Einleitung
Die Anatomische Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München stellt ein architektonisches und historisch bedeutsames Bauwerk dar. Errichtet zwischen 1905 und 1907 vom Architekten Max Littmann, gehört das Gebäude zu den ersten großen Stahlbetonkonstruktionen Deutschlands und wird heute als Hauptwerk der beginnenden Moderne geführt. Die umfassende Generalsanierung dieses denkmalgeschützten Baus stellte eine besondere Herausforderung dar, da sie die Balance zwischen modernen Anforderungen an Sicherheit, Funktionalität und energetischer Effizienz sowie dem Erhalt der historischen Bausubstanz herstellen musste. Dieser Artikel beleuchtet die detaillierten Aspekte der Sanierungsmaßnahmen, die beteiligten Akteure, die technischen Herausforderungen und das Endergebnis dieser herausragenden denkmalpflegerischen Leistung.
Historische Bedeutung und Baubeschreibung
Die Anatomische Anstalt in der Pettenkoferstraße 11 im Zentrum von München wurde in den Jahren 1905 bis 1907 errichtet und galt seinerzeit in Deutschland als einzigartig. Diese Einzigartigkeit manifestierte sich in drei wesentlichen Aspekten: der funktionellen Konzeption, der technischen Ausstattung und der innovativen Anwendung des sogenannten Eisenbetons. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird in der Denkmalliste als Hauptwerk der beginnenden Moderne geführt.
Die Konstruktion des Gebäudes revolutionierte den Bauwesen seiner Zeit durch die frühzeitige Anwendung von Stahlbeton, einem Material, das sowohl die Errichtung großer Spannweiten ermöglichte als auch eine neue architektonische Ästhetik prägte. Die Bruttogrundfläche des Bauwerks beträgt 12.125 m², während die Nutzfläche etwa 6.690 m² umfasst. Die Anatomische Anstalt dient der Ausbildung von Medizinstudierenden – pro Jahr werden rund 900 bis 1.000 Studierende in den Bereichen Makroskopie, Mikroskopie und Neuroanatomie unterrichtet.
Sanierungsbedarf und Projektplanung
Bereits vor Beginn der Sanierungsarbeiten war das Gebäude der intensiven Nutzung durch den Lehrbetrieb ausgesetzt, was die Bausubstanz stark beanspruchte. Die Planung für die umfassende Sanierung begann im Jahr 2009, als das Staatliche Bauamt München 2 mit der Projektleitung beauftragt wurde. Das Projekt wurde in vier Bauabschnitte unterteilt und stand unter der Ägide des Staatlichen Bauamts München II sowie der Referate Planung, Bau, Bewirtschaftung und Hausverwaltung und Betriebstechnik Areal Sendlinger Tor der LMU.
Die Sanierungsarbeiten sollten die Balance zwischen monumentaler Erhaltung und notwendiger Modernisierung herstellen. Dies erforderte eine enge Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege, um die denkmalrechtlichen Anforderungen zu erfüllen. Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Erhalt und der Wiederherstellung der historischen Bausubstanz und Fassade, den Rückbauten von nach 1945 erfolgten baulichen Veränderungen und Einbauten sowie bei der Restaurierung des historischen Mobiliars.
Durchgeführte Sanierungsmaßnahmen
Statische Ertüchtigung und Brandschutztechnische Maßnahmen
Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die statische Ertüchtigung der Bestandsdecken. Da das Gebäude eines der ersten Stahlbetonbauwerke Deutschlands war, mussten statische Analysen durchgeführt werden, um die Tragfähigkeit für moderne Nutzungsanforderungen sicherzustellen. Parallel dazu erfolgte eine umfassende brandschutztechnische Ertüchtigung des gesamten Gebäudes, um den aktuellen Sicherheitsstandards zu entsprechen.
Die Arbeiten umfassten: - Schadstoffsanierung - Abbrucharbeiten - Erdarbeiten - Beton- und Stahlbetonarbeiten - Spritzbetonarbeiten - Mauerwerksarbeiten - Stahlbauarbeiten - Putzarbeiten - Dämm- und Abdichtungsarbeiten - Betoninstandsetzung - Spezialtiefbauarbeiten
Modernisierung der technischen Anlagen
Neben den statischen und brandschutztechnischen Maßnahmen wurden auch die technischen Anlagen des Gebäudes modernisiert. Besonders hervorzuheben ist die komplette Erneuerung der Belüftungsanlage, die für die speziellen Anforderungen der anatomischen Präparation und Konservierung notwendig war. Der Eingangsbereich, der Präpariersaal, die Hörsäle sowie die anatomische Schausammlung wurden ebenfalls umfassend saniert und modernisiert.
Äußere Gestaltung und Außenanlagen
Die Außenfassade des denkmalgeschützten Gebäudes wurde behutsam erneuert, wobei besonderer Wert auf den Erhalt der historischen Gestaltung und Materialität gelegt wurde. Gleichzeitig wurde die Außenanlage neu gestaltet und mit Bänken ausgestattet, die zum Verweilen und Kommunizieren einladen. Auch die Fahrradstellplätze wurden erweitert, um den modernen Mobilitätsbedürfnissen Rechnung zu tragen.
