Moderne Sanierungstechniken im Fokus: Der Amperverband und seine innovativen Methoden für Wasser- und Gasleitungen

Einleitung

Die Sanierung von Wasser- und Gasleitungen stellt eine der zentralen Herausforderungen im modernen Infrastrukturbau dar. Mit dem Alterungsbestand vieler Leitungsnetze und dem zunehmenden Fokus auf Ressourceneffizienz gewinnen innovative, umweltfreundliche und kosteneffiziente Verfahren immer mehr an Bedeutung. Der Amperverband als Träger der öffentlichen Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung im Landkreis Fürstenfeldbruck setzt bei seinen Projekten auf moderne Technologien, die sowohl technisch überzeugen als auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Projekte des Verbands, die eingesetzten Verfahren und die zugrundeliegenden technischen Standards.

Das Sanierungsprojekt in Germering: Grundwassereinbruch in Schmutzwasserkanal

Ein zentrales Sanierungsprojekt des Amperverbands befindet sich derzeit in Germering, wo es aufgrund von Grundwassereinbruch in den Schmutzwasserkanal zu einer dringenden Sanierungsbedürftigkeit gekommen ist. Das eindringende Grundwasser führt zu einer signifikanten Erhöhung der Abwassermenge, die in die Kläranlage geleitet wird. Da die Abwassergebühren nach dem Volumen berechnet werden, führt dies direkt zu höheren Kosten für die Haushalte in Germering.

Projektumfang und Methodik

Für die Sanierung des etwa 1,4 Kilometer langen Kanals mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern kommt ein sogenanntes "grabenloses" Verfahren zum Einsatz. Bei diesem Verfahren wird ein spezieller, mit Kunstharz getränkter Schlauch in den bestehenden Kanal eingezogen, der sich von innen an die Rohrwandung anlegt und nach dem Aushärten eine dichte, wasserdichte Schicht bildet. Diese Sanierungsmethode stellt sicher, dass die Rohrleitung nach Abschluss der Arbeiten wieder dicht ist und auch von außen eindringendes Wasser effektiv zurückgehalten wird.

Die Kosten für dieses Projekt belaufen sich auf 1,4 Millionen Euro, eine Investition, die sich langfristig durch die Reduzierung der Grundwassereinträge und damit der Betriebskosten der Kläranlage amortisieren wird.

Auswirkungen auf die Verkehrsführung

Während der Sanierungsarbeiten müssen die Radfahrer auf eine alternative Strecke ausweichen, da deren Fahrstreifen über die B-2-Brücke in Richtung Puchheim-Ort gesperrt wird. Auf dieser Strecke wird die Ersatzleitung verlegt, die kurz vor Puchheim-Ort wieder in das unterirdische Kanalnetz mündet. Um den Verkehrsumfang zu minimieren, wird das Schmutzwasser während der Sanierungsphase über eine alternative Leitung transportiert, die über die B-2-Brücke in Richtung Puchheim-Ort geführt wird.

Das Flüssigbodenverfahren: Innovation beim Pumpwerksbau

Beim Neubau des Abwasserpumpwerks an der Breslauer Straße in Germering setzt der Amperverband auf ein bislang in Bayern selten angewandtes Verfahren: das sogenannte RSS-Flüssigbodenverfahren. Diese Bauweise kommt dann zum Einsatz, wenn Baugruben in tiefere Bodenschichten reichen und der Grundwasserstand bereits in geringer Tiefe ansteigt.

Funktionsweise des Flüssigbodenverfahrens

Das Verfahren basiert auf einem cleveren Recycling des vorhandenen Bodens: Zunächst wird der Boden großflächig ausgehoben und anschließend mit speziellen Zusatzstoffen aufbereitet, sodass er wasserundurchlässig wird. In diesem Zustand ist der Boden annähernd flüssig und kann wie eine dichte Masse wieder eingebaut werden – vergleichbar mit einer Art "Bodensuppe", die nach dem Aushärten eine wasserfeste Schicht bildet.

Diese Schicht hält das Grundwasser effektiv zurück und macht die Baugrube standsicher, ohne dass zusätzliche Maßnahmen wie eine Verdichtung oder ein Verbau mit Spundwänden erforderlich sind. Erst nachdem diese wasserfeste Schicht eingebracht und ausgehärtet ist, wird die eigentliche Baugrube für das Pumpwerk und die Zulaufkanäle ausgehoben.

