Serielle Sanierung bei der GWW: Schnell, energieeffizient und mieterfreundlich

Einleitung

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden stellt eine der größten Herausforderungen im deutschen Wohnungsbau dar. Insbesondere bei Mehrfamilienhäusern ist die Balance zwischen notwendiger Modernisierung, Belastung für die Mieter und wirtschaftlicher Machbarkeit oft schwer zu finden. Die Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW hat sich mit einem innovativen Ansatz dieser Aufgabe gestellt: der seriellen Sanierung. In einem Pilotprojekt in Wiesbaden-Biebrich wird gezeigt, wie Bestandsgebäude in Rekordzeit energieeffizient modernisiert werden können, ohne die Mieter über längere Zeit zu belasten. Dieser Artikel beleuchtet das Konzept der seriellen Sanierung, das konkrete Projekt der GWW sowie weitere Angebote des Unternehmens im Bereich des modernen und nachhaltigen Wohnens.

Die GWW: Ein starker Partner im Wohnungsbau

Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft der Stadt Wiesbaden mbH (GWW) ist der größte Wohnungsanbieter der Stadt und kann auf über 75 Jahre Erfahrung zurückblicken. Mit einem Wohnungsbestand von mehr als 13.800 Wohnungen leistet die GWW einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Wohnen in Wiesbaden für breite Bevölkerungsgruppen bezahlbar bleibt. Das Unternehmen versteht sich nicht nur als Vermieter, sondern auch als Gestalter von lebendigen Stadtquartieren.

Die Unternehmenskultur der GWW zeichnet sich durch ein starkes soziales Engagement aus. Soziales, ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement ist mit rund 200 Mitarbeitenden fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Die GWW initiiert, begleitet und fördert unterschiedliche Projekte, bei denen die Themen Integration, Partizipation und Prävention sowie die unterschiedlichen Dimensionen von Nachhaltigkeit im Fokus stehen.

Das Angebot der GWW umfasst ein breites Spektrum an qualitativ hochwertigen Wohnungen in Wiesbaden und Umgebung. Ob Single-Apartment, Familienwohnung oder Seniorenresidenz – bei der GWW finden Mieter die passende Immobilie für ihre individuellen Bedürfnisse. Die Wohnungen überzeugen nicht nur durch ihre moderne Ausstattung, sondern auch durch ihre attraktiven Lagen in verschiedenen Stadtteilen von Wiesbaden.

Neben den komfortablen Wohnräumen bietet die GWW auch eine Vielzahl an Serviceleistungen für ihre Mieter. Dazu gehören ein zuverlässiger Kundenservice, regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen sowie die Förderung eines nachbarschaftlichen Miteinanders. Die GWW engagiert sich aktiv für das Zusammenleben in der Stadtgesellschaft und den Stadtquartieren.

Serielle Sanierung: Ein innovatives Konzept für die energetische Modernisierung

Die serielle Sanierung stellt einen revolutionären Ansatz für die energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden dar. Das Berliner Bauunternehmen ecoworks, das in Deutschland Pionier in diesem Bereich ist, hat den ersten Piloten für die serielle Sanierung umgesetzt und seit 2019 kontinuierlich weiterentwickelt, professionalisiert und optimiert. ecoworks fungiert als Generalübernehmer und begleitet Wohnungsunternehmen von der Erstidee bis zur massenfähigen, seriellen Umsetzung.

Das Kernprinzip der seriellen Sanierung liegt in der Verlagerung von 80 % der Wertschöpfung von der Baustelle in die Fabrik. Durch industrielle Vorfertigung der Gebäudeelemente mit integrierter moderner Energietechnik gelingt es, die wirtschaftliche Transformation hin zur Klimaneutralität zu beschleunigen. Dabei wird auf Basis eines digitalen Zwillings des Gebäudes eine neue Gebäudehülle inklusive moderner Energietechnik industriell vorgefertigt und vor Ort in wenigen Arbeitsschritten montiert.