Herausforderungen bei der Sanierung
Die Sanierung der Anatomischen Anstalt stellte die Beteiligten vor besondere Herausforderungen, die sich aus der Kombination von Denkmalschutzanforderungen und technischen Notwendigkeiten ergaben. Die beteiligten Architekten und Ingenieure mussten den Spagat schaffen, auf der einen Seite moderne Sicherheitsanforderungen hinsichtlich Brand- und Arbeitsschutz sowie Barrierefreiheit zu erfüllen, während auf der anderen Seite die sehr anspruchsvollen Denkmalschutzvorgaben berücksichtigt werden mussten.
Ein weiteres Problem war die Durchführung der Arbeiten bei laufendem Betrieb. Da das Institut während der gesamten Sanierungszeit weiterbetrieben werden musste, mussten spezielle organisatorische Maßnahmen getroffen werden, um den Lehrbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Dies erforderte eine präzise Planung der Bauabläufe und eine enge Abstimmung zwischen allen am Projekt beteiligten Parteien.
Beteiligte Akteure und Unternehmen
Das Sanierungsprojekt wurde von zahlreichen Fachplanern und Unternehmen aus verschiedenen Bereichen des Bauwesens realisiert. Die Projektleitung lag beim Staatlichen Bauamt München 2, vertreten durch Franz Hacker (Leistungsphasen 1-5) und Markus Andris (Abteilungsleitung). Für die Laborplanung und Baudurchführung war das Architekturbüro Schmidt-Schicketanz und Partner GmbH verantwortlich.
Weitere beteiligte Fachplaner und Unternehmen waren: - Müller-BBM GmbH (Projektsteuerung) - FRANK + BUMILLER + KRAFT Grundbauingenieure VBI GmbH (Bodenuntersuchung) - HSP Ingenieurgemeinschaft (Tragwerksplanung) - SMP Ingenieure im Bauwesen GmbH (Fassadensanierung) - KOSCHEINZ & PARTNER INGENIEURGES
Die Bauleitung übernahm Christian Auernheimer, während Oliver Dersch und Gebhard Weißenhorn für die Ausschreibung und Vergabe zuständig waren. Christoph Nagel-Hirschauer agierte als Projektpartner und Projektleitung, Jochen Trede war ebenfalls im Projektteam tätig.
Kosten und Finanzierung
Die Sanierungsmaßnahmen erforderten erhebliche finanzielle Mittel. Während eine Quelle von einer Auftragssumme von 5,5 Millionen Euro für die statische Ertüchtigung und brandschutztechnische Ertüchtigung spricht, gibt eine andere Quelle Gesamtkosten von etwa 37,1 Millionen Euro für die gesamte Sanierung an. Diese Unterschiede könnten darauf zurückzuführen sein, dass die erste Summe sich nur auf bestimmte Teilbereiche bezog, während die zweite Summe die Gesamtkosten der umfassenden Sanierung erfasst.
Die Finanzierung erfolgte durch den Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt München 2. Für die Durchführung der Planungs- und Bauleistungen wurden zusätzliche Stellen für die Staatlichen Bauämter im Haushalt 2023 verankert, um personell verstärkt die notwendigen Projekte umsetzen zu können.
Anerkennung und Auszeichnung
Die herausragende Qualität der Sanierungsmaßnahmen wurde bereits im Jahr 2014 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold gewürdigt. Diese Auszeichnung unterstreicht die besondere Leistung der beteiligten Architekten, Ingenieure und Handwerker, die es geschafft haben, ein historisches Baudenkmal zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen der modernen Nutzung zu erfüllen.
Die Preisverleihung würdigte insbesondere den gelungenen Kompromiss zwischen Denkmalpflege und umfassender Modernisierung. Die Jury hob hervor, dass die Sanierung es geschafft habe, die historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig hochmoderne Studien- und Arbeitsbedingungen in dem beeindruckenden historischen Gebäude zu schaffen.
Fazit
Die Sanierung der Anatomischen Anstalt der LMU München stellt ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von Denkmalschutz und Modernisierung dar. Das 1905-1907 errichtete Gebäude, eines der ersten großen Stahlbetonbauwerke Deutschlands, wurde in den Jahren 2010 bis 2015 umfassend saniert, wobei die besonderen Herausforderungen eines denkmalgeschützten Baus bei gleichzeitigem laufendem Betrieb gemeistert wurden.
Die Sanierungsmaßnahmen umfassten statische Ertüchtigungen, brandschutztechnische Maßnahmen, die Modernisierung der technischen Anlagen sowie die Restaurierung der historischen Fassade und des Mobiliars. Besonders bemerkenswert ist der gelungene Ausgleich zwischen den Anforderungen des Denkmalschutzes und den modernen Sicherheits- und Funktionsanforderungen. Die Auszeichnung mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold im Jahr 2014 bestätigt die herausragende Qualität dieser Leistung.
Die Anatomische Anstalt dient heute weiterhin der Ausbildung von etwa 900 bis 1.000 Medizinstudierenden pro Jahr und bietet dabei moderne didaktische Möglichkeiten in den Bereichen Makroskopie, Mikroskopie und Neuroanatomie. Die Sanierung hat es ermöglicht, dieses historische Gebäude für zukünftige Generationen zu erhalten und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung zu gewährleisten.
Quellen
- Anatomische Anstalt LMU München - Schmidt Schicketanz
- Anatomische Anstalt München - Innovo Bau
- Sanierung Anatomische Anstalt der LMU - BYAK
- Grünes Licht für Sanierung der Anatomie - Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
- LMU – Neubau Anatomie und Pathologie - BBI Statik
- Sanierung abgeschlossen - LMU
- Sanierung in München - Baubros
- Sanierungsdienstleistungen - München Branchenbuch