Vorteile des Verfahrens

Für den Amperverband stellt das Flüssigbodenverfahren eine Frage der Effizienz: "Das Verfahren ist insgesamt rund 30 Prozent günstiger als herkömmliche Methoden, weil weniger Material und Transporte erforderlich sind", erklärt der Verband. Darüber hinaus profitiert die Umwelt vom Verzicht auf Grundwasserabsenkungen, da die Ressource Wasser geschont und Absenkungen an umliegenden Gebäuden verhindert werden.

Auch die Belastungen für die Anwohner sind geringer, da keine schweren Spundwände in den Boden gerammt werden müssen. Dies führt zu deutlich weniger Lärm und Erschütterungen. Die Zahl der Lkw-Fahrten reduziert sich ebenfalls, weil der ausgehobene Boden wiederverwendet wird, anstatt entsorgt werden zu müssen.

Obwohl die Technik laut Verband bereits seit über 20 Jahren eingesetzt und in vielen Projekten deutschlandweit bewährt ist, kommt sie in Bayern bisher nur selten zum Einsatz. Das Projekt in Germering zeigt, dass innovative Bauweisen auch in der Region erfolgreich umgesetzt werden können.

Trenchlose Sanierungsverfahren: Die Zukunft der Leitungsrehabilitation

Neben den Bauprojekten setzt der Amperverband bei der Sanierung bestehender Leitungen verstärkt auf trenchlose Verfahren, die mit minimaler Oberflächenstörung auskommen. Diese Methoden gewinnen insbesondere in dicht bebauten Gebieten oder bei Verkehrswegen immer mehr an Bedeutung.

Schlauchliner-Verfahren

Ein zentrales trenchloses Verfahren ist das Schlauchliner-Verfahren, das bei der Sanierung des Germeringer Kanals eingesetzt wird. Dabei wird ein mit Kunstharz getränkter Schlauch – typischerweise aus Nadelfilz – mit Luft- oder Wasserdruck in die Leitung eingestülpt und aufgeweitet, sodass er an der Rohrwand dicht und weitestgehend faltenfrei anliegt. Anschließend härtet der Kunstharz aus, sodass eine neue, dichte Rohrleitung entsteht.

Nachteil dieses Verfahrens ist, dass überfahrene Anschlüsse nachträglich mit einem Fräsroboter wieder geöffnet werden müssen, was zusätzliche Arbeitsschritte erfordert. Dennoch bietet das Verfahren erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden, insbesondere im Hinblick auf die minimale Oberflächenstörung.

Kurzliner-Verfahren für punktuelle Reparaturen

Bei örtlich begrenzten Schäden kommt oft das Kurzliner-Verfahren zum Einsatz. Dabei wird ein mit Kunstharz getränkter kurzer Schlauch (ca. 50 cm) aus Glasfasergewebe um einen aufblasbaren Träger (Packer) gewickelt. Anschließend wird der Packer unter Kamerabeobachtung an die Schadensstelle gefahren und mit Luftdruck formschlüssig an die Rohrwand gepresst. Dort verklebt der Kurzliner mit dem Altrohr und härtet aus.

Weitere trenchlose Verfahren

Neben diesen Verfahren gibt es weitere Methoden wie das Pipe Bursting-Verfahren, bei dem das alte Rohr durch ein neues ersetzt wird, indem es von innen "geplatzt" wird. Diese Methode eignet sich besonders für die Erneuerung von Leitungen mit begrenztem Durchmesser und bietet den Vorteil, dass keine offenen Gräben erforderlich sind.

Materialien und Qualitätsstandards für die Leitungsrehabilitation

Die bei der Sanierung eingesetzten Materialien unterliegen strengen Qualitätsanforderungen, insbesondere wenn es um die Trinkwasserversorgung geht. Moderne Beschichtungswerkstoffe wie Aqua-Quick II erfüllen alle aktuellen deutschen und europäischen gesetzlichen Anforderungen:

  • Sie entsprechen der neuesten Positivliste des Umweltbundesamtes (KTW-BWGL Version vom 09.03.2021) und der EU-Trinkwasserrichtlinie (2020/2184)
  • Sie wurden nach den Prüfvorgaben des Umweltbundesamtes getestet
  • Sie erfüllen die Anforderungen des DVGW-Arbeitsblatts W 270 zur hygienischen Unbedenklichkeit
  • Sie enthalten keine per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), die nach der neuen Trinkwasserverordnung verboten sind

Besonders wichtig ist der Reinheitsgrad der Rohroberflächen vor der Beschichtung. Hier setzen spezialisierte Unternehmen auf eine Reinigung nach EN DIN ISO 12944 Teil 1 bis 9 mit einem Reinheitsgrad von mindestens SA 2,5, bei technischer Möglichkeit auch SA 3,0 (Zunder, Rost und Beschichtungen sind vollständig entfernt). Nachweislich kann dies laut Anbieter kein anderer Wettbewerber im Bereich Rohrinnensanierung sicherstellen.

