem Licht und patentierten LED-Lichtquellen aus und ist speziell für den Einsatz in Freispiegel-Grundleitungen konzipiert. Diese energiesparende und umweltfreundliche Methode ist in Deutschland einzigartig.
Für die Sanierung von Leitungen im Bereich von DN 100 bis DN 200 stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Netzstruktur, die Lage und der Verlauf der Leitungen sowie die Zugänglichkeiten. Insbesondere unterhalb von Gebäuden können Einsatzgrenzen entstehen, da hier oft eine hohe Anzahl von Verzweigungen und Bogenformteilen vorhanden ist und keine geradlinigen Leitungsverläufe vorliegen.
Eine vollständige Bestandsdokumentation, die den Leitungsverlauf, vorhandene Abzweige und Netzverbindungen erfasst, ist für die Sanierung von Leitungen erforderlich. Diese Dokumentation wird im Rahmen einer vorab durchzuführenden optischen Inspektion erstellt. Für den Einsatz von Reparaturverfahren ist ein weitestgehend geradliniger Leitungsverlauf zwischen Schacht bzw. Inspektionsöffnung und Schadensstelle sowie teilweise ein Mindestdurchmesser von DN 150 erforderlich.
Technische Herausforderungen und Lösungen
Bei der Sanierung von Leitungen, insbesondere mit Linerverfahren, gibt es mehrere technische Herausforderungen zu bewältigen. Ein technologisch noch nicht ausreichend gelöstes Problemfeld stellen Leitungsverzweigungen dar. Nach dem Einbau eines Liners lassen sich Direktanschlüsse an Leitungen zwar wieder öffnen (Fräsgeräte), aber nicht in jedem Fall wasserdicht an einen Schlauch- oder Rohrliner anbinden. Dies kann derzeit oft nur in offener Bauweise sichergestellt werden.
Für die Sanierung von Anschluss- und Grundleitungen hat sich das Verfahren der Ferngesteuerten Anschlusssanierung bewährt. Diese Methode ermöglicht die Renovierung von Anschlusskanälen und Grundleitungen im Bereich DN 100 - DN 150 aus dem nicht begehbaren Hauptkanal heraus. Dabei werden vom Schlauchliner überfahrene Abzweige mit einem ferngesteuerten Fräsroboter geöffnet.
Die LED-FAS (Faserarmierung) verwendet den PAAF-Liner, der mit offenem Ende eingebaut wird. Die gute Bogengängigkeit dieser Technik ermöglicht die Sanierung auch mit Bögen in der Leitung. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da viele Leitungsverläufe in der Praxis keine geraden Strecken aufweisen.
Ein weiteres technisches Problem stellt die Sanierung unterhalb von Gebäuden dar. Hier sind oft keine ausreichend großen Schächte vorhanden oder sie nur einseitig zugänglich. In solchen Fällen können Inspektionsöffnungen innerhalb der Gebäude zum Einsetzen der Technik verwendet werden, was jedoch eine sorgfältige Planung erfordert.
Auswirkungen auf die Anwohner
Die Sanierungsmaßnahmen in Germering bringen einige Beeinträchtigungen für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer mit sich. Insbesondere Fahrradfahrer sind betroffen, da deren Fahrstreifen über die B-2-Brücke (Verlängerung der Augsburger Straße) in Richtung Puchheim-Ort für die Dauer der Bauarbeiten gesperrt wird. Auf dieser Strecke verläuft die Ersatzleitung, die während der Sanierung den Transport des Schmutzwassers übernimmt.
Während der Sanierung muss das Schmutzwasser durch eine andere Leitung transportiert werden. Diese Leitung wird über die B-2-Brücke in Richtung Puchheim-Ort geführt, bevor sie kurz vor Puchheim-Ort wieder in das unterirdische Kanalnetz einmündet und Richtung Geiselbullach weiterläuft. Für Radfahrer wurde daher eine Umleitung eingerichtet, die jedoch zu Umwegen und längeren Fahrzeiten führt.