Für die GWW ist die serielle Sanierung ein vielversprechender Ansatz, um ihren ambitionierten Wohnungsneubauprogramm zu ergänzen und einen messbaren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH unterstützt das Vorhaben, die sie seit 2017 im Auftrag der Hessischen Landesregierung bei der Umsetzung der Energiewende und des Klimaschutzes begleitet.

Das Pilotprojekt in Wiesbaden-Biebrich: Details und Auswirkungen

Ein wegweisendes Pilotprojekt für die serielle Sanierung befindet sich derzeit in Wiesbaden-Biebrich. Die GWW modernisiert hier ein Mehrfamilienhaus aus dem Jahr 1972, das 32 Mietwohnungen mit einer Gesamtmietfläche von über 2.000 Quadratmetern umfasst. Das viergeschossige Gebäude wird mit innovativen Methoden auf einen zeitgemäßen Gebäudestandard gebracht.

Im Zuge der Sanierung wird das Gebäude energetisch modernisiert und auf erneuerbare Energien umgestellt. Das Ziel ist die Erreichung der Effizienzhaus-Stufe 55 EE, was eine deutliche Reduzierung des Energiebedarfs verspricht. Laut Thomas Keller, Geschäftsführer der GWW, kann der Energiebedarf des Hauses durch die Sanierung um drei Viertel gesenkt werden.

Zu den konkreten Maßnahmen des Projekts gehören:

  • Der Einbau von Fassadenelementen mit integrierten Fenstern und außenliegenden Rollläden
  • Austausch der Gas-Zentralheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zur effizienten Beheizung und Warmwasseraufbereitung
  • Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach
  • Kellerdeckendämmung
  • Sommerlicher Wärmeschutz für Fenster
  • Anbau von neuen, aufgeständerten Aluminium-Balkonen für verbesserten Wohnkomfort
  • Einbau eines Monitoringsystems

Die Umsetzung erfolgt durch ecoworks GmbH, das als Generalübernehmer für die serielle Sanierung verantwortlich ist. Besonders hervorzuheben ist die innovative Bauweise: Industriell vorgefertigte Teile, in die moderne Energietechnik bereits verbaut ist, werden einfach auf die alte Fassade des Hauses aufgesetzt. Diese Vorfertigungsstrategie ermöglicht eine erhebliche Beschleunigung des Bauablaufs.

Vor Beginn der eigentlichen Sanierungsarbeiten wurde im November und Dezember 2023 zunächst per Laserscan ein digitaler Zwilling des Gebäudes erstellt. Auf Basis dieser digitalen Dokumentation konnten die Gebäudeelemente im Werk präzise industriell vorgefertigt werden, was eine optimale Passgenauigkeit bei der Montage vor Ort gewährleistet.

Vorteile der seriellen Sanierung für Mieter und Vermieter

Die serielle Sanierung bietet zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen Sanierungsmethoden. Einer der entscheidendsten Vorteile ist die erhebliche Verkürzung der Bauzeit. Eine herkömmliche umfassende Sanierung eines Gebäudes dieser Größenordnung würde etwa 12 Monate dauern. Durch die serielle Sanierung verkürzt sich diese für alle Anwohner belastende Bauphase auf nur rund sechs Monate.

Thomas Keller, Geschäftsführer der GWW, betont: "Durch das serielle Sanieren verkürzen wir diese für alle Anwohner belastende Bauphase auf nur rund sechs Monate." Die Mieter profitieren so gleich dreifach: durch mehr Komfort, geringere Energiekosten und eine kurze Bauphase.

Die Staatssekretärin Ines Fröhlich, die das Projekt besuchte, lobte diese Aspekte: "Durch dieses innovative Verfahren wird die Bauzeit erheblich verkürzt, die Belastung für die Anwohner minimiert und die Baukosten können künftig gesenkt werden. Ein weiterer Vorteil liegt in der hohen Qualität der vorgefertigten Module. Schnell, energieeffizient und mieterfreundlich, genau das brauchen wir, um die Energiewende gemeinsam umzusetzen und alle mitzunehmen."