Der Sanierungsprozess: Von der Planung zur Inbetriebnahme

Die Sanierung eines Trinkwassernetzes lässt sich in mehrere klar definierte Arbeitsschritte untergliedern:

  1. Demontage der Armaturen und Montage der diversen Spülanschlüsse
  2. Aufbau eines Kreislaufes (Vor- und Rücklauf) mit flexiblen Schläuchen
  3. Trocknung des Rohrleitungssystems und der Inkrustationen mit Heißluft
  4. Mechanische Reinigung der Rohre
  5. Reinigung mit speziell entwickelten Reinigungsmitteln (falls technisch erforderlich)
  6. Neutralisierung und Untergrundvorbehandlung für die Beschichtung
  7. Trocknung und Aufrauen der Rohrleitung
  8. Normgerechte Beschichtung der Rohrleitung mit dem mineralischen Beschichtungswerkstoff
  9. Demontage der Spülanschlüsse und Montage der Armaturen
  10. Abnahme und Inbetriebnahme des Leitungssystems

Dieser Prozess stellt sicher, dass die sanierten Leitungen nicht nur dicht sind, sondern auch den hohen hygienischen Anforderungen an Trinkwassersysteme genügen.

Abgrenzung von Reparatur, Renovierung und Erneuerung

Im Bereich der Sanierung von Wasser- und Abwasserleitungen werden grundsätzlich drei Ansätze unterschieden:

  • Reparatur: Behebung von örtlich begrenzten Schäden
  • Renovierung: Verbesserung der Funktionsfähigkeit von Abwasserleitungen unter Einbeziehung des Altrohres
  • Erneuerung: Herstellung neuer Abwasserleitungen in der gleichen oder einer neuen Linienführung

Diese Unterscheidung ist nicht nur technisch relevant, sondern hat auch erhebliche finanzielle Implikationen. Im technischen Regelwerk DVGW W 400-3 werden die Verfahren der planbaren Reparatur, der Sanierung und der Erneuerung klar abgegrenzt.

Finanzielle Abgrenzung: Investition oder Aufwand?

Für die Wasserversorgung ist die Unterscheidung zwischen Sanierung und Erneuerung nicht nur technisch, sondern auch buchhalterisch relevant. Investitionen werden als Ausgaben für die Veränderung des Anlagevermögens definiert und über den Vermögenshaushalt abgewickelt. Sanierungen können je nach Umfang und Dauerhaftigkeit entweder als Investition oder als Aufwand (laufende Unterhaltung) verbucht werden.

In der Praxis wurde diese Unterscheidung in der Vergangenheit oft missachtet. Mit der fortschreitenden Umstellung auf die Doppik (Doppelte kaufmännische Buchführung) bleibt die Abgrenzungsfrage jedoch bestehen und beeinflusst die Wasser- und Abwasserentgelte.

Fazit

Der Amperverband zeigt mit seinen Projekten in Germering, dass moderne Sanierungstechniken nicht nur technisch überzeugen, sondern auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein können. Das trenchlose Sanierungsverfahren für den Kanal und das innovative Flüssigbodenverfahren für den Pumpwerksbau beweisen, dass es möglich ist, Infrastrukturprojekte mit minimaler Belastung für Anwohner und Umwelt durchzuführen.

Die klare Abgrenzung zwischen Reparatur, Renovierung und Erneuerung sowie die Einhaltung strenger Qualitätsstandards für eingesetzte Materialien stellen sicher, dass die Sanierungsmaßnahmen langfristig erfolgreich sind und den Anforderungen an eine moderne Infrastruktur gerecht werden.

Die Projekte des Amperverbands demonstrieren, dass Innovation im Bauwesen nicht nur theoretisch möglich ist, sondern bereits erfolgreich in der Praxis umgesetzt wird. Durch den Einsatz moderner Verfahren können Kosten gesenkt, Ressourcen geschont und gleichzeitig die Lebensqualität für die Anwohner erhalten werden – ein Ansatz, der Vorbildcharakter für andere Träger öffentlicher Infrastruktur haben kann.

Quellen

  1. Süddeutsche Zeitung
  2. Merkur
  3. Springer Link
  4. Kanalservice Magazin
  5. Aqua-Protect
  6. Rödl & Partner
  7. GEA Netz

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