Die grabenlose Sanierungsmethode wurde bewusst gewählt, um die Eingriffe in die Infrastruktur und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Im Vergleich zu herkömmlichen offenen Bauweisen entfallen extensive Erdarbeiten, die zu langen Sperrzeiten und größeren Störungen im Straßenverkehr führen würden.
Wirtschaftliche Aspekte der Sanierung
Die Sanierungsmaßnahmen in Germering verursachen erhebliche Kosten, die vom Amper-Verband getragen werden. Laut Pressemeldung des Verbands werden 1,4 Millionen Euro für die Sanierung des 1,4 Kilometer langen Kanalabschnitts aufgewendet. Diese Summe spiegelt die Kosten für das grabenlose Sanierungsverfahren, die Planungsleistungen und die temporäre Umleitung des Schmutzwassers wider.
Die wirtschaftliche Notwendigkeit der Sanierung ergibt sich aus den langfristigen Einsparungen bei den Betriebskosten der Kläranlage. Durch die Beseitigung des Grundwassereinfalls wird die Menge des Abwassers reduziert, das in die Kläranlage transportiert und gereinigt werden muss. Dies führt zu niedrigeren Betriebskosten in der Kläranlage, die sich langfristig in den Abwassergebühren für die Haushalte niederschlagen sollten.
Darüber hinaus trägt eine fachgerecht durchgeführte Sanierung zur Erhaltung des Wertes der Immobilien bei. Ein intaktes Kanalnetz ist eine wichtige Infrastruktur für die Gemeinden und sichert die Funktionsfähigkeit des Siedlungsgebiets. Schäden an Kanälen können zu schwerwiegenden Umweltschäden führen, wenn Abwasser in den Boden oder ins Grundwasser gelangt.
Die Wirtschaftlichkeit grabenloser Sanierungsverfahren im Vergleich zu herkömmlichen offenen Bauweisen hat sich in den letzten Jahrzehnten verbessert. Zwar sind die Materialkosten für die Verrohrung von innen oft höher als die Kosten für eine neue Rohrleitung in offener Bauweise, aber die eingesparten Kosten für die Erdarbeiten, die Wiederherstellung der Oberfläche und die Reduzierung der Beeinträchtigungen für die Anwohner und den Verkehr führen oft zu einem wirtschaftlich günstigeren Gesamtergebnis.
Fazit
Die Sanierung der Kanalleitung in Germering durch den Amper-Verband ist ein notwendiges Projekt, um den Eintritt von Grundwasser in das Schmutzwasserkanalnetz zu verhindern. Mit einem Investitionsvolumen von 1,4 Millionen Euro wird eine grabenlose Sanierungsmethode eingesetzt, bei der ein Schlauch in den vorhandenen Kanal eingezogen und von innen an die Rohrwandung angebracht wird. Dieses Verfahren minimiert die Eingriffe in die Infrastruktur und die damit verbundenen Beeinträchtigungen für die Anwohner und Verkehrsteilnehmer.
Die technische Umsetzung der Sanierung stößt jedoch auf einige Herausforderungen, insbesondere bei der Behandlung von Leitungsverzweigungen und bei der Sanierung unterhalb von Gebäuden. Moderne Verfahren wie die Ferngesteuerte Anschlusssanierung und das LED-Lichthärteverfahren bieten hierfür innovative Lösungen.
Die Bauarbeiten bringen Beeinträchtigungen für Radfahrer mit sich, da die B-2-Brücke für die Dauer der Sanierung gesperrt werden muss. Die Umleitung des Schmutzwassers über eine provisorische Leitung erfordert eine sorgfältige Planung, um die Funktionsfähigkeit des Abwassersystems während der Bauzeit sicherzustellen.
Langfristig wird die Sanierung zu Einsparungen bei den Betriebskosten der Kläranlage führen, da die Menge des zu reinigenden Abwassers reduziert wird. Dies wird sich positiv auf die Abwassergebühren für die Germeringer Haushalte auswirken und gleichzeitig den Wert der Immobilien durch die Sicherstellung einer intakten Infrastruktur erhalten.