Neben der Zeitersparnis bietet die serielle Sanierung weitere Vorteile:

  1. Geringere Belastung für die Anwohner: Durch die verkürzte Bauzeit wird die Lärmbelastung und die Beeinträchtigung des Wohnalltags minimiert. Die Mieter müssen sich nur für kurze Zeit auf die Baumaßnahmen einstellen.

  2. Kosteneffizienz: Obwohl die Anfangsinvestition für die serielle Sanierung möglicherweise höher sein kann, führen die verkürzte Bauzeit und die geringeren Betriebskosten durch die hohe Energieeffizienz zu langfristigen Kostenvorteilen.

  3. Hohe Qualität: Die industrielle Fertigung gewährleistet eine gleichbleibend hohe Qualität der verbauten Elemente. Die präzise Fertigung in der Werkstatt minimiert Fehler und gewährleistet eine optimale Dichtigkeit und Wärmedämmung.

  4. Energieeinsparung: Die Sanierung auf Effizienzhaus-Stufe 55 EE führt zu einer Reduzierung des Energiebedarfs um 75 Prozent. Dies führt zu erheblichen Einsparungen bei den Energiekosten für die Mieter und trägt aktiv zum Klimaschutz bei.

  5. Fördermöglichkeiten: Die serielle Sanierung kann über verschiedene Förderprogramme finanziert werden. Die Förderung wird über die WI Bank gleichzeitig mit der KfW-Förderung beantragt und kann auch für energieeffiziente Neubauten in Anspruch genommen werden.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Pilotprojekt baut das Land Hessen die Förderung der seriellen Sanierung aus. Die Landesenergieagentur (LEA) soll Wohnungsbaugesellschaften verstärkt zu dem Thema beraten, und über die landeseigene WI-Bank können energetische Sanierungen zusätzlich finanziell gefördert werden.

Zukunftsweisende Wohnkonzepte: Barrierefreies Wohnen und Mehr-Generationen-Häuser

Neben dem Fokus auf energetische Sanierung bietet die GWW auch zukunftsweisende Wohnkonzepte für verschiedene Zielgruppen. Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen auf barrierefreies und seniorengerechtes Wohnen.

In Wernigerode bietet die GWW insgesamt über 150 kleine 1- und 2-Raum-Wohnungen mit zweckmäßiger seniorengerechter Grundrissgestaltung an. Die Objekte "Am Kastanienwäldchen 2-10" und "Am Barrenbach 6" zeichnen sich durch eine seniorengerechte Ausstattung aus. Beide Objekte bieten Senioren-Wohnqualität durch Fahrstühle, mit denen jede Wohnung ab der 2. Etage barrierefrei zu erreichen ist. Alle Wohnungen verfügen über einen schönen Balkon und eine Ausstattung, die gehobenem Standard entspricht.

Die Wohnungen sind altersgerecht konzipiert. Dazu gehören schwellenlose Türen und ebenerdige Duschbereiche, die ein selbstbestimmtes Wohnen und Leben im Alter ohne Aufgabe der Selbstständigkeit ermöglichen. Die beiden Objekte liegen direkt am Fuße des Kastanienwäldchens oder in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bürgerpark und zeichnen sich durch ein ruhiges Wohnumfeld aus. In der Nähe befinden sich Einkaufsmöglichkeiten und Arztpraxen.

Besonders hervorzuheben ist die Kooperation mit dem Diakonischen Werk "Am Barrenbach", das einen Betreuungs- und Pflege-Service anbietet. Über zehn Jahre gibt es das selbstbestimmte sogenannte "Neue Wohnen" für Senioren nun schon bei der GWW in Wernigerode – eng verbunden mit dem Wohnquartier Harzblick/Am Barrenbach 6.

Zu den Aktivitäten in den Begegnungsstätten Am Barrenbach gehören gemeinsame Veranstaltungen wie Kochen, Basteln, Sport- und Spielnachmittage, die das soziale Miteinander fördern. Beliebt bei Senioren ist auch das preisgekrönte Wellenhaus am Walther-Grosse-Ring 2-20, in dem in den Jahren 2012-2014 interessante und viele barrierearme GWW-Wohnungen entstanden sind.

Die GWW will in den nächsten Jahren noch viel mehr barrierefreie und -arme Wohnungen schaffen. Viel Zukunft sieht das Unternehmen auch im "Mehr-Generationen-Wohnen". Am Veckenstedter Way wird die GWW in den nächsten Jahren dafür gute Beispiele schaffen.

Finanzierungsmöglichkeiten für Sanierungsprojekte

Die energetische Sanierung von Wohngebäude erfordert erhebliche Investitionen. Die GWW bietet jedoch verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten an, die Modernisierungen für Wohnungsunternehmen und auch für private Eigentümer attraktiv machen.

Ein wichtiges Instrument ist die KfW-Förderung, die gemeinsam mit der landeseigenen WI Bank beantragt werden kann. Die Förderung kann nicht nur für energetische Sanierungen, sondern auch für energieeffiziente Neubauten in Anspruch genommen werden. Die LEA Hessen unterstützt Wohnungsunternehmen und Private bei der Antragstellung und berät zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten.

Die Förderprogramme richten sich an hessische Bürgerinnen und Bürger, gesellschaftliche Organisationen, Kommunen und Unternehmen und bieten finanzielle Anreize für Maßnahmen zur Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energien. Insbesondere bei der seriellen Sanierung, die als innovative Methode zur Beschleunigung der Energiewende im Gebäudebereich gilt, stehen attraktive Förderbeträge zur Verfügung.

Die Finanzierungsmöglichkeiten sind ein entscheidender Faktor für die Umsetzung von Sanierungsprojekten, da sie die Anfangsinvestition senken und die Amortisationsdauer verkürzen. Durch die Kombination von staatlichen Förderprogrammen mit den Effizienzgewinnen durch die Modernisierung werden energetische Sanierungen wirtschaftlich attraktiver.

Fazit

Die serielle Sanierung, die die GWW derzeit im Rahmen eines Pilotprojekts in Wiesbaden-Biebrich umsetzt, stellt einen innovativen und vielversprechenden Ansatz für die energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden dar. Durch die industrielle Vorfertigung der Gebäudeelemente mit integrierter moderner Energietechnik gelingt es, die Bauzeit von 12 auf etwa 6 Monate zu halbieren, was eine erhebliche Entlastung für die Mieter darstellt.

Die Reduzierung des Energiebedarfs um 75 Prozent durch die Umstellung auf erneuerbare Energien und die Erreichung der Effizienzhaus-Stufe 55 EE unterstreicht das hohe Potenzial dieser Methode für die Energiewende im Gebäudebestand. Die Vorteile der seriellen Sanierung – kurze Bauzeiten, hohe Qualität, geringere Belastung für die Anwohner und langfristige Kosteneinsparungen – machen sie zu einem attraktiven Modell für Wohnungsunternehmen und auch für private Eigentümer.

Neben dem Fokus auf energetische Sanierung bietet die GWW mit ihren barrierefreien und seniorengerechten Wohnkonzepten zukunftsweisende Lösungen für demografischen Wandel. Die Kombination aus energetischer Modernisierung und bedarfsgerechter Wohnkonzeption macht die GWW zu einem Vorreiter im nachhaltigen und sozialen Wohnungsbau.

Durch die Zusammenarbeit mit Partnern wie ecoworks GmbH, der LEA Hessen und der WI Bank schafft die GWW Synergien, die nicht nur einzelne Projekte, sondern eine breitere Transformation des Wohnungsbestands hin mehr Klimaneutralität ermöglichen. Das Pilotprojekt in Wiesbaden-Biebrich zeigt, dass serielle Sanierung ein Schlüssel zur Beschleunigung der Energiewende im Gebäudebereich sein kann – schnell, energieeffizient und mieterfreundlich.

Quellen

  1. wirtschaft.hessen.de
  2. fr.de
  3. vermieter-ratgeber.de
  4. gww-wr.de
  5. energiesprong.de
  6. nord-baden-immobilien.de

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